Arsch, Kappe, Muster

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 33/2009

Oaschkapplmuster.jpgLiebe Frau Andrea,

vor kurzem erwähnte Marianne Mendt das schöne Wort Oaschkapplmuster, das in meinem Bekanntenkreis anscheinend niemand mehr kennt. Als Kinder in Salzburg, Mitte der 1950er, gebrauchten wir es allerdings sehr gern und sehr oft. Was bedeutet diese schöne Beschimpfung?

Liebe Grüße, Erich Schmidt
Salzburg, per Elektropost


Lieber Erich,

bevor sich Schimpfworte in die unendlichen Weiten des Vergessens verlieren, machen sie noch einen kleinen Rundgang. Das lautmalerische “Oaschkappelmuster” eignet sich gut als religionsfreier Fluch und deftiges Pejorativ Männern gegenüber. Zwei Herkünfte biete ich als Erklärung für den Ausdruck an, beide dürften ihre unmittelbare Heimat in der frühen österreichischen Zwischenkriegszeit haben. Einer meiner Quellen zufolge soll es sich beim Oaschkapplmuster um das grobkarierte Wollstoffmuster der Ballonmützen jener Zeit handeln. Dieser Typus einer weichen Schirmmütze hatte europaweit einen Siegeszug als Kopfbedeckung des Industrieproletariats angetreten. Möglich, dass sich der Ausdruck schliesslich gegen die “Schlurfs” richtete, eine anglophile Subkultur Wiener Jugendlicher, die während der Nazizeit Swing hörten und sich ”undeutsch" kleideten. Andere Quellen sehen im Oaschkappl ein Schimpfwort für deutschnationale Studenten. Gilt doch die Mütze als identitätsstiftender Bestandteil studentischen Budenlebens. Die heute übliche Schirmmütze war ab 1790 beim Militär aufgetaucht und hatte sich durch die Napoleonischen Kriege in ganz Europa verbreitet. Im Laufe der Zeit bildeten sich die abenteuerlichsten Spielarten der Studentenmütze heraus: Die kleine Hinterkopfcouleur, das hohe oder flache Biedermeierformat, der militärisch anmutende Stürmer mit seiner steifen, kreisförmigen Vorderplatte, von seinen Trägern auch Stechmütze oder despektierlich “Töff-Lampe” und “Elefantenpariser” gennant, der schlichte Jenenser, das ausladende Teller- oder das gefällige Schlappformat, in Stoff oder Samt. Viele Farbenstudenten trugen und tragen ihre Kopfbedeckung mit dem gestickten Zirkel verziert, einer monogrammartigen Verschlingung der Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens und des Wahlspruchs der Verbindung. Oft sind die Buchstaben v, c und f für „Vivat circulus fratrum“ (es lebe der Kreis der Brüder“) enthalten. Noch in den 60er Jahren wurde der Zirkel von der Couleurdame selbst gestickt und vom politischen Gegner “Oaschkapplmuster” tituliert.

www.comandantina.com dusl@falter.at

6. August 2009 © Andrea Maria Dusl

TrackBack

Use this URL to ping this entry: http://comandantina.com/mt/ping.cgi/1865




kommentieren





Dieses Posting abonnieren (Verständigung nach Änderung)
Hinweis: Ihr Kommentar wird verzögert freigeschalten
« Das Unendliche Panorama
Folge 45 - Der glückliche König
  |  Main  |  Das Unendliche Panorama
Folge 46 - Die Welt · Die beginnt hier · »
2010: August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2009: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2008: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2007: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2006: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2005: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2004: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2003: Dezember Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 2002: Dezember November Oktober September August Juni März Februar Januar 2001: Oktober September August April Februar Januar 2000: August März Februar Januar 1999: Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April März Februar Januar 1998: Dezember November Oktober September August 1997: August Juni März 1996: August Juli 1995: September 1994: Mai 1984: Juli 1977: Februar 1969: März 1924: Januar 1876: Juli 1009: Juli