Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Der Tabak mit der seltsamen Zahl
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 15/2010
Liebe Frau Andrea,
tout l'Autriche beschäftigt sich damit, ob in Lokalen geraucht werden darf oder nicht. Niemand fragt sich, was denn da geraucht wird in den Feinstaubtempeln. Muss ich mich fürchten vor Rauchern, die “Ernte 23” pofeln? Sind das Illuminaten? Freimaurer gar? Und warum heisst die Marke überhaupt so seltsam?
Beste Grüße
Ines Zirbensäger aus Margareten, per Elektropost
Liebe Ines,
vor den Freimaurern müssen Sie sich nicht fürchten. Zwar beschäftigen sich die Masonen ausgiebig mit Zahlen und ihren mystischen Implikationen, aber die 23 gehört nicht zu ihrem Nummernarsenal. 3, 5, 7, 12, 24 und 33 liegen ihnen mehr am Herzen. Den Illuminaten wird die Zahl 23 und die unglückbringende Magie, die ihr innewohnen soll ganz zu Unrecht zugeschrieben. Besonderer Verdienste in der Verbreitung von Verschörungstherorien zur Zahl 23 dürfen sich William S. Burroughs und das Autoren-Duo der Illuminatus!-Trilogie, Robert Shea und Robert Anton Wilson rühmen. Im deutschsprachigen Raum hat Hans-Christian Schmids Hacker-Film “23 – Nichts ist so wie es scheint” für nachhaltige Furcht vor der Zahl 23 gesorgt. Mit der numerologischen Qualität der Zahl 23 und etwaigen unheilsbringenden Eigenschaften hat die Zigarettenmarke aus dem Hause Reemtsma nichts zu tun. Die Zigaretten in der spartanisch gestalteten orangen Schachtel mit dem schnörkellosen Schriftzug sind besonders bei deutschen Nikotinisten beliebt und heissen nach einem Ereignis, das profaner nicht sein könnte. Der Markenname „Ernte 23" geht auf das Jahr 1923 zurück, als aus Smyrna geflüchteten Griechen im Distrikt von Saloniki einen Tabak anbauten, dessen Ernte so ungewöhnlich gut ausfiel, daß man sie im Hause Reemtsma als Mischungsgrundlage und Name für eine eigene Marke empfahl. Bei aller Profanie wohnt der Tschicksorte “Ernte 23” dennoch ein numerologischer Mythos inne. Auf die Banderole der “Ernte 23” war jahrelang - produktionstechnisch bedingt - eine Buchstaben- und Zahlenkombinationen gedruckt. Unter den damaligen Rauchern ging die Mär, dass man beim Entdecken der zufälligen Abfolge “ERNTE23” die Marke ein Leben lang umsonst rauchen könne.
www.comandantina.com dusl@falter.at
9. April 2010 © Andrea Maria Dusl
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