Ferngesehen
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Get Real
Andrea Maria Dusl für DER STANDARD RONDO vom 25.01.2008
Lagow ist ein verträumtes Ferienstädtchen an einem verwinkelten polnischen See. Die Zeit geht langsamer hier, Zifferblätter haben keine Minutenzeiger. Ein kleines Filmfestival hat sich etabliert, ein Cannes im slawischen Kleinkrämerformat. Neben dem Filmprogramm gibt es Diskussionen, Filmstudenten aus der Hauptstadt sind angereist, um sich mit erfahrenen Kollegen aus dem Ausland zu treffen. Es geht um die Sorgen der jungen Filmemacher. "Die Welt geht unter", beklagen sie, "die Cinematographie geht den Bach runter." "Wieso denn das?", fragt der etablierte Kollege aus dem Westen. "Ach", seufzen die polnischen Jungregisseure, "was ist unser Studium noch wert, wenn alle jetzt Filme machen können?" "Alle können jetzt Filme machen?", fragt der Filmdirektor mit gespieltem Staunen. "Aber ja doch", jammern die Polen, "200 Euro kosten die digitalen Kameras, noch billiger geht das Drehen mit dem Handy. Was hat unser Beruf für eine Zukunft, wenn jeder an die Geräte randarf? Was waren das für gute Zeiten, als eine Kamera auf eine Million Leute kam!"
"Was seid ihr für Trottel", brummt der Filmgroßmeister. "Zum Filmemachen brauchen wir keine Kameras, kein Licht und kein Geld. Wir brauchen eine Idee und jemanden, der die Idee dirigiert." "Wer braucht noch Regisseure, wenn jeder eine Kamera bedienen kann?", maulen die Filmstudenten zurück. "Wer braucht Dirigenten?", kontert der Großmeister. "Dirigierstäbe gibt's in jedem China-Restaurant. Ist ein einziger Dirigent deswegen arbeitslos geworden? Ein einziges Orchester von einem Restaurantgast geleitet worden? Nein. Also wovor habt ihr Angst? Geht raus und macht eure Filme, von mir aus mit Supermarktkameras." Die Studenten zerstreuen sich mürrisch, tippen zornige Kurznachrichten in ihre Handys und betäuben ihre Existenzängste an der Bar.
Die kleine Provinzgeschichte illustriert die Ängste, die Technologieschübe auslösen. Die jungen Filmemacher müssen sich tatsächlich mehr Sorgen um ihre Leber als um ihre Zukunft machen. Gute Geschichten, spannende Filme werden immer das Primat haben über maue Plots und langweilige Streifen. YouTube, die Anlaufstelle für nahezu jedes bewegte Bild in diesem Universum, zeigt das deutlich. Jenseits von Marktmacht und Sehgewohnheiten hat sich dort eine Vielfalt an Formaten etabliert, die herkömmliche Medien alt aussehen lassen und Qualität durch ein raffiniert einfaches Benotungssystem automatisch hochspülen. Während TV und Kino den Stand der Dinge mühsam über Quoten, Marktdurchleuchtungen, Besucherstatistiken eruieren und dem Mammon verpflichtet sind. Und dennoch sei YouTube inzwischen böse, sagen die Warner, denn die Privatfilmabspielstätte ist einer der Krakenarme des Monopolisten Google.
Mittlerweile hat das selbstgemachte Kleinfilmchen seinen Weg in die Männerwelt angetreten. YouPorn zeigt all das, wofür der einsame Mann früher in schmuddelige Hinterhöfe marschierte. Porno und Fußball, die beiden inoffiziellen Königspärchen der laufenden Bilder, sind vermutlich das, was die Handybetreiber mit Content meinen. Mit breitbandigen Netzen soll das private Handy zur Abspielstation für Bilder jeglicher Art werden. Kassiert wird, wie immer, am Eingang. Früher war das die Kinokasse, heute ist das die Monatsrechnung.
