Juni 2010
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Das Unendliche Panorama
Folge 90 - Anna
Folge 90 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 26/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Rede im Rathaus ::: Freiheit für Hebenstreit!
Essai sur La Liberté, L'Egalité et La Fraternité.
Andrea Maria Dusl .·.
Rede im Wiener Rathaus, 28.6.2010, anlässlich der Rehabilitierung Franz Hebenstreits.
(--> Wiener Vorlesungen - Franz Hebenstreit, Rehabilitierung eines frühen Demokraten)
Alle Texte des Abends hier in einer Sonderbeilage der Presse
Geliebte Schwestern! Geliebte Brüder!
Ich fordere Freiheit für Franz Hebenstreit! Mein Aufruf kommt 215 Jahre zu spät. Franz Hebenstreit wurde am 8. Jänner 1795 hingerichtet. Am Schottentor wurde er aufgehängt, unter dem Johlen derber Dummköpfe, die sich darin gefielen, eine weitere Fackel der Aufklärung in den Brunnen zu werfen.
Franz Hebenstreit war ein Demokrat, er brannte für die Freiheit, für die Gleichheit, für die Geschwisterlichkeit. Am Schottentor, wo sein Licht ausgeblasen wurde, steht heute die grosse Universität des Landes, darin sein Fokus, das Auditorium Maximum.
Auch 215 Jahre nach Hebenstreit wird am Schottentor noch um die Freiheit gekämpft. Für die Freiheit des Denkens, für die Freiheit von Ungleichheit und Standesdünkel. Auch 215 Jahre nach Hebenstreit ist das Schottentor noch eine Richtstätte. Unten am Donauufer steht die grosse Kaserne, sie wurde gegen das Volk errichtet, wurde gebaut, um das Volk mit Waffengewalt von der Revolution abzuhalten. Sein Hauptausfallstor ist auf ebendiese Universität gerichtet, das österreichische Gegensatzpaar Staatsgewalt und Freiheit der Lehre ist in den Stadtplan eingeschrieben.
Am Schottentor werden noch heute, im Jahr 2010, 215 Jahre nach Hebenstreit Studierende von Polizisten zusammengeschlagen. Was ist ihr Verbrechen? Die Forderung nach Freiheit. Das Besetzen kommunalen Eigentums.
Was fürchtet die Staatsgewalt? Sie fürchtet, dass der König seinen Kopf verliert. Mit der Forderung nach Freiheit beginnt der Kopf zu wackeln, mit der Idee der Gleichheit purzelt er.
Hätte Franz Hebenstreit, Bruder im Geiste, Bruder im Licht, seine Sehnsucht nach der besseren Welt, seine Sehnsucht nach einem Leben ohne Neid und Missgunst, ohne Habgier und Ausbeutung, hätte er diese Sehnsucht verwirklicht, lebten wir heute in einem besseren Land.
Dann könnte sich Arigona Zogaj heute so frei fühlen wie Anna Netrebko.
Hätte Franz Hebenstreit seine, unsere Sehnsucht verwirklichen können, hätten wir uns die Metternichzeit erspart, die eiserne Faust nach dem gescheiterten 48er-Revolutionsversuch, das soziale Elend der Gründerzeit, den habsburgischen Völkerkerker, den ersten Weltkrieg, den Ständestaat, den Nationalsozialismus, den zweiten Weltkrieg und wahrscheinlich auch den Holocaust.
215 Jahre nach Hebenstreit leiden wir noch immer an den Echos der aufgezählten Verbrechen. Täter wie Opfer. Die Täter leiden an ihrem Wahn, die Opfer an dessen Folgen.
Die Utopien, nach denen sich Franz Hebenstreit sehnte, sind in diesem Lande noch weitgehend unverwirklicht. In seinen Betrachtungen fand Hebenstreit, “dass der Neid in seinem ausgedehnten Verstande die Hauptquelle aller Laster sei, auf der anderen Seite, dass von dem Krieg zum Prozesse, vom Prozesse zum Raub und zur Plünderei keinen anderen Grund als das Mein und Dein habe.”
In einer Gesellschaft dagegen, in der “alle Natur- und Kunstprodukte nach jedem Bedürfnis gemeinnützig sind, folglich der Erwerb sowie der Genuss gemeinschaftlich”, in einer solchen Gesellschaft sei jedes Laster unmöglich.
