März 2009
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Das Unendliche Panorama
Folge 27 - Partie vingt-sept
Folge 27 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 14/2009
Razzle Dazzle und Halligalli mit dem Zilkezalk
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 14/2009
Liebe Frau Andrea,
in Zusammenhang mit den jüngst wieder aufgeflammten Spekulationen um eine Verstrickung des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk in Geheimdienstaktivitäten twitterte mir eine australische Freundin eine lang zurückliegende Wien-Begegnung mit dem Polterer mit dem Zusatz “Zilk, the old razzle-dazzle.” Was, bitte ist ein Razzle-Dazzle? Muss man an Unaussprechliches denken?
Razzledazzlegrüsse Grüße, Marek Fischer, per Elektropost
Lieber Marek,
inwiefern Ihre australische Freundin Unaussprechliches mit Helmut Zilk verbindet, können Sie ausschliesslich in persönlichen Erörterungen ihrer Erlebnisse mit dem verstorbenen Altbürgermeister klären. Razzle-dazzle ist ein lautmalerischer Ausdruck aus dem anglosächsischen Sprachraum und hält sich in einer Wortwolke auf, in der wir auch Remidemmi, Helter Skelter, Halligalli, Razzmatazz, und Remasuri finden. Im allgemeinen wird man nicht irren, den Begriff mit den durchgeknallten Gefühlen eines exzessiven Jahrmarktbesuchs, einer Melange aus Alkohol und sexueller Aufladung, Budenzauber und Hochschaubahnfahrt zu identifizieren. Insoferne ist Razzle-Dazzle gewiss kein falscher Ausdruck für die offiziellen und inoffiziellen Aktivitäten des Meta-Pädagogen, Fernseh-Redners, Politikers, Ombudsmannes und notariell affimierten Nicht-Präsidenten Helmut Zilk. Das schlaue Handbuch der Comandantina beschreibt Razzle-Dazzle als Zustand der Konfusion und komischen Enthemmung, als komlexes Manöver zur Verwirrung des Gegners und als jede sonstwie aberwitzige Gaudi-Aktion. Razzle-Dazzle hiess die Slup-Segel-Yacht, die der kalifornische Schriftsteller John Griffith Chaney, besser bekannt unter seinem Pseudonym Jack London von einem Austern-Piraten namens French Frank gekauft haben will, um selbst das ebenso illegale wie einträgliche Geschäft der nächtlichen Zuchtausternbank-Ernte zu betreiben. Razzle-Dazzle beschreibt aber auch jene Camouflage-Technik mit der surrealistische und abstrakt arbeitende Künstler die Kriegsschiffe der alliierten Flotten des Ersten Weltkriegs bemalten. Wilde Zackenmuster, Streifen, Scheinsilhouetten und grellbunte kubistische Muster sollten die gegnerische Aufklärung verwirren und die Zielmechanismen der feindlichen Torpedo-Schützen stören. Sämtliche Auffassungen von Razzle-Dazzle werden Person und Vita Helmut Zilks gerecht. www.comandantina.com dusl@falter.at
Frohsinnentwicklung
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 13/2009
Liebe Frau Andrea,
mir und einigen Freunden ist ein, vor allem in den Wiener U-Bahnstationen immer wiederkehrendes Symbol aufgefallen. Es klebt gerne auf den gelben Fliesen der Stufen, manchmal auf den Mistkübeln, hin und wieder findet man es auch auf Türgriffen (leerstehender) Geschäfte. Man kann ja vieles „ergoogeln“, aber mit der Mustersuche hatte ich noch kein Glück. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen, was dieses Symbol bedeutet!
Schöne Grüße, Ulli C., per Elektropost
Liebe Ulli,
das streng symmetrische Liniengeflecht wurde ausschliesslich in Wien beobachtet. Es findet sich in keinem Symbole-Lexikon, es scheint weder Firmen-Logo zu sein noch Gauner-Zinke. Semiotiker und Street-Worker, Philosophen und Geheimbündler, Mathematiker und Architekten haben sich mit der Entschlüsselung des Zeichens beschäftigt und mehr oder weniger überzeugende Theorien für den aus schwarzen, roten und silbernen Klebefolien gestanzten Sticker entworfen.
