Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Und dann traf ich...
Mitteilungen von der Teilefront
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 24/2009
Carissima Comandantina!
Auf meine alten Tage werd ich noch zum Leserbriefschreiber, aber, der Druck ist so groß, es muss sein: Auch im Falter lese ich hin und wieder, wenn vom Teil die Rede ist, dass dieser sächlich angesehen wird, also dass es immer "das Teil" heißt und nicht, wie ich bis jetzt dachte "Der Teil" Können Sie helfen, dieses Dilemma zu lösen?
Das hofft Konrad Holzer, Wien, per Elektropost
Lieber Konrad,
die zahlenmässig grösste ethnische Minorität des Landes sind die Deutschen. Ihr sprachlicher Einfluss ist auch im Falter nicht ohne Einfluss geblieben. Kolleginnen und Kollegen von jenseits des Weisswurstäquators schreiben in der allemannisch-wienerischen Stadtzeitung mittlerweile ganz, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Der von ihnen als Dilemma empfundene Artikel-Dimorphismus der Wörtlichkeit “Teil” ist ein beredtes Beispiel für die sprachzersetzende Kraft unsere bundesdeutschen Mitbürger. Der Duden macht sich hier als Referenz insoferne aus dem Staub, als er “Teil” beide Artikel, den männlichen wie den sächlichen zugesteht. "Der Teil“ sei "etwas, was mit anderem zusammen ein Ganzes ist.“ Landesteile, Körperteile, Wrackteile. "Das Teil“ hingegen ist, so der Duden“ "etwas, was jemand von einem Ganzen hat.“ Aha. Ein lose am Gehsteig liegendes Klumpert bezeichnen unsere Deutschen Mitbürger ohne mit der Wimper zu zucken als Teil. Ganz so, als wüssten sie jederzeit, von welchem Ganzen ein vereinsamter Fund jeweils “das Teil” sei. Hier tun sich Erklärungen für die philosophische Kraft der Deutschen auf. Sprecher österreichischer Idiome stehen da traditionell auf der Seife. Die Korrosion der Männlichkeit von “Teil” ist hierzulande indes schon weit fortgeschritten. Perfide Synchronisationen US-amerikanischer Serien, Arbeitslosenfernsehen und sozialpornographische Talkshows überschwemmen den österreichischen Teilemarkt. Noch wehren wir uns, und sei es mit Leserbriefen. Aber sind wir nicht längst Teil der bundesdeutschen Verschwörung geworden, sagen “das Urteil”, “das Oberteil” und “das Gegenteil”? In diesem Sinne: Divide et impera!
www.comandantina.com dusl@falter.at
5. Juni 2009 © Andrea Maria Dusl
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