Andreas Riedel, der andere prominente revolutionäre Geist jener Tage nennt diese Gedankenwelt euphorisch „Hebenstreitismus oder Kommunismus“.
Neoliberale und Antisoziale, Klerikale und Konservative mögen ihre Ressentiments am Wort Kommunismus erigieren, aber in einer Welt, die Hebenstreit und die anderen Revolutionäre ersehnt und vorgedacht haben, gäbe es die Geschäftsmodelle des Neoliberalismus und Antisozialismus nicht, es gäbe keine Wahrheit in Gott und nicht die Nacherzählung des Beamtenkaiserstaates im Kleinen. Es gäbe Gerechtigkeit und Gleichheit, es gäbe die Souveränität des Einzelnen, gebündelt in der Idee der Solidarität.
In einem Hebenstreitösterreich gäbe es Freiheit, gäbe es Gleichheit, gäbe es Geschwisterlichkeit.
"Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.” Der Artikel 1 des Bundesverfassungsgesetzes ist nicht verwirklicht. Österreichs Recht wird hinter den Polstertüren von berufsständischen Kammern und Eigentümerbüros verhandelt, es hat keine Erinnerung an die Revolution, denn die Revolution hat in Österreich nie stattgefunden. Der König hat nie seinen Kopf verloren.
Wer auch immer an seiner statt sitzt, egal, welchen Namen sein Sessel trägt, hat keine Erinnerung an die Macht des Volkes. Wo es keine Erinnerung gibt, gibt es keine Erkenntnis. Es wundert nicht, dass die Republik sich nicht an Franz Hebenstreit erinnert.
Aber wir tun es und wir holen seine Fackel aus dem Brunnen, sie brennt noch und leuchtet. Franz Hebenstreit mag sein Leben ausgehaucht haben, aber seine Ideen brennen. Stürzen wir die falschen Helden von ihren Sockeln, die Kaiser und Könige und Kärntner Sonnen und ihre Büttel und erinnern wir uns an die wahren Helden dieses Landes. Die ersten Demokraten. Die ersten Republikaner. Franz Hebenstreit, Du lebest hoch! Ich fordere die Freiheit für Dich!
Nebochants Begräbnis. Sofort verhaften!
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 26/2010
Liebe Frau Andrea,
glauben Sie, dass ich etwas versäumt habe, indem ich nicht zu Dichands Begräbnis gegangen bin?
Gerhard Edlinger, Radmer, Steiermark, per Elektro-Post
Lieber Gerhard,
für einen Abschied von Hans Dichand hätten Sie am 17. Juni 2010 sehr früh aufstehen müssen. Meinen Berechnungen zufolge wäre 4 Uhr morgens gerade noch rechtzeitig gewesen, um aus der Feder zu hüpfen, einen Espresso zu stürzen und gekampelt und geschneutzt die 217 Auto-Kilometer vom obersteirischen Radmer bis zum Grinzinger Friedhof zurückzulegen. Hätten Sie nicht die südliche Route über die 115er, die S6 und die A6 genommen, sondern die nördliche (eigentlich kürzere) über die Erlauftal-Bundesstrasse, die B39 und die Westautobahn, hätten Sie den bereiften Untersatz sogar 10 Minuten früher besteigen müssen. Kurz vor 7 Uhr 30 am Grinzinger Friedhof angekommen, hätten Sie erst den Körperwächtern und dann den etwa 50 anwesenden Familienangehörigen und Freunden des begnadeten Blattmachers glaubhaft machen müssen, kein Aussenstehender zu sein. Spekulationen über einen Erfolg dieses, doch sehr intimen Begehrs, möchte ich keine anstrengen. Welche Versäumnisse Ihr Nichterscheinen mit sich bringt, kann ich aufgrund der schütteren Nachrichtenlage - beim Begräbnis herrschte Journalismusverbot - nicht sagen. Wir wollen also die Kunst zu Rate ziehen. In seinem, 2008 erschienenen Roman “Sofort verhaften!” schildert Stephan Eibel Erzberg das Begräbnis eines Zeitungszaren namens “Nebochant”. In einer bitterblumigen Szene beschreibt er, wie “Proletenleser, Deppenleser und Funsenleserinnen” aus Zorn über den zynischen Inhalt von Nebochants geheimen Demagogiebuch das Erste-Klasse-Begräbnis stürmen und sich, zum Entsetzen der Trauergäste - unter ihnen der Sonntagskolumnist Kardinal Aufrecht - auf dem Grab ihrer Körperflüssigkeiten entledigen. Es kommt zu Aufweichungen des Funeralsitus, in deren Folge noble Trauergäste in die Grube stürzen. Unter ihnen der Kardinal samt Bischofsstab, ein Ex-Bundeskanzler namens “Ehrlich” sowie der Ex-Innenminister “Wägerl”. Weitere Unsaussprechlichkeiten der “Proleten, Deppen und Funsen” finden statt, es entsteht ein “echter Gupf, aus dem eine Blockflöte herausschaut.” Vorgänge dieser literarischen Qualität sind vom Grinzinger Friedhof nicht bekannt geworden.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Das Runde muss ins das Eckige ::: Tor der Woche 3
Aus meiner Falter-Fussball-WM-Serie "Tor der Woche". Ins Bild klicken für grosse Version!
