Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Und dann traf ich...
Lachen, Grinsen, Feixen, Cheese!
Liebe Andrea Maria Dusl,
mit meiner Freundin diskutierte ich schon vor längerem den "sprach-sinnlichen" Unterschied zwischen den Worten "Lächeln" und "Grinsen" - wir gelangten aber zu keiner gemeinsamen Lösung. Bei "Lächeln" denke ich an das berühmte Lächeln der Mona Lisa, bei "Grinsen" eher an Garfield. Ist das eine sanft, das andere aggressiv oder handelt es sich doch um Synonyme? Andererseits wurde vor einiger Zeit der Begriff "Kampflächeln" geprägt! Bitte um nähere Klärung,
Ihr Gerhard Glattauer, per Elektropost
Lieber Gerhard,
Verhaltensforscher, Benimmregulatoren, Politikercoaches und selbstverständlich auch wir Normalsterbliche können eine ganze Palette von Lächeln unterscheiden. Weil die nichtsprachliche Kommunikation weitgehend über Mimik, Körperhaltung und Gesten transportiert wird, hat sich im Laufe der Jahrmillionen ein reiches Vokabular an Lächelformen herausgebildet. Unser Grinsen ist sprachlich mit dem Greinen verwandt und bezeichnet ein breites, die Zähne zeigendes Lächeln. Seine frühere Bedeutung ‘knirschen’, ‘grunzen’, ‘murren’ ‘bellen’, ‘heulen’ transportiert die animalische Komponente dieser Lachform, deren Bedeutung zwischen Schadenfreude und innerem Schenkelklopfen oszilliert. Wir kennen das Grinsen auch von Machos, die in völligem Verkennen dieses Signals, ihre präsumptive Beute, mit einem breitem Feixen fixieren. Anders geht es uns mit dem Lächeln, der zahnlosen, verhaltenen Form des Lachens. Die lauthalse Heiterkeitsbezeugung ist sprachlich mit klangmalenden Wörtern wie glucksen, klacken, klagen und mit dem metallischen Lachen der Glocke verwandt. Aufgesetztes Kampflächeln ist von den meisten Menschen augenblicklich als unehrliches Signal lesbar. Verhaltensforscher haben Muskelgruppen im Gesicht identifiziert, die nur beim spontanen Lachen oder Lächeln bewegt werden, beim unehrlichen, aufgesetzten Grinsen, aber starr bleiben. Der Ausdruck “Kampflächeln” beschreibt die Aggresivität der mimischen Lüge sehr gut. Seinen Ursprung hat das falsche Lächeln in der Photographie, wo grantigen Portraitierten mit dem Nachplappern des englischen Ausdruck “Cheese” eine Art Lächeln abgerungen wird.
www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 39/2008
22. September 2008 © Andrea Maria Dusl
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