Ist das gut? Ja, das ist gut, sagen die Filmemacher. Längst wird hinter den Kulissen für das neue Format gearbeitet, eine neue Art des Erzählens erfunden. Eine Rückkehr des Kurzfilms dürfen wir erwarten. Kleine, raffinierte Filmessays, auf Pointe geschrieben, für das Karteikarten-Format der kommenden Handydisplay-Generation inszeniert. Ideal für die Fahrt im Bus, fürs Warten am Arbeitsamt, für einsame Stunden im Hotelzimmer. So richtet sich die Wut eines der ganz Großen der Leinwand vermutlich gar nicht gegen die Handynutzer, sondern gegen die großen Filmkonzerne, die Dinosaurier des Contents. "Nicht in einer Trillion Jahren", wettert Mythenschmied David Lynch, "werdet ihr auf einem Telefon einen Film erleben. Da werdet ihr betrogen!" "Es ist so traurig", fährt Lynch fort, "wenn ihr denkt, ihr hättet einen Film auf eurem verdammten Telefon gesehen, get real, wacht auf!"
Wo das der Filmemacher mit den zu Berge stehenden Haaren verkündet? Auf YouTube, wo sonst.
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27. Januar 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Als die Bilder Farbe lernten
Ungekürzte Version des Artikels in Standard-RONDO vom 26. Oktober 2007
Als ich ein kleines Kind war, in den frühen Sixties, atmete das Medium, das aus der Röhre kam, noch das Odium des Halbverbotenen. Bilder, die direkt ins Wohnzimmer kamen - unerhört! Nachrichtensprecher mit sauber gekämmten Scheiteln und hochsitzenden Krawatten schauten aus dem Apparat und deklamierten strenge Texte. Und es war anfangs nicht ganz klar, ob sie dabei nur herausschauten oder auch etwas sahen. Jedenfalls war das für eine Kinderseele nicht ganz eindeutig. Aber nicht nur für die. Nie, auch nicht ein einziges mal habe ich meine Eltern in Pyjama oder Nachthemd fernsehen gesehen. Es schickte sich nicht. Nur den Boxkampf Muhammed Ali gegen Joe Frazier hat mein Vater frühmorgens im Schlafgewand absolviert.
Meine ersten Erwachsenensendungen, also Sendungen, die auf der Fernsehseite der elterlichenTageszeitung mit dem Signum "Jugendverbot" ausgewiesen waren, habe ich mit fünf gesehen. J und V, Jugend und Verbot, waren naturgemäß die ersten Buchstaben, die ich gelernt habe. Jugendverbotene Sendungen habe ich stets heimlich gesehen. Stundenlang stand ich hinter der Scheibe der Türe, die die Rückwand des Wohnzimmers vom Kinderzimmer trennte. Es war eine geraffelte Scheibe, hinter der ich stand, leicht getönt. Aber ich hatte, wenn ich den Atem anhielt und auf nichtseufzenden Furnierbrettern stand, freie Sicht auf den Fernsehapparat. Das Licht brach sich psychedelisch in den Schlieren des Glases. So etwas wie Farbfernsehen war das. Bunte Bilder, schemenhaft und unscharf. Die Handlung musste ich imaginieren, denn der Ton war schlecht hier hinten zwischen Glastüre und Vorhang. Geheimfernsehen hatte etwas Heiliges.
Jugendverbot. Farbe. Die beiden Begriff amalgamierten in meinem kleinen Gehirn. Schwarz-Weiß hingegen, erlaubt und vom Sofa aus betrachtet, hatte etwas Braves. Kasperl war schwarz-weiss und die Protudierungen des Bastelonkels. Die Nachrichten waren es und der Fenstergucker. Der Briefmarkensammler, Hans Joachim Kulenkampff und die Mondlandung. Und ich hielt dieses jugendfreie Schwarz-Weiß nicht für eine technische Einschränkung, sondern für real. Lassieland, wo immer das war, hatte graue Wiesen und farblose Bewohner. Und auch die Himmel waren dort stets grau. Das Grau hatte etwas Deutsches. So sprachen die ja dort. Deutschland-Deutsch.
