August 2009
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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24 Gründe ein echter Wiener zu sein
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 37/2009
Liebe Frau Andrea,
neulich sassen wir im Gänsehäufl bei einem Sonnenbrand und einem Eiskaffee und diskutierten ausgiebig die Kriterien, nach denen jemand als echter Wiener gelten darf. Hier geboren zu sein, scheint nicht Bedingung zu sein. Haben Sie sachdienliche Hinweise in dieser Frage?
Marie Svoboda, per Zwitscher-Direkt-Meldung
Liebe Marie,
zu dieser Frage lässt sich nur auf unwissenschaftlichem Parkett tanzen. Ich will mal versuchen, 24 Kriterien für echte Wienerischkeit zu definieren, von denen, sagen wir einmal etwas streng, alle erfüllt sein müssen. Die Liste darf durch jede andere, gleichwertige ersetzt werden. Was macht eine Wienerin, einen Wiener zu einer echten, zu einem echten? 1) zu wissen, wer in der “Hasengasse” wohnt und 2) wie man den Namen vom Enkel des Gesuchten ausspricht, 3) die Nummer vom “Hofa sein Haus” zu kennen und 4) den Namen vom “Nockatn sein Köllna”, schon einmal 5) bei Tag im Donnerbrunnen gebadet zu haben und 6) bei Nacht im Stadionbad, 7) den Wienfluss bei Hochwasser und 8) den Zentralfriedhof bei Vollmond gesehen zu haben, 9) mit dem Bundespräsidenten per Du zu sein, aber mit 10) DJ Ötzi per Sie, 11) an einem Würstelstand fachgerecht einen Eiterfinger mit Kinderschas, einen Buckl und ein 16er-Blech bestellen zu können und 12) beim Demel eine Crème du jour und einen trockenen Noilly Prat, 13) mindestens 3 Jahre lang hindurch den Abend im Alt-Wien begonnen zu haben und den Morgen im Pane, 14) das Gefühl zu kennen, wie der Gatsch am Neusiedlerseeufer zwischen den Zehen hochquillt, 15) die Schwammerlwiese zu kennen und 16) den Bau eines Wiener Dreiblatt mit Hütchen, 17) im Schweizerhaus vom Kolarik-Wirtn auf einen Schnitt und 18) in der Loos-Bar von der Powera auf ein Soda eingeladen zu werden, 19) die Pummerin an einem Nicht31ten Dezember gehört zu haben, 20) die Sockenfarben vom Gschupften Ferl zu kennen und 21) die Fassadenfarbe vom alten Drechsler, und schliesslich am Graben einmal 22) das Lercherl singen, 23) Thomas Bernhard schweigen und 24) Hermes Phettberg murmeln gehört zu haben.
www.comandantina.com dusl@falter.at
30. August 2009 (4) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 48 - Die Freiheit der Löwen
Folge 48 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 35/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
26. August 2009 (0) Comments
Schmauch auf dem Wasser
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 35/2009
Liebe Frau Andrea,
regelmässig gibt es Streit in unserer kleinen Old-School-Bobo-Wohngemeinschaft, wenn im ORF der Clip mit dem grinsenden Showheini läuft, der an der Seite von Schikabarettist Rainer Schönfelder das heilige Intro von ”Smoke on the Water” spielt. Ich behaupte, er spielt es völlig falsch, mein Freund hält dagegen.
Bitte um Erlösung,
Pamela Theuerdank, per Elektropost
Liebe Pamela,
das berühmteste Riff aller Zeiten wurde im Dezember 1971 von Ritchie Blackmore, dem Gitarristen der englischen Rockgruppe Deep Purple mit dem Rolling Stones Mobile Truck, einem fahrbaren Aufnahmestudio eingespielt - im legendären “Pavillon”, in Montreux am Schweizer Genfersee. Die Vocals und der Rest des Albums wurden in den Gängen und Treppenhäuser des leerstehenden Grand Hotel aufgenommen. Die beiden Locations dienten als Ausweichquartiere, nachdem das ursprünglich angemietete Casino während eines Zappa-Konzerts von der Leuchtpistole eines Schweizer Fans abgefackelt worden war. Der Arbeitstitel für die epochale Tonfolge war “Title nº1”, nach anderen Quellen schlicht “Drrr Drrr Drrr”. Die Inspiration dazu will Ritchie Blackmore vom Anfangsmotiv in Beethovens 5ter bekommen haben.
