Der ORF, die Anstalt

Ich mag die alle. Ich mag sie aufrichtig. Intelligente Menschen, gebildet, mit allen Wassern der Aufklärung gewaschen. Man kann mit Ihnen über Wong Kar Wai reden und über Stroheim, über Larry David und Karl Kraus. Und über das Eigene sowieso. Aber nur ausserhalb eines Sicherheitsabstands von sieben Kilometern vom Küniglberg entfernt.

Was ist das, das aus angenehmen künstlerisch-intellektuellen Kollaborateuren griesgrämige Volltrottel und böswillige Dilettanten macht, sobald sie den ORF-Feldherrnhügel bestiegen und es sich in ihren tiefplafonierten Büros gemütlich gemacht haben. Was ist es? Eine geheime Substanz? Ein böses Gas? Ein Fluch, der aus den Gräbern unter dem Fernsehzentrum in die Grosshirnrinde der Fernsehmacher steigt?

Ich mag sie, sie sind intelligente Zeitgenossen, ganz auf meiner Linie. Aber ich hasse ihr Programm. In aller Liebe. Es ist grottenschlecht. Dass es vorher noch übler war, gilt nicht. Das liebste am ORF sind mir die Nachrichten. Ich weiss in welchem Umfang geflunkert wird und bekomme ein detailliertes Bild darüber, was in der Anstalt als relevant gehalten wird, die Meinungszinnen der Österreicher zu besteigen. Mit Kultur hingegen hat es nur scheinbar zu tun, wenn die Darmspiegelungen der Salzburger Opernwelt übertragen werden, mit Sport nicht, was die Alpinski- und Rennfahrbanditen am Bildschirm abstellen. Dann schon lieber das, was man im Ohr Er Eff für lustig hält. Dabei kann ich wenigstens gut schlafen.

Unlängst sind drei alte Herren gestorben. Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni. Und Franz Antel, der sich die Nähe seines Abgangs zu den beiden Titanen der Inszenierung nicht anders einteilen konnte. Wie geht der ORF mit diesen cinematographischen Verlusten um? Ein Film pro Titan, neun für den Krautfleischkoch. In eigener Sache habe ich die Heimatfunk nie abschreiben müssen. Er war nämlich nie angeschrieben. Ich mag sie trotzdem. Sie tun, was sie können.

Langversion einer Antwort auf eine Frage des Standards, wie es mir filmemacherisch mit dem ORF geht.

16. August 2007 (1) Comments


Die totale Gange

Aus der Serie "Gute Texte von schlechten Dichtern".

Attn.

Geschäftsvorschlag.

Zuerst muß ich um Ihre Zuversicht in dieser verhandlung bitten. Das ist
auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und
Geheimnisvoll.

Aber ich weiss, dass eine verhandlung dieses Ausmaßes irgendeinen
Ängstlich und besorgt machen wird,aber ich versichre Ihnen, dass alles am
Ende des tages in ordnung sein wird. Wir haben uns entschieden Sie durch
eine E-mail sendung,wegen der Dringlichkeit diese verhandlung zu erreichen,
als wir davon zuverlassig von seiner schnelligkeit und vertraulichkeit
Überzeugt worden sind.

Ich möchte mich nun vorstellen. Ich bin Herr Godwin Makalele Thambo
(Rechnungprüfer bei der Standard Bank von Süd Afrika). Ich kam zu ihrem
kontakt in meiner persönlichen suche nach einer zuverlassigen und anstandige
person, um eine sehr vertrauliche verhandlung zu erledigen, die Übertragung
von einem fremden Konto das maximale zuversicht erfordert.

Der vorschlag:Ein Ausländische,verstorbener Ingenieur Jurgen Rosenthal,
ein Diamante-Handler/unternehmer mit der Republik Süd Afrika.

Er war bis seinem Tod vor drei jahren in einem Flugzeug absturz,als
unternehmer bei der Regierung tatig. Herr Rosenthal war unser kunde hier
bei der Standard Bank von Süd Afrika Johannesburg und hatte ein Konto
guthaben von US$12.5 million (Zwolf million Funfhundert Tausend
United States Dollar). welches die Bank jetzt fraglos erwartet durch
seine Verwandten das Sie sich melden, wenn Sie sich nicht melden wird
alles zu einem Afrikanischen vertrauens fond für waffen und munitions
besorgungen bei einer freiheitsbewegung hier in Africa gespendet.

Leidenschaftliche wertvolle Anstrengungen werden durch die Standard
Bank gemacht,um einen kontakt mit jemanden von der Rosenthal familie oder
Verwandten zu bekommen.Es hat aber bis jetzt keinen Erfolg gegeben.

Es ist wegen der wahrgenommen moglichkeit keinen verwandten der
Rosenthal zu finden (er hatte keine frau und kinder) dass eine Anordnung
für den fond als nicht zubehaupten deklariert werden,sollte, und dann zum
vertrauens-fond für waffen und munition bersorgung ausgeben,die dem kurs
vom krieg in Afrika gespendet wird.