GENUG ist GENUG
Mein Text für die Demo am 1. Juli 2010:
Liebe Angsthabende, irgendwo da draussen an euren Stammtischen!
Habt keine Angst. Fürchtet euch nicht. Fürchtet euch nicht vor den Arigonas und ihren Familien, habt keine Angst vor denen, die ein besseres Leben suchen. Ein bescheidenes Leben. Ein Leben ohne Angst. Ein Leben in Friede und Freiheit.
Glaubt denen nicht, die euch Angst machen vor den Schwachen. Sie manipulieren euch. Sie lügen euch an. Sie brauchen eure Angst, um ihre bösen Geschäfte zu machen. Sie brauchen eure Angst, um abzulenken. Von den Verbrechen, die sie begehen. Sie sackeln das Land aus, sie sackeln euch aus. Sie sackeln uns alle aus. Es sind die Leute, für die die Unschuldsvermutung gilt. Die Provisonsempfänger, die Homepagebetreiber, die Bankenpaketler. Die Handerlaufhalter und Dreikrügelbesteller. Die Sonnen an den Himmeln. Die Hetzer in den Bierzelten. Sie schüren eure Angst. Um von ihren Geschäften abzulenken. Hört nicht auf sie, jagt sie zum Teufel.
Und habt keine Angst vor denen, die Hilfe brauchen. Sie werden Euch nicht ausrauben. Sie werden Euch nichts wegnehmen. Denn das machen die anderen, die Braungebrannten, die Unschuldsvermutler. Die Handerlaufhalter. Die Angstmacher. Die Unfreimacher.
Verändern wir gemeinsam diese Republik! Jetzt. Haben wir keine Angst!
Andrea Maria Dusl
Genug ist Genug!
Juni 2010
GENUG IST GENUG!
http://www.misik.at/sonstige/heldenplatz.php
1. Juli, 18:30 Uhr Heldenplatz: GENUG IST GENUG! Für eine menschenwürdige Asylpolitik!
GENUG IST GENUG!
Arigona Zogaj und ihre Familie sollen bleiben!
Für eine menschenwürdige Asylpolitik!
Die Familie Zogaj wurde zum Symbol für das Elend der österreichischen Asyl- und Einwanderungspolitik - und für deren Erbarmungslosigkeit. Mit dem Befehl zur „unverzüglichen Ausreise" krönen das Innenministerium und die Behörden ihr menschenverachtendes Vorgehen in diesem Fall.
Seit Jahren schon wird diese Familie politisch zerstört. Und die Zogajs sind kein Einzelfall. Seit Jahren schon werden viele andere Familien aus ihrem längst vertrauten Umfeld herausgerissen. Kinder dürfen die Schule nicht fertig machen. Fußballer werden vom Training weg in Schubhaft genommen. Familien bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt, damit ihre Nachbarn und Nachbarinnen es nicht rechtzeitig bemerken. Wir fragen: Wie daneben ist das denn?
Und wir sagen: Genug ist genug.
Deshalb demonstrieren wir für ein sofortiges humanitäres Bleiberecht für die Familie Zogaj! Für eine menschenwürdige Asylpolitik und ein humanitäres Fremdenrecht!
