Januar 2010
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Showtime ::: Andrea in Hittisau
Die Autorin, Filmregisseurin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl präsentiert einen neuen Text über Literatur, Architektur und Wein und liest aus ihren Werken („Boboville“, „Die österreichische Oberfläche“). Die Winzerin Irene Grünenfelder aus Jenins (CH) spricht über ihre Erfahrungen, Herangehensweisen und Visionen als eine der führenden Winzerinnen der Schweiz.
16 Uhr Sonderführung durch die Ausstellung „Stilles Holz mit anschließendem Apero und Gespräch mit Irene Grünenfelder.
Ab 18.30 Uhr Dreigängiges Menü im Haubenlokal Gasthof Hotel Krone in Hittisau mit Weinen von Irene Grünenfelder und Lesung von Andrea Maria Dusl.
Ausstellungseintritt, Führung, Apero mit Weinen von Irene Grünenfelder und Lesung von Andrea Maria Dusl: Euro 49.-
Anmeldung bis spätestens Sonntag, 24. Jänner 2010
unter office@weinzeit.at
oder +43 (0)5574 48354
Eine Veranstaltung von www.weinzeit.at (Irmgard Bickel)
in Kooperation mit dem Frauenmuseum und dem Gasthof Hotel Krone in Hittisau
Sonntag, 31. Jänner 2010
ab 16:00 Uhr
Gasthof Hotel Krone in Hittisau
Am Platz 185
6952 Hittisau
Bregenzerwald
+43/5513/6201
+43/5513/6201-16 <- fax
gasthof@krone-hittisau.at
...............................
--> Dusl buchen:
comandantina.dusilova@gmail.com
oder Renate Anderle, Residenzverlag
Telefon 0043 2742 802 1411
r.anderle@residenzverlag.at
Residenz Verlag
30. Januar 2010 (0) Comments
Wo man die Hachse reisst
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 05/2010
Liebe Frau Andrea,
man kann in seiner Jugend – ungestüm, wie man ist – der Welt einen Haxen ausreißen. Später zeigt man Engagement und reißt sich für jemanden oder eine Sache einen Haxen aus. Jetzt aber: „sich einen Haxen abfreuen“ – das übersteigt meine Fähigkeit, Sprache in Bilder zu übertragen. Sie würden eine große Bürde von meinen Schultern nehmen, wenn sie mir erklären könnten, wo dieser Ausspruch herrührt. In der Erwartung, mir ob Ihrer Antwort einen Haxen abzufreuen,
Ihr Norbert Mottas,
per Elektrobotschaft
Lieber Norbert,
die Haxe oder der Haxen wird von den Etymologen Hachse geschrieben. Die Hachse, Hechse, auch Hesse (wie der steppenwölfische Glasperlenspieler) bezeichnet den unteren Teil des schweinernen, kälbernen oder rindernen Beines. Auch die entsprechende menschliche Extremität kann Hachse, Haxe genannt werden. In Skifahrerkreisen ist der eingegipste Haxen ein gängiger Begriff. Das althochdeutsche hahs(e)na bezeichnete aber nicht die Knochen, die ja als Wadenbein und Schienbein bekannt sind, sondern die Sehne - um genau zu sein, die Achillessehne. An dieser konnte das geschlachtete Tier aufgehängt werden. Die Hahs(e)na, Hach-Sehna ist also die Sehne der Hache, Hacke, der Ferse. Das Bild des Tatendurstigen, der sich anschickt, der Welt die Achillessehne auszureissen hat damit durchaus mythologische Qualität. Ausgerissene Hachsen hatten die Schmiede. Hinkend konnten Hephaistos, Vulcanus und Wieland weder Esse noch Dorf verlassen. Das Bild des ausgerissenen Haxen dürfte allerdings eher mit dem Spanferkel und dem gebratenen Ochsen zu tun haben. Der Feitertagsköstlichkeit die knusprige und damit begehrte Haxe auszureissen entspricht wohl eher dem sprichwörtlichen Sinn unseres Beispiels. Wann und wo die Variation mit dem Abfreuen der Fersensehne aufgekommen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Sinngemäss darf von einem Glücksausbruch von solch bemerkenswerter Amplitude ausgegangen werden, dass sich sogar bleibende orthopädische Schäden in Kauf nehmen lassen. Ich hoffe, ich konnte mit meinem kleinen Erklärstück Last von ihren Schultern nehmen.
www.comandantina.com dusl@falter.at
27. Januar 2010 (0) Comments
Heisse Luft, gut gekühlt!
