Mai 2010
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Sappho, Lesben, Lesbierinnen und Lesbier
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 22/20102200 Netto
Liebe Frau Andrea,
vor einigen Tagen las ich die ORF-teletext-Headline: USA-Lesbierin wird Bischöfin. Was ist eine Lesbierin? Ist das der feine Ausdruck für Lesbe? Macht man eine Lesbierin aus ihr, weil das eleganter klingt? Dann muss es doch auch einen Lesbier geben! Wer ist das und was kann er? Meine Ratlosigkeit ist grenzenlos. Hätte ich einen Hut, würde dieser mir kreisen!
Liebe Grüsse, Rainer Jäger,
1130 Wien, per Elektronachricht
Lieber Rainer,
die amerikanische Geistliche Mary Glasspool wurde am 15ten Mai bei einer Zeremonie im Bistum Los Angeles tatsächlich zur Bischöfin geweiht. Die bekennende Homosexuelle lebt seit Ende der 80erjahre in einer festen Partnerschaft mit einer Frau. Die 56jährige ist Mitglied der anglikanischen Episkopalkirche in den USA, einer Gruppe innerhalb der 77 Millionen Mitglieder zählenden Anglikanische Kirche. Den Episkopalen gehören in den USA immerhin 2,1 Millionen Gläubige an. Frau Bischöfin wurde zwar auf einer Insel (Staten Island) geboren, ist aber im geographischen Sinn keine Lesbierin, bezeichnen wir damit doch vorrangig Bewohnerinnen der ostägäischen Insel Lesbos. Männliche Inselbewohner kennt die Geographie als Lesbier. Die berühmteste Tochter des griechischen Eilands, die Dichterin Sappho war sowohl Lesbierin als auch Lesbierin, besang in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen und betrieb eine Schule für aristokratische Mädchen. Bezeichnungen aus der Umgebung Lesbe und Sapphistin tauchen erstmals im Frankreich des 17. Jh. auf und wurden zum Synonym für die weibliche Homosexualität. In diesem Sinn ist Bischöfin Glaspool also bekennende Lesbierin. Für weiblichen Tribadismus hat sich inzwischen allerdings der runder klingende Ausdruck Lesbe durchgesetzt. Drei lesviotische Männer, Lesbier also, zogen 2008 tatsächlich vor Gericht, um den Gebrauch ihres Inselnamens in Zusammenhang mit sexueller Orientierung verbieten zu lassen. Vergeblich. Mir kreist der Hut”, das wollen wir abschliessend lobend in Erinnerung rufen, wurde von der Heterosexuellen Dr. Erika Fuchs, legendärerer deutscher Übersetzerin der Abenteuer von Donald Duck in die Welt gesetzt.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Traum und Wirklichkeit
Für die Architekturzeitung Konstruktiv. Ins Bild klicken für grosse Version.
Showtime ::: Channel 8 - Lesung: 27.5. Leobersdorf
Es gibt nur eine Frage: Wer bist du?
Andrea Maria Dusl
liest aus ihrem neu erschienenen Roman
Channel 8
Kommet!
Donnerstag, 27.5.2010 - 19:30h
Vinothek bel vino
Hauptstr. 30-32
2544 Leobersdorf
Tel: 01 9081326
leobersdorf@buecher-hikade.at
www.buecher-hikade.at
EINTRITT € 5,-
(Eintrittskarte gilt als fünf Euro Gutschein,
einzulösen binnen einer Woche nach Ausstellung
bei Bücher Hikade Leobersdorf, Hauptstr. 14.)
Platzreservierung unter 02256/65 824
oder: leobersdorf@buecher-hikade.at empfohlen
..........
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Schon mal was lesen von Valentin, Anastasija, Rotor und Kifti Rost?
--> Vorabdruck in der Presse.
Góignfogl, Gauch, Juxbruada und andere Bledisten
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 21/2010
Liebe Frau Andrea,
ich erinnere mich, dass meine Eltern – Mutter aus dem Weinviertel, Vater aus dem Wiener Kleinbürgertum – im Fall von Verärgerung über ein imbeziles weibliches Geschöpf früher gerne zum Schimpfwort Bledirl, Ble(h)dirdl griffen, was große Ratlosigkeit in mir hervorrief. Ich reimte mir zusammen, dass das wohl etwas mit blöden Türen zu tun haben müsse, bin bis heute mit dieser Erklärung aber nicht wirklich zufrieden.
