Januar 2009
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Der letzte Dusl-Roman
Boboville
Wir sind das Ungetane der Stadt, das Taumeln, der Irrsinn.
Andrea Maria Dusl
Boboville
Die Stadt in den Städten.
In aberwitzigen Episoden taumle ich durch eine Stadt voller Bobos, bourgeoiser Bohemiens. Treffe den Hippiebäcker mit dem LSD-farbenen Haar, den Kabarettisten mit dem scharfen Messer, verhandle mit Plattenhändlern und Photographen, Kanzlern und Kletterern. Sie alle sind ewig auf der Suche, landen überall, aber sie kommen nie an. Denn sie leben in Boboville.
"Es ist kalt. Die Platanen vor meinem französischen Atelierfenster, am Platz, der nach Hugo Wiener benannt ist, sie wogen im Tiefdruckwind. Thomas Glavinic redet im Fernsehen. Gerade war Charlotte Feuchtgebiet im Apparat. Zu Gast bei Boboobergott Harald Schmidt. Die Welt ist voller Schriftsteller. Voller Fallensteller. Alle sind sie welche. Hugo Wiener selig, Glavinic, Feuchtroche. Beuteschwabe Schmidt. Bobos wohnen in Boboville. Der Stadt in den Städten."
Ich bin ewig auf der Suche, lande überall, aber ich komme nie an. Denn ich lebe in Boboville.
Ich bin eine von denen, vor denen meine Eltern mich immer gewarnt haben. Eine Ich-Erzählerin, schwer erkrankt an Geschichtengier, Dinggeschichtengier, Ideengeschichtengier. Komplett meschugge. Ich hänge an den Bars, fliesse durch die Lounges und zapple über die Dancefloors. Und wie alle anderen in Boboville bin ich ständig auf der Suche. Nach der Explorergitarre, dem Teiggesicht mit dem Lendenfett, der Geschichte von Hiram Abif, nach dem Zappa-Bootleg. Ich suche Anouk Aimée, in der Version von 8½, die Dreißigerjahrelampe mit dem breiten Schirm, schreibe Richtiges in die falschen Bücher und setze mich für Elmar in Flammen.
Wie all die anderen lebe ich in der Stadt in den Städten. In Boboville.
............
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Hier geht's zur ---> Residenz-Homepage von Boboville.
Schon mal was lesen? Aber sicher!
--> Hier und hier.
31. Januar 2009 (0) Comments
Die Künstler
Für meine Gastkolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31.01.2009
Jeder von uns besitzt eine, sie ist so praktisch wie zuverlässlich, so simpel wie genial: die digitale Kamera. Erfunden hat das Ding ein Künstler. 1975 war das, da schraubte ein kauziger junger Mann in der Entwicklungsabteilung des Fotoriesen Eastman-Kodak die erste Digitalkamera der Welt zusammen. Aus elektronischen Teilen, die in seinem Labor herumlagen, aus Teilen anderer Geräte, aus Selbstgebasteltem und Zurechtgebogenem. Niemand hatte ihm einen Auftrag dazu gegeben, kein Gremium einen Beschluss gefasst, kein Firmenpräsident eine zündende Idee dazu gehabt.
Steven Sasson war dieser Künstler. Er hatte die Idee, und er hatte sie ganz allein. Sie kam zu ihm wie viele Ideen davor und wie viele danach. Er ließ sie einfach zu. Er hatte Zeit dazu und die richtige Umgebung. Das war das einzige Verdienst, das nicht sein eigenes war, denn Zeit und Raum zum Entwickeln unfassbarer Ideen hatten ihm andere gegeben. Seine Chefs, um es mal salopp zu sagen. Seine Chefs haben, wie andere kluge Chefs in anderen klugen Unternehmen auch, Umgebungen geschaffen. Labors, in denen kauzige Querdenker wie Steven Sasson Dinge erfinden, die es vorher nicht gab. Einfach so.
