Granada

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 10/2009

Granatapfel.jpgLiebe Frau Andrea,
 
woher kommt eigentlich die Redewendung „dann spielt’s Granada“?
Hat das etwas mit der schönen andalusischen Stadt zu tun? Schöne Grüße,

Andreas Stoppacher, Leopoldstadt, per Elektropost

Lieber Andreas,

die Ankündigung einer wortreichen oder handfesten Auseinandersetzung dürfen sie im Anlassfall in ihrer vollen Länge aussprechen: “Jedsd schbüd’s Granada auf dreizehn schwoaze Bassgeigen!” Der schöne Spruch hat nur indirekt einen geographischen Zusammenhang mit der südspanischen, von den Phöniziern und Iberern Iliberra genannten Stadt. Vielmehr bezeichnet der Ausdruck die Angst des Soldaten vor einem Granatenhagel. In seiner heutigen Version bezieht er sich auf das 1932 vom mexikanischen Komponisten Agustín Lara über die spanische Stadt geschriebene Kunstlied “Granada”. Der Gassenhauer gehört zum Standardrepertoire moderner Tenöre. Fritz Wunderlich, Joseph Schmidt, Plácido Domingo, José Carreras und Luciano Pavarotti hatten das Lied ebenso in ihrem Repertoire wie die Schnulzenheinis Bing Crosby, Trini Lopez, Frank Sinatra und James Last. Es gibt Versionen des Jazzpianisten Brad Mehldau, eine Einspielung des Chors der Roten Armee und eine Interpretation des Flamencoartisten Paco de Lucia. Dem Furor des Sprichwortinhalts dürfte die Pop-Version der Disco-Schnepfen Baccara am nächsten kommen.

Die Granate ist ein hohles Geschoss, mit Sprengstoff oder anderen Wirkmitteln gefüllt. Die Wurfbombe heisst so wegen der Ähnlichkeit mit dem Granatapfel (italienisch granata). Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) wächst als fleischige Beere mit harter orangeroter Schale auf sommergrünen kleinen Bäumen und hat mit Krieg und Gesang wenig im Sinn. Ihren Namen hat die saftreiche Frucht von den fleischig ummantelten Samenkörnchen, lateinisch grana. Das Symbol für Leben und Fruchtbarkeit hat laut Bibel 613 Kerne, genauso viele wie das Alte Testament Gesetze. Zwei Reihen Granatäpfel schmückten die Kapitelle der beiden bronzenen Säulen Jachin und Boas, die ehernen Wächter vor dem Salomonischen Tempel.
www.comandantina.com dusl@falter.at

23. Februar 2009 © Andrea Maria Dusl

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