Liebe Grüsse, Dein Florian Holzer
per Gesichtsbuchdirektnachricht
Lieber Florian,
mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem von Dir angeführten Pejorativ um die Bezeichnung Bledidl. Das absolute Standardwerk zur Erörterung solcher Probleme, Hornung/Grüners achthundertseitiges Wörterbuch der Wiener Mundart, versteht darunter einen blöden, spassigen Menschen. Einen Kasperl, einen Schelm, wenn ich das mal so sagen darf. Allerdings vorzugsweise einen Mann. Frauenzimmer und Zimmertüren werden im allgemeinen weniger oft als Bledidl bezeichnet. In Anlehnung an den Grobian und den Dummrian kennt das Wienerische auch den Bledian. Fachkräfte im Unsinntreiben können in semantischer Analogie zu Dentist und Drogist auch Bledist genannt werden, weniger sympathische Tröpfe schlicht Bledl. Das wienerische bled kommt wie das hochdeutsche blöd vom mittelhochdeutschen blœde und vom althochdeutschen blōdi und bedeuten ursprünglich soviel wie gebrechlich, zaghaft. Ein sehr ähnliches Wort ist “bloß”, in seiner Bedeutung schwach, zart, naß. Der Bledidl ist im Gegensatz zum Drottl oder Suam behände und leichtfüssig. Synonyme, die er mit dem Kasperl (wienerisch Khaschbal) teilt, sind: Aóglegda, Aóff, Bimpal, Bojádsa, Britschinöla, Einlog, Fitsslibutssli, Góignfogl, Gauch, Juxbruada, Khinésa, Khoifókda, Khoschba, Khoschbanölli, Noa, Schbasfogl, Schmähfiara, Schnipfa, Schöm und Wuaschdl. Vor die Wahl gestellt, als Bledidl, Schmähfiara oder Wuaschdl zu firmieren, mögen sich Bezeichnete doch für letzteren entscheiden, denn “in Wuaschdl kaun kana daschlogn.”
www.comandantina.com dusl@falter.at
Showtime ::: Channel 8 Lesungen: 18.5.Tiempo - 20.5.Thalia
Es gibt nur eine Frage: Wer bist du?
Andrea Maria Dusl liest aus ihrem neu erschienenen Roman Channel 8
Kommet!
Am Dienstag, 18.5.2010 - 19:30h
in der Buchhandlung Tiempo Nuevo
Taborstraße 17a, 1020 Wien
Tel: 01 9081326
nuevo @ tiempo.at
www.tiempo.at
und
am Donnerstag, 20.5.2010 - 19h
in der Buchhandlung Thalia
Mariahilferstraße 99, 1060 Wien
Tel: 01 5954550
mh99@thalia.at
www.thalia.at
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In Schwimmen 2 Lerchenfelderstrasse
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 20/2010
Liebe Frau Andrea,
auf Facebook und YouTube zirkuliert ein Handyvideo, das reissende Sturzbäche in einer Wiener Vorstadtstrasse zeigt. Erst schwimmt ein Blumenkübel im kniehohen Wasser talwärts, dann fetzt es zwei Passanten vorbei, die von einem Dritten aus den Fluten gerettet werden. Das Video soll während der Unwetter vom letzten Donnerstag gemacht worden sein. Kritiker aber meinen, die Aufnahme stamme vom 13.5.2001. Wo war das und wann und wie können in Wien solche Wassermassen auftauchen? Oder war das gar nicht Wien? Wasserratlos,
Udo Gruber, Klagbaumgasse, per Elektronachricht
Lieber Udo,
der 13. Mai 2001 ist als strahlender Sonntag in die Archive eingegangen. Über Mitteleuropa lag ein Hochdruckgebiet. Als Tageshöchstwert wurden in Wien um fünf Uhr Nachmittags maienhafte 19° gemessen. Niederschläge gab es an diesem Tag keine. Das Video mit den reissenden Strassenfluten stammt aus Wien, aber es ist nicht neun Jahre alt, sondern ganz frisch. Es wurde am 13. Mai 2010 im Sonnenstudio Sun One in der Lerchenfelderstrasse 162 aufgenommen. Diese Seite der Strasse liegt schon im Achten Bezirk. Der Blick in besagtem Video (es ist auf http://www.youtube.com/watch?v=G0MhD5NAUT0 abrufbar) geht durch die grossen Auslagenscheiben des Sonnenstudios Richtung Siebten auf die Kreuzung Kaiserstrasse/Lerchenfelderstrasse, einen Häuserblock vom Gürtel entfernt. Die braunen Fluten schiessen aus der Thaliastrasse kommend die Lerchenfelderstrasse hinunter. Bei den Wassermassen, ausgelöst durch einen Wolkenbruch mit der Regenmenge eines ganzen Monats, handelt es sich, salopp ausgedrückt, um den übergeschnappten Ottakringerbach. Er hat sein Kanalbett unter Thaliastrasse und Lerchenfelderstrasse verlassen und rauscht oberirdisch talwärts. Welche Kräfte der wilde Wienerwaldbach auf seiner Route von Galitzinberg bis zu seiner heutigen Mündung im Wienfluss entwickeln kann, lässt sich am Tiefen Graben feststellen. Der tief in das Gelände eingeschnittene Strassenzug in der Innenstadt ist das alte Bett des Ottakringerbaches.
