Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Und dann traf ich...
Jack and Joe and Jill und der Rest der coolen Gang
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 18/2009
Liebe Frau Andrea,
neulich sassen wir bei Luft, Liebe und Lusik zusammen, der Frühlingsabend schlitterte in die Nacht und dann zappte jemand in Falcos “Kommissar”. Und dann, als der Titel auf Heavy Rotation lief, bissen wir uns an einer Textzeile und an drei Namen fest. Wer, liebe Frau Andrea, sind Jack und Joe und Jill?
Herzliche Grüße,
Reinhold Slavik, per Elektropost
Lieber Reinhold,
Während der Dreharbeiten zu “Kottan ermittelt” soll der noch unbekannte Hans Hölzel die Idee zu einem Song mit dem Titel “Der Kommissar” gehabt haben. Hölzel hatte in “Die Entführung”, der 11. Kottan-Folge den Keyboardplayer von Kottans Kapelle gespielt. Nach der Geburtstagsfeier von Lukas Resetarits, dem Darsteller des Major Kottan, sei der Text festgestanden, heisst es in einem Kurier-Artikel aus dem Jahre 1981. Die Text-Exegese von Falcos Welthit liefert ein vielschichtiges Bild. Neben dem Kommissar erwähnt Hölzel explizit und wiederholt die Namen Jack und Joe und Jill. Die drei sind die funky friends einer jungen Dame aus dem Miljeu, “das Herz so rein und weiss”, wie Falco singt, denn “jede Nacht hat ihren Preis.” Oben erwähnter Joe hat einen Bruder namens Hip, alle gehören zu einer coolen Gang. “Sie rappen hin, sie rappen her, dazwischen kratzen's ab die Wänd”. So zweideutig wie diese Textpassage - sie oszilliert zwischen dem Wiener Ausdruck für Sterben und dem Abkratzen von Wänden, um weisses Pulver zum Strecken von Kokain zu bekommen - sind auch die Konnotationen, die Falco in den Namen Jack, Joe und Jill versteckt hat. Hinter Jack verbirgt sich die Whiskeymarke Jack Daniels, hinter Joe der Joint (und mit ihm Haschisch und Marihuana). Etwas arkaner verhält es sich mit Jill. Damit ist “der Chill” und nach Auskunft von Zeitgenossen das Schlafmittel ®Mozambin gemeint. In einer anderen Lesart ist die Trias Jack, Joe und Jill die Entspannunsabfolge Masturbation (to jack off), das Rauchen eines Joes (Joints) und schliesslich das Chillen. In einer ähnlichen Interpretation stehen Jack und Jill jeweils für die Masturbation von Männern bzw. Frauen. Hinter Hip, dem Bruder von Joe erkennen wie ein Amalgam aus Hipsein, Heroinismus und (Black) Brotherhood. Jack und Jill wiederum kommen in einem englischen Kinderreim vor, der sich in einer der zahlreichen Deutungen auf die Guillotinierung von Ludwig XVI. (Jack) und Marie Antoinette (Jill) bezieht, in einer anderen auf eine Getränkesteueridee des englischen König Charles, der in den 1640ern die Hohlmasse Jack (1/2 pint) und Gill (1/4 pint) verkleinerte. Für Falcos Poesiekollegen Shakespeare schliesslich sind Jack und Jill Synonym für Mann und Frau.
www.comandantina.com dusl@falter.at
26. April 2009 © Andrea Maria Dusl
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