Blau die Glocke, Kaisers Tochter der Baum

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 27/2011

Liebe Frau Andrea,

in unserem Hinterhof spriesst seit kurzem ein seltsamer Baum mit riesigen Blättern. Ich bilde mir ein, diese Blätter an einem blau blühenden, weit ausladenden Exemplar am Donaukanal gesehen zu haben. Was ist das für ein Gewächs? Ist es gut, böse oder jenseits?

Liebe Grüsse, Iz Neher,
per Gesichtsbuch-Direktnachricht

Liebe Iz,

es gibt nur einen einzigen Baum, auf den diese Beschreibung passt und er ist sowohl gut als auch böse und eindeutig jenseits. Die Paulownia tomentosa oder Kaiser-Paulownie ist unter dem Namen Blauglockenbaum bekannt. Sie ist der einzige blau blühende Baum unserer Breiten. Der schnellwüchsige Baum ist ursprünglich in China zuhause. Dort galt seit altersher der Brauch, bei der Geburt eines Mädchens einen Blauglockenbaum zu pflanzen. Baum und Mädchen erblühten zur selben Zeit, wenn es ans heiraten ging, wurde der Baum umgeschnitten und aus seinem Holz die Mitgift der jungen Braut geschnitzt. Heute werden vor allem ostasiatische Musikinstrumente aus dem Blauglockenholz gesägt, Stromgitarren für den Export ebenso, wie die japanische Wölbbrettzither Koto und ihr koreanisches Pendent, das Kayagûm. Der Blauglockenbaum produziert Flugsamen, die von den chinesischen Porzellanhändlern des 19. Jahrhunderts als federleichtes Verpackungsmaterial verwendet wurden. Samen aus beschädigten chinesischen Transportkisten sind für das gehäufte Vorkommen von Blauglockenbäumen entlang US-amerikanischer Eisenbahnlinien verantwortlich. Nach Europa brachte den Blauglockenbaum der Würzburger Naturforscher, Arzt und Japanologe Philipp Franz von Siebold. In niederländischen Diensten stehend benannte er den Baum nach der holländischen Kronprinzessin und späteren Königin Anna (Pawlowna), einer Tochter des russischen Zaren Paul (Pawel) I. Der Blauglockenbaum war der Lieblingsbaum der Autoren Paul Celan und Ingeborg Bachmann (gut), von Sekten-Guru und Mörder-Hippie Charles Manson (böse) und vom österreichisch-ungarischen Langzeitmonarchen Kaiser Franz Joseph (jenseits). Viele der Bäume, die heute in den ehemaligen Kronländern des Kaiserreichs stehen, sind Nachfahren von Bäumen, die der Habsburger zum persönlichen Augenschmaus dort anpflanzen liess. Den Rest besorgte der Wind, der Wind, das himmlische Kind und die Autorin dieser Zeilen. www.comandantina.com dusl@falter.at

29. Juni 2011 (0) Comments

Arsch und Friedrich in Seife und Oper

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 26/2011

Liebe Frau Andrea,

als ich wieder mal in USA und auf der Suche nach Abercrombie-&-Fitch-Bekleidung für meine Nichte war, hatte ich ein T-Shirt in der Hand, auf dem der Name mit „A & F“ abgekürzt war. Naja, dachte ich, das könnt man in Wien als Abkürzung von Arsch & Friedrich  interpretieren. Kommt wohl nicht so gut. Aber: woher kommt eigentlich der Spruch: „Das war für Arsch und Friedrich“?

Danke, Heinz Rometsch
per Bernsteinfunkennachricht


Lieber Heinz,

Redewendungen, in denen ein Friedrich, ein Fritz oder gar ein “alter Fritz” vorkommen, werden gemeinhin mit Friedrich II. von Preußen assoziert, gehen aber nach der Deutung des deutschen Wortforschers Müller-Fraureuth wohl auf seinen Vater, König Friedrich-Wilhelm I. zurück, der während seiner Regierung auf äußerste Sparsamkeit bedacht war und dessen Untertanen in großer Armut lebten. So bedeutet die französische Redewendung “travailler pour le roi de Prusse” - arbeiten für den König der Preussen - soviel wie: umsonst zu arbeiten.

