Februar 2011
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Das Unendliche Panorama
Folge 122 - Bruder Sibelius
Folge 122 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 08/2011.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
23. Februar 2011 (0) Comments
Aufzug, Filzler, Getscho, Auto
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 08/2011
Liebe Frau Andrea,
neulich hatte ich ein Deja vu in der Simmeringer Banlieue am Murhoferweg. Als ich dort mit dem Aufzug in den 8. Stock fuhr, um eine alte Bekannte zu besuchen, hatte ich genug Zeit, die Kritzeleien im Aufzug zu studieren. Und da sah ich es wieder: AUTO. Mit schwarzem Filzler geschrieben stand es da. Und so wie damals in meiner Schulzeit im tiefsten Erdberg, wo es fast an jeder Ecke des Rabenhofes stand, frage ich mich heute noch. Welche Bedeutung hat AUTO? In der Hoffnung, daß Sie bescheid wissen und dieses Geheimnis entwirren, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,
Armin Pfingstl, per Elektronachricht.
Lieber Armin,
es will mir schwerfallen, Ihnen als Ex-Erdberger das Nichtwissen um das Signum AUTO vorbehaltlos zu glauben. Erlauben Sie mir, den Ball dennoch aufzugreifen. Das Vierbuchstabenwort AUTO tritt uns oft in Versalien entgegen. Immer ist das A eckig geschrieben, wie ein F, dem jemand ein rechtes Strichlein zugefügt hat. Und das hat jemand in jedem Fall von AUTO auch. Und nicht nur das. Er oder sie hat immer auch noch ein O an das ursprüngliche Wort angefügt. Wir ahnen es, das ursprünglich an Aufzugwände, Türen, Kaugummiautomaten und in ungeputzte Autoscheiben geschriebene Wort lautet: FUT. Die wienerische Fut (Mehrzahl: die Futen) ist verwandt mit dem deutschen Wort Fotze und bezeichnet, wie hier schon erörtert wurde, das weibliche Geschlechtsteil. Schon im Altnordischen finden wir es als fuð (Scheide). Etymologisch fällt die Verwandtschaft mit Futteral und Futter (der Innenseite von Kleidungsstücken und Taschen) auf. Wir können sie auf das indogermanische *pah- (schützen, scheiden) zurückführen - im Altindischen bezeichnet etwa pātra den Behälter, das Gefäß, im Hethitischen pattar, pattur, den Korb. Zur Graffitierung von AUTO braucht es zwei, einander meist unbekannte Autoren. Beide arbeiten heimlich und unabhängig von einander unter Anonymisierung ihrer Textherstellerschaft. Der/die erste Autorin begeht eine Tabuübertretung mit dem heimlichen, aber öffentlich gut sichtbaren Hinschreiben des Wortes FUT. Der/die zweite fügt irgendwann, in tabu-respektierender Absicht, das Strichlein zum A, sowie den Buchstaben O dazu. Feinspitze schreiben AUTRICHE. www.comandantina.com dusl@falter.at
23. Februar 2011 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 121 - Sie Grüssie nochamal
Folge 121 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 07/2011.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
16. Februar 2011 (0) Comments
Wo ist unser Tahrir-Platz?
für meine Gastkolumne in den Salzburger Nachrichten vom 16.2.2011.
Es ist gute drei Wochen her, als die ägyptische Zivilgesellschaft mit ständig wachsendem Selbstbewusstsein in Kairo und anderen Städten auf die Strasse ging, weil sie mit dem nicht zufrieden war, was der Machthaber ihnen an Freiheiten und Möglichkeiten zugestand. Der Machthaber - ein bis zur Parodie gelifteter und maskenhaft auf alterslos getrimmter Greis, der sich und seine Entscheidungen für unersetzlich hielt und in dem Caesarenwahn lebte, von “seinem” Volk dafür auch noch geliebt zu werden. Westliche Regierungen bestätigten ihn jahrzehntelang in diesem Glauben. Mubarak war ein Schurke, aber er war “unser” Schurke, wusste man in den diplomatischen Kreisen der ersten und zweiten Welt. Nach drei Wochen Massenprotesten ist Mubarak nicht mehr, das Volk und seine Generalskollegen haben ihn gestürzt. Im Exil auf der Emiratsinsel Schardscha am persischen Golf sitzt der nackte König jetzt in einem Palast und krämpft. Nimmt, so sagen die Gerüchte, keine Medikamente mehr zu sich, spielt den sterbenden Schwan und färbt sich den Haaransatz nicht mehr mit teurer schwarzer Schuhpasta. Pharao Gaga versteht die Welt nicht mehr, sein geliebtes Volk hat ihn verstossen.
