Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Liebe Andrea Maria,
Guten Morgen! Eine leichte Frage zur Tageseinstimmung. Bei wie vielen Farben beginnt die Buntheit? Und warum? Danke für die prompte Antwort.
Dein Jan Tabor, per SMS.
Lieber Jan,
promptissime bei zwei. Sprachgeschichtlich betrachtet beginnt die Buntheit nämlich schon bei Schwarz und Weiss. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete das Adjektiv “bunt” noch alle Oberflächen, die schwarzweiss gefleckt oder zebrafellartig gestreift waren. Das Mittelalter hatte ein großes Faible für Op-Art. Auch zweifarbiges Fellwerk galt als bunt. Ein Echo darauf gibt es noch heute im Norddeutschen, wo bei gefleckten Rindern schwarzbunt (weiß mit schwarzen Flecken) und rotbunt (weiß mit roten Flecken) unterschieden werden. Unsere heutige Bedeutung verdankt das Bunte Martin Luther, der in seiner Bibelübersetzung das klosterlateinische punctus (punktiert, farbig gestickt) mit dem Schwarzweisswort vermischt. Auch unser Begriff Farbe bezeichnet nicht das Gegenteil zum Schwarzweissen, jene Entwederodrigkeit, die unsere Kultur erst mit dem Eintritt ins photograhische und televisionäre Zeitalter zu benennen weiss. Farbe kommt vom althochdeutschen farawa, faro, gefärbt. Es war meist mit einer Farbangabe verbunden. Blumen und Kleider konnten blafaro sein, blau, Tiere und Bärte brunfaro, braun. Eine deviante Etymologie will in einem jüngst aufgetauchten gotischen “farw” für Aussehen, Gestalt eine Entlehnung aus dem arabischen “farw”, farwa, Pelz sehen. Wer je die Sechzigerjahreserie “I Dream of Jeannie” in der originalen Farbfernsehversion gesehen hat, wird sich dem Gedanken eines Colortransfers vom Orient nach dem Okzident nicht gänzlich verschliessen wollen. Für die Erosion des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Farbbegriffs sorgte der Hausbrand, der die Städte der kühleren Gegenden Europas im Laufe der Jahrhunderte mit einem falben Rußschleier überzog. Die Polychromie der Innenräume der gotischen Dome entzauberte simpler Kerzenruß. Im übrigen bin ich der anhaltenden Meinung, dass mein Kolumnenporträt weder meinem Aussehen noch meiner Persönlichkeit entspricht und ich mir daher zum Jahresendfest ein neues wünsche. “Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at
1. Dezember 2008 © Andrea Maria Dusl
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