Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‚ in Falter 35/2009
Liebe Frau Andrea,
regelmässig gibt es Streit in unserer kleinen Old-School-Bobo-Wohngemeinschaft, wenn im ORF der Clip mit dem grinsenden Showheini läuft, der an der Seite von Schikabarettist Rainer Schönfelder das heilige Intro von ”Smoke on the Water” spielt. Ich behaupte, er spielt es völlig falsch, mein Freund hält dagegen.
Bitte um Erlösung,
Pamela Theuerdank, per Elektropost
Liebe Pamela,
das berühmteste Riff aller Zeiten wurde im Dezember 1971 von Ritchie Blackmore, dem Gitarristen der englischen Rockgruppe Deep Purple mit dem Rolling Stones Mobile Truck, einem fahrbaren Aufnahmestudio eingespielt – im legendären “Pavillon”, in Montreux am Schweizer Genfersee. Die Vocals und der Rest des Albums wurden in den Gängen und Treppenhäuser des leerstehenden Grand Hotel aufgenommen. Die beiden Locations dienten als Ausweichquartiere, nachdem das ursprünglich angemietete Casino während eines Zappa-Konzerts von der Leuchtpistole eines Schweizer Fans abgefackelt worden war. Der Arbeitstitel für die epochale Tonfolge war “Title nº1”, nach anderen Quellen schlicht “Drrr Drrr Drrr”. Die Inspiration dazu will Ritchie Blackmore vom Anfangsmotiv in Beethovens 5ter bekommen haben.
Eduard “Eddie” Luis, freischaffender Multiinstrumentalist und ORF-Interpret von “Smoke on the Water” in der Sendung „Die Great Hadern Show“ spielt das Riff, wie Millionen andere Möchtgern-Blackmores mit grossem Feuer, aber völlig falsch. Wie Ritchie Blackmore letztens sogar CNN-Anchorman Richard Quest offenbaren musste, besteht das Smoke-Intro nicht aus gestrummten Akkorden, sondern aus einer Folge von Quarten, die mit Daumen und Zeigefinger angerissen werden, TAB-lesenden Shreddern als 55 on AD, 33 on DG, 55 on DG und 66 on DG bekannt. Die Fachwelt ist sich nicht einig, ob der Halbton-Übergang zwischen Db5 und C5 im zweiten Takt abgestoppt oder glissandiert intoniert wird. Die Proponenten der ersten Version wurden mit dem Original-Album “Machine-Head” und dem Klang einer marshallverstärkten Gibson ES-335 sozialisiert, die der zweiten Version mit dem Purple-Live-Album “Made in Japan” und Blackmores Fender Stratocaster. Der Text des Songs bezieht sich auf den legendären Brand des Casinos am 4. Dezember 1971. Der Titel “Smoke on the Water” soll Bassist Roger Glover ein paar Tage später im Traum gekommen sein.
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