Weltuntergang. Wie wird’s werden?

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 47/2009

Maya-Kalender.jpgLiebe Frau Andrea,

angesichts des Medienhypes um den neuen Roland-Emmerich-Film 2012 hab ich im Netz zu recherchieren begonnen und mich auf Mayakalender- und End-of-the-World-Seiten herumgetrieben. Ich werde nicht ganz schlau. Kommt jetzt der Weltenbrand oder ist das alles nur Chimäre?

mit ernsten, aber nicht ganz unbesorgten Grüssen,
Martin Weber, per Elektronachricht

Lieber Martin,

Die grandiosen cinematographischen Effekte von Hollywoods neuestem Doomsday-Movie sind gewiss einen Kinobesuch wert. Die apokalyptische Kitschorgie eines Vorarlbergers und eines Schwaben sind die neuesten Schichten am jahrzehntelang ausgewalzten Blätterteig astronomischer Vorhersagen zum Ende der Welt. Sie basieren lose auf der sogenannten “Langen Zählung” des Maya-Kalenders, der für den 21. Dezember 2012, nach Ablauf einer 5.126jährigen Ära die erstmalige Wiederkehr des Schöpfungstages postuliert. Dabei greift der Film die 1958 vom Polverschiebungsalarmisten Charles Hapgood vorgestellte Hypothese der Erdkrustenverschiebung auf, die begleitet von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis zum Weltuntergang führen soll. Glaubt man den zahlreichen Autoren der 2012-Literatur, wussten die Mayas Dinge über den Himmel, die tausenden professionellen Astronomen mit Multimilliarden-Euro-Teleskopen, Sonden und Satelliten bisher verborgen geblieben ist. Aufgeklärte Wissenschaft hält offenbar nicht Schritt mit der mystischen Erkenntnis einer alten abergläubischen Kultur. Was ist also dran am Polsprung, am Zusammenbruch des Magnetfelds, an der lebensgefährlichen Überquerung des Milchstrassenäquators und anderen Gründen für das Jüngste Gericht? Wenig. Um eine Schwungmasse wie die Erde ernsthaft ins Taumeln zu bringen, bräuchte es den Impakt mit einem Objekt in Marsgrösse. Alle martialischen Protoplaneten wurden vor 4 Milliarden Jahren in den interstellaren Raum gekickt. Das Sonnensystem ist stabil. Wildgewordene Planeten sind nicht zu erwarten. Und das Überqueren des Milchstrassenäquators? Die gedachte Ebene ist - gedacht. Sie hat auf die Kinetik unseres Mutterplaneten soviel Einfluss wie die gedachte Linie Stephansturm-Millieniumstower auf die Sicherheit der sie querenden U-Bahn-Züge. Aber das Magnetfeld! Nada. Das Feld hat seine Orientierung zehntausende Male über Erdgeschichte umgekehrt. Dass eine Magnetfeldumkehrung je Massensterben aufgrund erhöhter kosmischen Strahlung ausgelöst hat, lässt sich nicht beweisen. Bleibt der Mayakalender. Irgendwas werden die sich ja gedacht haben. So ist es. Aber wie Andreas Fuls, Wissenschaftler des Instituts für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft der Technischen Universität Berlin in seiner Dissertation berechnet hat, geht die Lange Zählung der Mayas erst am 6. November 2220 durch den Nullpunkt dieses Irgendwas. Time to relax.
www.comandantina.com dusl@falter.at

16. November 2009 © Andrea Maria Dusl

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