Das Unendliche Panorama
Folge 15 - Teatro Olena

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Folge 15 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 52/2008

28. Dezember 2008 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 14 - Pokorny's Café

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Folge 14 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 51/2008

28. Dezember 2008 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 13 - Das Meer vom Kleinen Bub

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Folge 13 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 50/2008

Fälschlicherweise im Falter-Print-Original mit Nr. 12 bezeichnet.

28. Dezember 2008 (0) Comments

Das Unendliche Panorama
Folge 12 - Provinzbild

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Folge 12 meines Unendlichen Panoramas. Ins Bild klicken für grosse Version.

Erschienen in Falter 49/2008

28. Dezember 2008 (0) Comments

Seltsame Dinge bei Regen am Land

Für die Weihnachtsbeilage der Salzburger Nachrichten - in Nr. 300 vom 24.12.2008

Wir waren zehn und acht und fünf, lagen in der Wiese und schauten in den Himmel. Die Augustnacht war dunkel und warm, über uns spannte sich das Zirkuszelt der Unendlichkeit. Miriaden kleiner leuchtender Nadelstiche funkelten da oben im großen tiefschwarzen Nichts. Wie viele Sterne es wohl geben mochte? Miriaden. Das Wort gefiel uns, wir hatten es in einem Buch gefunden, es erschien uns umfassender als der Begriff Millionen, war mehr wert als Milliarden, Billionen und Billiarden, Trillionen und Trilliarden. Die Miriade schnupfte sogar Onkel Dagoberts Taler-Reichtum, die undenkbar hohe Fantastilliarde. Wie viel Sterne funkelten da oben? Eine Fantastilliarde Miriaden, sagte der kleine Bruder. Das saß. Die Heiligkeit der Unvorstellbarkeit sickerte als ohnmächtiges Schweigen in unsere Kindergehirne. Die Stille barst. Es sind mehr! Es sind unendlich viele, sagte der andere Bruder. Nichts ist größer. Unendlich ist das Größte. Woher kannst du das wissen? Hab ich gelesen. Schweigen. Und dann: Die Unendlichkeitilliarde. Das war’s. Die Sternenanzahl da oben am Himmel entsprach der Unendlichkeitilliarde. Das waren unendlich viele Unendlichkeiten. Unsere kleinen Landeier-Kindergehirne rotierten.

Die Wiese, in der wir lagen, hatte indes, ohne dass wir es damals so benannt hätten, auch schon mit dem Gefühl der Unendlichkeit zu tun. Die Wiese lag auf einem Hochplateau mitten im Ausseeerland, lag wie eine riesige Zwetschge mitten im Tal. Die Riesenzwetschge hatte keinen Horizont. Keinen Rand. Hob man den Kopf, rutschte die Sicht ein paar Meter weiter auf dem Zwetschgenrund. Dahinter lagen die Täler und hinter den Tälern stiegen die Berge in den Himmel, wie riesige Kulissen. Ihre Köpfe lagen im blauen Schleier der kühlen Höhenluft. Was dahinter war, wusste man nicht so genau. Man sah nur Himmel. Hinter dem Himmel? Das Weltall. Vom Zwetschgenhintern unserer Kindheit konnten man also direkt in die unendlichen Weiwar. Heute noch messe ich dem flachen Scheitel des Plateaus, auf dem unser Haus stand, einsam wie eine Sternwarte, das Primat der Einzigartigkeit zu. Hier liegt der Nullpunkt meines Denkens. Am Gipfel des Zwetschgenhinterns.

Wenn es regnete, wenn der Schnürlregen aus den tief gesunkenen Wolken fiel, war das Gefühl der Unendlichkeit noch größer als sonst. Man lag im Haus herum und ergab sich der Monotonie des Schnürlregenrauschens.

