Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Góignfogl, Gauch, Juxbruada und andere Bledisten
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 21/2010
Liebe Frau Andrea,
ich erinnere mich, dass meine Eltern – Mutter aus dem Weinviertel, Vater aus dem Wiener Kleinbürgertum – im Fall von Verärgerung über ein imbeziles weibliches Geschöpf früher gerne zum Schimpfwort Bledirl, Ble(h)dirdl griffen, was große Ratlosigkeit in mir hervorrief. Ich reimte mir zusammen, dass das wohl etwas mit blöden Türen zu tun haben müsse, bin bis heute mit dieser Erklärung aber nicht wirklich zufrieden.
Liebe Grüsse, Dein Florian Holzer
per Gesichtsbuchdirektnachricht
Lieber Florian,
mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem von Dir angeführten Pejorativ um die Bezeichnung Bledidl. Das absolute Standardwerk zur Erörterung solcher Probleme, Hornung/Grüners achthundertseitiges Wörterbuch der Wiener Mundart, versteht darunter einen blöden, spassigen Menschen. Einen Kasperl, einen Schelm, wenn ich das mal so sagen darf. Allerdings vorzugsweise einen Mann. Frauenzimmer und Zimmertüren werden im allgemeinen weniger oft als Bledidl bezeichnet. In Anlehnung an den Grobian und den Dummrian kennt das Wienerische auch den Bledian. Fachkräfte im Unsinntreiben können in semantischer Analogie zu Dentist und Drogist auch Bledist genannt werden, weniger sympathische Tröpfe schlicht Bledl. Das wienerische bled kommt wie das hochdeutsche blöd vom mittelhochdeutschen blœde und vom althochdeutschen blōdi und bedeuten ursprünglich soviel wie gebrechlich, zaghaft. Ein sehr ähnliches Wort ist “bloß”, in seiner Bedeutung schwach, zart, naß. Der Bledidl ist im Gegensatz zum Drottl oder Suam behände und leichtfüssig. Synonyme, die er mit dem Kasperl (wienerisch Khaschbal) teilt, sind: Aóglegda, Aóff, Bimpal, Bojádsa, Britschinöla, Einlog, Fitsslibutssli, Góignfogl, Gauch, Juxbruada, Khinésa, Khoifókda, Khoschba, Khoschbanölli, Noa, Schbasfogl, Schmähfiara, Schnipfa, Schöm und Wuaschdl. Vor die Wahl gestellt, als Bledidl, Schmähfiara oder Wuaschdl zu firmieren, mögen sich Bezeichnete doch für letzteren entscheiden, denn “in Wuaschdl kaun kana daschlogn.”
www.comandantina.com dusl@falter.at
20. Mai 2010 © Andrea Maria Dusl
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