August 2008
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Andrea Maria Dusl Music Room
Andrea Z bis A
Comandantina Unterwegs
Dusl bestellen
Maschinenraum
Redezeit
Sager von Welt
Showtime!
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
This work is licensed under a Creative Commons License.
Boboville ::: Vorabdruck im "Falter"
In 25 Tagen ist es soweit. In 25 Tagen erscheint mein Roman Boboville. Bei Residenz. Das sagt man so. Erscheint bei Residenz. Die Präsentation wird im Schikanederkino stattfinden, am 24ten September, um 19 Uhr. Es wird leiwand werden in dem kleinen Kino. Aber ich lese noch wo anders. Ich werde viel lesen aus Boboville. ---> Hier geht's zu den Terminen.
Buch bestellen oder Dusl buchen? -->Hier geht's zur Residenz-Homepage von Boboville.
Mein Lesefreund Klaus Nüchtern, der Mann mit dem ich nach Poughkeepise fahre, um zu lesen, wenn wir lesen, gemeinsam, Klaus Nüchtern hat eine Episode aus Boboville als Vorabdruck in Falter 35/2008 gehängt. Hier nun ein erster Blick auf die Geschichten in Boboville:
Swuh, Newauuah, Rahr
Warum es so ist, weiß ich nicht, aber als Kind, so viel ist sicher, hat man einen schlechten Musikgeschmack. Um genau zu sein, und ich spreche hier von mir, hatte ich überhaupt keinen Musikgeschmack. Die Reste von irgendwas, was mit Musik zu tun hatte, hatten mir die Nonnen abgewöhnt, die Leopoldsgassennonnen, wenn ich am Klavier klimperte bei ihnen, um das Etüdenheft abzuarbeiten, dann war das schon nicht so funky, schwarze Musik, das sollte ich später lustvoll lernen, hörte sich anders an. Die Nonnen jedenfalls groovten nicht, niemals taten sie das, indes sie wichsten mir mit dem Rohrstab auf die Finger, Bambus zu ihm zu sagen hatten die bösen Tanten nicht den Mut, Bambus hätte ja Schwanz heißen können oder Stängel oder Penis, oh Gott. Als ob Rohrstab nicht auch schon Penis hieße.
Musik tat mir weh, und der Nonnen Schläge hatten Klavier und Klang auf bestialische Weise mit dem Thema Schmerz verschweißt. Es sollte viele Jahre dauern, bis das jemand wieder lösen konnte. Freddie Mercury hieß das Wesen, es war das Gegenteil jeder Nonne, gewiss war er das und darum liebte ich ihn vom ersten Augenblick an. Er trat in mein Leben zur Skikurszeit im Bergesland, wie war das, den Tag hindurch ödes Laufen am Hang, Rutschen in weißen Wiesen, kalte Finger und Schmerzen im Schuh. Aber am Abend, da war Party. Zwölf waren wir und wir knospten und wir konnten schon küssen, wenngleich es verboten war. Wer küsste, fuhr heim, sagten sie, die Sportlehrer, wo sie es doch selber miteinander trieben, wir hatten ihn gesehen, den Drohbard, die Zunge klebte ihm am Gaumen, seine Hose warf sich nach vorn, hatten gesehen, wie der Lehrer ins Zimmer seiner Kollegin gehuscht war. Hatten gelauscht, hatten das Stöhnen der Turnlehrerin vernommen und sein tierisches Juchzen und das metallische Quietschen der Betteinsätze.
Küssen war nicht und sonst auch nichts, bei uns jedenfalls nicht, aber Hopsen war und Party, mit Apfelsaft im Glas und Strähnen in den Pupillen. Und dann kam es in mich, das Lied, das den Schmerz radierte, ein hagerer Beau klimperte es, auf einem Bechstein. Noten wie aus dem Etüdenheft, nur schöner, viel schöner, jenseitig schön und ohne Rohrstäbe war es und ohne Nonnengift. So geschah es, dass ich die Musik wieder in mein Herz ließ. „Killer Queen“ hieß das Lied, und um es zu verstehen, habe ich mir nach dem Skikurs ein Wörterbuch gekauft. Moët kam vor, was war das bloß, und Marie Antoinette, Gunnenpuder und Gelatine, Chruschtschow und Kennedy, Kaviar und Zigaretten, Dynamit und ein Laserstrahl, und nie, sang Freddie mit der Stimme im Falsett, behielt sie dieselbe Adresse, sang er von Greta? Parfum aus Paris, ja so war sie, verspielt wie eine Pussikatze. She’s all out to get you, wanna try? Nein, wollte ich nicht, ganz sicher nicht, probieren wollte ich das nicht, ich wollte es sein, sofort und für immer, Komplikationen inbegriffen.