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 04/2010
Liebe Frau Andrea,
warum ist in der Sauna die bewegte (gewachelte) Luft fast unerträglich heiß, während sie gefächert an heißen Sommertagen kühlt? Wie es sich mit bewegter Luft in Eiseskälte verhält, weiß ich nicht, meine Skifahrerlebnisse liegen schon lange zurück, aber so weit ich mich erinnere, ist der Fahrtwind nicht speziell kalt. Sollte die Luftfeuchtigkeit etwas damit zu tun haben?
Alles Liebe,
Stefan Griebl, per Gesichtsbuch-Direktnachricht
Lieber Stefan,
beim Besuch einer Sauna können wir Temperaturen wegstecken, mit denen man jenseits des Heißluftbades locker Tee aufgiessen und Eier hart kochen könnte. Ein Saunabesuch wäre gelinde gesagt tödlich, handelte es sich um Wasser und nicht um trockene Luft. Dass wir in der Sauna nicht sterben, dafür sorgt unsere Fähigkeit zur Transpiration. Die hat die Menschheit in den heissen Savannen Afrikas entwickelt. Ohne Schweissdrüsen und ohne haarlose Haut wäre langes und ausdauerndes Laufen in der prallen Sonne schier unmöglich gewesen. Verdunstender Schweiss entzieht der Haut Wärme und kühlt sie dadurch ab. Auch jenseits Afrikas und auch ohne stundenlanges Jagen lässt sich Hitze umso besser aushalten, je trockener sie ist. Wir kennen das auch aus unseren Breiten. Heisse Sommertage bei 25° Grad und feuchter Luft kommen uns weitaus ärger vor als 30° Grad in trockener. Geht nun auch noch Wind oder bläst ein Ventilator, stellt sich durch die konvektive Abführung hautnaher und damit warmer Luft sogar Kühlung ein. Durch den Luftstrom wird die Verdunstungsrate erhöht, die für den Phasenübergang des Wassers notwendige Energie wird dabei durch Wärmeleitung aus der Körperoberfläche abgezogen. Dabei kühlt die Haut und die oberflächennahen Schichten unseres Körpers ab. Im Grunde genommen ist das der gleiche Effekt, den wir bei Kälte und Sturm als Windchill wahrnehmen - Kühlung, wo wir sie nicht brauchen können. Warum aber fühlt sich ein gewachelter Aufguss so elendiglich heiss an? Simpel gesagt, weil er so feucht ist. Und weil der Schweiss, den wir zur Kühlung produzieren, nicht mehr so gut verdunsten kann, wie in trockener Luft. Warum in Österreichs Saunas so gerne mit Schnaps aufgegossen wird, klären wir ein andermal.
www.comandantina.com dusl@falter.at
24. Januar 2010 (0) Comments
Hilfe, ich hasse meinen Chef!
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 03/2010
Liebe Frau Andrea,
seit rund 40 Jahren verdiene ich meinen Macherlohn unter diversen Chefredakteuren. Ganz ehrlich, keinen von ihnen habe ich je gemocht. Ich glaube, dass dem weniger eine Phobie zugrunde liegt, als eine tiefgründige Abneigung gegen die Exemplare von Chefredakteuren, die ich im Lauf der Zeit kennen gelernt habe. Seit mehr als zwei Monaten habe ich es wieder mit einem besonders inkompatiblen und inkompetenten zu tun. Können Sie mir und meinen Kollegen raten, wie man so jemanden los wird, ohne dass er sein Gesicht verliert?
