Essays
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Zugangsbeschränkungen
Andrea Maria Dusl für Salzburger Nachrichten vom 27.8.2011
Stellen wir uns vor, der Besuch eines durchschnittlich guten Konzerts eines vorgestelltermassen ebenfalls durchschnittlich guten Orchesters unter einem dazupassend durchschnittlichen Dirigenten wäre nicht mehr den üblichen Usancen unterworfen, sondern an die Begabung des Besuchers gebunden. Seinem oder ihrem Musikempfinden, seiner oder ihrer nachweislich hochgradig musikalischen Intelligenz und anderen exklusiven Talenten auf diesem Gebiet. Und nicht nur der Besuch eines Konzerts, auch das Hören einer Aufnahme mit Silbereisenmusik oder mit Hinterseer-Humpta. Stellen wir uns vor, auf Österreichs Strassen, auf den Autobahnen wie auf den Dorfstrassen, wären nur mehr jene Fahrer zugelassen, die in tagelangen Eignungsprüfungen Spitzenleistungen auf motorsportlichem Terrain nachweisen könnten, mit schuhmacherschen Reflexen und sennaschen Instinkten. Oder umgekehrt, oder besser. Aston-Martin-Besitzer und Hummer-Herren-Fahrer dürften bei dem einen oder anderen Paramameter ein bisserl schwächeln. Dann stellen wir uns vor, das Schwimmen in Seen und Hallenbädern wäre nur mehr jenen erlaubt, die olympische Zeiten unter Rennbedingungen in den Schwimmzulassungspool pflügten.
Eine vertrottelte Welt, könnte man sagen, da könnte man geradesogut auch das Lesen von Büchern und Gazetten an die intellektuelle Leistungsfähigkeit koppeln und den Kinobesuch nur mehr auf Eliteniveau verhandeln. Oder das Gehen Schlechtgehender auf Gehsteigen untersagen. Den Besuch von Museen nur mehr Akademikern gestatten und die Tierhaltung nur mehr Tierärzten und Zirkusdirektoren.
Die Liste verblödeter Zugangsideen liesse sich mit Phantasie auf nahezu alle Gebiete des öffentlichen und privaten Lebens ausweiten. Acha ja, Heiraten und Fortpflanzen könnte man nur mehr Schönen, garantiert Gesunden und möglichst finanzstarken Paaren gestatten, die medizinische Versorgung könnte man an freies Unternehmertum im industriellen Format, an Großgrundbesitz oder an Blaublütigkeit, Sündenfreiheit, Gottesliebe, Rechtshändigkeit oder sonst einen beliebig als elitär definierten Status koppeln.
Eine verkehrte Welt wäre das. Eine verblödetes Österreich. Wer wollte darin leben? Ich nicht. Sie nicht. Niemand. Das Land würde verrohen. Bald würden in den Konzerten nur mehr die vertrottelten Söhne der musikalischen Elite sitzen, wenn es überhaupt noch welche gäbe, der Individualverkehr bräche zusammen, in den Schwimmbädern schwämmen die Freunde der Schwimmbadbesitzer. Korruption und Neoptismus wären Geschäftszweige mit blendenden Aussichten. Wer es sich und den Seinen richten könnte, mit Geld oder anderen Versprechen, erhielte Zugang zu sonst Verbotenem. Talent oder Eignung wären längst nicht mehr die Kriterien. So eine Welt will niemand ersthaft wieder aus dem Regal der Geschichte holen.
Warum also der Ruf nach Zugangsbeschränkungen und Eignungstests an Hochschulen und Universitäten? Wo es doch schon welche gibt. Die Reifeprüfung, wenn ich mich recht erinnere, und später, während des Studiums Fachprüfungen, Rigorosen, Seminare und Pflichtvorlesungen. Und das eigenhändige Verfassen einer Diplomarbeit oder Dissertation. In einer vertrottelten Welt gäbe es nur mehr wenige, die studierten. Es sei denn, der Papa würd’s schon richten.
1. September 2011 © Andrea Maria Dusl
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