Die deutschen Urlauber, die sommers das Ausseerland bevölkerten, habe ich denn auch für Lassieländer gehalten. Deutschland war etwas Fernes, Technisches. Deutschland war brav. Schwarz-weiß. Wenn unser Fernsehapparat nicht gestorben wäre, wäre es auch so geblieben.
Aber er starb. Hauchte den Geist seiner Röhre aus. Ein neuer musste angeschafft werden. Was so ein Zauberding draufhatte, wusste ich inzwischen. Die Novotnys aus der Nestroygasse hatten eines. Eine riesige Kiste. Groß wie eine Hundehütte. Dunkel, mit langen schwarzen Schlitzen in den Plastikpalisanderfurnieren. Die Fernsehhütte der Novotnys gab eine Vorstellung davon, was Farbfernsehen in diesen frühen Tagen sein konnte. Für mich, hinter der Fensterscheibe im psychedelischen Sehen Geschulte, war es keine Überraschung. Farbfernsehen war nicht die Entsprechung der Welt, wie wir sie kannten, sondern eine Überhöhung. Schwarz war Grün. Blau war Braun. Weiß war Himmelblau. Nur Rot war Rot. Egal welches. Leberkässemmeln, Lippenstifte, die Landesfahne. Rot wie Chilischoten.
Die Hochkonjunktur blies durchs Land, Vaters Architekturbüro prosperierte, meine Überredungskünste fruchteten, die Novotnys mussten technisch überholt werden: Ein hochmoderner skandinavischer Apparat wurde angeschafft. Seine Ästhetik erinnerte an die Geräte an Bord von Kubricks Raumschiffen. Bang & Olufsen. Ein unfassbares Gerät. Eine Maschine aus der Zukunft. Stundenlang saßen meine Brüder und ich gebannt vor dem Farb-Testbild und versuchten, sein ästhetisches Programm zu dechiffrieren. Und wenn sich Heinz Conrads zeigte oder Peter Fichna, drehten wir am Farbregler, um uns an die Zeit zu erinnern, die gerade eben noch schwarz-weiß gewesen war. Umgekehrtes Retro war das. Aber die neue Zeit schwappte für immer durch die bekannten Bilder. Lassie wurde rothaarig und Jeannies Meister bekam eine blaue Uniform, Flippers graue Lagune wurde türkis, und der Rennanzug von Franz Klammer gelb wie frisches Fanta.
Eine andere Zeit war angebrochen. Nur das Jugendverbot vermisste ich. Als Farbfernsehen noch Stehen war und ausgedacht.
(Andrea Maria Dusl / Der Standard/rondo 25.10.2007)
26. Oktober 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Der ORF, die Anstalt
Ich mag die alle. Ich mag sie aufrichtig. Intelligente Menschen, gebildet, mit allen Wassern der Aufklärung gewaschen. Man kann mit Ihnen über Wong Kar Wai reden und über Stroheim, über Larry David und Karl Kraus. Und über das Eigene sowieso. Aber nur ausserhalb eines Sicherheitsabstands von sieben Kilometern vom Küniglberg entfernt.
Was ist das, das aus angenehmen künstlerisch-intellektuellen Kollaborateuren griesgrämige Volltrottel und böswillige Dilettanten macht, sobald sie den ORF-Feldherrnhügel bestiegen und es sich in ihren tiefplafonierten Büros gemütlich gemacht haben. Was ist es? Eine geheime Substanz? Ein böses Gas? Ein Fluch, der aus den Gräbern unter dem Fernsehzentrum in die Grosshirnrinde der Fernsehmacher steigt?