Sehr verbunden,
Helene Behlich, Wieden, per Elektropost
Liebe Helene,
Die Angstforschung hat für so ziemlich alle Befürchtungen und Abneigungen Bezeichnungen in die Welt gesetzt, von der Ablutophobie, der Angst sich zu Waschen bis zur Zoophobie, der Angst vor Tieren. Die Angst vor Chefs und Vorgesetzten ist bemerkenswerterweise nicht dabei. Das darf uns insoferne nicht beunruhigen, als das Individuum auf dem Gebiet der Bewältigung sozialer Phobien äusserst kreativ ist und diesen mit einem vielfältigen Instrumentarium an Strategien begegnet. Eine beliebte Lösung in den Büros dieser Welt ist das Entwickeln verhüllender Ängste, hier wollen wir die Kathisophobie erwähnen, die Angst sich niederzusetzen, die Ideophobie, das Zurückschrecken vor Ideen, oder die Graphophobie, die Furcht vor dem Schreiben. In ihrem speziellen Fall fände die Bezeichnung Misarchie ihre Berechtigung, die Abneigung Autoritäten gegenüber. Ich halte diese im Rahmen von hierarchischen Systemen für unheilbar und rate zur Selbstständigkeit. Ein Schritt der wohl überlegt sein will, gewiss, aber er würde sie schlagartig von ihrem Grundsymptom befreien, der Theatrophobie, der Angst, jemand lächerlich zu machen. Wie man einen unliebsamen, ja inkompetenten Chef ohne Verlust seines Gesichts loswird, kann ich als bekennende Archophobikerin nicht wirklich beantworten. Das Problem könnte in dieser Form durchaus unlösbar sein. Mein Rat: Putschen Sie ihre Ängste und Abneigungen, befreien Sie sich von den Fesseln der Bevormundung durch Hilflose und werden Sie selbst Chefin!
www.comandantina.com dusl@falter.at
18. Januar 2010 (0) Comments
Kinder, Könige, Knete und Knöpfe
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 01.02/2010
Liebe Frau Andrea,
letzte Woche zogen die Scheinheiligen Drei Könige wieder durchs Land, und abermals versuchten sie ihre traditionelle Sachbeschädigung an meiner Eingangstür zu verrichten, wieder beschmierten sie den Türstock, nachdem die gesangliche Ruhestörung vonstatten ging. (Dem Schattigen von den dreien habe ich diesmal die (m)ohren langgezogen). Meine Frage: Wird eine Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch Erfolg haben? Was raten Sie? In Verehrung,
Andrè Freibad, per Elektropost
Lieber Andrè,
ich begrüsse Ihren Unmut, orte aber Unschlüssigkeit in der Wahl der Waffen. Von einer Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch möchte ich Sie weniger aus moralischen denn aus technischen Gründen abhalten. Ein Gang zum Salzamt könnte nicht sinnloser sein. Gewiss wird die eine oder andere exekutivorganische Kraft ihre Klage entgegennehmen und möglicherweise sogar einen Akt dazu anlegen. Bedenken Sie aber, dass die Mühlen der heimischen Justiz mit der Nichtbearbeitung weit gravierenderer Verfehlungen beschäftigt sind. Ich frage Sie: Was ist das Bemalen eines Türstocks und das Absingen eines Liedes gegen das Versenken einer Bank? Von Selbstjustiz an der Haustüre würde ich ebenso abraten. Junge Königsdarsteller nehmen frühe Beschädigungen in ihr späteres Leben. Wie hätte die Karriere von Jörg Haider ausgesehen, hätte ihm Volksschulkollege Wilfried Scheutz damals in St. Agatha nicht eine feste umg’hängt? Ich rate zu Lug und Betrug. Schreiben Sie schon jetzt vorsorglich die Kürzel 20 - C + M + B - 11 an ihren Türstock. Die nächstjährliche Sternsingerbande wird meinen, eine rivalisierende Dreikönigspartie sei schon tätig geworden und von einer Zweitbebettelung absehen. Falls sie Mut zur Sinnlichkeit haben, könnte Gegenzauber angezeigt sein. Verkleiden Sie sich als Satanspriester und verlangen Sie die Seelen der singenden Kinder. Decken Sie sich mit Exemplaren des “Wachturm” ein und betreiben Sie hinterhältig eine Scheinmissonierung. Eine österreichische Lösung wäre passiver Widerstand. Schütten Sie kiloweise fremdländische Groschen in die Klingelbeutel der Magoi! Auch Knöpfe und Beilagscheiben tun ihr Gutes. Seien Sie kreativ!
