Das der, das die, und die das

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 17/2010

Liebe Frau Andrea,

wer bestimmt die Artikel von Hauptwörtern nicht-österreichischen Ursprungs? Wie ist das zum Beispiel mit e-mail, event, browser, ash-cloud, pre-electoral-havoc und so weiter? Bitte um Hilfe,

Willie Schenz, per Gesichtsbuchnachricht

Lieber Willie,

an der Festlegung der Artikel zu neu eingeführten Begriffen sind weder Behörden noch Institute beteiligt. Sie werden durch Sprachgebrauch etabliert oder nach willkürlicher Bestimmung durch Autoren in Umlauf gebracht. Das Phänomen des “bestimmten Artikels” ist selbst Ergebnis einer sprachlichen Entwicklung. Der US-amerikanische Linguist Joseph Greenberg beschreibt diese Vorgänge als “Zyklus des bestimmten Artikels”. Nach seiner Theorie entwickeln sich Artikel aus Demonstrativpronomen (hinweisenden Fürwörtern), Wörtern also, mit der ein Sprecher auf einen Gesprächsgegenstand im Raum verweist, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Im Deutschen (das wie viele indoeuropäische Sprachen ursprünglich keine Artikel kannte) waren das die Pronomen dër, diu und daz. Diese haben sich, ganz im Einklang mit Greenbergs Theorie zu generischen (geschlechtsbestimmenden) Artikeln weiterentwickelt, zunächst sowohl in bestimmten als auch in unbestimmten Zusammenhängen. Als frühes Zeugnis des Gebrauchs von Artikeln gilt Wulfilas gotische Bibelübersetzung - sie imitiert die bestimmten Artikel des griechischen Ausgangstextes. Unsere Begegnung mit Begriffen wie e-mail (Elektropost), Event (Herauskommen), browser (Abgraser), ash-cloud (Aschenwolke), pre-electoral havoc (Vorwahlverüstung) führen auch zu Artikelisierungen. Nicht immer sind diese eindeutig, wie der Streit um “die E-Mail” und “das E-Mail” zeigt. “Der” Browser verdankt seinen männlichen Artikel wohl der Gewohnheit Deutschsprechender, die Endung auf “-er” eher maskulin zu deuten. Unterschiedliche Sprachrealitäten haben dazu geführt, dass Deutsche “die” Cola trinken, Österreicher “das” Cola. Die einen haben den braunen Zuckersprudel nach dem Vorbild der französischstämmigen Limonade gegendert, die anderen nach dem des doch sehr österreichischen, aber zutiefst sächlichen Kracherls.

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23. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 80 - Monorail Beach

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Folge 80 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 16/2010.

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21. April 2010 (0) Comments

Scharf, schärfer, Schor

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 16/2010

Liebe Frau Andrea,

die Messerklingen von edelstem Tafelsilber zeigen bei vielen Fabrikaten auf der nicht schneidenden Seite eine Abschrägung im Bereich der vorderen zwei Drittel auf - wozu, das konnte mir noch niemand beantworten, nicht einmal die solche Messer produzierende Firma Berndorf. Gibt es irgendeine funktionelle oder historische Erklärung für diese Besonderheit, beliebte z.B. Ludwig XVI. damit seine Butter aufs morgendliche Croissant zu schmieren? Ergebenst Ihre Antwort erwartend verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung,

Georg Sinzinger aus RedBullCity, per Elektropost

Lieber Georg,

Louis Seize, der letzte König des Ancien Régime wurde zwar von einem scharfen Messer (dem Fallbeil der Guillotine) ins Jenseits befördert und hatte, nach allem was wir wissen, auch allerbestes Essbesteck. Dass er mit seinem Tafelmesser Croissants mit Butter bestrich, ist allerdings schon deswegen unwahrscheinlich, weil diese, allen Legenden zum trotz, nicht vor dem 19. Jahrhundert in Frankreich eingeführt wurden. Der Bürger Louis Capet scheidet als Originator unseres exklusiven Messerdetails aus. Tafelmesser, selbst solche aus Silber haben stets eine Klinge aus hochwertigem, aber meist nichtrostfreiem Stahl - lässt sich dieser doch zu wesentlich höherer Schärfe schleifen. Französische (oder L-) Klingen erkennt man an einer schlanken, ab der Rückenmitte leicht abfallenden Silhouette, (alt-) englische an einer kricketschlägerförmigen. Auch in Deutschland schmiedet man ähnliche Klingen: Die säbelbäuchigen ulraltdeutschen oder Buckelklingen (Buck ist plattdeutsch für Bauch). Die Phase (Anschrägung) an den Rücken von Tafelmessern nennen die Messerschleifer Schor. Sie gilt als besonderes Schleiferzeichen, soll den Klingen zusätzliche Eleganz verleihen und eine gerade Rückenlinie ergeben. Englische Messeraficionados kennen die Schor als “false edge”. Sie ist ein spätes Echo jener uralten Messer, die noch zwei Klingen hatten - eine Messerform, die sich bis zu prähistorischen Feuersteinklingen zurückverfolgen lässt. Mit feinem Tafelsilber liegt so gesehen immer auch ein bisschen Steinzeit am Tisch.

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17. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 79 - The Bikers

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Folge 79 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 15/2010.

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17. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 78 - Le village

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Folge 78 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 14/2010.

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17. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 77 - Metamarine

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Folge 77 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 13/2010.

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17. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 76 - Housing

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Folge 76 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 12/2010.