Was hat das alles mit uns zu tun? Was hat ein arabischer Autokrat mit der Insel der Seligen zu tun, was mit Schnitzelland, dem Land von Mozart und Schröcksnadel, von Grillparzer und DJ Ötzi? Wir leben doch in einer Demokratie, wir haben Frieden und Freiheit und Zeitungen und Wurstsemmeln und Internet für Alle. Was hat es mit uns zu tun?
Viel. Und gleichzeitig nichts. Es ist noch keine hundert Jahre her, dass im Land der Berge, Strome, Äcker, Dome die Staatsform der Demokratie eingeführt wurde. Erstmalig. Und mit bescheidenem Erfolg. Nach 16 Jahren war es vorbei mit der Herrschaft des Volkes. Zwei Diktaturen folgten, sie mündeten in Krieg und Vernichtung. Seit 1955 ist Schnitzelland wieder ziemlich frei und relativ souverän. In Teilen der Bevölkerung gibt es Sehnsucht nach einem starken Mann. Damit meint dieser Teil Österreichs gewiss nicht Bruno Kreisky. Schon eher jemand vom Schlage des Millimetternichs aus Texing oder gar des Postkartenmalers aus Braunau. Die Namen werden heute noch von Seligsprechern und Ewiggestrigen hinter vorgehaltener Hand, aber grossem Wohlwollen ausgesprochen: Dollfuß. Hitler. Es ist kein Menschenleben her, dass Österreich von Ultramubaraks regiert wurde. Dass Tod und Vernichtung für Andersdenkende Tagesgeschäft war. Das sollten wir immer in Erinnerung haben, wenn wir den Aufstand des ägyptischen Volkes mit dem lockeren Gestus politischer Abgebrühtheit kommentieren. Haben sich die Blossfüssigen gegen den Präsidenten aufgepudelt. Na schau.
Die demokratische Decke, in die wir uns kuscheln, ist dünn. Es leben noch Zeitzeugen jenes blutigen Februar 1934, als das Bundesheer das Feuer auf aufständische Demokraten eröffnete. Als politische Gegner des Austro-Hosni standrechtlich ermordet wurden. Die Beurteilung dieses schmutzigen Teils der österreichischen Geschichte ist hierorts übrigens noch nicht politischer Konsens. Und Tahrir-Platz, also Freiheits-Platz haben wir auch keinen in der Bundeshauptstadt. Unser Massenauflaufstätte heisst, ganz monarchisch: Heldenplatz.
16. Februar 2011 (0) Comments
Gleisbehm und Isolierte
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 07/2011
Liebe Frau Andrea,
kürzlich hatte ich faltermässig mit den Wiener Linien zu tun: Ich steuerte eine Straßenbahn der Linie 71 (das durfte ich, weil ich Journalist bin). In diesem Zusammenhang erklärte mir ein Straßenbahnfahrer, er gehöre zu den "Gleis-Behm". Bus-Chauffeure nenne man Öffi-Intern "die Isolierten". Wieso das so ist, konnte mir der Mann nicht erklären. Vielleicht hast Du eine Ahnung?
