Höscherln ist die volle Hetz

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 34/2010

Liebe Frau Andrea,

letztes Wochenende, beim dreitägigen Lehrgang des Bundes Österreichischer Fußball-Lehrer, kurz BÖFL, hatte ich viele Spezialisten um mich herum. Meine Frage konnten sie mir dennoch nicht beantworten: Woher stammt der Ausdruck Hösche? Das Wort, das alle Trainer und Spieler verstehen, bezeichnet einen Spielerkreis, in dessen Mitte zwei Spieler versuchen, den Ball zu bekommen. Wir rätselten stundenlang. Die Männer (ich war die einzige Frau) hatten viele Erklärungen: vom einfachen häkerln, bis hin zum Höschen ergattern!

Besten Dank und freundliche Grüße,
Claudia Gallhofer, Rudolfsheim, per Elektropost
 
Liebe Claudia,

in Unkenntnis der kompletten Erörterungsgeschichte Ihres Hösche-Seminars darf ich die beiden mitgelieferten Erklärungsmodelle einer kurzen Analyse unterziehen. Möglich, dass Fußballlehrer in Ausbildung modernes Kurzpassspiel als Häkelei wahrnehmen und den verborgenen Sinn des Spiels am Grünen Rasen im Ergattern gegnerischer Hoserln sehen. Die tatsächliche Bedeutung des seltsamen Ösi-Kicker-Ausdrucks berühren die erwähnten Etymologien durchaus, wenn auch nur tangential. Sie klopfen an der Latte an, um einen einschlägigen Ausdruck zu bemühen. Hösche kommt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt so viel wie Fopperei, Hohn, Spott. Gefrotzelt werden dabei ein oder zwei in einem Kickerkreis stehenden Spieler. Er oder sie müssen versuchen, einen Ball abzufangen. Gelingt dies, muss der Fehlpassgeber in die Mitte. Die Hösche gibt es in vielen Varianten, sie wird sehr oft im Training, nur so zum Spaß - und von österreichischen Kickern durchaus auch bei Meisterschaftspielen und internationalen Begegnungen in regulären Matches gespielt. Die Hösche und die mit ihr verwandte Verbalform höscherln (soviel wie ärgern) kommt aus einer indoeuropäischen Wurzel, aus der die deutsche Sprache die Worte hetzen und hassen gedrechselt hat. Im Germanischen bedeutete das Verb, goth. hatjan und hatan, ahd. haschên und haschôn, mhd. haschen, ursprünglich “verfolgen”, das dazugehörige Substantiv Haß war schlicht die Verfolgung. Böse Stimmen, die die österreichische Trainerleidenschaft für das Höscherln für wenig geeignet halten, zeitgemässen Tiki-Taka-Fußball auch mit Toren zu krönen, möchte ich nicht kommentieren. www.comandantina.com dusl@falter.at

21. August 2010 © Andrea Maria Dusl

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