Zeichensprachlich sehen wir ein aufrecht stehendes Herz, in das zwei übereinander stehende Rautenquadrate eingeschrieben sind, durch die ein senkrechter Strich läuft. Das Ganze steht auf einem waagrechten Querstrich. Die beiden Rauten könnten als Othala gelesen werden, in der Nazi-Szene auch als Odal-Rune bekannt. Im Zusammenhang mit dem Herz liesse sich daraus die Deutung “Blut und Boden” ablesen. Ebenfalls germanisch ist die Lesart, nach der das Zeichen aus den Runen für das isländische Wort Hjarta, Herz, und dem Symbol für dasselbe zusammengesetzt ist.
Pythagoreer, Alchimisten, Rosenkreuzer, Herz-Jesu-Bewegte, Hippies und die Wurstbande wurden als Autoren genannt, das Zeichen, heisst es gar, sei ein Hinweis auf arkane Trinkwasserlager. Auch ein Voodoo-Veve wurde im Symbol gesehen und dahinter ein Geheimzirkel nigerianischer U-Bahn-Fahrer vermutet. Die Wahrheit ist nicht weniger abstrus. Als Urheber des Symbols darf ein fünfzigjähriger Wiener gesehen werden, der sich wahlweise “Da Wunschi”, “12 x 12” und “Frohsinnentwickler” nennt und sich um die “inneren und äußeren Verbundenheit aller Wesen” und um “die immer währende Untrennbarkeit des Seins” sorgt. Das Zeichen selbst ist nach “Wunschi” eine Spiegelung der Zahlen 1 und 2 sowie des Zeichens x. “12 Sternzeichen (Überseelen)” würden zum “Selbst der Monade (Unteilbares Ganzes)” und “mit den 12 Aspekten (Aszendenten) ihres Unbewussten, zusammen mit 144 Seelenaspekten (Sternbild plus Aszendent) zum persönlichen Ganzen vereint”. Soweit der Frohsinnentwickler auf seiner esoterischen Website.
www.comandantina.com dusl@falter.at
--> Wunschi-Video
Das Unendliche Panorama
Folge 26 - Who Sits Here?
Folge 26 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 13/2009
Mit dem verkehrst du mir nicht.
Es muss in den späten Achtzigern gewesen sein. Günther Nenning erzählte mir lachend und nicht ohne stolz eine Anekdote über seine Mama. Als sorgsamer Mutter seien ihr nicht alle seiner parteipolitischen Bekanntschaften geheuer gewesen. Besonders ein Herr mit Basstimbre, bekannt aus Funk und Fernsehen habe ihren Zorn geweckt. Nach einer Fernsehsendung habe sie ihren Sohn Günther angerufen.
"Mit dem verkehrst mir nicht, das ist kein Umgang für Dich."
"Wer, Mama?"
"Na dieser, dieser... ein unmöglicher Mensch. Dieser Kliz."
"Was für ein Kliz, Mama?"
"Na dieser Hallodri, dieser Bürgermeister. Kliz heisst er. Halt Dich fern von dem. Mit dem verkehrst Du mir nicht."
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@Helmuth Zilk
Schneckenpost
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 12/2009
Liebe Frau Andrea,
gerade kam mir das Lied "I fahr, i fahr, i fahr mit der Post" in den Sinn. Darin ist von einer "Schneckenpost" die Rede, die mich keinen "Kreuzer" kosten soll. Was muss ich mir darunter vorstellen? Und wieso ist diese Art der Brief- und Personenbeförderung gratis?