Und dann geschah es, eines Tages bei Regen, das Ereignis, das meinen Verstand kippen sollte. In einem Buch sah ich eine Abbildung der Lemniskate. So hieß die ∞, die liegende Acht. Lemniskate, das Symbol für Unendlichkeit und Unbegrenztheit, ein Schweizer hatte sie erf unden, Jakob Bernoulli, eine algebraische Kurve 4. Ordnung. Kurve! Vierter Ordnung! Ein Spezialfall der Cassinischen Kurven gar! Bernoulli, Cassini!! Mitten im Schnürlregen! Im Haus am Zwetschgenhintern.

Aber die liegende Acht war gar keine, sie war in sich geschlossen. Denn dort, wo sich in einer Acht die Bahnen kreuzten, fuhren sie in der Lemniskate an einander vorbei. Die Zwetschgenhinternkinder beschlossen, sich eine Lemniskate zu basteln. Eine Unendlichkeit zum Mitnehmen. Eine Unendlichkeit für die Hosentasche. Wir schnitten lange Streifen von den weißen Blättern unserer Zeichenblöcke. An der Längsseite, dort wo der Block das meiste Papier hergab. Wir klebten die Enden unsere Papierstreifen zusammen. Ein Ring entstand. Noch einer. Und ein Dritter. Jeder von uns hatte einen. Wir verdrehten die Ringe, um aus ihnen Achter zu drillen. Aber so viel wir auch drehten und wendeten, die Papierringe ließen sich nicht zu Lemniskaten biegen.

Stundenlang ging das. Bis der Blitz des Unfassbaren in uns einschlug. Das Regenfeuer der Erkenntnis. Wir schnitten einen neuen Papierstreifen aus dem Zeichenblock. Einen Daumen war er breit und so lang wie eine Kinderelle. Und als wäre es Uhu, dem teuflisch riechenden, schwarzgelben Kindermagikum.

Aus dem Ring war die Unendlichkeit geworden. Ein Möbiussches Band, wie wir später erfahren sollten. Ein Band, das nur eine Kante hatte und nur eine Seite. Man konnte es überprüfen. Und mit einem Bleistift in der Mitte des Papierbandes entlangfahren. Der Strich führte zum Anfang, ohne dass wir die Seite wechseln mussten. Und als sich unsere Gehirne wieder auf Kinderzimmertemperatur abgekühlt hatten, geschah ein zweites Wunder. Wir schnitten unser Band in der Längsmitte entzwei. Ein zweifach verdrillter Ring entstand, doppelt so lang wie das Mutterband aber mit zwei Seiten und zwei Rändern! Wie ging das? Wir gerieten in Raserei, halbierten unser langes Band, es entstanden zwei doppelt verdrillte Bänder, die nicht nur ineinander hingen, sondern auch noch umeinander geschlungen waren. Wie beim Spiel mit den Quadrillionen und Septillionen dachten wir uns eine neue Teilung aus. Wir zogen mit dem Bleistift zwei parallele Linien auf unserem Möbiusband. Und dann schnitten wir das Band entlang dieser Längsdrittelung entdrei.

Das war die Sekunde, in der unsere Kindergehirne unwiederbringlich für das Verständnis der Normalität verloren gingen. Ein neues Möbiusband war entstanden und ein zweifach verdrillter Ring, und beide hingen ineinander. Die Unendlichkeit hatte Junge bekommen. Als wir begannen, das Lemniskatenband zu fünf teln und zu siebteln, rutschten wir endgültig in den Wahnsinn. Unsere Sprache versagte, der Regen stellte sein Prasseln ein, es wurde gleichzeitig Tag und Nacht. Die Unendlichkeit war zur Undenkbarkeit geworden. Wir stopften sie trotzdem in unsere Hosentaschen.

Man weiß ja nie.

24. Dezember 2008 (0) Comments

Technik des Schenkens

Andrea Maria Dusl über das Dilemma, jemanden zu beschenken, der entweder nichts braucht oder schon alles hat: den Geek

Für Der Standard/rondo vom 19.12.2008

Steve-Jobs-Bill-Gates.jpgJeder von uns hat einen. Einmal ist es der Bruder, einmal der Vater, einmal der Lebensabschnittspartner, einmal der Arbeitskollege. Einen Geek kennt jeder von uns: Man nennt ihn den Schräubchendreher, den Auskenner, den Chefzangler, den Master of the Geräte.