Ich mag sie, sie sind intelligente Zeitgenossen, ganz auf meiner Linie. Aber ich hasse ihr Programm. In aller Liebe. Es ist grottenschlecht. Dass es vorher noch übler war, gilt nicht. Das liebste am ORF sind mir die Nachrichten. Ich weiss in welchem Umfang geflunkert wird und bekomme ein detailliertes Bild darüber, was in der Anstalt als relevant gehalten wird, die Meinungszinnen der Österreicher zu besteigen. Mit Kultur hingegen hat es nur scheinbar zu tun, wenn die Darmspiegelungen der Salzburger Opernwelt übertragen werden, mit Sport nicht, was die Alpinski- und Rennfahrbanditen am Bildschirm abstellen. Dann schon lieber das, was man im Ohr Er Eff für lustig hält. Dabei kann ich wenigstens gut schlafen.
Unlängst sind drei alte Herren gestorben. Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni. Und Franz Antel, der sich die Nähe seines Abgangs zu den beiden Titanen der Inszenierung nicht anders einteilen konnte. Wie geht der ORF mit diesen cinematographischen Verlusten um? Ein Film pro Titan, neun für den Krautfleischkoch. In eigener Sache habe ich die Heimatfunk nie abschreiben müssen. Er war nämlich nie angeschrieben. Ich mag sie trotzdem. Sie tun, was sie können.
Langversion einer Antwort auf eine Frage des Standards, wie es mir filmemacherisch mit dem ORF geht.
16. August 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Talk am Berg
Ich leide am Komplettierungswahn. Und an einem Archivierzwang, der sich ausschliesslich in die Aufbewahrung von faden und fadesten Inszenierungen verbeisst. Im Rahmen dieses Krankheitsbildes habe ich mir sämtliche wahlpolitischen Diskussionen dieses Spätsommers, also all die kleinen und grossen Begegnungen von Parteiführern und Schüsselvertretungsbefugten nicht nur angesehen, sondern auch in DVD-Qualität aufgenommen.
In zehn Jahren werde ich damit einen rauschenden Retro-Abend bestreiten können. Was heisst einen. Jetzt, da auch Mirko Messner und die Hose und auch das Elefanten-Pentagon getagt haben, fällt mir ein, dass ich auf einen wichtigen Protagonisten vergessen habe. Ich habe doch glatt vergessen, den Politologen Peter Filzmaier für die Ewigkeit aufzubewahren. In meiner Erinnerung wird also Peter Filzmaier jene Verklärung erfahren, die wir (und ich im speziellen) dem Unwiederbringlichen auf den Altar legen. Schrammten doch Peter Filzmaiers Analysen am absoluten Nullpunkt der Emotion. Die Eiger Nordwand hat mehr Mienenspiel als der Politologe.
Das ist sicher ungerecht. Denn für expressives Grimassieren war doch ganz sicher Ing. Peter Westenthaler zuständig. Vom Streber-Grinsen Gusenbauers und dem Schildkrötenschnoferl von Altbundeskanzler Schüssel will ich erst gar nicht schwärmen.
Meine Prognose für den Abend des 1. Oktobers nähert sich asymptotisch der Ahnung, Österreich könnte diesmal Gusenbauer zum Bundeskanzler küren. Und dies, wie ich jetzt behaupte, alleine deswegen, weil er die Schweissdrüsen seiner Oberlippe erfolgreich diszipliniert hat. Sowas honoriert der Ösi.
Nach der "Elefantenrunde" der Parteiführer der fünf Parlamentsparteien. Für das Ösi-Blog in der ZEIT.
28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Serie gut, alles gut!
Für das Standard-Album vom 9.9.2006
Ich bin ein Fernsehkind. Es gibt keinen Augenblick meines Lebens, in dem nicht irgendwo ein Fernsehapparat vorkommt. Ein schweres Schicksal. Wenn meine Schulfreundinnen und Schulfreunde schlimm waren, wurde ihnen das Taschengeld gestrichen. Wenn ich etwas auf dem Kerbholz hatte, fasste ich Fernsehverbot aus. Weil man mit dem Verbot bekanntlicherweise den Reiz des Verbotenen erhöht, wurden aus meinen Schulfreundinnen und Schulfreunden Bankdirektorinnen, Investmentberater, Finanzdienstleister und Scheckbetrüger. Aus mir wurde eine Fernseherin. Das schwarze Kästchen ist mein Fenster in die Welt.