Ihre Bettina Kätzle, mit der Elektropost
Liebe Bettina,
sie singen ein Kinderlied aus der Postkutschenzeit: I fahr, i fahr, i fahr mit der Post / fahr mit der Schneckenpost / die mir kan Kreuzer kost / I fahr, i fahr, i fahr mit der Post. Als Melodie zu ihrem Schneckenpostsong dürfen wir uns ein Posthornsignal vorstellen. Die ersten, die in unseren Breiten mit solchen Tönen kommunizierten, waren die Metzger und Fleischhauer, die eine frühe Form der Post- und Paketzustellung betrieben. Vor allem im Schwabenland und der Pfalz waren herumziehende Viehhändler die ersten Postler. Sie hatten das Recht, ihre Ankunft oder Abfahrt mit einem Signal aus einem Viehhorn anzukündigen. Mit dem Post-Monopol der Familie Thurn und Taxis ging das Privileg, ein Postsignal zu blasen, auf die Postillione, die Fahrer der Reichs-Postktschen über. Postillione hatten einen ganzen Kanon verschiedener Signale, mit denen sie, auf ihrem Metallhorn um freie Fahrt und Vorrang auf den engen und gewundenen Strassen bliesen. Auch das Öffnen der Stadttore und die Ankündigung des Pferdewechsel wurden mit unterschiedlichen Signalmelodien mitgeteilt. Posthornmelodien bestanden in der Regel aus den 3., 4., 5. und 6. Naturtönen des Horns, also einer Dueodezime (einer Oktave plus einer reinen Quinte), aus zwei Oktaven, zwei Oktaven plus einer grossen Terz, beziehungsweise zwei Oktaven und einer reinen Quinte. Der Ausdruck Schneckenpost wurde wohl immer dann gebraucht, wenn sich die als schnell und zuverlässig betrachtete Kutschenpost wegen Radbruchs, Unwettern oder Unfällen verlangsamte. Das Kinderlied bezieht sich hingegen auf die Schnecke selbst, die ihre Post in einer Kalkspirale am Rücken trägt. Beförderungsgebühr hebt die Kinder-Schnecke keine ein. Auch keinen Kreuzer, jene süddeutsch-österreichische Münze, die erstmals 1271 in Meran geprägt wurde und zuletzt etwa dem Gegenwert eines Viertelliter Bieres entsprach. Eines grossen Pfiffs also. www.comandantina.com dusl@falter.at
Das Unendliche Panorama
Folge 25 - Where Did The Car Go?
Folge 25 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 12/2009
Franz Schuh und Adolf Holl
Franz Schuh spricht mit Adolf Holl übr dessen Buch 'Wie gründe ich eine Religion', erschienen in meinem Leib- und Magenverlag Residenz. Für die Falter-Buch-Beilage in Falter 11/2009.
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Das Unendliche Panorama
Folge 24 - La Kaptëën, c'est moy
Folge 24 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 11/2009
Unpubliziertes Pre-Spinoff dieser Folge --> hier
Nieder und Ober und Österreich
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 11/2009
Liebe Frau Andrea,
warum heißt es eigentlich Oberösterreich und Niederösterreich und nicht Hochösterreich und Niederösterreich bzw. Oberösterreich und Unterösterreich?
Liebe Grüße,
Florian Krammer, via Facebook
Lieber Florian,
warum nicht Oberösenstein, Niederösenstein oder Linzerland und Sanktpöltnermark? Oder gleich Pühringen und Pröllingen? Sehen wir uns einmal den Namensbestandteil Österreich an. Ein Gebiet sehr ähnlichen Namens umfasste ursprünglich bescheidene Gebiete zu beiden Ufern der Donau, von der Enns im Westen bis zu March und Leitha im Osten. Unter der schweizerischen Dynastie der Habsburger stieg es zu einem prächtigen Herzogtum auf, das auch Gebiete westlich der Enns umfasste. Eine bleibende administrative Teilung des nunmehr zum habsburgischen Stammland aufgestiegenen Erzherzogtum etablierte sich ungefähr 1450. Österreich zerfiel entlang der Enns (und zwischen Mühl- und Waldviertel) in die Länder Ob der Enns und Unter der Enns. Der Volksmund nannte die beiden Kronländer Oberösterreich und Niederösterreich, die Nazis gar Gau Oberdonau und Gau Niederdonau. Entgegen dieser Logik sollten die später wieder zu Bundesländer der heutigen Republik durchgereichten Länder aber eigentlich Oberenns und Unterenns heissen. Was bedeutet der Namensbestandteil Österreich aber überhaupt? Nach gängiger Lehre taucht der seltsame Name erstmals in einer lateinischen Urkunde, ausgestellt am 1. November 996 am Königshof in Bruchsal auf. In einer kaiserlichen Schenkungsurkunde wird ein Landstrich erwähnt, der "in der Sprache der Einheimischen Ostarrîchi heisst”. Mit dem Namen Ostarrîchi (spätere Schreibweise: Österreich) wurde das erste Miniösterreich, die kleine Grenzgrafschaft zu beiden Seiten der Donau bezeichnet, volkssprachlich sei das die Übersetzung für Marchia Orientalis gewesen, sagen die österreichischen Nationalhistoriker. Irrtum, meint Professor Otto Kronsteiner, emeritierter Vorstand des Instituts für Slawistik der Uni Salzburg. Mit Ostarrîchi, wie es die Bauern nannten, sei kein Öster-Reich, kein Reich im Osten gemeint, sondern ein Berg. Der Ostrik nämlich. Ostarik oder Ostrik, “spitzer Berg” nannten alpenslawische Bauern des 10. Jahrhunderts einen der Berge ihrer kleinen Heimat. Oberspitzberg und Unterspitzberg also. www.comandantina.com dusl@falter.at
Kärnten. Lei lei.