Künstler. Es gab sie in allen Epochen der Geschichte, in allen Kulturen, man nannte sie Zauberer, Magier und Sybillen, Philosophen, Artisane und Poeten, Maler, Hexen und Narren und noch tausendfach anders. Und so verschieden sie auch dachten, so individuell und unverwechselbar sie wahrgenommen wurden, völlig einerlei, ob sie handwerklich arbeiteten oder durch Gedankenwelten flogen, sie schufen Neues, schrieben Unbeschreibbares, malten Ungesehenes, sagten das Unaussprechliche. Künstler. Gesellschaften tun gut daran, sich ihrer Hervorbringungen zu bedienen. Ihnen Alchemistenküchen und Ateliers zu bauen und Tanzböden und Schreiberklausen, Labors und Institute. Kluge Gesellschaften, kluge Unternehmen, kluge Gemeinwesen. Künstler, auch daran wollen wir erinnern, sind keine besseren Menschen, keine Freaks, keine Helden oder Maschinen, sie sind Menschen, wie andere auch. Aber sie denken anders. Das muss man zulassen. Achten. Fördern. Pflegen. Dann, und nur dann, kommen homerische Odysseen aus den Werkstätten, michelangelische Pietas oder der aufpeitschende Tanz von Josephine Baker.
Österreich ist eine Kulturnation. Das kleine Land zwischen Bodensee und Langer Lacke, zwischen Böhmerwald und Karawanken hat eine Geschichte, in der Künstlerinnen und Künstler in einer Üppigkeit beschäftigt wurden, die atemberaubend ist.
Atemberaubend ist der Befund, den eine Studie zur heutigen sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich erhoben hat. Österreichs Künstler leben an der Armutsgrenze. Armes Österreich. Armes Österreich von heute. Unkluges Österreich von heute. Es täte gut daran, Labors einzurichten zur Entwicklung unfassbarer Ideen und Denkerklausen, Tanzböden und Filmateliers. So wie das Kodak gemacht hat. Die Herren dort schauen übrigens auch aufs Geld. Aber sie wissen, ohne Freiheit im Denken, ohne Labor gibt es keine Kunst. Und keine Digitalkamera.
Andrea Maria Dusl ist Filmregisseurin und Autorin.
31. Januar 2009 (0) Comments
Engel, Boten, Satan, Christkind
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 05/2009

Liebe Frau Andrea,
am Weihnachtsabend habe ich festgestellt, dass Engel immer als Kinder dargestellt werden. Noch nie habe ich einen erwachsenen Engel gesehen. Was wird eigentlich aus Engeln, wenn sie erwachsen sind?
Ihr Lukas Stühlinger, per Elektropost
Lieber Lukas,
besorgen Sie sich “Der Himmel über Berlin”. In Wim Wenders' mystisch-flirrendem Film spielen Bruno Ganz und Otto Sander die Engel Damiel und Cassiel, die bei aller Entrücktheit doch sehr erwachsen sind. Die Religionsgeschichte kennt den Engel (lat. angelus, von gr. ángelos „Bote“) als volljähriges, nachrichtendienstlich tätiges Wesen, das Gott oder den Göttern zur Seite steht. Im Gegensatz zu den mesopotamischen Engeln sind ägyptische Flügelgötter in der Regel weiblich. Isis, Nephtys, Neith und Selket, Imentet, gelegentlich auch Maat, die Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihre Flügel setzen, anders als bei den Vorbildern des Vorderen Orients, nicht am Rücken, sondern in Form von Federreihen an den Armen an. Auch die beiden Seraphim, die laut Bibel ihre Schwingen über das allerheiligste Möbel der Juden, die Bundeslade breiten, sind Erwachsene. Das Judentum kennt neben den in der Bibel genannten Erzengeln Gabriel und Michael auch noch die grossen Buben Uriel, Raphael, Sariel und Jerahmeel. Ganz eindeutig ein Mann ist auch Satan, der gefallene Diener Gottes, später als Luzifer (Lichtbringer) identifiziert und mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Luzifer hiess aber in der Antike der Morgenstern, die sehr weibliche Liebesgöttin Venus. Eindeutig weiblich ist auch die geflügelte griechische Siegesgöttin Nike. Pädoerotischen Hintergrund haben die barocken Putten (von lat. putus, Knäblein), Engel mit der Anatomie nackter männlicher Kleinkinder. Geschlechtslos scheint das Christkind zu sein. Allein, es ist zu groß und zu mädchenhaft, um der neugeborene Jesus zu sein. Seinen Urprung hat es in Leonardos Darstellung des androgynen Verkündigungsengels. Seit 1969 hat das Christkind offiziell ein Geschlecht. Anlässlich des Nürnberger Christkindlesmarktes wird alle zwei Jahre eine sechzehnjährige Frau aus der Stadt mit blondgelockten Haaren, einer Krone und einem weiß-goldenen Flügelkleid als Christkind verkleidet. www.comandantina.com dusl@falter.at
25. Januar 2009 (0) Comments
Wortwolke Boboville

Wolke aus sämtlichen Wörtern, die in meinem Roman "Boboville" vorkommen. Wer sagt's denn.
