Falter 27/97, 2.7.1997
Radfahrer in Wien leben gefährlich. Entweder laufen ihnen halbblinde holländische, photographierwütige japanische und orientierungslose iberische Touristenherden vor die Vorderräder, oder Inline skatende Yuppies und zottelige Zwergdoggen an den langen Leinen gassigehender Pensionistinnen.
Auch waghalsig geöffnete Taxitüren sind nicht ohne. Nur von den Straßenbahnen auf der Lerchenfelder- und den talwärts fahrenden Bussen auf der Mariahilferstraße geht noch größere Gefahr aus: Während die Bimfahrer der Linie 46 eher lautlos, dafür aber mit Affenzahn rädern, sehen die Busdriver der Einkaufsmeile ihre Lizenz zu töten mehr im oberen Dezibelbereich und in ausgeklügelt unbrechenbarer Spurwahl.
Helmut Leherbauer ist tot. Der fanatische Verfechter des fantastischen Surrealismus trug seit seiner Pubertät Gattin Lotte Profohs auf Händen, einen nach caudal-medial gerollten Schnurrbart auf der Oberlippe, den Künstlernamen Maitre Leherb im Paß, sowie eine ausgestopfte weiße Taube auf der linken Schulter. Leherb erlag im 65ten Lebensjahr den Folgen eines Schlagsahneanfalls.
Ali Baba! Siehst Du, es geht ja wenn Du willst! So sehen kontinentale Sommer aus, o meteorologiebegabter Ali! Kasachische Hitze, die den Asphalt wie Butter zum Schmelzen bringt, Usbekische Sonne, die selbst durch dunkelste Brillengläser dringt und wolkenloser Himmel, wie er nicht einmal Moskauer Ansichtskartendesignern in dieser Sättigung gelingt. Wenn Du so weiter machst, o Ali, ist Dir der gut dotierte Job von Petrus, dem elenden Versager sicher und wir können in Verhandlungen für alle Eventualitäten der Herbstgestaltung treten. Mit Geduld und Spucke fangt ma eine Mucke, mit Punkt und Komma hingegen einen Sommer! (Lao-Tse; alte chinesische Weisheit.) Weiter so, Habibi, ma Salaam und dickes Plus, Deine Andrea Dusl!