Donnerstag, 1. Juli 2010, 18:30 Uhr, Heldenplatz
Elfriede Jelinek - Robert Palfrader - Stefan Ruzowitzky - Florian Scheuba - Rudolf Scholten - Barbara Coudenhove-Kalergi - Markus Hering - Sigrid Maurer - Freda Meissner-Blau - Robert Menasse - Barbara Blaha - Constantin Wulff - Robert Misik - Isolde Charim - Doron Rabinovici - Franzobel - Karl Merkatz - Michael Köhlmeier - Susanne Scholl - Dwora Stein - Anne Bennent - Otto Lechner - Eva Jantschitsch („Gustav") - Josef Hader - Andrea Maria Dusl - Peter Kreisky - Franz Adrian Wenzel ("Austrofred") - Gertraud Auer Borea d'Olmo - Peter Henisch - Karl-Markus Gauss - Wolfgang Kos - Götz Spielmann - Rudolf Kaske - Philip Blom - Harald Krassnitzer - Peter Hörmanseder - "Maschek" - Michael Schottenberg - Thomas Glavinic - Veronika Barnas - Maria Bill - Josef Weidenholzer - Teresija Stoisits - Caspar Einem - Danielle Spera - Olga Flor - Hanno Loewy - Markus Kupferblum- Dirk Stermann - Thomas Baum - Elfriede Hammerl - Frank Hoffmann - David Schalko - Karl Markovics - Gerhard Haderer - Texta
Mit Unterstützung von SOS Mitmensch
Kontakt: office at sosmitmensch.at oder +43 1 524 99 00
Bitte diesen Aufruf kopieren, weitermailen, in allen Webseiten und Blogs posten... Spread the Word! Danke R.M.
Aufklärung ::: Freiheit für Hebenstreit!
Franz Hebenstreit (1747 bis 1795)
Rehabilitierung eines frühen Demokraten
Wiederaufnahme eines Verfahrens
mit Mag. Andrea Maria Dusl , Mag. Alexander Emanuely, Ottwald John, Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer, Univ.-Doz. Dr. Arno Pilgram, Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, Dr. Norbert Gerstberger, Dr. Beate Matschnig, em. Univ.-Prof. Dr. Werner Ogris, em. Univ.Prof. Dr. Ernst Wangermann.
Am 8. Jänner 1795 wurde Franz Hebenstreit, Schriftsteller, Freimaurer, Offizier und erster prominenter Republikaner Österreichs, wegen Hochverrats in Wien gehängt. Sein Tod und die Aburteilung vieler seiner MitstreiterInnen, die als „Wiener Jakobiner“ bezeichnet wurden, bedeutete das Ende jener Epoche, die Leslie Bodi als Tauwetter beschrieben hat, bedeutete das Ende der politisch aktiven Aufklärung in Österreich.
Franz Hebenstreit wurde nicht nur Opfer einer Politjustiz, die Erinnerung an ihn wurde aus dem kollektiven Geschichtsbewusstsein gelöscht. Die „Wiener Jakobiner“, die österreichischen AufklärerInnen, die radikalen DemokratInnen sind im 19. Jahrhundert totgeschwiegen worden und im 21. Jahrhundert so gut wie vergessen.
Die Wiener Vorlesung möchte die Erinnerung an einen frühen Demokraten wachrufen.
Im Rahmen der Veranstaltung wird der eben im Verlag Bibliothek der Provinz erschienene Band II der Reihe Enzyklopädie des Wiener Wissens. Porträts, „Ausgang: Franz Hebenstreit (1747–1795). Schattenrisse der Wiener Demokrat*innen 1794“ von Alexander Emanuely präsentiert.
Montag, 28. Juni 2010 - 19h
Wiener Rathaus
Festsaal
Lichtenfelsgasse 2
Feststiege I
1010 Wien
Freier Eintritt
Eine Veranstaltung m Rahmen der Wiener Vorlesungen.