23. Januar 2009 (0) Comments
Immer Cheese
Die ständige Gegenwart von digitalen Kameras löst zunehmend die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit auf.
Für Der Standard - RONDO vom 23.01.2009
"Wir werden gezwungen, uns anständig zu benehmen, ordentlich aufzutreten, zu lächeln, weil es ja immer sein kann, dass wir von irgendwo aufgenommen werden. (...) Die Fototechnik bestimmt unser Leben." Der Mann, der das sagt, ist nicht irgendjemand. Er ist kein Benimm-Professor, kein Society-Psychologe, kein Medien-Philosoph. Steven Sasson heißt der Mann, der uns alles eingebrockt hat: Der 58-jährige Amerikaner mit dem kantigen Gesicht ist der Ingenieur, der die erste Digitalkamera gebaut hat.
1975 schreibt man, der Vietnamkrieg endet mit der Einnahme Saigons durch die kommunistischen Streitkräfte, in Österreich führt Bruno Kreisky die Fristenlösung ein, im Kino laufen "Taxi Driver" und "Der weiße Hai", auf den Plattentellern drehen sich "Wish You Were Here" von Pink Floyd und "Bohemian Rhapsody" von Queen. In Deutschland erscheint die erste Nummer von YPS, und in Gerald Fords USA gründen Bill Gates und Paul Allen ein Unternehmen namens Microsoft.
Und in der Entwicklungsabteilung des Foto-Riesen Eastman-Kodak schraubt Steven Sasson derweil die erste Digitalkamera der Welt zusammen. Das Ding wiegt gut vier Kilogramm, sieht aus wie ein Toaster, den er mit einem Episkop gekreuzt hat.
Auf der linken Seite der Bastelarbeit sitzt eine Halterung, in der eine simple Audio-Kassette steckt - der Magnet-Speicher der seltsamen Apparatur. 23 Sekunden dauert die erste Digitalaufnahme der Welt. Der Bildsensor hat die atemberaubende Auflösung von 0.01 Megapixel. 100 mal 100 Pixel misst der Chip, den Sasson eingebaut hat.
Als Porträt-Model für das erste Digitalfoto wird eine Laborassistentin überredet. Und die ist alles andere als angetan von dem Ergebnis, das Sasson auf einem stinknormalen Fernsehapparat wiedergibt. "Man konnte die Silhouette ihres Haars sehen", erinnert sich Sasson, aber ihr Gesicht sei völlig verwischt gewesen. "Da braucht's noch Arbeit", war der trockene Kommentar der Porträtierten zum ersten Digitalporträt der Welt.
Gute 34 Jahre sind seither vergangen, Digitalkameras haben die Größe von Kaugummipackungen, stecken als Gadget in jedem Teenie-Handy, und selbst Profi-Geräte wie die Hasselblad H3DII-50 mit unfassbaren 50 Millionen Mega-Pixel gehören zum Alltag des Bildermachens. Nur eines hat sich seit der ersten digitalen Aufnahme nicht wirklich verändert: Die Unzufriedenheit der Aufgenommenen mit ihrem Bild.
Dabei wäre doch alles so einfach, ist doch die Suche nach misslungenen Bildern heute keine Hexerei mehr. Eigentlich. Zehntelsekunden nach der Aufnahme ist ein Digitalbild über das Display abrufbar. Die Anzahl der möglichen Bilder ist ins Unüberschaubare angewachsen, Speicherkarten fassen vierstellige Bilderreihen. Dieser Luxus sollte zu besseren Ergebnissen führen. Tut er aber nicht.
Wanderten Bilder früher in den Schuhkarton und ins Portemonnaie oder, als Gipfel der Öffentlichkeit, in den Diaprojektor, so flitzen sie heute per E-Mail oder Upload um den Globus.
Schuhkartons und Dia-Abende - mehr an Öffentlichkeit mussten Porträtierte, waren sie keine Prominente, 1975 nicht befürchten. Das hat sich radikal geändert. Flickr und Facebook verbreiten Schnappschüsse um die Welt, YouTube ist der Weltenspeicher für selbstgedrehte Film-Clips. Das Private existiert nicht mehr. Wir sind jederzeit und überall in Gefahr, abgelichtet zu werden. Und online gestellt zu werden.
