Wir erinnern uns an die Zeit vor dieser. An die Zeit vor Corona. An ausgelassene Jahresend-Freude und realistische Neujahrs-Vorsätze. An Festeln und Feiern mit Abständen im Millimeterbereich. Wir erinnern uns an sprudelndes Reden, enthemmtes Umarmen und zielloses Herumküssen. Verboten waren nur tödliche Raketen. Und wenn jemand eine Maske trug, dann eine über den Augen. Aber jetzt ist alles anders. Zum zweiten mal anders. Und als Zusatzverschärfung: Anders anders.
Gewiß, auf den Pisten des Landes liegt einheimischer Schnee, aber das Fremdländische fehlt halt. Das Herumbretteln glücklicher Deutscher, Holländer, Skandinavier, Briten. Es fehlt ihr Singen und Jauchzen in Gondeln und Gaststätten. Nur die Tapfersten sind jetzt bei uns in Lockerungsland. Die Mehrheit kämpft fern der Enthemmungsorte mit dem, was uns noch bevorsteht. Mit Omikron. Man spricht es verharmlosend falsch aus, Omi-Kron, wie den Goldzahn der Großmutter. Aus der Klangschalen-Szene, dort wo die Globuli rieseln und die Kristalle leuchten, schwingt bei der neuen Virus-Varianten immer „Om“ mit, das Meditations-Murren der Naturkinder. Aber Omikron ist griechisch und bedeutet o-mikron, das kleine „o“. Alphabetkenner wissen, es kann am Ende noch dicker kommen, dann wenn O-mega kommt, das große „O“.
Wir wissen noch wenig, sagen die Pandemieologen, aber wenigstens das wissen wir. Typisch Wissenschaft, sagen die Schwurbler, keine Ahnung von irgendwas, aber friedlichen Verweigerern die Meinung verbieten. Was sagen die Fußballer, Experten für unsichere Ausgänge?
Hoch gewinnen wir das nicht mehr.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31. Dezember 2021.