Wie der Hund in die Pfanne kommt

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 51/2009

Hund-in-der-Pfanne.jpgLiebe Frau Andrea,

im Kontext meiner studentischen Besetzungsaktivitäten reagierte ein Freund aus dem Inneren Salzkammergut per SMS mit dem Satz "Bei an jedn Hunddaschlogn dabei". Sinngemäß scheint damit gemeint zu sein, "jede Gelegenheit zum Mitmachen zu nützen". Zur Frage nach der Entstehung blieb eine Antwort aber bis dato aus. Bitte helfen Sie mir!

Richard Schachinger, Vöcklabruck, per Elektrobrief

Lieber Richard,

mit grosser Wahrscheinlichkeit hat der von Ihnen eingesammelte canohostile Ausdruck handfeste Wurzeln in lokaler alpiner Tradition. Eine hundemordende Salzkammergutbevölkerung müssen wir dennoch nicht hinter dem Sprichwort vermuten. Das Hunddaschlogn gilt heute als Synonym für jegliche Form von öffentlicher Veranstaltung. Das Zutodebringen von streunenden, tollwütigen oder kranken Hunden darf, dessen dürfen wir gewiss sein, als Gegenteil einer spassigen Veranstaltung angesehen werden. Jemandem also nachzurufen, er oder sie sei bei jedem Hunddaschlogn dabei, meint in Wahrheit gar nicht die Teilnahme an allfälligem Hundeerschlagen selbst. Vielmehr soll insinuiert werden, die so Bezeichneten würden keine einzige Gelegenheit ausfallen lassen, sich gesellschaftlich zu betätigen, und sei es, bei so etwas niedrigem wie dem Erschlagen von Hunden mitzumachen. Gut, das klingt jetzt alles ein bisserl gespreizt, Richard, aber ich denke, Sie verstehen mich.

“Mit an Oasch auf zwa Kiatog” zu sein, mit einem Arsch auf zwei Kirchtagen, oder ein “Schas im Reindl”, ein Darmwind in der Pfanne, wären schon mal derbe Ausdrücke, die jegliche Misokynie vermieden. Zwei andere Wendungen beschreiben, wie die Sache nach dem “Daschlogn” weiterginge. “Auf den Hund gekommen”, soviel wie: Verarmt, im Elend zu sein, bezeichnet den Prospekt auf den vierbeinigen Freund als Nahrungsmittel. Um die Überschreitung des Ernährungstabus nicht auszusprechen, verweisen Sprichwortdeuter hier auf mittelalterliche Geldkassetten, auf deren Boden ein Hund gemalt worden sei, der nur bei höchster Finanzebbe sichtbar geworden wäre. Das Bild ist dennoch eindeutig. Wollen wir schliesslich einen Ort bezeichnen, der an depressiver Unwichtigkeit und tragödischer Wertlosigkeit nicht zu überbieten sei, greifen wir zum Diktum, “hier ist der tote Hund begraben.” Wau wau!


www.comandantina.com dusl@falter.at

13. Dezember 2009 © Andrea Maria Dusl

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