Begriffsgeschichtlich kommt der Geek vom Geck: Eulenspiegel auf mittelalterlichen Jahrmärkten, die von Kirtag zu Kirtag tingelten, Häschen aus den Kapuzen zauberten, lebendigen Tieren den Kopf abbissen und anderen Freakzauber vollbrachten. Im Englischen wurde der Geck zum Geek und erfuhr in den 1990ern einen radikalen Bedeutungswandel: Aus dem Freak wurde der technische Auskenner. Die frühen Geeks kletterten auf Rechenschiebern durch die Hörsäle, erfanden das Universum der Bits und Bytes und ganz nebenbei das Internet und den PC. Auf dieser Reise waren soziale Kompetenzen nur Ballast.

Gerne wird der Geek deshalb mit dem Nerd verwechselt. Obwohl sich beide hochintelligent in denselben Welten umtun, sind sie doch grundverschieden. Am besten illustriert das die Herkunft des US-amerikanischen Campusausdrucks. Nerd kommt von knurd. Das ist "drunk" (betrunken), von hinten buchstabiert. Nerds verweigerten nämlich, ganz im Gegensatz zum Rest der studierenden Bevölkerung, jeglichen Alkoholdurchsatz. Geek und Nerd werden auf hohem Niveau von den Galionsfiguren der Computerbranche repräsentiert: Microsoft-Mogul Bill Gates ist Nerd, Apple-Chef Steve Jobs Geek.

Nerds gelten als pflegeleicht. Sie kuscheln gerne, ernähren sich von Chips, Nutella und Cola light, treiben sich in anonymen Chatforen herum und gehen der Welt, sieht man vom Anblick ihrer Brillengestelle ab, kaum auf den Nerv. Zu Weihnachten macht man sie mit Herrensocken, einer neuen PC-Tastatur, ein paar Comicheften und einer Dose Vanillekipferln glücklich. Nerds sind die Gummibäume unter den Mitmenschen.

Anders die Geeks. Der Bush-Kritiker und Terrorexperte Richard A. Clarke brachte es 2007 in einem Interview für die legendäre amerikanische Satiresendung "The Colbert Report" auf den Punkt: "Der Unterschied zwischen Nerd und Geek? Der Geek kriegt die Sache hin."

Der Geek schlägt alle.

Das ist das ganze Unglück. Der Geek kriegt die Sache hin. Der Geek kriegt alle Sachen hin. Der Geek hatte einen Apple, als wir noch nicht einmal Amiga buchstabieren konnten. Er wusste, wie man Videorekorder programmiert, als wir noch in den Schwarzweiß-Schirm starrten. Der Geek hat die Geräte, bevor sie irgendwer anderer hat. Und wenn sie kaputtgehen, kriegt er sie wieder hin.

Einen Geek in der Verwandtschaft zu haben kann mehr Sicherheit bedeuten, als das klassische Versorgungstrio in der Familie - den Anwalt, den Doktor und jemanden mit einem Lieferwagen. Der Geek schlägt sie alle. Er kann Steckdosen reparieren, Computerabstürze fixen, Marmeladegläser öffnen, Radiosender finden, Steuererklärungen ausfüllen.

Nur eines kann der Geek nicht. Sich richtig beschenken lassen. Denn der Geek hat schon alles. Lange vor allen anderen. Der Geek ist wunschlos, aber unglücklich. Seine Sehnsucht ist die, mit dem überrascht zu werden, was er sich insgeheim wünscht. Normalsterbliche sind diesem Dilemma nicht gewachsen. Wir kennen die Geräte nicht, auf denen der Geek durch die Material-Welt surft. Und wenn wir von einem lesen, in einer Geek-Zeitung, wo denn sonst, kommen wir garantiert zu spät. Der Geek liest ja die Zeitungen auch. Vor uns. Und wenn er ein Spezialgeek ist, schreibt er gar für diese.

