Der schwarze Malkasten

Schwarz, die Farbe höchster Eleganz und tiefster Verinnerlichung hat karmatechnisch schlechte Karten. Nichts leuchtet weniger als Schwarz. Die christlich-konservativen Parteien haben sich den Farbton nicht selbst ausgesucht. Er wurde ihnen von den politischen Gegnern wegen ihrer Nähe zu klerikalen Kreisen und der dort in Konjunktur stehenden Farbtöne zugewiesen. Kirchenintern stand Schwarz für die Habitfarbe des kontemplativen Mönchsorden der Benediktiner. In weltlicher Hinsicht passte dazu die Leitfarbe des spanischen Hofzeremoniells. Das hatten die Habsburger mit der dortigen Hausordnung aus Burgund nach Spanien, und später nach Österreich gebracht. Schwarz war in der Farbsymbolik des Mittelalters Zeichen äusserster Vornehmheit und Distinktion gegenüber der schreienden Buntheit der ordinären Alltagswelt.

Leopold Figl hat dem farbtechnischen Parteidilemma schon früh Rechnung getragen, indem er eine zweite Farbe etabliert hat. Schon in seiner Bauernbundzeit hatte der Parteiheilige grüne Tinte in seine Füllfeder gezogen. Konsequenterweise signierte Figl das wichtigste Dokument in der jüngeren österreichischen Staatsgeschichte, den Staatsvertrag, nicht mit lichtechter Dokumententusche, sondern mit der salatgrünen Tinte aus seinem Privatfüller. (Die Moskauer Wächter des Originaldokuments mussten Figls längst verblasste Unterschrift schon mehrmals restauratorisch nachdunkeln.) Grün, die Nationalfarbe der Volksparteikonstituente Steiermark wurde bekanntlich von einer anderen Partei in namensgebender Absicht übernommen.

Blau sei das neue Schwarz, sagen nun die einen, falsch, neos-pink, die anderen. Die Marketingfuzzis der Volkspartei antworten mit dialektischer Farbmetaphorik. Den Versuchen, Schwarz verruchte, ja Aspekte von “geil” (© Sebastian Kurz) zu entlocken, wird mit der anderen Kaiserfarbe geantwortet. Gelb. Mit absehbaren Konsequenzen. Wird doch die Signalfarbe Gelb in der Werbung für Spielsachen und Freizeitware verwendet. Bei Produkten, die für Sicherheit und Stabilität stehen wollen, wird Gelb vermieden. Es gilt zwar als spontan aber instabil.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 5.11.2016.

Ein Gedanke zu „Der schwarze Malkasten“

  1. Schwarz adsorbiert alle Frequenzen des Lichts, es ist das Nicht-Aussenden von Licht.
    Daher wird alles, das seinen Kopf in ein schwarzes Loch steckt, von diesem verschluckt …… grün, rot, pink usw.

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