Die österreichische Oberfläche
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Weiß wie die Pferde aus der Stallburg
Weiß wie Schnee sind die springenden Pferde aus der Stallburg. Die weltberühmten Showrösser kommen allerdings dunkel zu Welt. Die meisten, längst nicht alle von ihnen, nehmen erst im Erwachsenenalter von vier bis zehn Jahren die Farbe frisch gefallener Hagelschloßen an. Ihr tägliches Brot und Stroh verdienen sie sich in der Spanischen Hofreitschule. Die 1572 gegründete Pferdelehranstalt ist die älteste Institution der Welt, in der die hohe Schule der klassischen Reitkunst betrieben wird.
1580 von Erzherzog Karl im rauen Karstgebiet des Herzogtums Krain als Gestüt Lipica ("kleine Linde") gegründet, heißt die Stadt in der Nähe von Triest auf italienisch Lipizza. Und daher kommt der Name der weißen Staatspferde, bis heute die Allerheiligsten unter den Tieren Österreichs.
Karls Kalkül war pfennigfuchserisch. Pferdeimporte für den kaiserlichen Stall galten als unsicher, verlustreich und teuer. Also beschloss man, eine eigene Zucht zu gründen. Es wurden neun Hengste und vierundzwanzig Mutterstuten aus Spanien importiert und die Rasse zunächst "Pferd der Karster Rasse, Lipizzaner Zucht" genannt. Grundlage der Zucht waren das Karstpferd, das spanische sowie die Pferde aus der Poebene. Erst im 18. Jh. kamen die Neapolitaner dazu. Und Deckhengste altspanischer-italienischer Abstammung, aus dem dänischen Gestüt Frederiksborg, aus der deutschen Zuchtstätte Lippe-Bückeburg und aus dem Böhmischen Hofgestüt Kladruby.
Von den sechs bis siebentausend Lipizzanern weltweit stammen die Hengste der Spanischen Hofreitschule alle aus dem Gestüt Piber in der Steiermark, wo man sie nach dem Ende der Monarchie interniert und austrifiziert hatte.
Die Wiener Lipizzaner stammen von genau sechs Hengsten ab. Ihre Namen dürfen durchaus als Familiennamen verstanden werden, denn männliche Lipizzanerfohlen erben den Vatersnamen. Die sechs Urlipizzaner waren alle Ausländer. Pluto, 1765 geboren, war ein spanischer Schimmel aus Dänemark, Conversano, zwei Jahre jünger, ein neapolitanischer Rappe. Braun und von derselben Herkunft war Neapolitano, 1790 geboren. Maestoso, 1773 geboren, war ein neapolitanisch-spanischer Schimmel aus dem böhmischen Hofgestüt Kladruby. Ebenso der Falbe Favory, 1819 geboren. Der jüngste Stammvater ist der syrische Araberschimmel Siglavy, 1810 geboren.
8. August 2008 © Andrea Maria Dusl
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