Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Und dann traf ich...
Das FussgängerInzone
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 29/2009
Liebe Frau Andrea,
ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit, für die ausführliche Vorschriften zur „geschlechtergerechten Kommunikation in Texten“ vorgegeben werden. Unter anderem wird vorgeschlagen, Fußgängerzone gendergerecht “Fahrverbotszone” bzw. “autofreie Zone” zu nennen. Ich bin der Ansicht, dass dies keine treffenden Synonyme sind. Könnten Sie mir ein wenig über den Begriff Fussgängerzone und Ihre Meinung zum geschlechtsspezifischen Wesen dieses Wortes erzählen? Vielen Dank für Ihre Mühe,
Margit Petermair, per Facebooknachricht
Liebe Margit,
die deutsche Sprache ist bekannt für ihre Schwierigkeiten mit genderspezifisch korrekten Bezeichnungen. Befürworter wie Gegner von geschlechtergerechter Kommunikation stolpern dabei gerne und ausgiebig in die gleiche Falle. Sie verwechseln Genus und Sexus. Wir wollen das am Beispiel Mutter/Butter in Erinnerung rufen. Mutter hat einen weiblichen Artikel, weil es sich, nach gängigem Verständnis biologischer Zusammenhänge bei einer Mutter meist um eine weibliche Person handelt. Wir sprechen “die” Mutter, eine Person mit femininem Sexus, gendergerecht mit dem weiblichen Artikel an. Etwas anders unser Verhalten der Butter gegenüber. Dieser konzedieren wir trotz Mangels an feststellbarem Sexus ein weibliches grammatikalisches Geschlecht. Dass die Franzosen “le beurre” und die Italiener “il burro” sagen, macht die Verwirrung nicht kleiner. Von den konservativen Kräften der deutschen Sprache wird ein Begriff wie “Fussgänger” durchaus genderneutral begriffen. Der Gebrauch solcher generischen Maskulina bringt aber Genderkonformistinnen und Genderkonformisten regelmässig auf die/den Palme. Daraus drechseln sie ihre Lanze, ihren Speer: Das Binnen-I. Ich begrüsse diese Entwicklungen keineswegs und rate zu angewandter Dichtkunst. Die Fußgängerzone, in den 1920er Jahren mit der Kettwiger Straße in Essen und 1953 mit der Treppenstrasse in Kassel erstmals verwirklicht, könnten wir nach spanischem Vorbild “Pedonale Insel” nennen, oder nach skandinavischem “Gehstrasse”. Falls sie das Gespreitzte bevorzugen, biete ich die gendergerechten Neologismen “Fußgehendenbereich” an, “Gehgürtel” oder “Fußgangabschnitt.
www.comandantina.com dusl@falter.at
12. Juli 2009 © Andrea Maria Dusl
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