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17. April 2010 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 75 - David Lynch

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Folge 75 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 11/2010.

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17. April 2010 (0) Comments

Der Tabak mit der seltsamen Zahl

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 15/2010

Ernte23.jpgLiebe Frau Andrea,

tout l'Autriche beschäftigt sich damit, ob in Lokalen geraucht werden darf oder nicht. Niemand fragt sich, was denn da geraucht wird in den Feinstaubtempeln. Muss ich mich fürchten vor Rauchern, die “Ernte 23” pofeln? Sind das Illuminaten? Freimaurer gar? Und warum heisst die Marke überhaupt so seltsam?

Beste Grüße
Ines Zirbensäger aus Margareten, per Elektropost

Liebe Ines,

vor den Freimaurern müssen Sie sich nicht fürchten. Zwar beschäftigen sich die Masonen ausgiebig mit Zahlen und ihren mystischen Implikationen, aber die 23 gehört nicht zu ihrem Nummernarsenal. 3, 5, 7, 12, 24 und 33 liegen ihnen mehr am Herzen. Den Illuminaten wird die Zahl 23 und die unglückbringende Magie, die ihr innewohnen soll ganz zu Unrecht zugeschrieben. Besonderer Verdienste in der Verbreitung von Verschörungstherorien zur Zahl 23 dürfen sich William S. Burroughs und das Autoren-Duo der Illuminatus!-Trilogie, Robert Shea und Robert Anton Wilson rühmen. Im deutschsprachigen Raum hat Hans-Christian Schmids Hacker-Film “23 – Nichts ist so wie es scheint” für nachhaltige Furcht vor der Zahl 23 gesorgt. Mit der numerologischen Qualität der Zahl 23 und etwaigen unheilsbringenden Eigenschaften hat die Zigarettenmarke aus dem Hause Reemtsma nichts zu tun. Die Zigaretten in der spartanisch gestalteten orangen Schachtel mit dem schnörkellosen Schriftzug sind besonders bei deutschen Nikotinisten beliebt und heissen nach einem Ereignis, das profaner nicht sein könnte. Der Markenname „Ernte 23" geht auf das Jahr 1923 zurück, als aus Smyrna geflüchteten Griechen im Distrikt von Saloniki einen Tabak anbauten, dessen Ernte so ungewöhnlich gut ausfiel, daß man sie im Hause Reemtsma als Mischungsgrundlage und Name für eine eigene Marke empfahl. Bei aller Profanie wohnt der Tschicksorte “Ernte 23” dennoch ein numerologischer Mythos inne. Auf die Banderole der “Ernte 23” war jahrelang - produktionstechnisch bedingt - eine Buchstaben- und Zahlenkombinationen gedruckt. Unter den damaligen Rauchern ging die Mär, dass man beim Entdecken der zufälligen Abfolge “ERNTE23” die Marke ein Leben lang umsonst rauchen könne.

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9. April 2010 (0) Comments

Wie orange ist die Rose

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 14/2010

Liebe Frau Andrea,

was zuerst da war, die Henne oder das Ei, hätten wir anlässlich des Osterfestes hoffentlich geklärt. Aber. Was war zuerst da: Die Orange als Frucht oder Orange als Farbe? Und wie ist das mit anderen gemüsig-obstigen Farbbezeichnungen, Aubergine zum Beispiel oder Kastanie? Beste Grüße,

André Kaiser aus Rudolfsheim-Fünfhaus, per Elektropost

Lieber André,

mit den Namen der Farben ist das so eine Sache. Manche sind das Ei, manche die Henne und manche der Osterhase. Und manche kommen von weit her, von den sieben Zwergen, weit hinter den Bergen. Orange kommt über das altprovençalische auranja vom arabischen närendsch, das seinerseits vom Sanskritwort näranga für Zitrusfrucht kommt. Die Farbe Orange heisst also nach der Frucht. Ähnlich, aber komplizierter verhält es sich mit der Aubergine. Eine Theorie möchte in der Aubergine (der Eierfrucht) den Diminutiv der Aprikose (Marille) sehen, die über auberge und alberge vom spanischen albérchigo und vom hispanoarabischen albéršiq kommen - und letztlich auf das griechische Wort persikon für persisch zurückgehen, nach dem wir auch unseren (nicht auberginefarbenenen) Pfirsich nennen. Nach einer andere Herleitung geht die Bezeichnung Aubergine über das katalanische albergínia, das arabische (al-)Badenjan und das persische bâdingân auf vātiga-gama zurück, das Sanskritwort für Eierfrucht. Sollten Sie zu exklusiver Farbnamenwahl neigen, könnten sie statt des abgenützen “aubergine” die Ausdrücke “eierfruchtfarben” oder “vatigagamacolor” benutzen. Die rotbraune Kastanie (Keschte) soll ihren Namen von der alten griechischen Stadt Kastania in Thessalien haben. Dieser Teil des Balkans gilt als europäisches Rückzugsgebiet der Kastanie während der Eiszeit. Crazy hingegen die Nomenklatur von Pink. Die Mädchenfarbe kommt von einer Nelkensorte, die im mittelniederländischen pinck-oogen (Kleine Augen) hiess. Die Engländer übersetzten das mit pink eyes. Von den zumeist schwachroten Blüten dieser Pink-Eyes-Nelken sprang der Name Pink auf die Farbe Rosa über. Wenigstens dieses kommt ohne Umwege und Missverständnisse von der rosafarbenen Rose.

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2. April 2010 (0) Comments

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