Um dieser negative Entwicklung abzuwenden, haben ich und einige meiner
bewährten kollegen in der Bank beschlossen das Geld nach Ihre zustimmung
zu Überweisen und suchen jetzt Ihre Erlaubnis das Sie sich als verwandter
des verstorbenen Ing.Jurgen Rosenthal deklarieren,damit der Fond

in der höhe von USD$12.5m infolgen dessen als der Nutznießer(Verwandter
des Rosenthal)auf Ihr Bank Konto Überwiesen werden.

Alle beurkundungen und Beweist die Ihnen ermöglichen diese Fonds zu
behaupten werden wir zu Ihrer verfügung stellen,damit alles gut verläuft
und wir versicheren Ihnen ein 100% Risiko freie Verwicklung. Ihr Anteil
wäre 30% von der totalen Gange, während die restlichen 70% ist für mich
und meine kollege.

Wenn dieser vorschlag für Sie OK ist und Sie Wünschen das vertrauen
auszunutzen, das wir hoffen auf Ihnen und Ihrer Gesellschaft zu
verleihen,dann senden sie mir netterweise sofort per meine personal E-mail
Adresse, Ihre Voll Namen, Adresse, Telefonnummer, fax-nummer und Ihre
vertraulicher E-mail adresse, damit ich Ihnen die relevanten details dieser

verhandlung senden kann.

Danke in voraus.

Mit freundlichen Grüße.

Godwin Makalele Thambo.

Bitte schicken Sie Ihre Antwort auf meine Vertraulichen Email Adresse:
godwinlthambo@myway.com

24. Februar 2007 (2) Comments


Bla Bla 06

Wie stellt man Politiker-Bla-Bla dar? Wie das Wording von Parteiprogrammen? Der Medienpolemiker und Visualisierungsanalytiker Walter Rafelsberger hat ein geniale Methode entwickelt. Auf seinem Metaportal der Medienpolemik hat Rafelsberger eine Graswurzelanalyse der Wahlprogramme zur Österreichischen Nationalratswahl 2006 durchgeführt.

Die folgenden Word-Maps zeigen Analysen der Wahlprogramme der Parteien ÖVP (Christlichsoziale), SPÖ (Sozialdemokraten), Grüne, FPÖ (ehemalige Haiderpartei), BZÖ (jetzige Haiderpartei), KPÖ (Kommunisten) und Matin (Liste des EU-Parlamentariers und Bestseller-Autors Hans-Peter Martin) zur österreichischen Nationalratswahl 2006. Mit Hilfe von Raffelsbergers Rhizome Navigation wurden die Texte der einzelnen Wahlprogramme analysiert. Die Größe eines Wortes korrespondiert mit seiner Häufigkeit im Text. Die Anordnung basiert auf einer Annäherung der Stellung einzelner Worte zueinander im ursprünglichen Text.

Die Anzahl der Worte in der Grafik hat übrigens nichts mit der Länge des Textes zu tun (die Anzahl der analysierten Worte ist in Klammern hinter dem Parteinamen angegeben), sondern hängt mit der relativen Häufigkeit einzelner Worte zusammen.

ÖVP (2177):
Word-Map-OeVP.gif


SPÖ (5199):
Word-Map-SPOe.gif


Grüne (5196):
Word-Map-Gruene.gif


FPÖ (2939):
Word-Map-FPOe.gif


BZÖ (4587):
Word-Map-BZOe.gif


KPÖ (670):
Word-Map-KPOe.gif

Matin (2189) - mangels Lesbarkeit von weiss auf weiss mit schwarzem Font:
Word-Map-Matin.gif

29. September 2006 (0) Comments


Talk am Berg

Elefantenrunde.jpgIch leide am Komplettierungswahn. Und an einem Archivierzwang, der sich ausschliesslich in die Aufbewahrung von faden und fadesten Inszenierungen verbeisst. Im Rahmen dieses Krankheitsbildes habe ich mir sämtliche wahlpolitischen Diskussionen dieses Spätsommers, also all die kleinen und grossen Begegnungen von Parteiführern und Schüsselvertretungsbefugten nicht nur angesehen, sondern auch in DVD-Qualität aufgenommen.

In zehn Jahren werde ich damit einen rauschenden Retro-Abend bestreiten können. Was heisst einen. Jetzt, da auch Mirko Messner und die Hose und auch das Elefanten-Pentagon getagt haben, fällt mir ein, dass ich auf einen wichtigen Protagonisten vergessen habe. Ich habe doch glatt vergessen, den Politologen Peter Filzmaier für die Ewigkeit aufzubewahren. In meiner Erinnerung wird also Peter Filzmaier jene Verklärung erfahren, die wir (und ich im speziellen) dem Unwiederbringlichen auf den Altar legen. Schrammten doch Peter Filzmaiers Analysen am absoluten Nullpunkt der Emotion. Die Eiger Nordwand hat mehr Mienenspiel als der Politologe.