Womit machen wir also einen Geek glücklich? Mit dem neuesten Netbook? Nada. Mit dem hochgepimpten 64 GB iPhone, gecrackt, mit 8 Megapixel-Kamera? Mit dem A2B Ultra MotorElectric Bike, dem Aston Martin Rapide? Dem Waring Martini Mixer, der Leica D-Lux 4? Njet. Hat der Geek alles schon. Naja, den Aston Martin vielleicht nicht. Was also braucht der Geek?

Handgemachte Maßschuhe. Duftwässer von Penhaligon's, Creed oder Acqua di Parma. Ein heißes Wochenende im Hotel Orient. Der Weihnachtsmann darf schon einmal den Sack schnüren.

Andrea Maria Dusl für Der Standard/rondo vom 19.12.2008

20. Dezember 2008 (0) Comments

Wünsche an die Jahresendpersonen

Jahresendperson-Cavaliere.jpgLiebe Fragende!

wie Ihr wisst, beschäftigt sich diese Kolumne wochein, wochaus mit der Beantwortung kniffliger Alltagsfragen, dem Lösen sprachlicher Rätselstellungen und der Enthüllung verborgenen Wissens. Frau Andrea’s Kolumne steht im Dienste der Aufklärung. Es gibt nichts, was nicht gefragt werden dürfte und fast nichts was nicht beantwortet werden könnte. Am Ende des Falter’schen Dienstjahres macht die Kolumne eine Ausnahme, sie wendet sich mit einem bunten Strauss an Bitten ans Salzamt. In den Büroräumen dieses Instituts finden sich gegen Ende jeden Jahres ein paar illustre Gestalten ein, die sich hauptberuflich mit dem Dezemberausklang beschäftigen: Eine goldbekleidete junge Dame mit engelsblondem Locken und Märchenkrone im Haar, ein weissbärtiger Pensionist im rotweissen Wams und ein eleganter, nach Penhaglions duftender Herr im anthrazitfarbenen Mass-Anzug, genagelten Budapestern und billigem Konfetti auf Schultern und Scheitel. Der Herr mit dem grossbürgerlichen Habitus befindet sich im Zustand der fortschreitenden Derangierung. Er trägt die Mine auf Halbmast, etwa so wie Harald Juhnke selig nach dem dritten Gin. Der illustre Herr ist Insidern und Auskennern als Jahresendperson bekannt. Die letzte Kolumne des Jahres richtet sich traditionell mit einer kleine Wunschliste an diese drei Herrschaften.

Liebes Christkind, lieber Herr Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson, eingedenk unserer jahrzehntelangen Verbundenheit übermittle ich Euch meine Wunschliste für 2009. Ihr möget doch bitte Folgendes in Erfüllung gehen lassen:

1. Die Restauration der Solidarität. 2. Das Grundgehalt für Alle. 3. Postämter mit Warteschlangen, die von weniger als drei Personen gebildet werden. 4. Die Einführung von Delis, die Pastrami, Pellegrino und Sanbitter führen. 5. Tempo 28 km/h in Nebenfahrbahnen und Seitengassen. 6. Hundekackverbot in Wien. 7. Die Neugründung des ORF als öffentlich rechtlicher Sender. 8. Die Einführung von Saint Lumiére, eines internationalen Film-Feiertags. 9. Die Wiedereinführung von 13A-Doppelstockbussen. 10. Musikverbot in Gaststätten und Geschäften.

“Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 52/2008

19. Dezember 2008 (0) Comments

Postum oder Posthum,?

