Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 27/2010
Liebe Frau Andrea,
letzten Sonntag hat Deutschland Argentinien betoniert. Auch wenn das jetzt vielleicht ziemlicher Fussballoverkill sein sollte, brennt mir eine Frage unter den Nägeln. Dieses Match wurde nämlich von den Kommentatoren, wie auch (glaube ich) schon das Match Portugal gegen Nordkorea, als Kantersieg bezeichnet. Okay, okay, Kantersieg. Aber bitte was ist das, ein Kantersieg?
Michou Bacher, Neubau, per Elektro-Post
Liebe Michou,
daß eine Fussballmannschaft gegen eine andere mit einem fabulösen Torreigen gewinnt, kommt gelegentlich vor. Wenn dies aber mit grosser Leichtigkeit passiert, wie etwa der legendäre 9:0-Sieg Spaniens gegen Österreich (das letzte Länderspiel übrigens unter Trainerfels Herbert Prohaska), spricht man von einem Kantersieg. Der Ausdruck hat trotz der Grösse des Erfolgs mehr mit der Mühelosigkeit zu tun, mit dem dieser erzielt wurde. Der Kantersieg kommt aus dem Pferdesport und bedeutete einen besonders leicht gefallenen, im lockeren Galopp erzielten Sieg. Kanter selbst kommt vom englischen Canter gallop, kurz Canter. Dieses wiederum leitet sich ab von der südenglischen Stadt Canterbury und nimmt Bezug auf das gemächliche Reisetempo der Pilger, die auf dem Pferd unterwegs waren zum Sarg des Heiligen Thomas Becket, des 1170 ermordeten Erzbischofs von Canterbury. Canterbury (deutsch Kanterburg) hat seinen Namen vom altenglischen Cantwaraburig und bedeutete soviel wie die Burg der Leute von Kent. Ähnlich wie die Bezeichnung der nordspanischen Atlantik-Provinz Cantabria kommt der Name der südenglischen, an Kanal und Nordsee gelegenen Grafschaft Kent aus dem Proto-Indoeuropäischen. Über Vermittlung durch das Lateinische und/oder Keltische soll es von einem Wort *kanthos stammen, das vermutlich Kante, im Sinne von Kantenland oder Wasserkante bedeutete. Im Norddeutschen ist diese Etymologie noch in Waterkant erhalten geblieben, dem Ufer oder Land am Wasser, umgangssprachlich dem Gebiet an der Küste. www.comandantina.com dusl@falter.at
5. Juli 2010 © Andrea Maria Dusl
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