www.comandantina.com dusl@falter.at
11. Januar 2010 (2) Comments
Null Vertrauen
Für meine Gastkolumne in den Salzburger Nachrichten vom 2.1.2010
Halleluja! Die Raketen sind in den Himmel gestiegen, die Sektkorken haben geknallt, die Pummerin hat geläutet und den Donauwalzer haben wir getanzt. Das Jahrzehnt ist zu Ende gegangen. Als es begann, waren wir guten Mutes. Wir setzten uns Jahrtausendbrillen auf und sprangen voll Zuversicht ins neue Millenium. Wir konnten auf ein fantastisches Jahrtausend hoffen, ein grandioses Jahrhundert, ein fulminantes Jahrzehnt. Aber die Geschichte war ein Spielverderber, sie holte nicht das Heldenbuch aus dem Regal, sie schlug den Notizblock mit den trockenen Witzen auf und schrieb ein paar ausufernde Sketche für die Heilsbringer George W. Bush und Wolfgang Schüssel. Der eine taumelte als Retter der Welt auf den Plan, der andere setzte sich mit Haider in den Porsche. Umgekehrt wäre es sicher lustiger geworden.
Die Nullerjahre, so wird das Jahrzehnt bei uns aller Voraussicht nach heißen, sie waren eine teuflische Zeit. Wir gewöhnten uns daran, in Nagelscheren, Rasierwasser und Streichhölzern Werkzeuge des Terrors zu sehen, wir zogen uns auf den Flughäfen aus, lösten Reisepässe mit Chips und Fingerabdrücken, wir lernten, so richtig Angst zu haben. Angst vor dem hageren Asketen mit dem schwarzen Bart, der irgendwo in den afghanischen Bergen saß und Horden von Selbstmordattentätern dirigierte, Angst vor dem affenäugigen Cowboy, dem erleuchteten Kriegspräsidenten und ja, auch Angst vor den gepressten Lippen des großen Schweigers, der mit eiserner Hand Schnitzelland panierte, das Rad der Erkenntnis zurückschraubte und Witzfiguren in die heimischen Ministerien taumeln ließ. Manchen, das war das wirklich Beängstigende, ging es in den Nullerjahren wirklich gut. Den Heuschrecken. Den Waffenproduzenten. Den Vaterlandsfreunden. Den Privatisierern. Den Eventmanagern. Den Immobilienhaien. Den Fondsjongleuren. Den Bonibankern. Den Freunderln und Freundesfreunderln.
Aber dann kam das dicke Ende. Dann kam der Weltwirtschaftstsunami. Die Mutter aller Krisen. Bankenimperien stürzten zusammen wie Kartenhäuser im Abendwind, Börsenkurse knatterten in den Keller. Das Ende der Welt wurde ausgerufen. Pyramidenbauer Madoff ging in den Knast. Und Elsner, der golfende Bawag-General. Das war’s. Mehr Verbrecher wurden nicht geortet. Hie und dort wurde eine Ungenauigkeit entdeckt, eine deviante Yachtfahrt unter Freunden, eine marginale Fehlspekulation, ein lässliches Fehlerchen, ein klitzekleines Millardenverlusterl, aber Schuld trug da niemand. Neue Kartenhäuser wurden aufgestellt. Mit geborgten Zahnstochern aus trügerischer Hoffnung zusammengenestelt. Auf die Idee, ein neues Spiel zu erfinden, kam keiner. Wir spielen also weiter Monopoly. Heben bei Start zwanzigtausend ab und hoffen, dass möglichst viele Trotteln das Grundstück mit unserem Kartenhaushotel erwürfeln. Die Zehner können kommen, koste es, was es wolle. Wir haben null Vertrauen, aber jede Menge Zuversicht.
4. Januar 2010 (0) Comments