Auch der von Ihnen zitierte Spruch geht nicht auf Friedrich den Großen zurück und auch nicht auf seine Neigung zu langen Kerls. Den Arsch, zu dem der Friedrich gehört, finden wir im Mittelalter. Er findet sich in einer Geschichte, die im späten Mittelalter spielt und im II. Band der berühmten Zimmerischen Chronik beschrieben wird. Die blumige Familiensaga der schwäbischen Herren und Grafen von Zimmern wurde 1540 bis 1566 von Froben Christoph von Zimmern verfasst - eine adelige Soap-Opera aus dem 16. Jahrhundert. Unser Zitat kommt in einer urban legend vor, die am Hof des Kaisers spielt. Ein gewisser “graf Hainrich von Hardek” will “vor kaiser Friderrichen dem dritten ein schöne redt thon”, vergeigt aber den deklamatorischen Auftritt und bekennt unverholen: “Es reimpt sich das gar nit, so wenig, als ars und Friderrich.” Der Habsburger, nicht mundfaul, zahlt in gleicher Münze zurück: “Ei, warumb nit dreck und Hainrich?” Dreck und Heinrich sind in Wien nicht anzutreffen. Wohl aber Arsch und Friedrich. Im rechten Seitenschiff des Stefansdomes befindet sich Friedrichs III. Grabmal aus Adneter Marmor. www.comandantina.com dusl@falter.at

23. Juni 2011 (0) Comments

Blut in Gassen und auf Wiesen

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 25/2011

Liebe Frau Andrea,

gibt es auf dem Laaer Berg tatsächlich eine Blutwiese, deren Name auf einen
antisemitischen Pogrom zurückgeht und falls ja, hat das sprichwörtliche “auf die
Blutwiesen” gehen etwas damit zu tun? Dankeschön,

Josef Benjamin, Wieden,
per Gesichtsbuchdirektnachricht

Lieber Josef,

die mir zugänglichen Bücher sind mit Information bezüglich der Kombination Blutwiese – Laaer Berg – Pogrom unergiebig. Eine Bluadwiesn gab es in Wien überall dort, wo sich Burschen und junge Männer trafen, um die Fäuste sprechen zu lassen. Von einer Bluadwiesen auf dem Laaer Berg wissen die Schriften nichts. Wenn man den Topos Laaer Berg etwas unschärfer fasst, kommt man etwas südlicher, noch in Raufhändelweite zu einer überaus strengen Gegend, deren Bewohner zumindest mit Blutwiesentum etwas am Hut hatte, zur legendären Kreta nämlich. Das Grätzel am östlichsten Ende der Quellenstrasse, im Westen von der Absberggasse, im Süden von der Ankerbrotfabrik, im Norden von der Gudrunstrasse begrenzt, läuft im Osten in einen Abhang aus, an dem heute die der Südosttangente verläuft. Die ehemalige Gstätten am Hang wurde von den Mitgliedern des Arbeiter-Schrebergarten-Vereins Favoriten urbar gemacht. Die Kreta, benannt in Anspielung auf die chaotischen Zustände, die nach dem Kreta-Aufstand von 1896 auf der griechischen Insel herrschten, galt als eines der ärmsten und wildesten Arbeiterviertel Wiens und könnte durchaus auch eine eigene Bluadwiesen für Raufereien und Abfeitelungen gehabt haben. Gemetzel ganz anderer Art blutiger Art gab den beiden Wiener Blutgassen ihre Namen. Die eine liegt in Heiligenstadt und wurde vom Volksmund so genannt, weil die Türken hier 1529 Gefangene niedergemetzelt haben sollen. Die andere Blutgasse liegt in der Inneren Stadt. Der Sage nach sollen hier 1312 die in päpstliche Ungnade gefallenen Tempelritter in ihrem Wiener Hauptquartier, dem Fähnrichhof erschlagen worden sein. Das dabei geflossene Blut hätte die ganze Gasse rot gefärbt. Der Massenmord vom 12. März 1421, der als “Wiener Geserah” in die jüdische Geschichte einging und die Wiener Judengemeinde völlig ausgelöschte, hat indes zu keiner Strassenbenennung geführt. www.comandantina.com dusl@falter.at

19. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 143 - River

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Folge 143 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 29/2011.

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18. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 142 - Robot

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Folge 142 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 28/2011.

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18. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 141 - Toll Edo!

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Folge 141 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 27/2011.

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18. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 140 - Balken Anton

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Folge 140 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 26/2011.

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18. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 139 - Larryhenge

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Folge 139 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 25/2011.

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18. Juni 2011 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 138 - Copa Coptera

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Folge 138 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 24/2011.

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10. Juni 2011 (0) Comments

Handyterror im Theater

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 24/2011

Liebe Frau Andrea,

kürzlich wurde anderswo im Falter bekritelt, dass immer mehr Festwochen-Besucher im Theater SMS schreiben würden. Auch mich stört das Aufleuchten von iPhone-Displays in ansonsten abgedunkelten Zuschauerräumen seit längerem. Sie haben doch immer so gute Ideen, was könnte man denn dagegen machen? Ein Bühnentechniker hat mir von Störsendern abgeraten. Was empfehlen Sie?