Dein Christopher Wurmdobler, per Hauspost
Lieber Christopher,
mit Deiner 71erfahrt bist Du in ein Universum eingetaucht, in dem selbst die meisten eingeborenen Wiener nur tangentiale Erfahrungen machen. In der Welt von Bim und Bus sind die p.t. Fahrgäste zur Passivität verdammt, der Fahrer ist der King. King allerdings würde kein Wiener sagen, denn der Wagenlenker heisst Dramwehschaföa (Tramway-Chauffeur). Der Ausdruck Gleis-Behm (Gleis-Böhmen) ist eine Analogie zu Ziegel-Behm und bezeichnete im späten 19ten, frühen 20ten Jahrhundert Arbeiter aus den Kronländern Böhmen und Mähren. Gleis-Behm waren bei Bau und Erhaltung des Wiener Strassenbahnnetzes beschäftigt. Bis in die 1950er-Jahre waren als Gleis-Behm auch die, vom Wienerliedersänger Turl Wiener besungenen Tramwayschienenritzenkratzer bekannt. Diese waren (meist ungelernte) Arbeiter, die die Strassenbahnschienen sauber hielten, indem sie mithilfe einer stockähnlichen Spezialschaufel oder eines kurzen und steif gebundenen Rutenbesens, der am anderen Stielende ein zugespitztes Flacheisen trug, den Schmutz entfernten. Diese Schienenkratzerei war besonders an den Weichen notwendig. Nach der Reinigung wurde die Weichen, aber auch Kurvenstücke, mit einer Schwemme aus Wasser und Graphitpulver ausgegossen, um einerseits ein leichtes Funktionieren zu gewähren und andererseits ein quietschendes Geräusch beim Befahren zu verhindern. Heute werden statt der Gleis-Behm Schienenreinigungsfahrzeuge eingesetzt. Mit dem Ausdruck “Isolierte” bezeichnen die Angehörigen der Wiener Linien ihre Kollegen Buschauffeure. Die Isolierten sind isoliert, weil sie auf Gummireifen fahren, während die Metallräder der Straßenbahn dazu dienen, den über die Oberleitung aufgenommenen Strom über die Schienen abzuleiten (und somit unter Strom stehen). Bimbim!www.comandantina.com dusl@falter.at
16. Februar 2011 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 120 - Grüssie
Folge 120 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 06/2011.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
9. Februar 2011 (0) Comments
Supernackter Szenator
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 06/2011
Liebe Frau Andrea,
"Supernackt" hätte das Wort des Jahres werden können, wäre es ein bisschen
früher an die Öffentlichkeit gelangt. Nun frage ich Sie, werte Frau Andrea,
ob diese Wortschöpfung von Meischberger selbst stammt oder schon früher in
Umlauf war.
Mit vollbekleideten Grüßen,
Norbert Mottas, St. Valentin, per Elektrobotschaft
Lieber Norbert,
leider kann ich mit sachdienlichen Recherche-Telefonaten mit Karl Heinz Grasser und Walter Meischberger nicht aufwarten. Die Gefahr, Protagonistin eines eigenen Gespächsprotokolls zu werden, hätte mich nicht abgeschreckt, eher schon die Aussicht auf ein zigarettenvernebeltes Kaffeehausgespräch mit Grasser-Anwalt Ainedter. In der Frage der Herkunft des Begriffs “supernackt” sind wir auf die Exegese der publizierten Dokumente angewiesen. Der uns interessierende Satz fällt laut parlamentarischer Anfrage der Abgeordneten Moser, Freundinnen und Freunde im Gespräch Nr. 35 vom 1.2.2010, um 22 Uhr 16 zwischen Meischberger und Grasser. Hier bekennt Meischberger in der Erörterung der Frage, in welchen Ländern eine bestimmte Baufirma tätig gewesen sei: "Da bin ich jetzt supernackt." Ob Meischberger “supernackt” sagte oder “super nackt” lässt sich nicht feststellen. Dies schon deswegen nicht, weil der abhörprotokollierende Beamte durchaus mit eigener Schreibweise auffällt. So notiert er am selben Tag, aber schon um 20 Uhr 32 einen anderen Satz Meischbergers so: "Damals hat der P und der H (...) gemeinsam mit dem Szenator (...)” Wörtlich hat der Niederschreibende also statt "Senator" "Szenator" getippt. Liegt hier eine Magyarizität des Protokollierenden vor - kennt doch das Ungarische den “szenátor” - oder ein Freudscher Verschreiber, bei dem ein “Sz” eingeschleust wurde, weil der Schreibende an “Szene” dachte? Wie auch immer, vor den legendären Telefonaten zirkulierte “supernackt” fast ausschliesslich in der Pornoszene. Es kommt vom englischen “super nude” und bezeichnet Models, die nicht nur nackt, sondern auch rasiert sind und die, wie Urban Dictionary, das Online-Wörterbuch für englische Slang-Wörter weiss, einen Schritt weiter gehen, in dem sie “die Arschfalten öffnen, die Vorhat zurückrollen und die Schamlippen spreizen”. www.comandantina.com dusl@falter.at
9. Februar 2011 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 119 - The Carrier
Folge 119 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 05/2011.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
2. Februar 2011 (0) Comments