Ladislaus-Postumus.jpgLiebe Frau Andrea,

auf Seite 30 des letzten Falter verwendet Sebastian Fasthuber in der Überschrift den Ausdruck "posthum" zur Bezeichnung eines nach dem Tode stattgefundenen Ereignisses; vier Seiten weiter meint Karl-Markus Gauss, der gleiche Begriff würde sich "postum" schreiben. Nachdem mir vor Jahren die Halskabel schwollen, als Sven Gächter im profil ungestraft "postum" schrieb, kommen mir langsam die Zweifel, was nun richtig ist. Leitet sich das Wort von "post hum..." für "nach dem Leben" oder von "ad postum" für "nachgeordnet" ab. Oder haben die Schweizer ihre eigene Deutung des Lateinischen, die sie auch noch missionarisch zu verbreiten tendieren? Bitte um rechtschreiberische Aufklärung,

Barbara Peutz, Grafenwörth, NÖ

Liebe Barbara,

wie so oft ist die Wahrheit noch ein klitzekleines Altzchen komplexer. Trotz Sorge um das Anschwellen ihrer Halskabel möchte ich sie damit konfrontieren, dass beide Schreibweisen korrekt sind und auch beide das Gleiche meinen. Ich ersuche, die Kollegen Fasthuber, Gauss und Gächter, sowie alle beteiligten Redakteure und Korrektoren vom Vorwurf der Unrechtschreibung freizusprechen. Das Adjektiv postum, für ‘nachgelassen’, ‘nach dem Tode veröffentlicht oder ‘nach dem Ableben geehrt’ kommt aus dem Lateinischen. Postumus ist der Superlativ zu ‘posterus’ (nachfolgend) und kann küchenlateinisch mit ‘nachfolgendst’ übersetzt werden. Posthumus (englisch posthumous) ist eine gängige Nebenform des Eigenschaftsworts, es schliesst volksetymologisch an humus, das lateinische Wort für Erde, und humare, dasjenige für beerdigen an. Postum/posthum kennen Historiker und Genealogen auch als Namenszusatz für Sprösslinge, die innerhalb einer Neumonatefrist von der Witwe eines Verstorbenen zur Welt gebracht wurden. Ladislaus Postumus (englisch Ladislaus the Posthumous, tschechisch Ladislav Pohrobek) Herzog von Österreich, König von Böhmen und König von Ungarn gilt als solch ein Nachfolgenster. Der blonde Habsburgerspross wurde knapp vier Monate nach dem Tod seines Vaters Albrecht V. am 22. Februar 1440 in Komarno geboren. Sehr viel postumer, aber von anderen Eltern sollten in dem Donaustädtchen zwischen Ungarn und der Slowakei Franz Lehár und Theodor Körner das Licht der Welt erblicken. “Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 51/2008

14. Dezember 2008 (0) Comments

Holt sie aus ihren Büros. Schickt sie nach Hause!

Kulturkommentar von Andrea Maria Dusl für Falter vom 10.12.2008

Hugo Portisch, Kasperl und Heinz Conrads, Edmund Sackbauer und die verirrte Sylvesterrakete, Nina Hagen und ihre Schamspalte, Kottan, Pilch und der böse Kaffeeautomat. Unser Gedächtnis hat mit Bildern zu tun. Bilder sind das Kapital der Erinnerung. Bewegte Bilder sind das gemeinsame Gedächtnis, auf das sich eine Gesellschaft einigen kann. Mann musste Mundl nicht mögen, um zu wissen, wer er war, was er repräsentierte, wofür er stand. Mundl, der goscherte Elektriker aus der Hasengasse war einer von uns. Ein Österreicher wie der Herr Karl, wie Kottan, wie Phettberg, wie Palfrader, wenn er im weissen Rock den vertrottelten Kaiser gibt. Bilder, bewegte Bilder schaffen Identität. Sie müssen nicht unsere persönliche Identität repräsentieren, es genügt, wenn sie abbilden, was zu unserer allernächsten Umgebung gehört. Unsere allernächste Umgebung ist das Land, in dem wir leben. Um das wiederzuerkennen, muss man weder patriotisch sein noch eingeboren. Auch ein türkischer Gastarbeiter konnte Mundl als landestypischen Archetypus indentifizieren. Oder der Botschafter von Australien. Um das Gedächtnis der Identität mit Bildern zu speisen, bedient sich das aufgeklärte Kollektiv der Bildermaschine. Auch Österreich hat solch eine Bildermaschine. Den Österreichischen Rundfunk, den O.R.F., den Oaff, wie er im Lande heisst. Diese Bildermaschine pfeift auf dem letzten Loch. Böse Zungen sagen, sie liegt im Sterben. Unsere Bildermaschine. Unser Erinnerungsmaschine. Arbeitet sie nicht mehr?