Franz Hebenstreit (1747 bis 1795)
Rehabilitierung eines frühen Demokraten
Wiederaufnahme eines Verfahrens
Wien (OTS) - Kein Vortrag im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Art von Gerichtsverhandlung steht Besuchern der Wiener Vorlesungen im Festsaal des Wiener Rathauses kommenden Montag (28.6.) ab 19.00 Uhr bevor. Verhandelt wird in Form eines Geschworenengerichts die Causa "Franz Hebenstreit", Ziel ist es, jenen im Jänner 1795 gehängten Schriftsteller, Offizier, Freimaurer und Republikaner zu rehabilitieren. Passend zum Gerichtsverfahren nehmen an der Wiener Vorlesung zu Franz Hebenstreit auch die drei Berufsrichter Beate Matschnig, Norbert Gerstberger und Heinz Mayer teil. Die Anklage vertritt Werner Ogris, die Verteidigung der Leiter der "Wiener Vorleungen", Hubert Christian Ehalt. Weiters sind Ernst Wangermann, Arno Pilgram und Andrea Maria Dusl als Zeugen und Sachverständige geladen. Während der Beratungen lesen Alexander Emanuely und Ottwald John aus Schriften von Hebenstreit. Franz Hebenstreit von Streitenfeld gilt als frühes Opfer habsburgischer Politjustiz. Er zählt zu den ersten bedeutenden Wiener Aufklärern.
Geboren 1747 in Prag arbeitete der Zeitgenosse Mozarts und Van Swietens an einem modernen Verfassungsentwurf mit. Zuvor diente Hebenstreit im Heer, desertierte, bei seiner Flucht nach Amerika, wurde er von Preußen gefangen genommen, später kehrte er wieder in die österreichische Armee als Offizier zurück. Als deklarierter Sympathisant der französischen Revolution fand er bei seinem Studium in Wien bald Anschluss unter Gleichgesinnten, darunter Andreas Riedel, der wiederum zum Beraterkreis von Leopold II. gehörte.
Mit dem Amtsantritt von Franz II. veränderte sich die politische Situation in Österreich grundlegend: Sympathisanten der Aufklärung, der Freimaurerei - Hebenstreit trat dieser in den frühen 1790ern bei - erfuhren zusehends Verfolgung. Hebenstreit, der auch der Verfasser des seinerzeit sehr bekannten Revolutionsliedes "Eipeldauerlied" war, forcierte Pläne eines politischen Umsturzes im Sinne der erfolgreichen französischen Revolution.
m 24. Juni 1794 setzte in Wien eine Verhaftungswelle ein, im darauf stattfindenden Prozess wurde Hebenstreit wegen Hochverrats zum Tode am Strang verurteilt. Bis heute hält sich die These, dass dieser Prozess eher einem politischen Schauprozess ähnelte und die tatsächlichen Vorwürfe gegenüber Hebenstreit deutlich geringfügiger waren, als wie man sie offiziell darstellte.
Hebenstreit erhielt, wie auch viele seiner Mitstreiter, wie etwa Andreas Riedl, in späterer Zeit keine wirkliche Rehabilitierung als wichtiger geistiger Kopf des republikanischen Österreichs.
Der Schädel Hebenstreits ist bis heute im Kriminalmuseum in der Leopoldstadt ausgestellt. In den achtziger Jahren benannte der Republikanische Club sein Stammlokal nach dem frühen Republikaner. Das Cafe Hebenstreit befindet sich nahe dem Schottentor in der Helfersdorferstraße, nicht weit von der Hinrichtungsstätte Hebenstreits entfernt.
Wiener Vorlesungen, "Franz Hebenstreit (1747 - 1795).
Rehabilitierung eines frühen Demokraten - Wiederaufnahme eines Verfahrens",
28. Juni, Festsaal des Wiener Rathauses, Beginn: 19.00 Uhr.
Das Unendliche Panorama
Folge 89 - Das Ich
Folge 89 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 25/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Runde muss ins das Eckige ::: Tor der Woche 2
Aus meiner Falter-Fussball-WM-Serie "Tor der Woche". Ins Bild klicken für grosse Version!
Winter im Fussballsüden
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 25/2010
Liebe Frau Andrea,
liebe Alleswisserin! Im weltmeisterlichen Südafrika wird den Fußballern immer kälter, weil dort der Winter vor der Tür steht. Sagt man auf der Südhalbkugel jetzt zum Sommer Winter und zum Winter Sommer? Folgen da unten die Begriffe für die Jahreszeiten dem Kalender oder der Witterung?
