Fußballs Farben: Fantastisch fabulös

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 49/2009

All-Whites.jpgLiebe Frau Andrea,

werte Allwissende, da sich das Nationalteam Neuseelands nun zum zweiten mal für die Endrunde einer Fussball-WM qualifizierte, bejubelten die Zeitungen die Qualifikation der "All Whites". Nun erinnere mich aber, dass das Rugby-Team Neuseelands den Spitznamen "All-Blacks" führt. Woher diese Diskrepanz? Aufklärende Worte erhofft

Michael Wögerer, Alsergrund, per Elektrobrief

Lieber Michael,

ihre Erinnerung täuscht Sie keineswegs. Das weltbeste Rugby-Team, die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft spielt traditionell in tiefschwarzen Dressen. Einziger Lichtblick in der Spieleruniform der “All-Blacks”: Weisse Stutzen und das Logo, ein kleiner silberner Farn, die Wappenpflanze der Insulaner. Nachtschwarze Leibchen tragen die “Men in Black”, in dem Maori gleichberechtigt neben Anglosachsen spielen, seit 1893. Ganz in Schwarz spielen sie seit 1905. Die Idee dazu hatte Thomas Rangiwahia Ellison, alias Tom oder Tamati Erihana, legendärer Kapitän von Neuseelands erstem offiziellen Rugby-Team. Gegen diesen Mythos trat die Kiwi-Fußball-Nationalmannschaft erstmals 1981, während der Qualifikationsrunden zur Fußballweltmeisterschaft an - in jungfräulich weissen Rasenuniformen. Seither gelten Neuseelands Kicker als “All Whites”.

Damit befinden sie sich in prominenter Gesellschaft. So kennt die Fußballwelt die italienische Nationalmannschaft im Einklang mit dem piemonteser Königsblau ihrer Dressen als “Squadra Azzurra”, Argentiniens weissblaue Nationalkicker als “Albiceleste”. “Os Canarinhos”, die Kanarienvögel nennen die Brasilianer ihre “Seleção” (Auswahl) aus begreiflichen Gründen nur daheim. Einfacher haben es hier Boliviens “Verdes”, die Grünen und Uruguays “Charrúas”, die Himmelblauen. “Equipe Tricolore”, die dreifarbige Truppe heisst die französische Mannschaft. Wenn sie ganz in Blau antreten, nennen sich die Franzmänner “Les Bleu”, die Blauen. Spaniens Balltechniker treten als “Furia Roja”, Rote Furie an, Belgiens Kicker als “Rode Duivels” oder “Diables Rouges”, Rote Teufel. Die Niederländer kennt man als “Oranje elftal” - kurz “Oranje”, die Iren als “Boys in Green” und die Kroaten gar als “Kockasti”, die Karierten. Deutschland und Österreich ringen noch um einen Namen für ihre Teams. “Unsere Jungs” und “The team formerly know as Cordoba-Truppe” sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
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30. November 2009 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 62 - Blue Bicycle

UP-Unendliches-Panorama-62-FA-49.09.jpg

Folge 62 meines Unendlichen Panoramas. Hier endet die Bilderfolge des ursprünglich in hartem schwarz-weiss publizierten Ur-Panoramas. Wir schrieben das Jahr 1994, Gerhard Oberschlicks Version des FORVM hörte auf zu existieren und mit ihm fanden 10 Jahre ununterbrochene Folgen des Unendlichen Panoramas einen ungewollten Abbruch. Damit endet (nach 62 Folgen) auch die für den Falter kolorierte Version des Original-Panoramas, endet also der erste Reigen. Das Unendliche Panorama kann aber gar nicht enden, es geht nächste Woche weiter. Und ab da werden alle Folgen nicht nur neukolorierte, sondern auch neugezeichnete sein. Das Abenteuer geht weiter.

Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 49/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut

29. November 2009 (0) Comments

Showtime ::: Universität für Angewandte Kunst ::: Vorlesung

Boboville-100.jpgBoboville goes University. Im Rahmen des Vorlesungszyklus "Backlist 20th Century: Raum, Zeit und Krise des Erzählens" von ao. Univ-Prof. Dr. Ernst Strouhal werde ich aus meinem Roman "Boboville" lesen.


Donnerstag, 26. November 2009
um 17:00 Uhr

Universität für angewandte Kunst
Abt. f. Kunst- und Kultursoziologie
Neubau; Hörsaal 3/Kl. Seminarraum
Oskar Kokoschka-Platz 2
A-1010 Wien


Der Eintritt ist frei!

Es lebe die Wissenschaft.


...............................
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comandantina.dusilova@gmail.com

oder Renate Anderle, Residenzverlag
Telefon 0043 2742 802 1411
r.anderle@residenzverlag.at
Residenz Verlag

24. November 2009 (0) Comments

Derb, derber, Derby

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 48/2009

Derby.jpgLiebe Frau Andrea,

letzten Sonntag fand schon wieder ein Fußballspiel Austria Wien gegen Rapid - das sogenannte Derby statt. Bitte woher kommt der Ausdruck? Doch wohl aus dem Mutterland des Ledertretens, oder?

mit fussballerischen Grüssen,
Joe Schmelzer, per Gesichtsbuch

Lieber Joe,

zur Erklärung des Begriffs gibt es Theorien mit unterschiedlichem Potential. Nach einer von ihnen soll der Ausdruck aus der mittelenglischen Stadt Derby kommen. Dort findet seit dem Mittelalter im Dorf Ashbourne im Nordosten der Stadt das Shrovetide-Fußballspiel statt, es ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Mehr als tausend Spieler treten auf einem Spielfeld an, das das ganze Dorf umfasst. Die gegnerischen Tore, zwei Mühlsteine, sind etwa 3 Meilen von einander entfernt. Ein französischer Beobachter notierte 1829 voll Schrecken: Wenn die Engländer das Spielen nennen, möchte ich nicht wissen, wie bei ihnen Kämpfen aussieht. Eine andere Theorie meint den Begriff “Derby Match” - in der Begegnung der beiden Clubs Liverpool und Everton auszumachen. Ihre beiden Spielfelder waren durch einen Park getrennt , der dem Earl von Derby gehörte. Ebenfalls auf einen Earl von Derby, den 12ten des Namens bezieht sich die wahrscheinlichste Deutung. Das legendäre “Derby-Pferderennen, seit 1780 in südenglischen Kurort Epsom ausgetragenen, wurde alljährlich von nicht weniger als eine halben Million Zuschauern besucht.

Der moderne Fussballfan versteht unter Derby ein Aufeinandertreffen rivalisierender Mannschaften der selben Stadt. Legendär ist “das “Old Firm” zwischen den Glasgower Clubs Celtic und Rangers. Aus zwei Kontinenten kommen gar die Mannschaften des meistgefürchteten Derbys der Welt, die Istanbuler Vereine Fenerbahce und Galatasaray. Fussballspezialisten können aus dem Tiefschlaf erweckt gewiss an die hundert legendäre Derbys aufzählen, unsere Aufzählung muss sich mit ein paar davon bescheiden: Dem Derby del Colosseo zwischen Roma und Lazio etwa, der Paarung Cracovia Kraków - Wisła Kraków, von den Polen pathetisch “Der Heilige Krieg” genannt, oder dem Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04, Gegner im Kampf um den Titel “Meister unter Tage”. Als “Mutter aller Schlachten” hingegen gilt “El Superclásico”. Das „Superderby“, in Buenos Aires zwischen den Klubs River Plate und Boca Junios soll in seiner 96-jährigen Geschichte angeblich schon 250 Menschen das Leben gekostet haben. Schiedsrichter ans Telefon!
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23. November 2009 (0) Comments

