Urbi et Orbi et iPhoni

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 06/2009

Urbi-et-Orbi.jpgLiebe Frau Andrea,

in postnataler und vorösterlicher Erwartung würde ich gerne von Ihnen wissen, wie der Segen "Urbi et Orbi" meines XVI. vatikanischen Wahl-Namensvetters in Funkwellen konvertiert wird, um auf der ganzen Welt auf empfängliche Häupter vor den Empfangsgeräten zu treffen. Weiters interessiert mich, ob sich ein moderner Flachbildfernseher gegenüber veralteten Röhrenmonitoren nachteilig auf die Segensübermittlung auswirkt? Ergebenst,

Benedikt, Freihausviertel, per Elektropost

Lieber Benedikt,

bei der Transformation der feierlichen apostolischen Zeichenspende des Heiligen Vaters in elektromagnetische Wellen findet moderne Technik ihre Anwendung. Die Verbreitung des Segens übernimmt die Europäische Rundfunkunion unter Einbeziehung vatikanischer Infrastruktur.

“Urbi et Orbi”, wörtlich “an die Stadt Rom und das Erdenrund” war der Standard-Opener im Alten Rom, die Wendung wird heute verwendet, um päpstliche Erklärungen und Segnungen zu bezeichnen. Grundsätzlich ist nur der Papst in der Lage, den Segen zu spenden, nur in Ausnahmefällen können Kardinäle und Bischöfe einspringen. Das papale “Urbi et Orbi” hat auch ohne ausgesprochene Formel Gültigkeit, wie Johannes Paul II. Ostern 2005 bewies. Wegen eines Luftröhrenschnitts am Sprechen gehindert, spendete der Pontifex den Segen stumm - in vollem Einklang mit dem kanonischen Recht. Gleichwohl Johannes Paul II. in den letzten Jahren seines Potifikats aus Gebrechlicheit direkt nach der Messe, vom Altar aus urbietorbierte, gilt der Benediktusbalkon über dem Hauptportal der Peterskirche als traditioneller Ort für die Segenserteilung. Der amtierende Papst Bendedikt XVI. (der Gebeneidete, wörtlich: der, über den man Gutes sagt) spendet den österlichen und weihnachtlichen Weltsegen wieder von der grossen Kathedral-Loggia.

Die Gültigkeit des Segens wird nach katholischer Lehre allen, die ihn hören oder sehen und die guten Willens sind zuteil. War zunächst für diesen Empfang die Anwesenheit auf dem Platz oder in Sichtweite des Spenders notwendig, so kann der Segen seit 1967 auch über Radio, seit 1985 über das Fernsehen und seit 1995 sogar über das Internet gültig empfangen werden. Ganz sicher sind daher auch moderne Flachbildschirme, ja selbst iPhones Urbi-et-Orbi-tauglich. www.comandantina.com dusl@falter.at

2. Februar 2009 © Andrea Maria Dusl

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