Meine frühesten ausserfamiliären Erlebnisse fanden stets an einem Mittwochnachmittag statt und handelten von einem gewissen “Kasperl”. Kasperl war mein Freund, er war naseweis wie ich, aber was ich nicht verstand, war, warum er sich mit der pelzigen Klette abgab. Petzi hiess der Kerl, er dichtete schlecht und war eine Rampensau. Für einen Lacher hätte er seine Grossmutter verkauft. Seinen Freund Kasperl sowieso. “Kasperl” hatte alle Ingredienzen einer guten Serie: Den wöchentlichen Termin, die schrullige Hauptperson in bedenklichen Familienverhältnissen, den billigen Plot und das kleinbürgerliche Millieu. Kasperl junkte mich an für diesen Serientypus. Aus Dornröschengeschichten in Schlössern, Vorstandsetagen und Millionärsvillen würde ich mir fürderhin nichts machen. Schlechte Karten für “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, “Reich und Schön”, “Dallas” und “Dynasty”.
Die kapute Prolo-Familie war mein Ding. Eine Serie war die meine, sobald es in ihr genetisch kriselte oder im Freundeskreis krachte. Flipper, der dauerglückliche Lagunenhund kam bei mir an, weil bei den Flipperischen zuhaus die Kacke am Dampfen war. Sandy und Bud, die beiden “Jungs” waren ständig in zu kleinen Booten auf dem bösen Meer unterwegs, Mutter gab es keine - vielleicht war “tot” aber auch nur ein Serien-Synonym für “durchgebrannt mit dem Tankwart”. Und Daddy? Daddy war ja selbst noch ein Kind. Die Lesart, dass hier eventuell ein schwuler Onkel mit zwei Boyfriends einen frühen Traum vom Leben abseits der bürgerlichen Kleinfamilie lebte, sollte mir erst später gelingen.
Lassie, wo alle brav waren, sogar der Hund stets frisch geföhnt, fiel nicht in mein Muster von der guten, weil kaputen Familie.
Jeannie, die wasserstoffblonde Irakerin zwinkerte sich augenblicklich in mein Fernsehleben und ebensoleicht gelang das Samantha, der nasewackelnde Vorstadthexe. Beide hatten mittlere Knallchargen als Männer und ein Pandemonium an Problemen mit ungläubigen Freunden, neugierigen Nachbarn und abgedrehten Familienmitgliedern aus anderen Dimensionen. Jeannie und Samantha dürften für meine Sozialisation als Künstlerin mehr gemacht haben als sämtliche Zeichenstunden.
In amerikanischen Serien konnte man überhaupt sehr viel lernen. Dass Türen - wie in "Lieber Onkel Bills" poshigem Upper-Eastside-Apartment - keine Schnallen brauchten, Puppen Mrs. Beasley heissen durften und Löwen - wie in "Daktari" - schielen konnten wie Fausto Radicci.
Deutschsprachige Serien hingegen waren verstaubt und belehrend. Wenn sie in Österreich gemacht wurden, zudem noch auf eine einschläfernde Art bürgerlich-folkloristisch. Das sollte mein zweiter Held nach Kasperl ändern.
"Mundl", der Elektriker aus der Hasengasse im Zehnten war ehrlich und unverblümt und mit einer Präszision aus dem wirklichen Leben geschnitten, die mich spätestens dann schaudern liess, als mein eigener Dusl-Vater die Sylvesterrakete ins Fenster vom Flickschneider gegenüber feuerte und wie bei den Sackbauerschen zur Verdunklung aufrief.