Unblumig haben die Gesetzemacher beschrieben, warum und wie die Bildermaschine arbeiten soll. Im ORF-Gesetz sehen sie für die Bildermaschine im Rahmen des Versorgungsauftrages unter anderem einen Bildungsauftrag vor. Der ORF ist seit 2001 eine Stiftung öffentlichen Rechts. Begünstigter der Stiftung ist die Allgemeinheit. Worin besteht die Begünstigung? In der Versorgung dieser Allgemeinheit mit Nachrichten, Unterhaltung und Bildung. Schon das Wort Bildung, gemeinhin auf Schule und universitäre Lehre reduziert, birgt den ganzen Reichtum dieses Auftrags: Bildung hat vor allem mit dem Bild zu tun, das wir uns von der Welt machen.

Der ORF hat vor einigen Tagen den Bankrott seines Kernauftrags erklärt. Ein internes Strategiepapier empfahl die Kündigung des Film/Fernsehabkommens. Der sperrige Titel bezeichnet einen Vertrag, den die Bildermaschine ORF 1981 mit dem Österreichischen Filminstitut zur Förderung von Spielfilmen abgeschlossen hat. Das Abkommen sieht vor, dass sich der ORF an der Finanzierung von Kinospielfilmen und Kinodokumentationen beteiligt. Nach einem öffentlichen Aufschrei scheint der ORF in dieser, für das Kinoschaffen des Landes lebensnotwendigen Frage einzulenken. In der Praxis gilt der Beitrag des ORF als dritte Säule in der heimischen Kinofilmförderung. Das war keine österreichische Erfindung. Alle europäischen Filmindustrien sind staatlich gefördert. Europa versteht die Filmförderung als eminenten Beitrag zur Schaffung nationaler und europäischer Identität. Wie die Förderung der Landwirtschaft. Oder die Förderung der Forschung. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten der europäischen Länder zahlen ganz selbstverständlich in die nationalen Filmfördertöpfe ein. Per Gesetz. Was sie davon haben? Sie haben ein gutes Gewissen, weil sie, die Verursacher des Kinosterbens, einen kleinen Teil ihres Umsatzes an die Bildermacher zurückgeben. Und sie haben ein gutes Gefühl, weil sie die so finanzierten Filme im Fernsehen auswerten können. Gutes Gewissen und gutes Gefühl ist den österreichischen Fernsehmachern fremd. Gewissen ist ihnen fremd und Gefühl ist es auch. Es liegt ihnen nicht an der Schaffung von Identität. Sie halten Starmania für identitätsstiftend, amerikanische Vorabendserien und den Schpuat.

Sängerwettkämpfe, Malcolm und die Rennen der österreichischen Schneeathleten halte ich auch für wichtig. Aber sie bilden nicht. Sie bilden nicht ab. Sie unterhalten. Mundl bildet, Seidl bildet und Haneke, und sogar meine Filme machen das. Sie bilden die Realität ab. Sie sind gefilmte Identität. Wird das Zukunft nicht mehr so sein? Werden in Zukunft die Filme der österreichischen Bildermacher nicht einmal um 0 Uhr 35 gespielt werden? Werden sie nicht mehr gespielt werden? Und erst gar nicht mehr finanziert?