Lutz Berger (nicht per SMS aus dem Theater gesendet)


Lieber Lutz,

also wie jetzt? Nicht per SMS aus dem Theater gesendet? Das ist angesichts der von Ihnen berichteten Unsitte mutig! Eine Bernsteinfunkennachricht aus dem Musentempel kassibern! Chapöchen, Chapöchen! Sie sehen, ich stimme mich schon ein auf das Austeilen wutbürgerlicher Ratschläge. Sehen Sie in mir eine bedingungslose Verbündete im Kampf gegen die Lichtverschmutzung verdunkelter Zuschauerräume. Das Aufblinken von Handydisplays shortmessagetippender Zuschauer ist deswegen so störend, weil wir Irritationen dieser Qualität meist aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Blitzende und blinkende Lichtereignisse werden von den Randgebieten unserer Netzhaut weit stärker wahrgenommen, als von der Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte der Retina. Verantwortlich für das skotopische (das Nacht- oder Dämmerungs-) Sehen sind die Stäbchen, das sind die äusserst lichtempfindlichen Photorezeptorzellen in der Netzhauptperipherie. Im Gegensatz zu den farbempfindlichen Zäpchen in und um die Stelle des schärfsten Sehens können sie nur hell und dunkel wahrnehmen, dies aber umso besser. Leuchtende Handydisplays sind von der Evolution des Auges noch nicht berücksichtigt worden. Was tun? Störsender können Netze stören, gegen aggressives Kleinbildschirmleuchten sind sie wirkungslos. Was also tun? Stehen sie langsam und ruhig auf und begeben sich sich zur Quelle des verbrecherischen Blinkens. Nehmen sie der Person das Handy aus der Hand und werfen sie es auf die Bühne. Schauspieler werden mit dieser Intervention gut umgehen können. Zwischenapplaus aus dem Publikum wird Ihnen gewiss sein. Vor Gewalttätigkeiten durch den Leuchtgangster schützt sie die normative Kraft des Faktischen. Tipper sind ganz schlechte Schläger.www.comandantina.com dusl@falter.at

9. Juni 2011 (0) Comments

Pipi und Pippi auf Phi Phi Island

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 23/2011 

Liebe Frau Andrea, 

eine Junkfood-Kette preist neuerdings ihre Produkte fett mit "pipifein" an. Eine Bekannte verwendet es notorisch als Superlativ in ihren Reiseberichten, zur Betonung eines besonderen Settings oder auch im Zusammenhang mit Liebschaften. Und dann noch folgende Anekdote, die eine Freundin unlängst mit großer Empörung erzählte: Sie sollte als Gebärdensprachendolmetscherin „pipifein“ für einen (chauvinistisch angehauchten) Lehrerkollegen übersetzen, was sie jedoch verweigerte. Sie hat es als einen gewohnt obszönen Untergriff dieses Kollegen verstanden. Wir sind uns da nicht so sicher und sind entsprechend scharf auf ihre Deutung. 

Mit freundlichen Grüßen, 
Raimund Kainz, Salzburg per springendem Bernsteinfunken. 


Lieber Raimund, 

Ich teile Ihre Besorgnis über die inflationäre Verwendung von pipifein. Einen Teil unseres Unbehagens möchte ich der Bedeutungsunschärfe zuschreiben, die sich aus fehlerhaftem Einsatz der Partikel Pipi, Pippi, Piepi und Pee Pee ergibt. Pipi ist der französische Ausdruck für jene Körperflüssigkeit, die österreichische Zungen mit Lulu umschreiben. Deutschen gefällt das Wort Pipi, weil sie es eleganter finden als Pisse. Auch die Genitalien deutscher Kleinkinder werden Pipi genannt, von ihnen selbst, wie von den Erziehungsberechtigten. Pippi, au contraire, ist die Abkürzung von Pippilotta, des Namens einer schwererziehbaren Kapitänstochter, bekannt aus den Romanen der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Piepi, hier kommen wir der Sache näher, ist der lautmalerische Zweisilber, mit dem wir das frisch geschlüpfte Hühnchen bezeichnen. Den Piepmatz, das Piepihendi, das Pieperl. Ein wohliges Nest, ein gemütliches Heim, die Mechanismen sorgenfreien Funktionierens nennt der bildungsferne Schichtler demgemäss piepifein, schreibt es aber falsch, nämlich pipifein. An diesem Befund ändert auch die Existenz des Sanitärproduktes "Pipifein" nichts, eines trichterförmigen Reiseutensils, das Frauen den Segen stehenden Miktierens verspricht. To pee nennen die Anglosachsen schliesslich das Entleeren der Blase. Pee Pee (Pi Pi) hingegen ist nicht das Lackerl, sondern die richtige Aussprache von Phi Phi, einer thailändischen Ferieninsel. Wie sich all diese Sachverhalte gebärdensprachlich vermitteln lassen, mögen Berufenere klären. www.comandantina.com dusl@falter.at 

Written with Essay on iPad
Von meinem braven iPad gesendet

5. Juni 2011 (0) Comments

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