Essen auf dem Markt

Die Geschichte einer Annäherung
Andrea Maria Dusl für Falters Wien, wie es isst 2010

Am Anfang war der Karmelitermarkt, ich bin nämlich ein Leopoldstädter Kind. Am Karmelitermarkt trieb ich mich schon herum, als die Bobos und Ihre Entouragen noch in Abrahams Wurstkessel trieben. In Timmelkam, Schladming, Hall und Rankweil. Als es noch nichts gab am Karmelitermarkt, nichts ethnoaffines, ausser kopftuchbedeckte Standlerinnen aus Mistelbach, die erdverschmierte Bramburi feilhielten, Häuptelsalot, Karottna, Kööch und Sauerkraut. Als der Karmelitermarkt noch im Urzustand war. 

Wer Hunger hatte, ging zum Fischlokal in der Südwestecke, schräg gegenüber der Post. Das Fischlokal hatte Donnerstag große Konjunktur, warum wissen die Katholiken. Das Fischlokal Ecke Werd und Krummbaumgasse roch etwas streng, aber es war der einzige Ort am Markt, an dem es etwas zu essen gab. Fisch. Dünne, ledrige Filets, in Panade gewälzt und in Motoröl herausgebacken. Man sass drinnen, auf weissem Plastikmobiliar, auf nassen Fliesen. Scholle mit Majonaisesalat war das Königsgericht. Dazu reichte die Schank No-Name-Weissen aus der Dopplerflasche. Essen am Markt hatte etwas archaisches. Italien war noch nicht entdeckt worden und der Kebap nicht erfunden. 

Meine Beziehung zum Essen am Markt sollte sich am Hannovermarkt ändern. Mein Schulfreund der Schlagzeuger wohnte dort, in einem mondänen Gemeindebau mit Balkon und Fernsicht. Die Marktstandeln hier im Zwanzigsten waren aus Plattenbeton, die Standler aus dem nördlichen Niederösterreich. Auf den Hannovermarkt zog es mich weniger des DDR-Charmes, als einer Köstlichkeit wegen. Die rohe Mettwurst, die ein dickes, sonnensprossengesichtiges Fleischerpaar in handspannlange durchsichtige Plastikpellen passte und zweimal im Monat feilhielt, hatte überirdisches Geschmacksniveau erreicht. Die Mettwurst aller Mettwürste war weissgesprenkelt, ziegelrot. Hatten die Mongesichter LSD beigemischt oder Baldrian? Geheime Rezepturen aus dem Mittelalter? Vielleicht waren es auch nur simple Geschmacksverstärker, die die Wurst zum Suchtgift meiner Wahl machte. Wie auch immer, die beste rohe Mettwurst der Welt, die Mettwurst vom Hannovermarkt musste ich auf einen Sitz verdrücken. Auf der Stelle. Stantapeder, wie man dort zu sagen pflegte.

Es war die Zeit der ausgeschlagenen Hosen, der Diskokugeln und Schnitzelssemmeln. Essen am Markt hatte die zweite Stufe gezündet. Die Schnitzelsemmelmafia errichtete eine Schnitzelsemmel-Filiale nach der anderen. Nie wieder würden Marktbesucher hungern müssen. Ich behaupte: Die Schnitzelsemmel hat den Wiener Gaumen langsam auf die Kebap-Revolution vorbereitet. Fettigwarmes Fleisch obskurer Provenienz, in Weissbrothäften gelegt.  