Liegt es an der Quote, dass hier so knieweich mit dem wichtigsten Kunstform unserer Zeit umgegangen wird? Es liegt nicht an der Quote. Österreichische Stoffe, Filme und Fernsehspiele, erzählt, inszeniert und gespielt von Filmemachern, die dieses Land abbilden, gehören zu den beliebtesten Programmen des ORF. Liegt es am sperrigen Image des österreichischen Films? Keineswegs, wie der enorme Erfolg der Standard-Hoanzl-Edition “Der österreichische Film” zeigt. Woran liegt es dann?

An einem Amalgam aus zynischer Verachtung, blauäugigem Desinteresse, grantelnder Saturiertheit und an simpler Arbeitsverweigerung. Arbeitsverweigerung? Ja, Arbeitsverweigerung. Denn wir, das Volk haben einen Auftrag gegeben. Die Allgemeinheit mit Bildung zu versorgen.

Holt sie aus ihren Büros. Schickt sie nach Hause, sage ich. Und setzt Bildermacher auf ihre Sessel. Bildermacher, die das Bildermachen lieben.

10. Dezember 2008 (0) Comments

Dogma war gestern

Dogma war gestern, es geht nämlich noch knapper. Diese Woche plane ich die Fortsetzung meines Kurzfilmes "Heavy Burschi" zu drehen. Der Streifen wird "Ritchie" heissen.

Hier die

7 Regeln für "Ritchie":

1. Gedreht wird mit einer Digital-Foto-Kamera
im Bildverhältnis 4:3, in Farbe, auf Einbeinstativ
2. Der Ton ist Original (aufgenommen mit der Digital-Foto-Kamera)
3. Gedreht wird am Original-Motiv
4. Gedreht wird mit Original-Licht
5. Es sind nur Regie und Schauspieler am "Set"
6. Das Drehbuch ist nur eine vage Anleitung. Am Set wird improvisiert.
7. Gedreht werden nur Plansequenzen. Schnitte sind Zeitsprünge

8. Dezember 2008 (0) Comments

Jeannie, Aladin und der Handjob

Jeannie-Jim-Beam.jpgLiebe Frau Andrea,

ich weiss ich nicht, ob sie sich auch mit sentimentalem Klein-Mädchen-Unfug beschäftigen, jedenfalls brennt mir die Frage unter den Nägeln, wie Jeannie, die Hauptfigur der Uralt-Serie, die der ORF gerade wieder ausstrahlt, zu ihrer legendären Flasche kam und was es mit ihrem Zuhause, eigentlich auf sich hat. Liebe Grüsse,

Jeanine Niessner, Margareten.


Liebe Jeanine,

selbstverständlich beschäftigen wir uns hier mit jedwedem Unfug, sei er noch so oblik. Die blonde Astronauten-Gespielin in der Zauberflasche zählt zum kollektiven Gedächtnispersonal der modernen Medienwelt, hat aber ältere Vorbilder. Jeannie (in der Serie dargestellt von Barbara Eden), ist ein Bagdader Zaubergeist, der in einem opaken orientalischen Groß-Flacon gefangen, auf dem Strand einer abgelegenen Südseeinsel herumgammelt. Astronaut Tony Nelson (der spätere Dallas-Bösewicht Larry Hagman) findet die Flasche zufällig - bei einer fehlgelandeten Rückreise zur Erde - öffnet sie und setzt einen Wiederbelebungsmechanismus in Gang, der die hypersexualisierte Jeannie zu seinem dienstbarer Geist macht. Hier spielt die Serie mit dem Mythos des “Geists aus der Flasche”, einer Erzählung, die Antoine Galland als “Aladin und die Wunderlampe” in seine Übersetzung der Geschichten aus “Tausendundeiner Nacht” eingefügt hat. Die Flasche, die in der Serie “I Dream of Jeannie” als Requisit verwendet wurde, ist ein ellenhoher Whiskey-Dekanter aus Rauchglas, den die Spirituosen-Firma Jim Beam Ende 1964 als Spezial-Weihnachts-Edition auf den Markt brachte. Für die Jeannie-Show wurden dem Fusel-Flakon ein paar goldene Arabesken aufgemalt. Für die späteren Farb-Folgen der Serie wurden insgesamt sechs bis acht dieser Flaschen in Lila- und Pinktönen bemalt und mit zusätzlichen orientalisierenden Zierlinien versehen. Anders als beim Aladin-Dschinn wird Jeannie durch simples Entstoppeln und nicht durch Reiben am Glasschaft freigesetzt. Einen Handjob an der phallischen Flasche hätte die Serie nicht überlebt. Im übrigen bin ich, wie andere auch der Meinung, dass mein Kolumnenporträt weder meinem Aussehen noch meiner Persönlichkeit entspricht und ich mir daher zum Jahresendfest ein neues wünsche. “Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 50/2008