Aber führt das tatsächlich zu Sassons Befund, die Gesellschaft befände sich im Zustand des Dauerlächelns? Je nachdem, welche Standards des idealen Porträts sich lokale Kulturen verordnen: Amerika mit seiner Tradition des Foto-Cheesings mag sich durchaus anders präsentieren als Europa mit seinem ikonographischen Gedächtnis, das den grantigen Blick kultiviert hat. Von Mona Lisa und Karl Heinz Grasser einmal abgesehen.
Mit dem globalisierten Privatfoto-Schuhkarton, mit der googlebaren Foto-Identität gehen Jüngere gewiss souveräner um als die Alt-78iger und Alt-88iger. Ein Blick auf die Fotoalben, die Facebook-Teenies hochgeladen haben, zeigt diesen Paradigmenwechsel im Umgang mit der eigenen Privatheit sehr anschaulich. Facebook-Foto-Alben mit hunderten Bildern sind keine Seltenheit.
Dabei ist solche Bilderflut weder bemerkenswert noch bedenklich, sondern schlichtweg normal. Denn eine Paranoia der Kalte-Krieg-Generation scheint langsam abzuschmelzen: Die Angst vor dem Missbrauch des eigenen Bildes. Wer will Trilliarden von "Privatbildern" durchschnüffeln? Und selbst, wenn er sich daran versucht. Welchen geheimen Informationswert haben Bilder, die einzig dazu erzeugt wurden, um, genau, veröffentlicht zu werden?
Wer sich privat in der Öffentlichkeit bewegen will, muss auch heute noch zu den Accessoires der Promis greifen, Baseballcap und Ray-Ban. Denn die Kamera, die durch dunkle Sonnenbrillen fotografieren kann, muss erst entwickelt werden. Aber wer weiß, vielleicht arbeitet Steven Sasson ja schon daran.
.......................
Für Der Standard - RONDO vom 23.01.2009
23. Januar 2009 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 17 - Ypsialanti Sei
Folge 17 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 04/2009
22. Januar 2009 (0) Comments
Das Unendliche Panorama
Folge 16 - Nach Ameriker
Folge 16 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.
Erschienen in Falter 01,02,03/2009
22. Januar 2009 (0) Comments
Wortwolke ::: Trippstrill und Buxtehude

Das "Fragen sie Frau Andrea" dieser Woche für Freunde des Plakativen.
21. Januar 2009 (0) Comments
Tripps Trill
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 04/2009
Liebe Frau Andrea,
woher kommt das schöne Wort "Tribstrü" für "out in the middle of
nowhere", soviel wie “Fuchs-und-Hase-Abend-Gruss-Platz”?
Liebe Grüsse, Sylvia Garber, per Elektropost.
Liebe Sylvia,
um eine Örtlichkeit äusserster Provinzialität zu bezeichnen, können wir aus einem reichhaltigen Menü an existierenden und erfundenen Namen wählen. In der norddeutschen Kleinstadt Buxtehude, idyllisch in den Elbmarschen gelegen, spielt das Märchen vom Hasen und vom schlauen Igel. Buxtehude ist auch der Ort, in der einer Redensart zufolge die “Hunde mit dem Schwanz bellen”. Zwischen Scheibbs und Nebraska, etwas profaner ausgedrückt, am Orsch der Welt, liegt nach meinen Recherchen das Zentrum der österreichisches Provinz, das ebenso verschlafene wie erfundene Gigritzpatschen. In meinem Roman “Boboville” wiederum nenne ich sämtliche Provinznester der Alten und Neuen Welt uniform “Poughkeepsie”. Einen Ort dieses Namens gibt es wirklich, er liegt nördlich von New York, am Hudson River. In der amerikanischen Populärkultur kommt ihm die Rolle von Gigritzpatschen und Buxtehude zu. Komplizierter verhält es sich mit dem sagenhaften Örtchen Trippstrill. Es ist die Scherzantwort auf die nervige Frage “wohin?” Sprachforscher wollen in der Destination die realen existierenden Orte Treffentrill in Württemberg und Triptis in Thüringen ausgemacht haben. Treffentrill soll schon 278 n. Chr. von einem römischen Hauptmann Trepho und seiner Gattin Truilla gegründet worden sein und der Kristallisationskeim für den schrulligen Ortsnamen sein. Die ältesten Erwähnungen des erdichteten Narrenorts, an dem “die alten Weiber jung gemahlen werden”, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Belege für die Rückständigkeit Trippstrills benennt der Mythos auch: “Trippstrill, wo die Gänse Haarbeutel tragen und die Enten Perücke.” Entgegen aller literarischen und geographischen Funde scheint der Name Trippstrill aus dem Nordosten zu kommen. Drepsdrell hiess in Ostpreussen ein langsamer, einfältiger Mensch. Ob der ursprünglich aus Buxtehude, Girgritzpatschen, Poughkeepise oder Trippstrill stammt, wissen Fuchs und Hase. Ganz sicher aber der Igel.
“Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at
19. Januar 2009 (1) Comments
Neulich im Büro ::: Lassie frisst kleine Kinder

17. Januar 2009 (0) Comments
This is so fucking good!
Grosse Oper!
17. Januar 2009 (0) Comments
The 7 other mes
Sara Edna Almudir
Miranda Leda Saur
Dardania Lamurés
Asamandra Urlied
Smeraldina D'Uraa
Amanda D'Arreluis
Miranda Auslader
15. Januar 2009 (0) Comments
Dub says it all: "They misunderestimated me."

Viele haben ihn ununterschätzt. Gorge W. Bush. Am Ende seiner Regentschaft wollen wir uns an seine besten Sprüche erinnern. Mehr Bushisms gibt es hier --> The Complete Bushisms. Die folgenden hat Klaus Hoeller, Portland/Oregon eingeschickt. Merci!
"They misunderestimated me."
Bentonville, Arkansas - 6. November 2000
"There's an old saying in Tennessee - I know it's in Texas, probably in Tennessee - that says, fool me once, shame on... shame on you. Fool me - you can't get fooled again."
Nashville, Tennessee - 17. September 2002
"There's no question that the minute I got elected, the storm clouds on the horizon were getting nearly directly overhead."
Washington D.C. - 11. Mai 2001
"I want to thank my friend, Senator Bill Frist, for joining us today. He married a Texas girl, I want you to know. Karyn is with us. A West Texas girl, just like me."
Nashville, Tennessee - 27 Mai 2004
"That's George Washington, the first president, of course. The interesting thing about him is that I read three - three or four books about him last year. Isn't that interesting?"
Zu "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, Washington D.C. - 5. Mai 2006
"The war on terror involves Saddam Hussein because of the nature of Saddam Hussein, the history of Saddam Hussein, and his willingness to terrorise himself."
Grand Rapids, Michigan - 29 January 2003
"I think war is a dangerous place."
Washington D.C. - 7. Mai 2003
"The ambassador and the general were briefing me on the - the vast majority of Iraqis want to live in a peaceful, free world. And we will find these people and we will bring them to justice."
Washington D.C. - 27. Oktober 2003
"You know, one of the hardest parts of my job is to connect Iraq to the war on terror."
CBS News, Washington D.C. - 6. September 2006
"And truth of the matter is, a lot of reports in Washington are never read by anybody. To show you how important this one is, I read it, and [Tony Blair] read it."
Zur Veröffentlichung des Baker-Hamilton Report, Washington D.C. - 7. Dezember 2006
"Rarely is the question asked: Is our children learning?"
Florence, South Carolina - 11. Januar 2000
"You teach a child to read, and he or her will be able to pass a literacy test.''
Townsend, Tennessee - 21. Februar 2001
"I understand small business growth. I was one."
New York Daily News - 19. Februar 2000
"It's clearly a budget. It's got a lot of numbers in it."
Reuters - 5. Mai 2000
"I do remain confident in Linda. She'll make a fine Labour Secretary. From what I've read in the press accounts, she's perfectly qualified."
Austin, Texas - 8. Januar 2001
"First, let me make it very clear, poor people aren't necessarily killers. Just because you happen to be not rich doesn't mean you're willing to kill."
Washington D.C. - 19. Mai 2003
"Too many good docs are getting out of the business. Too many OB/GYN's aren't able to practice their love with women all across the country."
Poplar Bluff, Missouri - 6. September 2004
"It would be a mistake for the United States Senate to allow any kind of human cloning to come out of that chamber."
Washington D.C. - 10. April 2002
"Information is moving. You know, nightly news is one way, of course, but it's also moving through the blogosphere and through the Internets."
Washington D.C. - 2 Mai 2007
"I know the human being and fish can coexist peacefully."
Saginaw, Michigan - 29. September 2000
"For a century and a half now, America and Japan have formed one of the great and enduring alliances of modern times."
Tokyo - 18 Februar 2002
"Families is where our nation finds hope, where wings take dream."
LaCrosse, Wisconsin - 18. October 2000
"Those who enter the country illegally violate the law."
