Wie geht’s weiter?

„Wie geht’s?“ fragt die eine Österreicherin die andere (Österreicher sind immer mitgemeint). „Geht scho“ ist die österreichische Antwort, eine andere gibt es nicht. „Wie geht’s weiter?“ ist die alternative Frage, und hier beginnen schon die Zweifel. „Schau ma moi“, sagen die einen, „dann sengma scho“, die anderen. Das Unwohlsein um alles Zukünftige darf man Österreicherinnen und Österreichern nicht verübeln, lebt das Land der Berge doch vollständig im Vergangenen. Zwar werden österreichweit immer wieder Kalendereintragungen vorgenommen, Termine fixiert, bloß gelten sie wenig, kommen wir doch sicherheitshalber immer eine Viertelstunde, ein paar Monate, viele Jahre zu spät. Zukunft gibt es keine. Manche planen aus den genannten Motiven erst gar nicht, das erübrigt jede Voraussicht. In der Regel gilt nur, was schon passiert ist. Geschehendes will verhindert, das Fortschreiten der Gegenwart in die Zukunft hintangehalten werden. Erlebtes kann ins Regal des Vergessen gestellt werden. Zukünftigem wohnt Unsicherheit inne. Unsicherheit aber muß vermieden werden. Wir sind ein Sicherheitsvolk.

Österreich lebt in Vergangenheitspermanenz, sie beruhigt uns. Im Gewesenen gibt es keine Überraschungen, nichts Unvorhergesehenes, sondern im wahren Sinne des Wortes nur vorher schon Gesehenes. In Krisenzeiten aber macht uns das zu schaffen. Wenn wir planen müssen, müssen wir in die Zukunft schauen. Als Österreicher sehen wir dort: Nichts.

Unsere Entscheidungen betreffen daher ausschließlich die Vergangenheit. Dort kennen wir uns aus.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 10. April 2021.

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