Ein etwas fröstelnder
Josef Dollinger, per Elektro-Post
Lieber Josef,
die Jahreszeiten und mit ihnen vieles von dem, was wir unter Wetter verstehen, wird durch die Achsenneigung der Erde verursacht. Leichte Krängungsoszillationen wie Präzession und Nutation nicht einberechnet, ist unser Mutterschiff momentan um 23,4385° aus dem Lot. Das führt im Jahreslauf dazu, dass im Nordsommer die Erdenstirn, im Südsommer der Erdenhintern zur Sonne zeigt. Die Übergänge zwischen diesen Extrema erzeugen die Jahreszeiten. Sie sind in mittleren Breiten am stärksten ausgeprägt. Wenn auf der Nordhalbkugel des Planeten (wie vergangenen Montag, den 21. Juni um 13 Uhr 28) die Sommersonnwende stattfindet, kann auf der Südhalbkugel gegengleich die Wintersonnenwende beobachtet werden. Down Under ist also alles umgekehrt. Weihnachten wird im Sommer gefeiert und Schulschluss im Winter. Auf die, in westlich geprägten Zivilisationen gebrauchten Monatsnamen hat das keinen Einfluss. Die Begriffe für die Jahreszeiten folgen in Ländern wie Australien, Neuseeland, Argentinien und Chile, und auch im Weltfussballland Südafrika der Witterung und nicht dem Kalender. Australier neigen, in Adaption der uralten kalendarischen Usancen der Aborigines inzwischen dazu, sechs Jahreszeiten zu unterscheiden. Wollten Sie sich in IsiZulu, der Sprache des Bantuvolkes der Zulu, der bevölkerungsreichsten südafrikanischen Ethnie, über Jahreszeiten unterhalten, sollten sie mal kurz ihr Vokabelheft zücken. Der Sommer heisst auf Isizulu Ihlobo, Intwasahlobo der Frühling, Ikwindla der Herbst und Ubusika der Winter. Der Ubusika des Jahres 2010 gilt als ausserordentlich streng. in der Ostkap-Provinz mussten wegen Schneefällen Zahlreiche Bergpässe gesperrt werden. Und am Kap sind in nasskalten Winterstürmen gar 500 Pinguine erfroren. Bibber! www.comandantina.com dusl@falter.at
Das Unendliche Panorama
Folge 88 - Rinna
Folge 88 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 24/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Runde muss ins das Eckige ::: Tor der Woche 1
Aus meiner Falter-Fussball-WM-Serie "Tor der Woche". Ins Bild klicken für grosse Version!
Die Tröte aus der Hölle
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 24/2010
Liebe Frau Andrea,
was ist das für ein unglaubliches Hornissengesumme bei der Fussball-WM? Meine Fussballversteherfreunde sagen knapp, das seien Voodoo-Zähler. Muss ich Angst haben, wenn ich ohne Magie-Sicherheitsmassnahmen zufällig in ein WM-Match zappe? Woher kommen die bösen Tröten? Und was zählt man beim Voodoo-zählen?
Liebe Grüsse, Bernd Tragiser,
Neulerchenfeld, per Elektronachricht
Lieber Bernd,
als Zufallszapper brauchen Sie keine Angst vor den seltsamen Klängen aus dem Süden unseres Nachbarkontinents haben. Auch das Betreten einer Public-Viewing-Zone oder eines WM-Wirtshauses wird Ihnen keinen schwarzmagischen Schaden zufügen. Mit Vodoo haben die Bienensounds aus den Stadien in Johannesburg, Kapstadt, Pretoria und den anderen sechs WM-Sädten nichts zu tun. Die von Ihnen konsultierten Fussballexperten dürften das Wort Vuvuzela falsch verstanden haben. So nämlich nennen die Südafrikaner jene bunten Plastiktröten, deren infernalische Trompetensounds den Aufenthalt in einem WM-Stadion zu einem akustischen Inferno geraten lassen. Ist doch der Sound aus einer einzigen Vuvuzela mit 123,9 Dezibel so laut wie ein Düsenjet im Probelauf. Im Gegensatz zu fliegendem Blech treten die Stadionpusten aber zu Zehntausenden auf. Der Name Vuvuzela soll vom Zulu-Wort für Dusche - Vuvu - kommen. Die Höllenposaune will der bekannte Kaizer Chiefs FC Fan Freddie “Saddam” Maake schon 1965 aus einer Fahrradtröte und einem Verlängerungsrohr gebastelt haben. Die nächsten Versuche mit der Fantrompete waren aus Aluminium. Um die Satanshupe durch die Security-Checks zu bringen, liess Maake schliesslich Plastikversionen produzieren. Vuvuzelas eroberten die Stadien Südafrikas. Erste internationale Aufregung erregte die Vuvuzela-Manie beim letztjährigen FIFA-Confederations-Cup, als WM-Generalprobe ebenfalls in Südafrika ausgetragen. Kommentatoren, Spieler und Besucher konnten sich mit ihrem Wunsch, die Plastiktrompeten aus der Hölle zu verbieten, bei FIFA-Vorsitzendem Sepp Blatter nicht durchsetzen. Der altersschwerhörige Mann schob diplomatische Gründe vor: Man solle den Afrikanischen Weltcup nicht europäisieren. Tröööt! www.comandantina.com dusl@falter.at
Gold, Pokal und Gazzingas Spiralen
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 23/2010
Liebe Frau Andrea,
jetzt geht es also dann los mit dem ganzen Fussball-Wahnsinn. Tag und Nacht Dauerberieselung mit Fussballnachrichten. Freunde (und manche Freundinnen) im Ausnahmezustand. Es geht um diesen goldenen Pokal. Dabei sieht der doch gar nicht aus wie ein Pokal. Was hat’s mit diesem Siegerpreis?