Tucson, Arizona - 28. November 2005
"I have a different vision of leadership. A leadership is someone who brings people together."
Bartlett, Tennessee - 18. August 2000
"I'm the decider, and I decide what is best."
Washington D.C. - 18. April 2006
"All I can tell you is when the governor calls, I answer his phone."
San Diego, California - 25. Oktober 2007
"I'll be long gone before some smart person ever figures out what happened inside this Oval Office."
Washington D.C. - 12. Mai 2008
Thanks Klaus Höller!
13. Januar 2009 (0) Comments
iPod
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 01.02.03/2009
Sehr geehrte Frau Dusl,
ich brauche den Rat von Österreichs kompetentester Antwortgeberin. Meine banale, aber nicht zu lösende Frage: Was bedeutet iPod bzw. warum heißt er so? Steht das „i“ (sprich ei) für eye – also Auge? Und welche Funktion hat der/die/das pod im Zusammenhang mit iPod? Pod kann ja alles heißen – von Schote bis Fuß. Und meint Fuß-gehen so was wie Walk-man? Ich hoffe Sie können mir helfen! Mit freundlichen Grüßen
David A. Wittinghofer, per Elektropost.
Lieber David,
über die Entstehung des Begriffs iPod gibt es eine Flut von Erklärungsansätzen. Weitgehend einig sind sich die Namensdeuter über die Bedeutung des kleinen “i”. Es gilt als modische Abkürzung für “Internet”. Erstmals wurde die Mikrovorsilbe zur Benamung von Apples legendärem iMac verwendet - das jüngstes iGadget der Apple-Familie ist bekanntlich das iPhone. Was aber ist ein Pod? Ein kleines Musik-Podest? Ein Internet-Podium? Die Geek-Etymologie sieht in POD gerne die Akronyme “Palm Operated Device” (Handgerät) und “POrtable Device” (tragbares Gerät), während ein Apple-Hardware-Ingenieur damit zitiert wird, die Abkürzung bedeute “Pentium Out Done”. Andere kolportierte Deutungen sind PrimO Design, Pretty Odd Design, Pacman On Demand und Painfully Overpriced Device. Die Wahrheit ist wesentlich schräger. Glaubt man Apple-Konzern-Insidern, soll der Freelance-Werbetexter Vinnie Chieco der Schöpfer des Ausdrucks sein. Beim Anblick des noch namenlosen Prototypen soll er sich spontan an eine Szene in Stanley Kubricks legendärem Science-Fiction-Thriller 2001: A Space Odyssee erinnert haben: “Open the pod bay door, Hal!” Pods (Gondeln) heissen die drei glänzendweissen einsitzigen Evakuierungs- und Reparatur- Module, die aussen an Kubricks Raumschiff angedockt sind. Waren es die kreisrunden Düsennippel an den Seiten dieser Pods, die Chieco an das iPod-Clickwheel erinnerten, oder das rote Monopthalmos des bösen Bord-Computers HAL 9000? Und war 2001-Drehbuchautor Arthur C. Clarke der Erfinder des Ausdrucks “Pod” oder gar der grosse Stanley Kubrick selbst?
“Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at
11. Januar 2009 (0) Comments
Nachricht von Noah ::: Leserbrief
Liebe Comandantina,
Du kennst mich noch von damals, wo ich als "Noah" unter dem "Joy at Work"-Projekt mal einen Beitrag zu "Kasperl und Petzi" geschickt habe. Irgendwann habe ich Dir noch was geschickt, das war aber wohl mehr Mist. Sei's drum. Möchte Dir heute wieder was zukommen lassen, das Du vielleicht verwenden magst. Auch wenn nicht alles immer politisch korrekt bzw. der "richtigen Ideologie" entsprechend formuliert sein mag, habe ich's halt einfach in die Tasten geklopft.
Liebe Grüße
Noah (bzw. "falseprophet" in den ORF-Foren)
Ich bin heute mit ernsten und nachhaltigen Gedanken aufgewacht, die ich dann gleich zu Bildschirm gebracht habe:
Plädoyer für eine Entspiritualisierung Europas
Seit Jahren (Jahrzehnten) befinden wir uns in einem alles umfassenden Prozess der schleichenden Spiritualisierung. Einstmals etablierte Religionen verlieren an Boden und Bedeutung. Ihre Botschaften werden nur mehr mit einem Lächeln oder mit wütender Ablehnung quittiert. Andere religiöse Kulte aus dem Nahen Osten, die nach dem Christentum entstanden sind, breiten sich aus und bringen ihre Anhängerschaft gleich mit. Asiatische Heilslehren, die ohne einen Gott auskommen, finden hier eine Unzahl von hungrigen und durstigen Seelen, die begierig darauf warten, stundenlang völlig fremdartige Gebete zu murmeln und den eben erst abgelegten christlichen Himmel anstatt mit katholischen Heiligen nun mit allerlei asiatischen Gottheiten und Dämonen zu füllen.