Mag sein, dass sich anders sozialisiertes Publikum in den Laffites der "Lieben Famile" wiederfand oder in Fritz Eckhardts Folie eines von Elfriede Ott umschwesterten Sacherportiers - mein Ideal einer proletarisch gebeutelten Famile verkörperten die Sackbauers mit Grandezza. An diesem Genre versuchten sich später auch "Al Bundy", "Rosanne" und die Familie von "Malcolm mittendrin". Dem vorlauten Pelzwuschel "Alf" werfe ich hingegen heute noch vor, seine Fadgas verströmende Gastfamilie nicht schon in der ersten Folge mit vergifteten Steaks um die Ecke gebracht zu haben.
Den Beweis, dass Grosstadtfamilien nicht notwendigerweise genetische Übereinstimmung brauchten, um mich aufs Sofa zu fesseln, sondern nur clevere Plots, realistische Settings und oblique Charaktere, sollten erst "Friends" und der ungeschlagene Meister des zwerchfellbeschädigenden Serienvergnügens führen: Larry David in seiner Rolle als meschuggener Fernsehserienerfinder Larry David in “Curb Your Enthusiasm”. Kaputer war gescheites Fernsehen nie.
8. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (8) Comments (0) Pings
Dancing Stars
"They Shoot Horses, Don't They?" (Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss) hiess Sidney Pollacks Film über eine gnadenlose Wett-Tanz-Show. Dancing Stars ist das Remake - auf funny und promi. Die Küniglberg-Tanz-Schau ist Opernball mal Starmania diviert durch Völkerball und bedient die niedrigen Publikumsinstinkte all dieser Formate. Die Zuseher geniessen den Voyeurismus des Schlechte-Fetzen-Schauns und die billige Freude jede Woche ein Idol stürzen zu sehen.
Die These, wonach hier Werte eine Renaissance erfahren, teile ich. Gute Werte sind das nicht, denn die postulierte Rückkehr zu klassischen Mann-Frau-Rollenbildern hat nicht mehr als parodistische Qualität. Als Show betrachtet mangelt es Dancing Stars zumindest nicht an quotentauglichen Ingredienzien.
Fussballer in Tanzfracks und dicke Sängerinnen in Seidenfummel sind zumindest nicht unlustig. Telefonabstimmungen täuschen demokratische Zustände vor und eine fachkundige Jury bürgt für professionellen Touch. Dass das Gehopse keine Competition sondern ein grosser Schmieren-Karl ist hat bisher nur einer begriffen: Der grandiose Operettendirektor Harald Serafin.
Für die Fernsehseite des Kurier vom 7.April 2006
6. April 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings
Deutschland

Das Merkel.
Mundwinkel bis zum Knie.
Sieger sehen anders aus.
Seltsamerweise wie Schröder.
Was hat der alte Fuchs vor?
18. September 2005 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Wie ich 911 erlebte
Die Geschichte ist am 11.9.2001 passiert, vier Tage später habe ich sie aufgeschrieben. Jetzt, ein paar Tage vor dem Versuch der Bushisten, die Weltherrschaft abermals an sich zu reissen, habe ich sie im Paparazziforum (wo ich sie ursprünglich gepostet hatte) wiedergefunden. Und zufällig lief Hanibal Lecter gestern im Fernsehen. Genau wie damals, am 11. September.
911 war sehr spooky für mich. Es ist Nachmitttag, ich Iiege gemütlich auf dem Bett und sehe den Film 'Hanibal'. Auf DVD. Da kann man vor und zurück, ohne die ruckelnden Effekte, die es auf VHS gibt. Ich stoppe. Die Szene zeigt, wie Hanibal Lecter die Schädelkappe des FBI-Agenten abhebt und man sein Gehirn drunter sieht.
Plötzlich läutet mein Handy. Meine Mutter ist dran und erzählt, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen. Auf ORF sei das als News-Ticker eingeblendet. Ich zappe auf CNN und sehe den rauchenden Nordturm. Das Loch zeichnet die Sihoutte eines Flugzeuges nach. Es sieht aus, wie ein billiger Matte-Effekt aus einem B-Movie.