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Hier das oben erwähnte Video, mit inzwischen korrigiertem Datum:
Channel 8 ::: Präsentation bei Anna Jeller

Samstag, 15. Mai 2010
10 bis 13h
Margaretenstraße 35
1040 Wien
Tel.: 586 13 53
Fax.: 586 67 47
Andrea Maria Dusl stellt Ihren neuen, bei Residenz erschienenen Roman CHANNEL 8 vor.
Durch Zufall erfährt Valentin, erfolgreicher Fernsehjournalist für den internationalen Pariser Nachrichtensender CHANNEL 8, dass seine verstörenden Träume höchst real sind. Verwirrt begibt er sich auf die Suche nach den seltsamen Bildern, die in seinen nächtlichen Visionen herumspuken. Er reist in die Stadt, die ganz offenbar der Schauplatz dieser Träume ist.
Valentin ist auf unheimliche Weise mit einer russischen Künstlerin verbunden, die als Taschendiebin in Sankt Petersburg arbeitet...
Eine atemberaubende Liebesgeschichte voll transzendentaler Schönheit!
Welchen Tag haben wir heute?
Dienstag, sagte der Barkeeper und stellte
einen zwiefachen Martell auf den Zinc.
Und welche Stadt?
Paris.
Sind Sie sicher?
Ich bin mir sicher, sagte der Barkeeper.
Und gestern?
Montag. Auch Paris. Hier ist immer Paris,
Monsieur, seit ich mich erinnern kann.
Seltsame Dinge passieren, sagte Valentin.
............................
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oder Renate Anderle, Residenzverlag
Telefon 0043 2742 802 1411
r.anderle@residenzverlag.at
Residenz Verlag
Das Unendliche Panorama
Folge 83 - Hugin och Munin
Folge 83 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 19/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Unendliche Panorama
Folge 82 - Pnin
Folge 82 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 18/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Das Unendliche Panorama
Folge 81 - Chilling
Folge 81 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 17/2010.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
Bankl reissn, Bock aufstön
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 19/2010
Liebe Frau Andrea,
letztens habe ich mit Freunden den wunderbaren Film "Freundschaft" angeschaut. Hauptdarsteller Erwin Steinhauer hat da gemeint, dass die Hofratswitwen ihr Geld dem Tierschutzverein vermachen bevor sie "a Bankl reiß'n". Mich interessiert nun, woher der Ausdruck kommt. Ich bedanke mich schon jetzt für Ihre Antwort.
Mit besten Grüßen, Regine Bohrn, per Elektronachricht
Liebe Regine,
lange bevor Freundschaft verfilmt wurde, war der Stoff ein überaus erfolgreiches Kabarettprogramm, das die Autoren Florian Scheuba und Rupert Henning für das kongeniale Bühnenpaar Steinhauer/Henning verfasst haben. Erwin Steinhauer und Rupert Henning spielen im Film wie auf der Bühne Vater und Sohn aus sozialdemokratischem Haus und haben damit Zugang zu blumigen Begriffen aus dem Proletariat und aus bildungsferneren Schichten der ostösterreichischen Bevölkerung. Der Ausdruck “a Bankl reissen” (eine Sitzbank umreissen) gehört zum Standardrepertoire an Urwiener Ausdrücken für Sterben. Es kommt wie viele ähnliche Sprachbilder aus dem Rotwelschen, dem Sonderwortschatz der Fahrenden und Vaganten, der Bettler und Kleinkriminellen. Strenggenommen würde eine begüterte Wiener Hofratswitwe allerdings kein Bankl reissen, sondern maximal eine Ottomane werfen, eine Chaiselongue stossen oder schlicht von der Récamière fliegen. Kehren wir aber zum Rotwelsch-Wienerischen und seinem reichen Repertoire an Ausdrücken für den Exitus zurück. In Wien stirbt man nicht, man hupft in die Kistn, stöd die Patschen, die Bock und die Hammerl auf oder haut en Löffl weg. Man mocht a Eckn oder reisst a Brezn, springt ins Sackl (in den Anzug) oder ziagt in Hoizpyjama an. Man wird vom Banernen ghoit oder vom Quiqui und wird en Deife sei ersta Haaza (des Teufels erster Heizer). Auch der Suizid wird blumig beschrieben. Lebensmüde gebm si die Kugel, haun si ins Pendel und in Lichthof, schmeissen si ins Hangerl, drahn die Gas auf, gengan maukas (von jiddisch macho - ausgelöscht sein) oder foan ganz still und heimlich min Anasibzga - mit der Strassenbahnlinie 71 zum Zentralfriedhof.
