Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 26/2009
Liebe Frau Andrea,
vor einigen Tagen hat es angefangen: Facebook-Porträts und Twitter-Avatare färbten sich grün ein. Eine grüne Epedemie ergreift das Internet! Was steckt da dahinter? Ist die iranische Protestbewegung eine westliche Grünbewegung? Oder tritt das Global Village zum Islam über? Bitte um Aufklärung!
Mit besten Grüßen,
Florian Stift, Neubau, per Elektropost
Lieber Florian,
die symbolische Grünfärbung einer wachsenden Menge von Teilnehmern der modernen Kommunikationskanäle ist ein komplexes Phänomen. Mir Hossein Mussawi, Anführer der oppositionellen Protestbewegung hatte Grün ursprünglich als Farbe seiner Präsidentschaftskampagne gewählt. Anhänger des ehemaligen Premierministers, rührigen Kunstmalers und Mitglieds des Iranischen Schlichtungsrates trugen während des Wahlkampfs grüne Arm- und Stirnbänder, grüne T-Shirts und grüne Schals.
Mussawis Wahl der Farbe Grün kam nicht von ungefähr. Führt der Aserbeidschaner doch die Abstammung der Mussawi-Familie auf den siebten Imam, Musa al-Kazim zurück, nach schiitischem Glauben direkter Nachfahre des Propheten Mohammed. Mussawis Ahn Musa al-Kazim, 799 gestorben, ist einem nach ihm benannten Vorort im Nordosten von Bagdad begraben. Mussawis Grün gilt traditionell als Farbe des Propheten Mohammed ibn 'Abd Allah und hat in der islamischen Welt eine hohe Symbolkraft. Der Religionsstifter soll grün bei der Wahl seiner Kleidung bevorzugt und auch als Farbe seiner Standarte gewählt haben. Die Farbe Grün steht aber mittlerweile für eine ganz andere, säkulare, moderne, westliche Konnotation. Die iranischen Protestbewegung oszilliert im Bedeutungsspektrum zwischen konservativ-religiös und demokratisch-liberal.
Oppositionelle iranische und exil-iranische Twitterer riefen vor einigen Tagen dazu auf, Facebook- und Twitter-Avatare grün einzufärben, um ihre Solidarität mit der aufgeklärten und zunehmend laizistisch orientierten, grün tragenden Demokratiebewegung im Iran auszudrücken. Längst ginge es nicht mehr nur um Mussawi und eine gefälschte Wahl, sondern ums Ganze. Um liberté, égalité, fraternité, laïcité. Um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Laizismus. Die demokratisch-aufgeklärte Revolutionsbewegung im Iran hat auch schon einen Namen für ihren Farb-Code gewählt: Sea of Green. Mussawi und der Prophet fahren darin nur mehr auf kleinen Booten mit.
www.comandantina.com dusl@falter.at
26. Juni 2009 © Andrea Maria Dusl
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Kommentare
drin sitzen sie auf jeden Fall, die Propheten und Imans, auch die westlichen Reaktionen haben so etwas Religiöses, aber das gehört wohl zu allen Aufstandsstimmungen dazu.
martin | 23.06.09 09:41
sogar die mullahs wählen jetzt grün als hintergrundfarbe. gesehen auf bbc: http://blog.rebell.tv/karawan4/theran-1979-reloaded.html | übrigens: der westen hat sich doch eigentlich genug eingemischt im iran. woher dieses überschwängliche mittun? die haben doch so geniale eigenen szenen... also... ähm... verstehe ich nicht wirklich....
wo bleibt eigentlich meine stimme?
hier? bei uns? wir haben doch genügend eigene mullahs: die unheilige dreieinfaltigkeit: staat - wirtschaft - nationalbank. die machen doch grad was sie wollen... odr siehst du das ganz anders?!?/sms ;-) | 25.06.09 00:39