Das ist sicher ungerecht. Denn für expressives Grimassieren war doch ganz sicher Ing. Peter Westenthaler zuständig. Vom Streber-Grinsen Gusenbauers und dem Schildkrötenschnoferl von Altbundeskanzler Schüssel will ich erst gar nicht schwärmen.

Meine Prognose für den Abend des 1. Oktobers nähert sich asymptotisch der Ahnung, Österreich könnte diesmal Gusenbauer zum Bundeskanzler küren. Und dies, wie ich jetzt behaupte, alleine deswegen, weil er die Schweissdrüsen seiner Oberlippe erfolgreich diszipliniert hat. Sowas honoriert der Ösi.

Nach der "Elefantenrunde" der Parteiführer der fünf Parlamentsparteien. Für das Ösi-Blog in der ZEIT.

28. September 2006 (2) Comments


Serie gut, alles gut!

Für das Standard-Album vom 9.9.2006

Ich bin ein Fernsehkind. Es gibt keinen Augenblick meines Lebens, in dem nicht irgendwo ein Fernsehapparat vorkommt. Ein schweres Schicksal. Wenn meine Schulfreundinnen und Schulfreunde schlimm waren, wurde ihnen das Taschengeld gestrichen. Wenn ich etwas auf dem Kerbholz hatte, fasste ich Fernsehverbot aus. Weil man mit dem Verbot bekanntlicherweise den Reiz des Verbotenen erhöht, wurden aus meinen Schulfreundinnen und Schulfreunden Bankdirektorinnen, Investmentberater, Finanzdienstleister und Scheckbetrüger. Aus mir wurde eine Fernseherin. Das schwarze Kästchen ist mein Fenster in die Welt.

Meine frühesten ausserfamiliären Erlebnisse fanden stets an einem Mittwochnachmittag statt und handelten von einem gewissen “Kasperl”. Kasperl war mein Freund, er war naseweis wie ich, aber was ich nicht verstand, war, warum er sich mit der pelzigen Klette abgab. Petzi hiess der Kerl, er dichtete schlecht und war eine Rampensau. Für einen Lacher hätte er seine Grossmutter verkauft. Seinen Freund Kasperl sowieso. “Kasperl” hatte alle Ingredienzen einer guten Serie: Den wöchentlichen Termin, die schrullige Hauptperson in bedenklichen Familienverhältnissen, den billigen Plot und das kleinbürgerliche Millieu. Kasperl junkte mich an für diesen Serientypus. Aus Dornröschengeschichten in Schlössern, Vorstandsetagen und Millionärsvillen würde ich mir fürderhin nichts machen. Schlechte Karten für “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, “Reich und Schön”, “Dallas” und “Dynasty”.

Flipper.jpgDie kapute Prolo-Familie war mein Ding. Eine Serie war die meine, sobald es in ihr genetisch kriselte oder im Freundeskreis krachte. Flipper, der dauerglückliche Lagunenhund kam bei mir an, weil bei den Flipperischen zuhaus die Kacke am Dampfen war. Sandy und Bud, die beiden “Jungs” waren ständig in zu kleinen Booten auf dem bösen Meer unterwegs, Mutter gab es keine - vielleicht war “tot” aber auch nur ein Serien-Synonym für “durchgebrannt mit dem Tankwart”. Und Daddy? Daddy war ja selbst noch ein Kind. Die Lesart, dass hier eventuell ein schwuler Onkel mit zwei Boyfriends einen frühen Traum vom Leben abseits der bürgerlichen Kleinfamilie lebte, sollte mir erst später gelingen.

Lassie, wo alle brav waren, sogar der Hund stets frisch geföhnt, fiel nicht in mein Muster von der guten, weil kaputen Familie.

Jeannie, die wasserstoffblonde Irakerin zwinkerte sich augenblicklich in mein Fernsehleben und ebensoleicht gelang das Samantha, der nasewackelnde Vorstadthexe. Beide hatten mittlere Knallchargen als Männer und ein Pandemonium an Problemen mit ungläubigen Freunden, neugierigen Nachbarn und abgedrehten Familienmitgliedern aus anderen Dimensionen. Jeannie und Samantha dürften für meine Sozialisation als Künstlerin mehr gemacht haben als sämtliche Zeichenstunden.

Mister-French.jpgIn amerikanischen Serien konnte man überhaupt sehr viel lernen. Dass Türen - wie in "Lieber Onkel Bills" poshigem Upper-Eastside-Apartment - keine Schnallen brauchten, Puppen Mrs. Beasley heissen durften und Löwen - wie in "Daktari" - schielen konnten wie Fausto Radicci.

Deutschsprachige Serien hingegen waren verstaubt und belehrend. Wenn sie in Österreich gemacht wurden, zudem noch auf eine einschläfernde Art bürgerlich-folkloristisch. Das sollte mein zweiter Held nach Kasperl ändern.

