Jeannie, Aladin und der Handjob

Jeannie-Jim-Beam.jpgLiebe Frau Andrea,

ich weiss ich nicht, ob sie sich auch mit sentimentalem Klein-Mädchen-Unfug beschäftigen, jedenfalls brennt mir die Frage unter den Nägeln, wie Jeannie, die Hauptfigur der Uralt-Serie, die der ORF gerade wieder ausstrahlt, zu ihrer legendären Flasche kam und was es mit ihrem Zuhause, eigentlich auf sich hat. Liebe Grüsse,

Jeanine Niessner, Margareten.


Liebe Jeanine,

selbstverständlich beschäftigen wir uns hier mit jedwedem Unfug, sei er noch so oblik. Die blonde Astronauten-Gespielin in der Zauberflasche zählt zum kollektiven Gedächtnispersonal der modernen Medienwelt, hat aber ältere Vorbilder. Jeannie (in der Serie dargestellt von Barbara Eden), ist ein Bagdader Zaubergeist, der in einem opaken orientalischen Groß-Flacon gefangen, auf dem Strand einer abgelegenen Südseeinsel herumgammelt. Astronaut Tony Nelson (der spätere Dallas-Bösewicht Larry Hagman) findet die Flasche zufällig - bei einer fehlgelandeten Rückreise zur Erde - öffnet sie und setzt einen Wiederbelebungsmechanismus in Gang, der die hypersexualisierte Jeannie zu seinem dienstbarer Geist macht. Hier spielt die Serie mit dem Mythos des “Geists aus der Flasche”, einer Erzählung, die Antoine Galland als “Aladin und die Wunderlampe” in seine Übersetzung der Geschichten aus “Tausendundeiner Nacht” eingefügt hat. Die Flasche, die in der Serie “I Dream of Jeannie” als Requisit verwendet wurde, ist ein ellenhoher Whiskey-Dekanter aus Rauchglas, den die Spirituosen-Firma Jim Beam Ende 1964 als Spezial-Weihnachts-Edition auf den Markt brachte. Für die Jeannie-Show wurden dem Fusel-Flakon ein paar goldene Arabesken aufgemalt. Für die späteren Farb-Folgen der Serie wurden insgesamt sechs bis acht dieser Flaschen in Lila- und Pinktönen bemalt und mit zusätzlichen orientalisierenden Zierlinien versehen. Anders als beim Aladin-Dschinn wird Jeannie durch simples Entstoppeln und nicht durch Reiben am Glasschaft freigesetzt. Einen Handjob an der phallischen Flasche hätte die Serie nicht überlebt. Im übrigen bin ich, wie andere auch der Meinung, dass mein Kolumnenporträt weder meinem Aussehen noch meiner Persönlichkeit entspricht und ich mir daher zum Jahresendfest ein neues wünsche. “Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 50/2008

5. Dezember 2008 © Andrea Maria Dusl

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