5. Dezember 2008 (0) Comments

Kampf der Gymnasien

FA-49.2008-Schulkampf.jpg

Das rote Gymnasium Anton-Krieger-Gasse in Wien und sein konservatives Pendent in Perchtoldsdorf sind einander spinnefeind. Dusilation für Falter 49/2008. Ins Bild klicken für 1000px-Version.

1. Dezember 2008 (0) Comments

Bunt und unbunt

Bunt.jpgLiebe Andrea Maria,

Guten Morgen! Eine leichte Frage zur Tageseinstimmung. Bei wie vielen Farben beginnt die Buntheit? Und warum? Danke für die prompte Antwort.

Dein Jan Tabor, per SMS.

Lieber Jan,

promptissime bei zwei. Sprachgeschichtlich betrachtet beginnt die Buntheit nämlich schon bei Schwarz und Weiss. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete das Adjektiv “bunt” noch alle Oberflächen, die schwarzweiss gefleckt oder zebrafellartig gestreift waren. Das Mittelalter hatte ein großes Faible für Op-Art. Auch zweifarbiges Fellwerk galt als bunt. Ein Echo darauf gibt es noch heute im Norddeutschen, wo bei gefleckten Rindern schwarzbunt (weiß mit schwarzen Flecken) und rotbunt (weiß mit roten Flecken) unterschieden werden. Unsere heutige Bedeutung verdankt das Bunte Martin Luther, der in seiner Bibelübersetzung das klosterlateinische punctus (punktiert, farbig gestickt) mit dem Schwarzweisswort vermischt. Auch unser Begriff Farbe bezeichnet nicht das Gegenteil zum Schwarzweissen, jene Entwederodrigkeit, die unsere Kultur erst mit dem Eintritt ins photograhische und televisionäre Zeitalter zu benennen weiss. Farbe kommt vom althochdeutschen farawa, faro, gefärbt. Es war meist mit einer Farbangabe verbunden. Blumen und Kleider konnten blafaro sein, blau, Tiere und Bärte brunfaro, braun. Eine deviante Etymologie will in einem jüngst aufgetauchten gotischen “farw” für Aussehen, Gestalt eine Entlehnung aus dem arabischen “farw”, farwa, Pelz sehen. Wer je die Sechzigerjahreserie “I Dream of Jeannie” in der originalen Farbfernsehversion gesehen hat, wird sich dem Gedanken eines Colortransfers vom Orient nach dem Okzident nicht gänzlich verschliessen wollen. Für die Erosion des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Farbbegriffs sorgte der Hausbrand, der die Städte der kühleren Gegenden Europas im Laufe der Jahrhunderte mit einem falben Rußschleier überzog. Die Polychromie der Innenräume der gotischen Dome entzauberte simpler Kerzenruß. Im übrigen bin ich der anhaltenden Meinung, dass mein Kolumnenporträt weder meinem Aussehen noch meiner Persönlichkeit entspricht und ich mir daher zum Jahresendfest ein neues wünsche. “Boboville”, der neue Dusl-Roman, bei Residenz erschienen. www.comandantina.com dusl@falter.at

1. Dezember 2008 (0) Comments

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