Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Tripps Trill
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 04/2009
Liebe Frau Andrea,
woher kommt das schöne Wort "Tribstrü" für "out in the middle of
nowhere", soviel wie “Fuchs-und-Hase-Abend-Gruss-Platz”?
Liebe Grüsse, Sylvia Garber, per Elektropost.
Liebe Sylvia,
um eine Örtlichkeit äusserster Provinzialität zu bezeichnen, können wir aus einem reichhaltigen Menü an existierenden und erfundenen Namen wählen. In der norddeutschen Kleinstadt Buxtehude, idyllisch in den Elbmarschen gelegen, spielt das Märchen vom Hasen und vom schlauen Igel. Buxtehude ist auch der Ort, in der einer Redensart zufolge die “Hunde mit dem Schwanz bellen”. Zwischen Scheibbs und Nebraska, etwas profaner ausgedrückt, am Orsch der Welt, liegt nach meinen Recherchen das Zentrum der österreichisches Provinz, das ebenso verschlafene wie erfundene Gigritzpatschen. In meinem Roman “Boboville” wiederum nenne ich sämtliche Provinznester der Alten und Neuen Welt uniform “Poughkeepsie”. Einen Ort dieses Namens gibt es wirklich, er liegt nördlich von New York, am Hudson River. In der amerikanischen Populärkultur kommt ihm die Rolle von Gigritzpatschen und Buxtehude zu. Komplizierter verhält es sich mit dem sagenhaften Örtchen Trippstrill. Es ist die Scherzantwort auf die nervige Frage “wohin?” Sprachforscher wollen in der Destination die realen existierenden Orte Treffentrill in Württemberg und Triptis in Thüringen ausgemacht haben. Treffentrill soll schon 278 n. Chr. von einem römischen Hauptmann Trepho und seiner Gattin Truilla gegründet worden sein und der Kristallisationskeim für den schrulligen Ortsnamen sein. Die ältesten Erwähnungen des erdichteten Narrenorts, an dem “die alten Weiber jung gemahlen werden”, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Belege für die Rückständigkeit Trippstrills benennt der Mythos auch: “Trippstrill, wo die Gänse Haarbeutel tragen und die Enten Perücke.” Entgegen aller literarischen und geographischen Funde scheint der Name Trippstrill aus dem Nordosten zu kommen. Drepsdrell hiess in Ostpreussen ein langsamer, einfältiger Mensch. Ob der ursprünglich aus Buxtehude, Girgritzpatschen, Poughkeepise oder Trippstrill stammt, wissen Fuchs und Hase. Ganz sicher aber der Igel.
“Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at
19. Januar 2009 © Andrea Maria Dusl
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Kommentare
Ach, wenn's echte Provinz doch nur noch gäbe! Längst steht bei Treffentrill ein eigenes Ortsschild "Trippsdrill", vor Jahren gab es dort einen Nachbau der Jungmühle - und heute wird das Ganze von Reisebussen und Menschenhorden überrollt, dass man gleich in die Großstadt flüchten möchte.
Kompliment für das herrliche Blog!
PetraPetra | 22.01.09 14:20