Liebe Grüsse, Tobias Ziegler,
Boboville, per Elektronachricht
Lieber Tobias,
der FIFA WM-Pokal ™ ist die meist begehrte Siegertrophäe der Fußballwelt. Sie wird der Gewinnermannschaft der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer verliehen. Ideengeschichtlich ist das goldene Gefäss für die Sieger ein Echo auf die Beute marodierender Soldaten. In goldenen Schüsseln, Kelchen und Pokalen dürfen wir Beutegut aus Tempeln und Schatzkammern sehen. Der aktuelle Pokal ist die zweite Generation des erlesenen Pokals, die erste war nach dem damaligen FIFA-Präsidenten Jules Rimet benannt, der Becher blieb nach Brasiliens drittem WM-Triumph dauerhaft im Besitz der Seleção. 1983 wurde er in Rio de Janeiro gestohlen und tauchte nie wieder auf. 1971 entwarf der italienische Bildhauer Silvio Gazzinga, Schöpfer von Grossplastiken wie dem "Denkmal des gefallenen Motorradfahrers" für die 74er-Weltmeisterschaft eine flaschengrosse Goldstatue. Sie ist aus 18-karätigem Gold gegossen, innen hohl und praktikable 6,175 kg leicht. (Massiv brächte sie etwa 80 Kilogramm auf die Waage). Gazzinga beschrieb seinen Entwurf bei der Einreichung mit blumigen Worten: "Aus der Basis entspringen Linien, die sich in Spiralen nach oben winden und die ganze Welt aufnehmen. Aus der dynamischen Spannung der kompakten Skulptur sind die Darstellungen zweier Spieler im bewegenden Moment des Sieges herausgearbeitet". Nunja. Die tropfenförmige Trophäe ist an ihrem Fuß von grünen Malachitringen umkränzt und verzeichnet an der Unterseite, spartanisch graviert, die bisherigen Gewinner. Stationiert ist der Originalpokal in Zürich, die Gewinnermannschaften erhalten nur eine vergoldete Kopie. Der einzige Privatmann auf Erden, der ebenfalls eine Kopie des Pokals besitzt, ist der schwäbische Unternehmer Rolf Deyhle, Schöpfer des FIFA-Logos. Ein anderer Deutscher hatte den Originalpokal 1974 als erster in WM-Händen. Kaiser Franz. Beckenbauer.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Das Unendliche Panorama
Folge 87 - Chilleria
Folge 87 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 23/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Unendliche Panorama
Folge 86 - Bluestones
Folge 86 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 22/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Unendliche Panorama
Folge 85 - Piazza
Folge 85 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 21/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Unendliche Panorama
Folge 84 - Spiaggia
Folge 84 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 20/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Runde muss ins das Eckige ::: Tor der Woche 0
Vorspiel zu meiner Falter-Fussball-WM-Serie "Tor der Woche". Ins Bild klicken für grosse Version!
Channel 8 ::: Kritiken in Kurier und Presse
Peter Pisa im Kurier vom 29.5.2010:
(Reinklicken für grössere Ansicht!)
Anna-Maria Wallner in der Presse am Sonntag vom 30.5.2010:
(Reinklicken für grössere Ansicht!)