Eduard “Eddie” Luis, freischaffender Multiinstrumentalist und ORF-Interpret von “Smoke on the Water” in der Sendung "Die Great Hadern Show" spielt das Riff, wie Millionen andere Möchtgern-Blackmores mit grossem Feuer, aber völlig falsch. Wie Ritchie Blackmore letztens sogar CNN-Anchorman Richard Quest offenbaren musste, besteht das Smoke-Intro nicht aus gestrummten Akkorden, sondern aus einer Folge von Quarten, die mit Daumen und Zeigefinger angerissen werden, TAB-lesenden Shreddern als 55 on AD, 33 on DG, 55 on DG und 66 on DG bekannt. Die Fachwelt ist sich nicht einig, ob der Halbton-Übergang zwischen Db5 und C5 im zweiten Takt abgestoppt oder glissandiert intoniert wird. Die Proponenten der ersten Version wurden mit dem Original-Album “Machine-Head” und dem Klang einer marshallverstärkten Gibson ES-335 sozialisiert, die der zweiten Version mit dem Purple-Live-Album “Made in Japan” und Blackmores Fender Stratocaster. Der Text des Songs bezieht sich auf den legendären Brand des Casinos am 4. Dezember 1971. Der Titel “Smoke on the Water” soll Bassist Roger Glover ein paar Tage später im Traum gekommen sein.
www.comandantina.com dusl@falter.at
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23. August 2009 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 47 - Hotel Wasnerin
Folge 47 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 34/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen als Endlosanimation ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut
20. August 2009 (0) Comments
Treppe, Witz und Wurschtel
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 34/2009
Liebe Frau Andrea,
könnten Sie mir bitte einen Treppenwitz erzählen? Damit ich endlich weiß, was ein solcher ist.
Mit bestem Dank im Voraus,
Walter Stach, per Elektropost
Lieber Walter,
Obgleich Politiker traditionell wortreich in Erscheinung treten und auch Fähigkeiten zur Formulierung des einen oder anderen eigenen Gedanken zeigen, gilt der Usus, sich Reden von begabten Mitarbeitern und professionellen Redenschreibern verfassen zu lassen. Je höher die Position, desto grösser der Bedarf an brillianten Laudationes, launigen Vorworten und zitablen Presseaussendungen. Einer der Schreiber der Reden des sozialdemokratischen Langzeitbundeskanzlers Bruno Kreisky soll der legendäre Publizist, Moderator und Frühgrüne DDr. Günther Nenning gewesen sein, im Kollegenmund Günthergünther Nenning genannt.
Die gemeinsame rhethorische Kreuzfahrt des grantigen Sonnenkönigs mit dem faunisch-faustischen Schas-im-Reindl sollte in den Achtzigerjahren auf dem seichten Riff der Majestätsbeleidigung auflaufen und mit dem Kreiskyschen Diktum, Nenning sei ein “Wurschtel” untergehen. Die Fama will wissen, dass auch diese Rede von Nenning geschrieben wurde. Und auch jene, in der Nennings Hinauswurf aus der Gewerkschaft argumentiert wurde. Der obige Anekdotenbogen wäre ein Beispiel für einen Treppenwitz. Und zwar völlig unabhängig von der Erörterung der Frage, ob Nenning überhaupt eine Rede Kreiskys geschrieben hat. Der Ausdruck Treppenwitz wurde 1882 mit dem Bestseller “Treppenwitz der Weltgeschichte” des englischer Bankiers und Schriftstellers William Lewis Hertslet zum geflügelten Wort. In seiner Anekdotensammlung über diverse “Ironien des Schicksals” berichtet Hertslet kuriose und paradoxe Überlieferungen der Weltgeschichte.
Als Schöpfer des Begriffs aber gilt der französische Aufklärer und Enzyklopädist Denis Diderot. In seinem Dialog “Paradoxe sur le Comédien” (Paradox über den Schauspieler), prägt er 1773 den Begriff “L’esprit de l’escalier” und meint damit einen geistreichen Gedanken, der einem zu spät, nämlich erst am untersten Absatz der Treppe einfällt und deswegen in der aktuellen Runde oder Diskussion nicht mehr vorgebracht werden kann. Daraus drechselte Hertslet seine Interpretation des Treppenwitzes: “Der Geschichte fällt, gerade wie dem von der Audienz herunterkommenden Bittsteller, ein pikantes, gerade passendes Wort fast immer hinterher ein.“
www.comandantina.com dusl@falter.at
17. August 2009 (0) Comments
Showtime ::: Blue Moon - Open Air 17.8.