Kärnten, das Land in dem alles anders läuft. Die Chimäre unter den österreichischen Bundesländern. Das Land, das von einem Toten regiert wird.
Für einen Text von Antonio Fian in Falter 10/2009.
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Zwischenbrücken
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 10/2009
die Stellerin der Frage an Sie in Falter 7/09 meldete sich aus Zwischenbrücken. Wo liegt denn diese Ortschaft? Eher bei Saarbrücken oder doch bei Kettenbrücken. Und gibt es womöglich noch mehr so bizarre Ortsangaben? Freundliche Grüße,
Erdmut aus Überbrücken, per Elektropost
Lieber Erdmut,
mit grosser Wahrscheinlichkeit hat die Leserin mit Zwischenbrücken den historischen Wiener Stadtteil Zwischenbrücken gemeint. Und der liegt weder im Saarland noch an der Wien. Ohne viel Chuzpe könnte man behaupten, er existiere gar nicht. Nicht mehr. Das Gebiet des geschichtlichen Zwischenbrücken (Dswíschnbrúgn) liegt im Osten des heutigen 20. Wiener Gemeindebezirks, der Brigittenau (Brigidenáo), im Norden des heutigen 2. Bezirks, der Leopoldstadt (Lleobóidschdód) und in jenen Teilen von 21. und 22. Bezirk, die heute zwischen Alter Donau und Donauinseldonau liegen. Seinen Namen hatte das flunderflache Augebiet von seiner Lage zwischen den historischen Donaubrücken bei Floridsdorf und beim Inneren Tabor (der etwa dort liegt, wo die Taborstrasse an den Nordost-Zipfel des Augarten klescht). Die Ortsangaben muten deswegen so kryptisch an, weil die Donauregulierung von 1871-75 in Zwischenbrücken keinen Stein auf dem alten gelassen hatte. Mächtige Donauarme, wie das weit verzweigte Kaiserwasser wurden zugeschüttet, Flussinseln planiert, Dörfer und Weiler abgetragen, ein schnurgerader Strom mitten durch die Inselwelt gegraben. Die Bevölkerung wurde nach Donaufeld, Leopoldau und Kaisermühlen umgesiedelt, das Gebiet in der Gründerzeit mit Zinshäusern und Mietskasernen bebaut, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts mit Gemeindebauten. Die Strassen der neu entstandenen Stadtteile folgten weitgehend einem Schachbrettmuster. Die Fernseh-Blues-Gegend Kaisermühlen liegt ebenso im ehemaligen Zwischenbrücken wie die Wolkenkratzer der Donau-City und wie Donau und Donauinsel zwischen Floridsdorferbrücke und Südosttangente. Eine Zeitreise in das Zwischenbrücken der vorindustriellen Zeit kann man an der Unteren Alten Donau und auf der Badeinsel Gänsehäufel machen. Topographisch ist hier noch alles in Ordnung. Über bizarre Wiener Ortsangaben bald mehr. www.comandantina.com dusl@falter.at
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Ins Bild klicken für grosse Versionen der beiden Karten von Zwischenbrücken!



