Rest, Restl und Entleerung

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 34/2018 zum 22.8.2018.

Liebe Frau Andrea,
an einem verwirrendem Feiertag Vormittag bitte ich Sie um linguistische Unterstützung. Es geht um Sondermüll. Meines Erachtens um sprachlichen mindestens so sehr wie um eigentlichen. Die „NÖ Umweltverbände“ machen uns per Postwurf darauf aufmerksam, dass „restenleerte“ Farbgebinde und Spraydosen nicht zur Problemstoffsammlung gebracht werden sollen. Existiert dieses Wort sonst noch? Wäre entleert nicht ein bürgernahes Synonym zu restentleert oder wenn man schon seine bürokratische Existenz tautologisch untermauern möchte: Vollständig entleert? Oder geht es gar um bis auf Reste entleerte Gebinde?
Vielen Dank,
Georg Seifert, Eichgraben, per Email

Lieber Georg,

bei dem inkriminierten Begriff handelt es sich um Wording aus der Verpackungs- und Umweltschutzterminologie. Verpackungen und Behälter gelten dort als „restentleert“, wenn sie bis auf unvermeidbare Rückstände bestimmungsgemäß vollständig ausgeschöpft sind. Dazu müssen sie pinselrein, spachtelrein, tropffrei, rieselfrei sein. Unter Restentleerung ist jedoch keine Reinigung zu verstehen. Bei Joghurtbechern etwa heißt das, dass dieser löffelrein sein muss, um als „restentleert“ zu gelten, das Auswaschen ist nicht erforderlich. Spraydosen wiederum dürfen noch unwesentliche Mengen der Ware enthalten, um als „restentleert“ zu gelten, wenn die Dose bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht weiter entleert werden kann. Dagegen gilt der halbleere, angetrocknete Farbeimer nicht als „restentleert“. Die semantischen Implikationen bleiben dabei weitgehend unbearbeitet, wie immer wenn juristische Texte mit unserer Alltagssprache kollidieren.

In Zusammenhang mit Resten bietet das Wienerische „das Restl“ auf, den starken Mann, der nach unsicherer Etymologie von Rost, dem Stangengewirr kommen soll, mit größer Wahrscheinlichkeit aber vom Wrestler, dem Catcher oder Schauringer. Das englische Verb „to wrestle“ ist schon im Mittelalter belegt und hat sich aus altenglisch wræstlian, der Frequentativform von wræestan, wrest, soviel wie auswringen entwickelt. Das Restl ringt also ebenfalls um Restentleerung.
comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

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