Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 20. Mai 2023.
„Bau no wos au“, bau noch was an, singt der der österreichische Gipsy-Jazz-Rock-Gitarrist Harri Stojka 1980 im gleichnamigen Wiener Underground-Hit, 1980 auf der Scheibe „Off the bone“ verewigt. Zeitgeistteilnehmer aus der Boomer-Kohorte wissen, was gemeint ist, denn auch der „Kitt, der unterm Tisch liegt“, ist nicht fürs Einschneiden der Fenster gedacht, sondern für den breitmachenden Konsum. Etwas Anzubauen kann in Österreich viele Bedeutungen annehmen. In landwirtschaftlichen Zusammenhängen ist klar: Angebaut wird, was angebaut werden kann, und vor allem: was angebaut werden darf. Wie die Statistik sagt: Getreide, Ölfrüchte, Eiweißpflanzen, Zuckerrüben, Erdäpfel, Grünfutter, Gemüse, Sonstiges. Der Anbau von Anbaubarem ist verboten.
Beliebt ist im Land der Dome daher auch noch ein anderes Anbauen. Das von Neuem an Altes. Ganze Kasaden von Angebautem werfen sich zu immer größere Gebäuden-Gebirgen auf. Aus Jausenstationen werden Frühstückspensionen, Wolhfühloasen, All-In-Ressorts, Hotelstädte. Anbauwucherungen können die vielhundertfache Größe der touristischen Keimzelle annehmen. Unbesuchte aus unterkapitalisierten Gegenden bauen ein Kinderzimmer an, und allenfalls eine Veranda.
In anderen Ländern endete hier die Bedeutungsbreite des Anbauens. Aber Östererreich wäre nicht Österreich, hätte es nicht noch eine weiteres Anbau-Ass im Ärmel, jenes des Verlierens. Sprechen wir doch von Verlorengegangenem als Angebautem. Angebaut auf unbekanntem Grund, in unbekannten Anbauten. In der Hoffnung, dass es dort Früchte oder Rendite abwirft.