"Mundl", der Elektriker aus der Hasengasse im Zehnten war ehrlich und unverblümt und mit einer Präszision aus dem wirklichen Leben geschnitten, die mich spätestens dann schaudern liess, als mein eigener Dusl-Vater die Sylvesterrakete ins Fenster vom Flickschneider gegenüber feuerte und wie bei den Sackbauerschen zur Verdunklung aufrief.

Mag sein, dass sich anders sozialisiertes Publikum in den Laffites der "Lieben Famile" wiederfand oder in Fritz Eckhardts Folie eines von Elfriede Ott umschwesterten Sacherportiers - mein Ideal einer proletarisch gebeutelten Famile verkörperten die Sackbauers mit Grandezza. An diesem Genre versuchten sich später auch "Al Bundy", "Rosanne" und die Familie von "Malcolm mittendrin". Dem vorlauten Pelzwuschel "Alf" werfe ich hingegen heute noch vor, seine Fadgas verströmende Gastfamilie nicht schon in der ersten Folge mit vergifteten Steaks um die Ecke gebracht zu haben.

Den Beweis, dass Grosstadtfamilien nicht notwendigerweise genetische Übereinstimmung brauchten, um mich aufs Sofa zu fesseln, sondern nur clevere Plots, realistische Settings und oblique Charaktere, sollten erst "Friends" und der ungeschlagene Meister des zwerchfellbeschädigenden Serienvergnügens führen: Larry David in seiner Rolle als meschuggener Fernsehserienerfinder Larry David in “Curb Your Enthusiasm”. Kaputer war gescheites Fernsehen nie.

8. September 2006 (8) Comments


Weblogs haben kurze Beine

Weblogs haben kurze Beine

Politiker entdecken die virtuellen Tagebücher als wahlkampftaugliches Kommunikationsmittel - eine Rundschau von Andrea Maria Dusl

Für ALBUM/Standard, Erschienen in der Printausgabe vom 26./27.8.2006

Was haben wir gelacht! Karl-Heinz in Windeln, Karl Heinz als pubertierender Unterstufler, mit Föhnfrisur und Gustav-Gans-Grinser. Karl-Heinz im Klettergeschirr, den Stephansturm besteigend. Karl-Heinz mit Wolfgang Schüssel, Bill Gates, Alan Greenspan und anderen Größen des internationalen Showgeschäfts. Und dann der Skandal, der uns das Lachen im Halse gefrieren ließ. Die seicht gemachte Homepage im HTL-Design soll so viel gekostet haben wie ein? Einfamilienhaus in Fürstenfeld? Düstere Wolken brachen über Schnitzellands Polit-Homepager-Szene herein. Die Koalition Politiker und Internet war nicht mehr mehrheitsfähig.

Ein Schock, von dem sich sogar der politische Gegner nicht erholte. SPÖ-Politiker machten lange Zeit weite Wege ums Internet, manche fürchten noch heute eine eigene Website wie der Teufel das Weihwasser.

Aber dann war Bundespräsidentenwahlkampf und es kam: wer, wenn nicht sie – Benito Ferrero-Waldner, wie sich Thomas Klestil selig auszudrücken pflegte. Die dauerlächelnde Außenministerin verblüffte Freund und Feind gestelzter Reden mit einem Wahlkampf-Weblog! In 101 Zungen parlant mit den Großen dieser Welt stieg Benita in die Wahlauseinandersetzung um das höchste Amt der Republik. Und schrieb jeden Tag ihre aufzehrenden Wahlkampf-Erlebnisse in ein schnittig gestaltetes Weblog. Bis zum Tag der Wahl.

Da floss der Traum von der Hofburg im Tränenbächlein Richtung Donaukanal. Und dann erfuhr das Publikum – ob durch gezielte Indiskretion oder ungezielte Selbstentblößung – dass der Weblog gar nicht von ihr war. Die Log-Einträge waren auf Band diktiert und von emsigen Mitarbeitermurmeltieren transkribiert worden. Ein Nono in der Bloggerszene! Ein Tagebuch lässt man nicht von Mitschülern schreiben.

>>> hier weiterlesen >>>

Das einzige Weblog eines österreichischen Politikers, das genreresicher auftritt und mit einer veritablen Community vernetzt ist, ist das des grünen Sicherheitssprechers. Das Archiv von Peter Pilz' Blog geht bis 2001 zurück, eine biblisch lange Zeit für ein Medium, das andere erst jetzt für die Politik entdecken. Pilz fährt einen klaren, nur mäßig verspielten Stil, schreibt seine Texte selbst und provoziert mit seinen Log-Einträgen durchwegs Leser- Kommentare im zweistelligen Bereich.

Die Pilzseite hat auch eine politische Babyklappe. In die "Pilz-Box" können Beamte, Verschwörungstheoretiker, Mistkübelausleerer und andere Geheimnisträger anonym Dokumente und Informationen über den virtuellen Tresen schieben. Weil das Pilz'sche Fotoalbum das von Web-Jausengegner Grasser um Längen schlägt, wollen wir nur gute Haare an Pilzens Seite lassen. Ein Kapfenberger in Kuba ist allemal origineller als ein Klagenfurter am Kindergeburtstag.

Schnuckeliger, verspielter und auf eine sehr technische Art girliehaft ist ein anderes grünes Weblog. Marie Ringler, Kultursprecherin der Wiener Grünen und Rathaus-Prinzessin, hat als ehemalige Geschäftsführerin der Avantgarde-Internet-Community Netbase Pionierarbeit im Vernetzen hinter sich. Dass ein Weblog im Idealfall täglich mit Content gefüttert werden muss, um regelmäßige Besucher ans Blog zu binden, weiß Marie Ringler selbstverständlich. Wenn nicht gerade Sommerpause ist.

Gut im Bloggen sind die Grünen auch als Partei. Die Mutter aller Wahlkämpfe haben sie zur Internetschlacht ausgerufen und ein iPod-farbenes Weblog online gestellt, das urbane Bürgerkinder mit grünen Inhalten umschmeichelt. Kultursprecher Wolfgang Zinggl berichtet auf 20jahre.gruene.at/blog über seine ersten Würstel im Parlament, die ehemalige Grünenchefin Madeleine Petrovic über eine Pelztierpinkelei in Heinz Fischers präsidialem Parlamentsbüro, und Bundessprecher Alexander Van der Bellen quält sich Launiges über seine, durch Hainburg ausgelöste, SPÖ-Entfremdung ab.

Die proper gemachte Seite ist grafisch und navigatorisch state of the art und doch nur eine lose Sammlung streichelweicher Episödchen aus den ersten 20 Jahren Grünenpolitik. Richtig lustig sind die Podcasts mit historischen Belangsendungen der Grünen. 41 Tage vor der Wahl scheinen noch nicht alle Geschütze in Stellung gebracht. Intensivwahlkampf im Netz sieht anders aus.

Intensivwahlkampf im Netz hat ein bürgerliches Gesicht und einen seltsamen Namen: win06blog. Seit Ende Juli postet ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka auf www.oevp.at täglich salzige Kommentare zum politischen Tagesgeschehen. Das besteht in der Wahrnehmung des ÖVP-Kriegers und seiner Ghostwriter vor allem aus den Verfehlungen sozialdemokratisch inspirierter Penthousebesitzer, den wankelmütigen Umtrieben des eigenen Koalitionspartners, den Revoltegelüsten der Grünen und der Unpackbarkeit der Strache-Partei. Dass die eigene Mannschaft, vom Jahrtausendkanzler abwärts mit Goldstaub beworfen wird, dürfte die angesprochene Klientel nicht irritieren.

Die Idee mit den Weblogs hat Lopatka offensichtlich während seiner Besuche bei den US-Republikanern aufgeschnappt. Im Mutterland des Netzes gehört das politische Bloggen zum Tagesgeschäft. Ob texanischer Redneck-Sheriff, schwarze Senatorin aus Illinois oder schwuler Bürgermeister aus Kalifornien. Ohne Weblog geht heute gar nichts. Dass Politiker für das aufwändige Posten persönlicher Befindlichkeiten durchwegs keine Zeit haben und das Eintragen von Mitarbeitern und Redenschreibern vornehmen lassen, ist ein offenes Geheimnis und Betreibern privater Blogs schon aus exegetischen Gründen klar.

Der Vorwurf, mit seinem eigenen Blog so viel zu tun zu haben wie der Singvogel mit dem Kuckucksei, beschäftigt momentan die Bloggerszene Polens.

Warschaus Bürgermeister und Polens Ex-Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz von der Partei "Recht und Gerechtigkeit" (der auch die beiden kartoffelgesichtigen Zwillingsbrüder Jaroslaw und Lech Kaczynski angehören) soll mit seinem Blog nach vier Tagen bereits 340.000 Besucher, beeindruckende 6200 Kommentare und den Platz eins aller Blogs der onet.pl-Plattform erreicht haben. Zahlen, die hier zu Lande utopisch wären.

Vor dem polnischen Blogwahnsinn verblasst auch Frankreichs prominentestes Politikweblog. Die Seite des französischen Präsidenten Jacques Chirac sieht selbst gestrickter aus, als sie wahrscheinlich ist. Nicht ohne komischen Beigeschmack die Blogroll der präsidentalen Seite: Neben politischen Habibis wie Alain Juppé empfiehlt Chirac auch die Seite? seines Ami Johnny Hallyday. Ganz dick ist die Freundschaft mit dem Rockbarden denn doch nicht, der Link führt ins Leere.

Dem Vorwurf, fremde Federn schreiben zu lassen, entkommen moderne Politiker nur mit dem neuesten Trend, dem eigenen Videopodcast. So ein Spielzeug hat sich jüngst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zugelegt.

Wie Apples kultiges Abspielgerät iPod – das Gerät, für das Videocasts produziert werden – funktioniert, scheint bei den Webbastlern der CDU niemand so recht zu wissen. Fürs Logo der Video-Schnitzel posiert Angela Merkel vor einem koalitionsfarbenem iPod: Das Gehäuse ist schwarz, das zentrale Steuerrad aber rot.

26. August 2006 (1) Comments


Dancing Stars

"They Shoot Horses, Don't They?" (Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss) hiess Sidney Pollacks Film über eine gnadenlose Wett-Tanz-Show. Dancing Stars ist das Remake - auf funny und promi. Die Küniglberg-Tanz-Schau ist Opernball mal Starmania diviert durch Völkerball und bedient die niedrigen Publikumsinstinkte all dieser Formate. Die Zuseher geniessen den Voyeurismus des Schlechte-Fetzen-Schauns und die billige Freude jede Woche ein Idol stürzen zu sehen.

Die These, wonach hier Werte eine Renaissance erfahren, teile ich. Gute Werte sind das nicht, denn die postulierte Rückkehr zu klassischen Mann-Frau-Rollenbildern hat nicht mehr als parodistische Qualität. Als Show betrachtet mangelt es Dancing Stars zumindest nicht an quotentauglichen Ingredienzien.

Fussballer in Tanzfracks und dicke Sängerinnen in Seidenfummel sind zumindest nicht unlustig. Telefonabstimmungen täuschen demokratische Zustände vor und eine fachkundige Jury bürgt für professionellen Touch. Dass das Gehopse keine Competition sondern ein grosser Schmieren-Karl ist hat bisher nur einer begriffen: Der grandiose Operettendirektor Harald Serafin.

Für die Fernsehseite des Kurier vom 7.April 2006

6. April 2006 (4) Comments


Deutschland

Das Merkel.jpg

Das Merkel.
Mundwinkel bis zum Knie.
Sieger sehen anders aus.
Seltsamerweise wie Schröder.
Was hat der alte Fuchs vor?

18. September 2005 (0) Comments


Wie ich 911 erlebte

Die Geschichte ist am 11.9.2001 passiert, vier Tage später habe ich sie aufgeschrieben. Jetzt, ein paar Tage vor dem Versuch der Bushisten, die Weltherrschaft abermals an sich zu reissen, habe ich sie im Paparazziforum (wo ich sie ursprünglich gepostet hatte) wiedergefunden. Und zufällig lief Hanibal Lecter gestern im Fernsehen. Genau wie damals, am 11. September.

Twin-Towers-Burning.jpg911 war sehr spooky für mich. Es ist Nachmitttag, ich Iiege gemütlich auf dem Bett und sehe den Film 'Hanibal'. Auf DVD. Da kann man vor und zurück, ohne die ruckelnden Effekte, die es auf VHS gibt. Ich stoppe. Die Szene zeigt, wie Hanibal Lecter die Schädelkappe des FBI-Agenten abhebt und man sein Gehirn drunter sieht.

Plötzlich läutet mein Handy. Meine Mutter ist dran und erzählt, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Auf ORF sei das als News-Ticker eingeblendet. Ich zappe auf CNN und sehe den rauchenden Nordturm. Das Loch zeichnet die Sihoutte eines Flugzeuges nach. Es sieht aus, wie ein billiger Matte-Effekt aus einem B-Movie.

Ich denke an das Empire State Building, dort ist 1942 bei Nebel ein kleiner Bomber hineingerast, der ein ähnliches, nur kleineres Loch angerichtet hat und 16 Menschen getötet hat. Ich denke an den Schrott, der zu Boden gestürzt ist und dort Menschen erschlagen hat. Ich denke an die Leute im Turm, die oberhalb der Einschlagstelle gefangen sind. Ich hoffe, sie können entkommen.

Ich rufe über Handy meinen besten Freund an, dann meine beste Freundin, dann wieder meine Mutter.
Zu diesem Zeitpunkt denkt CNN noch, ein Navigationsfehler hätte das Desaster ausgelöst.

Die zweite Maschine rast in das Gebäude. Ich bin fassungslos, weil ich denke, 'was, die haben footage vom Flugzeugeinschlag? Das ist ja irre, die filmen einfach alles.....'. Erst dann realisiere ich, dass ja ein Turm schon brennt. Es muss also eine zweite Maschine sein. Ich fasse es nicht.

Es ist so irreal, so ein Horror, dass ich komplett emotionalisiert bin. Wie können die durchsiebten Türme noch stehen?

Ich schalte irrtümlich auf den DVD-Kanal. Hanibal Lector schaut gerade in den abgesägten Kopf direkt auf das freiliegende Gehirn eines FBI-Agenten.

Ich sehe die brennenden Türme, telefoniere, sehe immer wieder die Bilder von den Einschlägen, höre, wie Menschen aus den Türmen springen, sehe Menschen, die sich in hunderten Meter Höhe an die silberfarbenen Aussenpfeiler des Turms klammern, auf Hilfe wartend. Ich denke, wo sind die Hubschrauber? Warum kommen keine Hubschrauber mit Löschwasser? Ich sehe den weissen Rauch, den der erste einstürzende Turm verursacht, fürchte um die Menschen, die da gerade sterben. Dann der zweite Turm, dessen Einsturz zu erwarten war. Ich denke an die Menschen auf der Strasse, die da unten gerade um ihr Leben laufen.

..........
Geschrieben am 15.09.2001, 11:02 für Tex Rubinowitz' und Christian Ankowitschs Höfliche Paparazzi

27. Oktober 2004 (1) Comments


Was ich lese...

Atlanten, politische
Schwarten, Blogs.
Was man heutzutage
halt so alles liest.

GERADE EBEN bin ich übersiedelt.Meine allerpersönlichsten
Wertsachen hatten in einer Bananenkiste Platz.Meine Garderobe
in fünf Baumarkt-Kartons.Meine Bibliothek füllte 57 Profi-
Container. Irgendetwas mache ich falsch. Lese ich zu viel?
Wohnen Kobolde in meinem Haushalt, die über Nacht Bücher
anschleppen und heimlich auf Halde stapeln? Bin ich über ein
Raum-Zeit-Inkontinuum mit dem Hauptlager der Frankfurter
Buchmesse verbunden? Hab’ ich sie noch alle? Dass ich zu viel
lese: Soll ich das behaupten? Fünf Stunden Lesen täglich ist
doch nicht viel. Dass ich zu viel Bücher besitze, könnte schon
eher stimmen.Aber was lese ich? Versuchen wir mal, nicht zu lügen.
Im Bad liegt, schon leicht aufgeweicht,Heinz Fischers Retrospektive
der Ära Kreisky. Ein Schaumbad mit Broda, Firnberg,
Sinowatz, das hat schon was. In meinem Schlafzimmer
liegt irgendetwas Halbsaloppes,Coffee-Table-Fähiges über die
gallorömische Geschichte Pannoniens.Was genau in meinem
halbsaloppen Pannonicum steht,weiß ich nur in homöopathischer
Dosis.Nach zwei Minuten Coffee-Table-Halten nicke ich
ein. Ich gebe aber zu, dass ich in letzter Zeit häufig von La-Tène-
zeitlichen Eisen-Kultwagen träume, von keltischen Grabhügeln
und norischen Hüten. Neben meinem Sofa – es duckt
sich unter acht Laufmeter Bücherwand wie ein Biwak unter die
Eiger-Nordwand – liegen drei glimmende Lunten Noam
Chomskys. Die werden wohl bald detonieren. Wenn ich
Chomskys überdrüssig werde, lese ich den Online-Standard.
Erst lese ich jeden, aber auch wirklich jeden Artikel dort, dann
jedes Posting dazu.Verrückt, aber wahr. Auch den Spiegel, die
New York Times und Variety lese ich im Netz. Netz. Ein blödes
Bild. Das Netz sollte eigentlich Leseteich heißen. Rundherum
begrenzt vom sumpfigen Schilf der Onlineforen. Mit einer
schnuckeligen Zone voll blühender Seerosen. In der Mitte tief,
schwarz und unheimlich.Und auf einer Luftmatratze aus Google-
Ergebnissen paddle ich durch die Seerosen.Was ich noch lese?
Atlanten,Haustürprospekte,E-Mails, Bedienungsanleitungen,
Anruflisten, Blogs, Graffiti, Speisekarten, Drehbücher,
Türschilder,Untertitel und mehrmals täglich die Uhrzeit.

.......... .......... ..........

...und was nicht.

Ich weiß gar nicht, was
ich nicht lese. Dafür
weiß ich, was ich alles
unnötig anlese.

MAL EHRLICH, wie soll ich wissen, was ich nicht lese? Müsste
ich das Nichtgelesene nicht zumindest angelesen haben, nicht
zumindest einen Zipfel seines literarischen Wesens verinnerlicht
haben, um zu wissen: Den Mist lese ich nicht weiter? Und
zählte das solcherart Angelesene nicht automatisch zum Schatz
des Gelesenen? Meinetwegen müsste die Spalte da drüben heißen:
„Absichtlich Gelesenes“. Für diese hier schlüge ich vor:
„An-, aber willentlich nicht Weitergelesenes“. Zugegeben, kein
zündender Titel. Einigen wir uns auf:„Was ich nicht weiterlese“.
Ich leide unter einer Aufmerksamkeitsstörung, zu deren
Symptomen die Unfähigkeit gehört,Romane zu lesen.Zwei Seiten,
drei,vielleicht fünf:Mehr schaffe ich nicht.Buchstaben verschwimmen
vor meinen Augen zu Brei,Bilder springen aus den
Seiten wie Popups aus dem Browser. Romane lesen ist Qual,
weil meine Fantasie dem Text Sporen gibt und mit mir durchgeht.
Ich habe nie den „Zauberberg“ gelesen, nie „Der Name der
Rose“, nie „Finnegans Wake“, nie den Kanon all dieser herrlichen
Autoren,deren Werke alle glücklich in sich spazieren tragen.
Drehbücher, Essays, Gedichte, Telefonbücher: kein Problem.
Aber Romane: njet.Meine Krankheit hat auch Gutes: Ich
spare viel Geld, weil ich nie auf Urlaub fahren muss. Denn wo
lesen wir Romane? Im Strandkorb in Ostmasuren, im Sonnendeckstuhl
auf Santorin und Kreta, auf der Swimmingpool-Liege
in Havanna.Gut auch, dass ich Harry Potter nicht einmal in
Zeiten größten literarischen Verdurstens lesen könnte.Wer sich
nach Magie sehnt, soll Aleister Crowley lesen und nicht die Geschichten
einer englischen Lehrerin.Ungelesen bleiben bei mir
auch Zeitungen. Die lese ich online. Das spart Nerven und,
wenn es mehr täten, auch Wälder. Kaffeehäuser, denen man
andichtet, sie seien traditionell Orte des Lesens, sind für Intrigen
da und nicht fürs Gratisstudium von NZZ, Süddeutscher
und FAZ. Sehr ungern lese ich Mahnschreiben und Rechnungen,
Einladungen zu kirchlichen Kulturveranstaltungen und
den Marketingzinnober, der mir die Mailbox verkleistert.
Kleingedrucktes und Amtsstübisches lese ich schon aus optischem
Unvermögen nicht.

© Andrea Maria Dusl 2004
Erschienen in Datum 5/2004

19. Oktober 2004 (0) Comments


Barolo Forever

barolo-1.jpgManchmal kommt es anders, als man hofft. Nachfolger des aschfahlen Andreas Unterberger wurde sein aufbrausender Stellvertreter Michael Fleischhacker. Das ist insoferne unerfreulich, als man sich für den Sessel des Presse-Chefredakteurs Hoffnungen auf Christian Seiler machen durfte. Der ehemalige Chefredakteur des profil hatte sich schon blendend um die Geschicke des "TagiMagi", des Magazins des schweizerischen Tages-Anzeiger, gekümmert. Auch das Chefbüro der Kulturzeitschrift du trug sein Türschild. Seit Februar verantwortet er bei der helvetischen Edelgazette Weltwoche die Bereiche Kultur und Gesellschaft. Alle diese hohen Posten konnten uns nicht von seiner Leidenschaft für das Verfassen der fadesten Kolumne der Welt erlösen: der Freizeit Kurier-Glosse "Hund & Herl", der Abenteuer des Seilerhundes Barolo. Die Hoffnungen, ein Megastressjob beim Mutterschiff des Konservativismus könnte das Ende für die Schlabbertölenkolumne bedeuten, haben sich zerschlagen. Die Erlebnisse des Rotweinköters werden uns weiter die Wochenend-Wachheit rauben.

© Andrea Maria Dusl
Erschienen in Falter" Nr. 40/04 vom 29.09.2004 Seite: 17

29. September 2004 (2) Comments


Good Medal is Gold Medal

Markus-Rogan.jpgKatie-Allen-2.jpgÖsterreichs Fernsehsportreporter haben das dicke Buch der olympischen Legenden erschöpft und dankbar wieder zugeklappt. Getragen waren die Spiele im "Mutterland des Sports" vom pathetischen Tenor des Patriotismus. Dabei sein ist gut, besser aber ist gewinnen. Und gewinnen bei Olympia heißt Medaille.

Gleich zwei solcher Medaillen erschwamm uns der "sympathische" Markus Rogan. Augenblicklich wurde er zum Held des Jahrhunderts ausgerufen.

Kaum hatte allerdings die ebenso “bescheidene” Beuteaustralierin Katie Allen Gold errungen, war es aus mit der Markus-Rogan-Heiligen-Verehrung.

Steinacher-Hagara.jpgUnd als dann waschechte Österreicher Gold ersegelten, verblasste auch diese Heldentat. Waschechtechtes Gold ist eben waschechtes Gold!

Und für den Fall, dass mal in einer Disziplin Medaillen ausser Reichweite heimischer Sportler liegen - der Regelfall also - gibt es für den waschechten Fernsehsportreporter immer noch Boxen. Tiefste, medaillenlose Zuneigung empfindet die österreichische Fernsehsportreportage seit Anbeginn ihres Wirkens eigentlich nur für das Boxen.

© Andrea Maria Dusl
Erschienen im "Falter" Nr. 36/04 vom 01.09.2004 Seite: 16

1. September 2004 (4) Comments


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