Ich denke an das Empire State Building, dort ist 1942 bei Nebel ein kleiner Bomber hineingerast, der ein ähnliches, nur kleineres Loch angerichtet hat und 16 Menschen getötet hat. Ich denke an den Schrott, der zu Boden gestürzt ist und dort Menschen erschlagen hat. Ich denke an die Leute im Turm, die oberhalb der Einschlagstelle gefangen sind. Ich hoffe, sie können entkommen.
Ich rufe über Handy meinen besten Freund an, dann meine beste Freundin, dann wieder meine Mutter.
Zu diesem Zeitpunkt denkt CNN noch, ein Navigationsfehler hätte das Desaster ausgelöst.
Die zweite Maschine rast in das Gebäude. Ich bin fassungslos, weil ich denke, 'was, die haben footage vom Flugzeugeinschlag? Das ist ja irre, die filmen einfach alles.....'. Erst dann realisiere ich, dass ja ein Turm schon brennt. Es muss also eine zweite Maschine sein. Ich fasse es nicht.
Es ist so irreal, so ein Horror, dass ich komplett emotionalisiert bin. Wie können die durchsiebten Türme noch stehen?
Ich schalte irrtümlich auf den DVD-Kanal. Hanibal Lector schaut gerade in den abgesägten Kopf direkt auf das freiliegende Gehirn eines FBI-Agenten.
Ich sehe die brennenden Türme, telefoniere, sehe immer wieder die Bilder von den Einschlägen, höre, wie Menschen aus den Türmen springen, sehe Menschen, die sich in hunderten Meter Höhe an die silberfarbenen Aussenpfeiler des Turms klammern, auf Hilfe wartend. Ich denke, wo sind die Hubschrauber? Warum kommen keine Hubschrauber mit Löschwasser? Ich sehe den weissen Rauch, den der erste einstürzende Turm verursacht, fürchte um die Menschen, die da gerade sterben. Dann der zweite Turm, dessen Einsturz zu erwarten war. Ich denke an die Menschen auf der Strasse, die da unten gerade um ihr Leben laufen.
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Geschrieben am 15.09.2001, 11:02 für Tex Rubinowitz' und Christian Ankowitschs Höfliche Paparazzi
27. Oktober 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Good Medal is Gold Medal

Österreichs Fernsehsportreporter haben das dicke Buch der olympischen Legenden erschöpft und dankbar wieder zugeklappt. Getragen waren die Spiele im "Mutterland des Sports" vom pathetischen Tenor des Patriotismus. Dabei sein ist gut, besser aber ist gewinnen. Und gewinnen bei Olympia heißt Medaille.
Gleich zwei solcher Medaillen erschwamm uns der "sympathische" Markus Rogan. Augenblicklich wurde er zum Held des Jahrhunderts ausgerufen.
Kaum hatte allerdings die ebenso “bescheidene” Beuteaustralierin Katie Allen Gold errungen, war es aus mit der Markus-Rogan-Heiligen-Verehrung.
Und als dann waschechte Österreicher Gold ersegelten, verblasste auch diese Heldentat. Waschechtechtes Gold ist eben waschechtes Gold!
Und für den Fall, dass mal in einer Disziplin Medaillen ausser Reichweite heimischer Sportler liegen - der Regelfall also - gibt es für den waschechten Fernsehsportreporter immer noch Boxen. Tiefste, medaillenlose Zuneigung empfindet die österreichische Fernsehsportreportage seit Anbeginn ihres Wirkens eigentlich nur für das Boxen.