Es war Zeit, die Millieus zu wechseln. >>

>>>Der Naschmakt trat in mein Leben. Wir waren erwachsen geworden und munter, hatten Italien auf die Landkarte gemalt und Griechenland dazu, hatten England bereist und einen Zipfel von Frankreich und den Kopf voller Flausen. In der Akademie am Schillerplatz malten wir uns ein Bild von der Welt und wenn wir Hunger bekamen, gingen wir hinunter an den Fluss. Das muss man wissen, wenn man zum Naschmarkt geht. Dass man zum Fluss geht. Nie geht man “in” den Naschmarkt, dazu ist er zu dünn. Stets geht man zum Naschmarkt. Der Naschmarkt ist ja eigentlich eine immens breite Brücke. Eine Brücke über den Wienfluss. Wenn man am Naschmarkt einen Olivenkern in den Gulli spuckt, landet er im Wienfluss. Und von dort schwimmt er gemächlich bis zur Urania, um über den Donaukanal in die Donau zu plätschern und dann ins Schwarze Meer.

Diese Zusammenhänge erörterten wir in unseren Pausen, wenn wir vom Elfenbeinturm am Schillerplatz herabgestiegen den Hunger stillten. Wir stillten ihn stets bei Ehrenreich, einem kleinen grantigen Wurstgriller, der in einer kleinen Höhle im Durchgang unter der Naschmarktuhr residierte. Ehrenreichs Würstereich war mit grossen Blechschildern ausgeschlagen, auf die Würste gemalt waren, die einander an der Hand hielten und kluge Sprüche aus dem Wurstuniversum von sich gaben. Ehrenreich briet köstliche Bratwürste, lang und dünn wie Ballerina-Ärmchen, schlug sämigen Kremsersenf dazu und fischte abgetropfte Pfefferoni aus einem hundertjahrealten Einmachglas. Seine Frankfurter waren zart wie Engelswangen und bei Ehrenreich meine ich die ersten Käsekrainer der Welt gegessen zu haben. Einer Kapazität wie Ehrenreich war es zuzutrauen, eine Wurstsorte in die Welt zu setzen. Waldviertler gab es in zweierlei Manifestationen, gesotten und auf der heissen Eisenplatte gegrillt. Wenn der mürrische Zerberus einen guten Tag hatte, sprach er mit uns. Auch wenn es nur einzelne Worte waren. Und irgendwann hatte der Autist uns so weit in sein Wurstbraterherz vorgelassen, dass er uns ein erstes Geheimnis anvertraute. Die Waldviertler sei ohne Haut zu essen, meinte er eines Tages: “Nur die Trotteln loss i’s min Schöla essn.” Drei Beziehungen braucht der Wiener, sannen wir damals, drei Beziehungen fürs Leben. Eine zu seinem Zahnarzt, einen zu seinem Steuerreferenten und eine zu seinem Würstelmann.

Andrea Maria Dusl für Falters Wien, wie es isst 2010


Während wir also tagsüber im Elfenbeinturm sassen und mittags beim Ehrenreich standen, drehte sich die Welt weiter. Essen am Markt, so verstand man, existierte jenseits von Schnitzelsemmerln, Sauerkraut und Gabelrollern. Marco Prolo hatte die Märkte der Welt bereist, in Italien Kunde von der köstlich-knusprigen Porchetta bekommen, in Spanien Tapas genascht und vor den Istanbuler Bazaren die Nase in turkmenische Garküchen gesteckt. Ganz Mutige waren weitgereist und berichteten von den Märkten in China, Thailand, Indien und in Kenia. Und während Spaghetti, Sugo und Parmesan die Supermärkte besiedelte, etwas später Kokosmilch, Sojasprossen und Zitronengras, machte es sich auf den Wiener Märkten der Kebapspiess gemütlich.

Essen auf dem Markt wurde zum Spiegel ethnokulinarischen Bewusstseins. Wer in Hongkong aus Bratnudeltöpfen bedient worden war, mochte das in Wien am Markt nicht missen. Sushi und Sashimi, Bulgogi und Tom Yam Gung mussten erst in San Francisco, London und Berlin an den Yuppie gebracht werden, ehe sie ein Jahrzehnt später den Wiener Bobogaumen erfreuen konnten.

Die grossen Naschmarktpavillons, in denen sich angehende Burgtheatermiminnen und frühgealterte Artdirektoren hinter Sonnebrillen verstecken, um bei nerviger Loungemusik dem Nachmittags-Frühstück avec Aperol-Spitz zu huldigen sind meine Sache nicht. Auch nicht die Stehbars, an denen rotnasige Prosecco-Tschecheranten hängen, in schmierigen Antipastitellern stochern und Immobilienpreise, Intimrasuren und Golfverletzungen erörtern.

Ich gehe lieber zu Glavinics Inder, und Neda Beis Sushineshen. Und wenn sich Masochismus zu Müdigkeit auf ein Packl hauen, kann es sein, dass ich schwach werde und bei der Tochter des Pantomimen einkehre. Dann muss nur noch ein kleines Lüfterl wehen und die Sonne schöne Schatten werfen. Dann gefällt es mir. Auch wenn der Speisenbeauftragte der Pantomimentochter sich Zeit lässt und auf mich vergisst. Denn wenn er auf mich vergisst, will es mir selbst gelingen, auf mich zu vergessen. Dann tritt das Glück ein. Mitten am Naschmarkt.

23. November 2009 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 61 - Now Leave

UP-Unendliches-Panorama-61-FA-48.09.jpg

Folge 61 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 48/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut

17. November 2009 (0) Comments

Weltuntergang. Wie wird’s werden?

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 47/2009

Maya-Kalender.jpgLiebe Frau Andrea,

angesichts des Medienhypes um den neuen Roland-Emmerich-Film 2012 hab ich im Netz zu recherchieren begonnen und mich auf Mayakalender- und End-of-the-World-Seiten herumgetrieben. Ich werde nicht ganz schlau. Kommt jetzt der Weltenbrand oder ist das alles nur Chimäre?

mit ernsten, aber nicht ganz unbesorgten Grüssen,
Martin Weber, per Elektronachricht

Lieber Martin,

Die grandiosen cinematographischen Effekte von Hollywoods neuestem Doomsday-Movie sind gewiss einen Kinobesuch wert. Die apokalyptische Kitschorgie eines Vorarlbergers und eines Schwaben sind die neuesten Schichten am jahrzehntelang ausgewalzten Blätterteig astronomischer Vorhersagen zum Ende der Welt. Sie basieren lose auf der sogenannten “Langen Zählung” des Maya-Kalenders, der für den 21. Dezember 2012, nach Ablauf einer 5.126jährigen Ära die erstmalige Wiederkehr des Schöpfungstages postuliert. Dabei greift der Film die 1958 vom Polverschiebungsalarmisten Charles Hapgood vorgestellte Hypothese der Erdkrustenverschiebung auf, die begleitet von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis zum Weltuntergang führen soll. Glaubt man den zahlreichen Autoren der 2012-Literatur, wussten die Mayas Dinge über den Himmel, die tausenden professionellen Astronomen mit Multimilliarden-Euro-Teleskopen, Sonden und Satelliten bisher verborgen geblieben ist. Aufgeklärte Wissenschaft hält offenbar nicht Schritt mit der mystischen Erkenntnis einer alten abergläubischen Kultur. Was ist also dran am Polsprung, am Zusammenbruch des Magnetfelds, an der lebensgefährlichen Überquerung des Milchstrassenäquators und anderen Gründen für das Jüngste Gericht? Wenig. Um eine Schwungmasse wie die Erde ernsthaft ins Taumeln zu bringen, bräuchte es den Impakt mit einem Objekt in Marsgrösse. Alle martialischen Protoplaneten wurden vor 4 Milliarden Jahren in den interstellaren Raum gekickt. Das Sonnensystem ist stabil. Wildgewordene Planeten sind nicht zu erwarten. Und das Überqueren des Milchstrassenäquators? Die gedachte Ebene ist - gedacht. Sie hat auf die Kinetik unseres Mutterplaneten soviel Einfluss wie die gedachte Linie Stephansturm-Millieniumstower auf die Sicherheit der sie querenden U-Bahn-Züge. Aber das Magnetfeld! Nada. Das Feld hat seine Orientierung zehntausende Male über Erdgeschichte umgekehrt. Dass eine Magnetfeldumkehrung je Massensterben aufgrund erhöhter kosmischen Strahlung ausgelöst hat, lässt sich nicht beweisen. Bleibt der Mayakalender. Irgendwas werden die sich ja gedacht haben. So ist es. Aber wie Andreas Fuls, Wissenschaftler des Instituts für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft der Technischen Universität Berlin in seiner Dissertation berechnet hat, geht die Lange Zählung der Mayas erst am 6. November 2220 durch den Nullpunkt dieses Irgendwas. Time to relax.
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16. November 2009 (0) Comments

Die Unis brennen


Unsere Unis auf einer größeren Karte anzeigen

Karte der besetzten europäischen Unis. Via Tom Schaffers Blog.
Wenn jemand helfen will, die Universitäten zu kartographieren:
Einfach @schaffertom per Twitter anschreiben.

Legende:
Rot: Besetzt
Gelb: Geräumt
Grün: Freigegeben
Blau: Andere Proteste
Bei unklarer Informationslage ist in der Beschreibung ein Fragezeichen.

13. November 2009 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 60 - Stammlokal

UP-Unendliches-Panorama-60-FA-47.09.jpg

Folge 60 meines Unendlichen Panoramas. Narrative Exkursion in ein Bild meines alten Freundes Stefan Riedl. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 47/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut

13. November 2009 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 59 - Toro

UP-Unendliches-Panorama-59-FA-46.09.jpg

Folge 59 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 46/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut

9. November 2009 (0) Comments

Bachelor: Bessere Benennungen bringen's.

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 46/2009

Bakkalor.jpgLiebe Frau Andrea,
 
nun bin ich endlich mit der FH fertig und ein "Bachelor of Science". Meine stolzen Eltern, die Oma und ich fragen uns jetzt, wie man mich anreden soll, um meinem akademischen Grad gerecht zu werden. Wie werde ich ab sofort im Ärzte-Wartezimmer aufgerufen, um mich würdevoll zu erheben und allen anderen Wartenden zu zeigen, dass ICH der "Herr Bachelor" bin?

Besten Dank und liebe Grüße,
Max Mustermann (B.Sc.), per Elektronachricht
 
Lieber Max,

ich gratuliere ganz herzlich zum Bakkalaureat. Nie wieder wird irgendetwas wieder so sein wie vorher. Nicht für Sie und nicht für andere. Sie befinden sich im Orbit um den Planeten Normalität. Im Gegensatz zu den präbolognesischen Titeln Doktor, Diplomingenieur und Magister, die in Österreich bekanntermassen dem Namen vorangestellt werden, erfahren wir gerade die Evolution des akedemischen Anredeprozesses. Eine Frau Doktor und ein Herr Magister werden wohl auch in Zukunft beim Fleischhauer, beim Abschleppdienst oder in der Apotheke als solche apostrophiert werden. Was wir noch nicht wissen ist, wie der Volksmund mit dem neuen, aus dem anglosächsisch-universitären Raum auf uns gekommenen Titel Bakkalaureus umgehen wird. Wir wollen also spekulieren. Die englische Bezeichnung Bachelor kommt von der lateinischen Bezeichnung Baccalaureus, sie lässt sich aus der mittelalterlichen Bezeichnung Baccalaria (kleines Lehn-Grundstück) herleiten. Die These, wonach Bakkalaureus ein Amalgam aus Baccalar (Kleingrundlehner) und laureus (Lorbeer) wäre, dürfen wir getrost wieder ins Regal stellen. Vielmehr soll das französische bachelier von bas chevalier (niederer Ritter) kommen. Der Bakkalaureus, eine latinisierte Verschleifung dieses Ausdrucks gilt seit dem 13. Jahrhundert als Einstieg in die akademischen Grade. Er wurde erstmals an der Pariser Sorbonne verliehen. Deutschsprachigen Universitäten kannten den Titel als Bakkalor oder Baccalar. Sie lägen sprachtechnisch also richtig, wollten sie sich im profanen Raum hinkünftig nicht denglisch als Bätschler oder Bätschala, sondern als Bakkalar, Bakkalor, ja Bakler, Baklor ansprechen lassen, im Extremfall gar als “Kleinritter ohne Lorbeer”. Gaudeamus igitur!

