Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Und dann traf ich...
Onkelpreis Oscar, Objekt oder Opiat?
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 42/2009
Liebe Frau Andrea,
wieso nennt man den großen, großen Filmpreis, Oscar? Welche Persönlichkeit steckt hinter diesem Titel? (Wikipedia-nen völlig zwecklos!) Würde mich sehr interessieren, mit freundlichen Grüßen,
Eva E., per Elektropost
Liebe Eva,
ich danke Ihnen für die Schöpfung des Zeitworts wikipedianen. Bislang musste sich der deutsche Sprachraum mit den Neologismen wikipedieren, wikipedianieren und wikifizieren bescheiden. Die goldene Statuette, die alljährlich mit großem Pomp in einem Filmtheater in Los Angeles verliehen wird, heisst offiziell Academy Award of Merit, Akademiepreis für Verdienste. Mit Akademie ist die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) gemeint, eine professionelle Ehrenorganisation mit ungefähr 5.800 Mitgliedern im kreuzfahrtfähigem Alter.
Der Preis wird in mittlerweile über 30 verschiedenen Kategorien für die besten Filme des Vorjahres verliehen, wegen der Zulassungsprozedur ist er bis auf wenige Ausnahmen auf die US-Film-Produktion beschränkt. Trotz seines zweifelhaften Rufs als inflationäres Kaminmetall wurden bis dato erst 2.744 Oscars für 1.798 Preise ausgehändigt. 113 mal waren Österreicher nominiert, zuletzt waren das Maximilian Schell, Wolfgang Glück, Virgil Widrich, Hubert Sauper, Stefan Ruzowitzky und Götz Spielmann. Den letzten der bislang 33 Ösi-Oscars konnte 2008 Stefan Ruzowitzky ins heimische Klosterneuburg mitnehmen.
Um den Namen der gut 34 cm großen und knapp vier Kilo schwere Figur aus vergoldetem Britanniametall (einer Legierung aus Zinn, Antimon und Kupfer) streiten sich zwei Taufpatinnen aus den Dreissigerjahren. Bette Davis, so heisst es, habe den nackten Glatzkopf nach ihrem ersten Ehemann, Bandleader Harmon Oscar Nelson benannt, die Akademie-Sekräterin Margaret Herrick soll er an ihren Onkel Oscar Pierce erinnert haben. Wie auch immer, designed wurde die Statuette vom Bildhauer George Stanley. Als Nacktmodell mit Schwert wird der mexikanische Statist Fernández Romo (der spätere Schauspieler und Regisseur Emilio "El Indio" Fernández) namhaft gemacht. Um den Namen Oskar streiten sich auch das Altgermanische und das Keltische. Nach germanischer Etymologie kommt Oskar von Asgeir, “Speer Gottes”, nach irischer Legende vom gälischen Helden Oscara, soviel wie “Der die Hirsche liebt”.
www.comandantina.com dusl@falter.at
12. Oktober 2009 © Andrea Maria Dusl
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