© Andrea Maria Dusl
Erschienen im "Falter" Nr. 36/04 vom 01.09.2004 Seite: 16
1. September 2004 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings
Schulterschluss-Stadl
Als Werner Welzig nach stundenlangem Warten zur Wortmeldung zugelassen wurde, hatte sich die Marathonsendung zur Schieflage der Nation schon wie eine bleierne Decke über Fernsehösterreich gelegt. Auf der riesigen Monitorwand loderte das grafische Signet zur Sendung wie ein gigantisches rotweißrotes Kaminfeuer. Der Ort des politischen Geschehens sei das Parlament, zitierte der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften den Oppositionschef Alfred Gusenbauer, der Ort des politischen Protests die Straße, die Orte der Wissenschaft Labor und Bibliothek. Was aber sei das Fernsehstudio? Und was diese nationale Sondersitzung? Es müsse doch ein neues Kompositum mit "Stadl" zu finden sein, stichelte Werner Welzig eine sichtlich nach Contenance schnappende Gisela Hopfmüller. Die Anwesenden, monierte Welzig,seien Sprecher des Stückes, das hier aufgeführt werde, nur sei der Text nicht von ihnen. Mehr hatte es nicht gebraucht, um in Hopfmüller das dreigestrichene c der Kindergartentante anzuschlagen. Einer fehlte im Stadl: Der Jörgseibeiuns, der Bursche aller Aufregung, das einfache Mitglied.
© Andrea Maria Dusl
"Falter" 12/00 vom 22.3.2000 Seite 20
22. März 2000 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Zur Sache
"Zur Sache" ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Einst hatte der an Durchsetzungskraft nicht gerade darbende Peter Rabl das Moderatorenhandtuch geworfen. Unausgesprochen lagen Vorwürfe im Äther, ein Zeitungsherausgeber könne nicht glaubhaft den unabhängigen Gesprächsleiter geben. Trotz dieser Gerüchte verbiss sich die Redaktion in das Konzept, die "Zur Sache"-Moderatoren innerhalb der überschaubaren Szene österreichischer Chefredakteure zu requirieren. Und tapste in die Falle, dass gut schreiben und gut Redaktionen leiten nicht automatisch mit der Fähigkeit, gut "Zur Sache" zu moderieren, korreliert. Selbst ein Titan der Schüchternheit wie Hermes Phettberg vermag eine Runde notorischer Interessenvertreter besser zu bändigen als ein scharfzüngiger, aber im bürgerlichen Kniggegestrüpp zappelnder Ronald Barazon. Die journalistische Kompetenz Margit Czöppans wiederum ging erst jüngst vor Westenthaler/Khol-Eildepeschen ein wie ein Wollpullover im Kochwaschgang. Die Zeit ist reif für eine Wiederbelebung des "Club 2", der Mutter aller Talks. An den Kosten für eine neue Ledergarnitur kann es doch wohl nicht liegen.
©Andrea Maria Dusl
Erschienen im "Falter" 11/00 vom 15.3.2000 Seite 18
15. März 2000 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Moik, Karl, Kiffen
Karl Moik hat eine goldene Nase für das, was beim Publikum gut ankommt. Karl Moik findet daher nicht nur an den Spatzen aus Kastelruth, den fidelen Klostertalern und Quintetten von der Nockalm ein gutes Haar, sondern sogar an einem notorisch Unmusikalischen eine ganze Frisur. Am persönlichen Freund, dem Jörgl, etwa: Was das Bierzelt verbindet, soll die Quote nicht trennen. Moderatoren vom Schlage eines Moik und eines Haider schwimmen halt nicht auf Nudelsuppen daher. Im letzten Musikantenstadl zeigte Moik dem Schweizer Publikum mit einem standartengroßen blauen Mascherl, wo das Herz eines anständigen Österreichers heute zu schlagen hat. Das aufrechte Herz blieb kurz stehen, als Quotenmillionär Stefan Raab im Seppelkostüm zu sichtlich nicht akkordiertem Playback durch die Halle hüpfte und Moik "voll am Arsch hatte". "Der Karl, der Karl, der Moik, Moik, Moik, der kifft das schärfste Zeug, Zeug, Zeug", skandierte der tv-Totalisator vor patschendem Publikum und führte damit den erfolgreichen Beweis, dass ein Stadlpublikum einfach alles mitmacht, sogar die mediale Hinrichtung ihres anständigen Karls.
© Andrea Maria Dusl
"Falter" 10/00 vom 8.3.2000 Seite 16
8. März 2000 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings