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9. November 2009 (2) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 58 - Das Weisse siehst nur Du

UP-Unendliches-Panorama-58-FA-45.09.jpg

Folge 58 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 45/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut

6. November 2009 (0) Comments

Provinzland Österreich

ST-10.2009-Provinzland-Oesterreich.jpg

Für den STANDARD.
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3. November 2009 (1) Comments

Traditionell: Televisonärer Tabutermin

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 45/2009

Liebe Frau Andrea,
 
seit Jahrzehnten ist der Begriff „Hauptabendprogramm“ untrennbar mit dem frühabendlichen Zeitpunkt 20.15 Uhr verbunden. Nach Durchsicht der Televisionsgazetten ist mir aufgefallen, daß dieses Phänomen sich nicht nur auf unser öffentlich-rechtliches TV Geschehen beschränkt, sondern durchwegs bei Privaten und Unprivaten vieler Länder zu finden ist. Was hat's mit diesem mysteriösen Zeitpunkt auf sich, warum nicht Acht oder Halbneun? Mit dem allgemein üblichen Synonym 08/15 für banales wird’s ja hoffentlich nicht zu tun haben, frägt Sie und sich

Fred Härting, 
Wien 7, per Elektronachricht
 
Lieber Fred,

ich halte die Idee für absolut verführerisch, die Kennziffer für das Durchschnittliche mit den Beginnzeiten der deutschsprachigen Hauptabendprogramme in Zusammenhang zu bringen. 08/15 ist der Titel einer Zweiter-Weltkrieg-Roman-Trilogie des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Hans Hellmut Kirst. Die soldatische Redewendung Nullachtfünfzehn bezeichnete die alltägliche Routine im Umgang mit dem MG 08/15, dem Norm-Maschinengewehr im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Handfestere, aber weniger martialisch-technische Verdachtsmomente lassen sich in Hinblick auf die These verhärten, die Primetime im Deutschen Fernsehen folge der Beginnzeit der ARD-Nachrichtensendung Tagesschau. Die Hauptausgabe der Traditionseinrichtung wird um 20.00 Uhr gesendet. Die älteste und nach wie vor meistgesehene news show des deutschsprachigen Fernsehen wird vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg produziert, sendet bis zu 23 Ausgaben am Tag und hat in der Hauptausgabe um 20:00 Uhr bis zu zehn Millionen Zuschauer. Die Beginnzeiten der nachfolgenden Hauptabendprogramms orientieren sich an der fünfzehnminütigen Dauer der Tagesschau. Versuche der privaten Sender, ihre Prime Time schon um 20:00 Uhr starten, scheiterten kläglich. Auch Seher, die die Tagesschau nicht sahen, zappten erst nach 15 Minuten in die Privaten. Auch das österreichische Fernsehen folgt Deutschlands öffentlich-rechtlichem Schema, obwohl der Beginn seiner Nachrichtensendung “Zeit im Bild” auf 19.30 Uhr fällt und der 20:15-Uhr-Termin gar nicht zwingend wäre. Wem das alles zu früh, zu kurz oder zu kompliziert ist, möge spanisch Fernsehen. Im Lande Don Quichotes starten die Nachrichtenprogramme erst um neun Uhr Abends, Prime-Time-Shows um Zehn. ¡hasta luego!

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1. November 2009 (0) Comments

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