Die einstmals gefürchteten "10 Gebote" werden zum "8-fachen Pfad" herunter gehandelt, statt immer den Rosenkranz mitzuschleppen, wird insgeheim das ganz persönliche Mantra rezitiert, die Wallfahrten von früher führen nicht mehr nach Lourdes oder Fatima, sondern zum nächsten "Event", zum "Wunder-" oder "Geistheiler", zur Esoterik-Messe und zum nächsten Engelseminar, um dort tieferen Einblick in die Strukturen des himmlischen Geflügels zu gewinnen. Der Jakobsweg hat sich noch herüber retten können, auch wenn der Apostel Jakobus zu Lebzeiten nie in Spanien gesichtet worden sein soll und man sonst mit den Inhalten der katholischen Kirche nicht viel anfangen kann.
Elektriker will keiner mehr werden, heute lassen sich alle zum "Lichtarbeiter" ausbilden. Ohne vorher die Tarotkarten gelegt zu haben, geht keiner mehr zum Hofer einkaufen. Und wie soll man morgens aus dem Haus gehen, wenn der eigene Biorhythmus gerade einen kritischen Übergang aufweist und noch dazu ein herausfordernder Mars-Saturn-Transit das eigene Medium Coeli belastet? Manche leben auch schon so vegan, dass sie sich nur mehr mit "Du Salatgurke" oder "Du Erbsenschote" beschimpfen, - tierische Schimpfnamen haben längst ausgedient, sind verpönt und sowas von politisch inkorrekt.
Auf dem Land bilden sich die ersten öko-biologischen Vulgonamen: "Tofuhiasl" heißen die alternativen Höfe jetzt, oder "Dinkelpeter" und so mancher wird von der einheimischen Bevölkerung hinter vorgehaltener Hand als "Quinoa-Noar" bezeichnet. Alle bemühen sie sich redlich nach "Vervollkommnung", nach "Einssein" und Selbstverwirklichung. Vor lauter positivem Denken, kommt keiner mehr richtig zum Arbeiten. Um nur ja kein "negatives Karma" anzuhäufen, macht man am besten gleich gar nichts. Und ständig ist man am Überlegen, ob man heute wohl auch schon das richtige Schüssler-Salz, die speziellen Globuli, die richtigen Bachblüten geschluckt hat. Wie mühsam...
Unlängst habe ich einen bedeutsamen Satz eines zeitgenössischen Weisheitslehrers gelesen:
"Licht ist Licht, aber ich hab immer wieder die Dunkelheit verteidigt. Weil zum Schlafen zum Beispiel ist es besser, wenn's finster ist." - Paul Chaim Eisenberg, Oberrabiner in Wien. - Ich glaub', der wird mein nächster Guru.
Ein sehr schöner Text,
lieber Herr Noah!
Wollen wir den vielleicht als Leserbrief auf meine Website stellen? Oder was meinen Sie! Rabbi Paul Chaim rulez natürlich. Und er eignet sich hervorragend als Guru. Er hält übrigens auch Seminare, wenn ich das jetzt mal profan so sagen darf.
Beste Grüsse und Wünsche,
Andrea
Liebe Frau Dusl,
entschuldigen Sie bitte die voran gegangene plumpe Anduzerei. Wenn man sich zu lange im Internet und in diversen Diskussionsforen herumtreibt, verfallen die Sitten, ohne dass einem das weiter auffällt.
Zum sehr geschätzten Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg:
Dieser ist zweifellos ein Mensch mit Guru-Qualitäten, auch wenn in seinem Fall (ich verweise auf das "Lob der Dunkelheit") eher der Ausdruck "Rugu" zu Anwendung kommen müsste. Ich erkläre das gleich:
Auch wenn auf wikipedia "guru" als "schwer, gewichtig" übersetzt wird, habe ich von kompetenter Quelle die Interpretation von "gu" = Dunkelheit und "ru" = Licht vernommen. Ein "Gu-ru" ist also jemand, der einen anderen Menschen von der Dunkelheit (gu) zum Licht (ru) führen kann.