Mein Film Blue Moon läuft beim Sommer-Kino-Open-Air am Wiener Augartenspitz!
Andrea Maria Dusl
mit Josef Hader, Victoria Malektorovych, Detlev Buck
2002 Farbe/OF, 90 Minuten
Großer Preis der Diagonale 2003, Bestes Debüt-Drehbuch 2004
Montag, 17. August 2009, 21:30
KINO WIE NOCH NIE
Open Air am Augartenspitz
Augartenspitz (Garten des Filmarchiv Austria),
1020 Wien, Obere Augartenstraße 1
--> Blue Moon bei Kino wie noch nie.
Erreichbarkeit: U2 Taborstraße, Straßenbahnlinie 2
Ticketreservierung unter reservierung@kinowienochnie.at
oder T 0800 808 133
(täglich von 10 Uhr bis 22 Uhr)
16. August 2009 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 46 - Die Welt · Die beginnt hier ·
Folge 44 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 33/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut,
12. August 2009 (0) Comments
Arsch, Kappe, Muster
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 33/2009
Liebe Frau Andrea,
vor kurzem erwähnte Marianne Mendt das schöne Wort Oaschkapplmuster, das in meinem Bekanntenkreis anscheinend niemand mehr kennt. Als Kinder in Salzburg, Mitte der 1950er, gebrauchten wir es allerdings sehr gern und sehr oft. Was bedeutet diese schöne Beschimpfung?
Liebe Grüße, Erich Schmidt
Salzburg, per Elektropost
Lieber Erich,
bevor sich Schimpfworte in die unendlichen Weiten des Vergessens verlieren, machen sie noch einen kleinen Rundgang. Das lautmalerische “Oaschkappelmuster” eignet sich gut als religionsfreier Fluch und deftiges Pejorativ Männern gegenüber. Zwei Herkünfte biete ich als Erklärung für den Ausdruck an, beide dürften ihre unmittelbare Heimat in der frühen österreichischen Zwischenkriegszeit haben. Einer meiner Quellen zufolge soll es sich beim Oaschkapplmuster um das grobkarierte Wollstoffmuster der Ballonmützen jener Zeit handeln. Dieser Typus einer weichen Schirmmütze hatte europaweit einen Siegeszug als Kopfbedeckung des Industrieproletariats angetreten. Möglich, dass sich der Ausdruck schliesslich gegen die “Schlurfs” richtete, eine anglophile Subkultur Wiener Jugendlicher, die während der Nazizeit Swing hörten und sich ”undeutsch" kleideten. Andere Quellen sehen im Oaschkappl ein Schimpfwort für deutschnationale Studenten. Gilt doch die Mütze als identitätsstiftender Bestandteil studentischen Budenlebens. Die heute übliche Schirmmütze war ab 1790 beim Militär aufgetaucht und hatte sich durch die Napoleonischen Kriege in ganz Europa verbreitet. Im Laufe der Zeit bildeten sich die abenteuerlichsten Spielarten der Studentenmütze heraus: Die kleine Hinterkopfcouleur, das hohe oder flache Biedermeierformat, der militärisch anmutende Stürmer mit seiner steifen, kreisförmigen Vorderplatte, von seinen Trägern auch Stechmütze oder despektierlich “Töff-Lampe” und “Elefantenpariser” gennant, der schlichte Jenenser, das ausladende Teller- oder das gefällige Schlappformat, in Stoff oder Samt. Viele Farbenstudenten trugen und tragen ihre Kopfbedeckung mit dem gestickten Zirkel verziert, einer monogrammartigen Verschlingung der Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens und des Wahlspruchs der Verbindung. Oft sind die Buchstaben v, c und f für „Vivat circulus fratrum“ (es lebe der Kreis der Brüder“) enthalten. Noch in den 60er Jahren wurde der Zirkel von der Couleurdame selbst gestickt und vom politischen Gegner “Oaschkapplmuster” tituliert.
www.comandantina.com dusl@falter.at
6. August 2009 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 45 - Der glückliche König
Folge 45 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 32/2009.
Hier geht's zu sämtlichen Folgen ---> Das Unendliche Panorama - Directors Cut,
5. August 2009 (0) Comments


