Gspasslaberln, Tutteln und das Tor zum Himmel

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 17/2009

Liebe Frau Andrea,

bei gestriger Sichtung von Franz Novotnys “Exit... nur keine Panik” im wunderschönen Metro-Kino fiel mir Hanno Pöschls Bezeichnung der weiblichen sekundären Geschlechtsmerkmale als “G’spaßlaberln” auf. Darf man farbenfrohe Wortkompositionen wie diese in gegenderten Zeiten noch verwenden?

Herzliche Grüße,
Herr Nikolaus, per Elektropost

Lieber Nikolaus,

Recherchen meines Bureaus für Information-Wiederbeschaffung bei Exit-Drehbuch-Co-Autor Gustav Ernst haben ergeben, dass für die Verwendung des Altwiener Ausdrucks sowohl die Improvisationskunst Hanno Pöschls als auch ein Ernst’scher Original-Dialog in Frage kommen. Peter Wehle, Barpianist, Kabarettist und Nebenerwerbsgermanist kennt den Begriff Gspaßlaberln in seinem legendären Wörterbuch “Sprechen sie Wienerisch?” im Gegensatz zu “Tuttleln” als “kleine Brüste”. Sein Kollege Wolfgang Teuschl übersetzt die Bezeichnung in seinem “Wiener Dialekt Lexikon” hingegen nur als “Brüste”. Sprachlich reichere Beute hat der Soziologe und Kulturanthropologe Roland Girtler in seiner Rotwelsch-Anthologie über “Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden” an Land gezogen. Neben den Gspasslaberln und Tutteln notiert er für die weiblichen Brüste so blumige Ausdrücke wie: Malerei, das Geschäft, Balkon, Palatschinken, Glöckerl, Schwechal und Quastln. “Pummerin” dürfte die Bezeichnung für die einzelne, mächtige Brust sein. In der Strafvollzugsanstalt oder im einschlägigen Milieu werden sie sich mit diesen Begriffen gut durchschlagen können, in Gegenwart von Damen und Sprachpolizisten wird Obachtnahme auf das lokale Kolorit zu nehmen sein. Generell darf ich dazu raten, politisch korrektes Sprechen nicht als Einbahnstrasse zu betrachten. Vom Gebrauch medizinisch korrekter oder dudenkonformer Bezeichnungen möchte ich in Liebesdingen und Heiratssachen dennoch abraten. Für intime Momente kann spontane Poesie ebenso richtig sein, wie das gefühlvolle Zitieren erotischer Literaturpassagen. Erlaubt ist, was die Zielperson erfreut. Es soll Paare geben, die zu ganz individuellen Lösungen gefunden haben, “Bisi und Busi” etwa, oder “die zwei Freunde”. Auch aphoristische Lösungen, wie “die Nordkette”, “das Tor zum Himmel” und “die Muttis” sind gewiss nicht verboten.

www.comandantina.com dusl@falter.at

20. April 2009 © Andrea Maria Dusl

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