Rabbi Eisenberg wäre dann äquivalent ein "Ru-gu", jemand der vom Licht gerne in die fürs Schlafen notwendige Finsternis überwechselt.
Der Rabbi räumt also mit seiner Aussage mit der überschätzten Funktion des "Guru" auf, der alles und jeden "ins Licht" zerren möchte, auch wenn dieser das vielleicht gar nicht will. Alle wollen ja ständig "erleuchtet" werden, wollen "Klarheit" und solche Sachen. Hier kommt Rabbi Eisenberg als Verteidiger des Menschseins ins Spiel und verweist auf die Wichtigkeit des Parasympathikus, des anderen Teiles unseres vegetativen Nervensystems. Und recht hat er! Ein Leben in ständigem "Licht" mag vielleicht für "Engel" und dergleichen verlockend sein, unsereins in Menschengestalt sollte sehr wohl auch die Finsternis, die Ruhe, die zeitweise völlige Unerleuchtetheit zu schätzen wissen.
In diesem Sinne
Liebe Grüße
Noah
5. Januar 2009 (0) Comments
Vom Quacksalben
Für meine Gast-Kolumne 'Lebensart' in den Salzburger Nachrichten vom 3. 1. 2009
Die Welt befindet sich in der Abwärtsspirale, in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren. In der schlimmsten seit Menschengedenken. So sagen es die Experten. Es sind dieselben Experten, die das Kommen ebendieser Krise weder vorausgesehen, noch irgendetwas unternommen haben, um dem heranrasenden Unglück rechtzeitig auszuweichen.
Sie haben versagt. Nicht in böser Absicht. Sondern in schierer Unbeflecktheit. In höchster Ahnungslosigkeit. Vom kleinen Kurszocker bis zum hoch gelobten Bankpräses. Vom Kleinstadt-Gemeinderat bis zum Weltmacht-Häuptling.
Der unregulierte Markt, sagen die Finanzpsychologen, habe das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Es sind dieselben Finanzpsychologen, die noch vor wenigen Monaten paradiesische Prognosen aus ihren Kristallkugeln gezogen haben. Warum, frag ich mal keck, soll ich den Experten also noch irgendetwas glauben? Warum soll ich den Kassandra-Chören vom Weltuntergang so viel Gehör schenken, wie eben noch den protzigen Prognosen ungebremsten Wachstums?
Soll ich eh nicht, antworte ich mir dann. Denn es gibt keine Experten. Keine, denen man mehr glauben dürfte, als dass sie jetzt auch gerade ratlos seien. Gäbe es tatsächlich Experten, würden sie sich hüten, Prognosen abzugeben. Sie würden klammheimlich ihre Schäfchen hüten.
Die eigenen.
Im Trockenen.
Sie würden nicht schlecht bezahlt im Kundenberatungskämmerchen der Bankfiliale sitzen und Tipps auf Unberechenbares abgeben. Oder gut bezahlt im Fernsehen, in der Vorstandsetage und beim Weltwirtschaftsgipfel. Die Experten mit ihren föhngescheitelten Frisuren, den handgenähten Schuhen und Designersuits, den Netbooks und Blackberrys, sie erinnern mich fatal an die Zunft der barocken Ärzte. Auch sie galten zu ihrer Zeit als Experten. Zugespachtelt mit Bleischminke und Schönheitspflästerchen schleppten sie große Taschen an die Krankenlager ihrer Patienten, gefüllt mit obskuren Salben, modischen Wundbinden, weit gereisten Balsamen, ätherischen Ölen, bittere Tinkturen, marmorharten Pillen und wundersamen Pulvern.
Darmverschluss und Leukämie, Bluthochdruck und eitriger Angina rückten sie mit Aderlass, Quecksilbersalbe und der ellenlangen Klistierspritze zu Leibe. Und wenn alles nichts half, zückten sie die Knochensäge und schickten das Stoßgebet gegen Himmel. Von den Erkenntnissen und Methoden der modernen Medizin waren die Quacksalber noch Jahrhunderte entfernt. Was sie für Heilbehandlung hielten, war oft genug das Gegenteil davon. Nur in einem waren die Quacksalber richtig gut. Im Hochmut, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Wie es auch kam, nie trugen sie Schuld, wie denn auch, sie seien die Experten, sagten sie, sie irrten nie. Aber sicher.
Andrea Maria Dusl ist Filmregisseurin und Autorin.
3. Januar 2009 (0) Comments