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Neuer Dusl-Roman!
Channel 8
Es gibt nur eine Frage: Wer bist du?
Andrea Maria Dusl
Channel 8
Eine atemberaubende Liebesgeschichte voll transzendentaler Schönheit!
"Welchen Tag haben wir heute?"
"Dienstag", sagte der Barkeeper und stellte
einen zwiefachen Martell auf den Zinc.
"Und welche Stadt?"
"Paris."
"Sind Sie sicher?"
"Ich bin mir sicher", sagte der Barkeeper.
"Und gestern?"
"Montag. Auch Paris. Hier ist immer Paris,
Monsieur, seit ich mich erinnern kann."
"Seltsame Dinge passieren", sagte Valentin."
Durch Zufall erfährt Valentin, erfolgreicher Fernsehjournalist für den internationalen Pariser Nachrichtensender „Channel 8“, dass seine verstörenden Träume höchst real sind. Verwirrt begibt er sich auf die Suche nach den seltsamen Bildern, die in seinen nächtlichen Visionen herumspuken. Er reist in die Stadt, die ganz offenbar der Schauplatz dieser Träume ist: Sankt Petersburg.
Valentin ist auf unheimliche Weise mit einer russischen Künstlerin verbunden, die als Taschendiebin arbeitet. Der mundane Reporter und die melancholische Schönheit träumen einander. Wie zwei Radiostationen, die auf derselben Frequenz senden, erleben sie das Leben des jeweils anderen im Traum.
Auf der Suche nach der fremden und doch so nahen Frau brechen die Ufer zwischen Traum und Wirklichkeit ein und beide überschreiten Grenzen, deren Existenz sie bislang nicht einmal geahnt hatten. Die Liebesgeschichte zwischen den so widersprüchlichen Charakteren wird zu einem Tanz auf dem engen Grat zwischen Leben und Tod.
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Roman, Backfisch, Samt und Klumpat
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 18/2010
Liebe Frau Andrea,
letzte Woche durch die fade St. Pöltner Innenstadt schlendernd, fiel mir in einem Schaufenster, inmitten von Samt und anderem Deko-Klumpat stehend, ein Buch ins Auge: "Mein erster Roman". Wieso schreibt man die Langform der schriftlich fixierten Erzählung gleich wie den Vornamen Roman? Geht es bei diesem Buch um ein nettes Geschenk für Hobbyschriftsteller oder um einen sexuellen Erfahrungsbericht einer verzweifelten Zwanzigjährigen, die ihren "ersten Roman" im Bett hatte?
Liebe Grüße aus einer WG im 2. Wiener Gemeindebezirk,
Fabian Bouda
Lieber Fabian,
gerne trete ich mit sachdienlichen Hinweisen an Ihre Seite. Ein Foto, der von Ihnen entdeckten Sankt Pöltener Innenstadt-Auslage wäre insoferne hilfreich, als sich darauf nähere Details zu dem von Ihnen beschriebenen literarischen Werk fänden. Eine Abfrage beim VLB, dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher konnte über Inhalt und Autor keine Erkenntnisse bringen. Das Standardwerk des Buchhandels listet als umfassende Datenbank für Buchhandel und Bibliothekswesen alle lieferbaren deutschsprachigen Publikationen auf und zeichnet sich dabei durch seine Vollständigkeit aus. Ein Werk mit dem Titel “Mein erster Roman” kennt das VBL nicht. Das soll uns bei unserer Erörterung aber nicht weiter stören. Möglicherweise handelt es sich bei dem Werk “Mein erster Roman” nämlich selbst um ein Deko-Produkt, um einen Dummy der Auslagen-Dekorations-Branche. Das von ihnen beschriebene Setting, Samt und “Deko-Klumpat” liesse solch eine Deutung ihrer Sichtung durchaus zu. Die Langform der verschrifteten Erzählung ist aus dem französischen entlehnt, wo der roman, altfranzösisch romanz, romant, ursprünglich aus dem Lateinischen (Römischen) ins Französische übersetzte Bücher bezeichnete. Seit dem 15. Jh. bezeichnete es epische Werke zu abenteuerlichen Stoffen in der Vergangenheit, erst ab dem 17. Jh. fand es seine heutige Bedeutung. Die Existenz einer Monographie mit dem Titel “Mein erster Roman” wäre durchaus denkbar, spielte aber gewiss mit seiner satirischen Nebenbedeutung. Ich tippe auf ein raffiniertes Erstlingswerk, in dessen narrativem Zentrum die Begegnung eines Backfisches mit dem Filmregisseur Roman Polanski steht.
www.comandantina.com dusl@falter.at