Aber da war ja noch was, noch was hinter dem Freddiegeklimper, ein singender Ton. Es klang wie eine Geige, aber es war keine, dann klang es wie ein Saxofon, aber das war es auch nicht, und ein Sündeseiser, so sagten sie, war es auch nicht, denn das stand auf der Queenplatte, ich hatte mittlerweile eine, keine Synthesizer stand da, no synthesizers, und das musste doch stimmen. Was war das, hinter den Freddietastenklängen, hinter dem lieblich perlenden Bechstein, war das eine Gitarre, die der hagere Lockenkopf da auf den Saiten kitzelte?
Ich fragte Harry Hassler, einen Mitschüler aus der Parallelklasse, der einzige, der lange Haare trug wie die Wesen von Queen, der konnte so etwas wissen, der musste es wissen, der hatte seine Gefahrhaare nicht ohne Grund. Aber sicher, wieherte Hassler, das ist der Breihenmeh, er hat eine elektrische Gitarre, kleines Mädchen. Elektrische Gitarre, was ist das? Gibt es nicht bei uns, gibt es in Carnaby. Eine Gitarre, die man an den Strom steckt, mit einem Kabel, dummes Kind, und die macht dann diese Töne. Wie geht das, wo steht das? Steht in Bravo, wieherte Hassler und wedelte mit seinen honigfarbenen Locken, die Saiten werden elektrisch und man muss sie nicht zupfen, man legt den Finger auf die Saite und es macht Swuh. Wo bekomme ich so eine Gitarre?, fragte ich Hassler. In Carnaby, sag ich doch, hab ich gelesen, sagte Hassler gelangweilt, gibt es ein Geschäft.
Es war um mich geschehen. Carnaby wurde meine Sehnsucht. Die Stadt mit Breihenmehs Gitarre. Hinter dem Wasser, gut, dass wir Englisch lernten, man würde mich verstehen, eines Tages im Elektrogitarrengeschäft. Das war nun mein Plan, einmal ins Elektrogitarrengeschäft zu kommen, in Carnaby, hinter dem Wasser und die Breihenmehgitarre zu kaufen, zu kaufen, zu haben, und aus ihr die Swuhs und Uahs und Newauuahs zu locken, die so süß und schön klangen, so hurtig und bizarr, so außerirdisch und fern. Swuh, Newauuah, Rahr.
Harry Hassler, er wieherte, wenn er lachte, wurde mein Freund, mein Berater, mein Intimus, mein Kamerad. Er durfte mich anstrahlen und wiehern, wann er wollte, seine fiebrigen Witzchen erzählen und mich auf den Mund küssen und meine Hand halten und rot werden, aber er musste mir alles erzählen, alles, was er wusste, erzählen, sobald er es erfuhr, alles über die elektrische Gitarre. Das war zu einer Zeit, als die Bobos noch in der Erde staken wie Spargelspitzen im Furchendamm. Es gab keine Handys, es gab kein Internet, die Computer waren so groß wie Bungalows und Taschen waren aus Leder gemacht und nicht aus Lastwagenplanen. Musik wurde in Carnaby gemacht, von Leuten mit Frisuren so groß wie Kleinplaneten und Sohlen von der Höhe einer Hochzeitstorte. Es war eine coole Zeit.
Und sie dauerte ewig. Denn es war eine langsame Zeit. Das Schnellste, was es zu dieser Zeit gab, war die Saturn V. Die Rakete, mit der man Menschen zum Mond brachte. Minuten dauerte es, bis sich der Riesenspargel gegen die Schwerkraft gestemmt und ein paar Etagen an Höhe gewonnen hatte. Eine coole Zeit. Ich mochte sie. Die Zeit vor den Schulterpolstern, die Zeit vor den Sicherheitsnadeln, die Zeit vor dem Boboismus. Eine Zeit der unzelebrierten Langsamkeit. Am Gymnasium, wo Harry Hassler um mich herumtanzte und wieherte, gegenüber vom Chemischen Institut, in der Gasse, die nach einem gesunkenen Schiff benannt war, da lehrten sie Sanskrit. Latein, Griechisch, Sanskrit, das war schon cool. Und langsam. Daran konnte man sich anhalten, am Rausch der Langsamkeit. Nur eines fehlte mir zum Glück. Die schönen Töne aus der Breihenmehgitarre. Die Stromgeige aus Carnaby musste her, Harry Hassler war gefordert.
Und dann, eines Tages, wieherte es und Harry Hassler sagte, die Messe, die Messe käme in die Stadt, hinten am Fluss, wo die Hallen sind, die große internationale Messe, sie käme. Was kommt sie, wie kommt sie?, fragte ich Hassler, sein Haarstroh wogte vor Freude. Die Messe, dort, wo es alles gab, das Neueste, Traktoren und Tonbandmaschinen, einfach alles, Transistorradios und Tastentelefone, Torsionsstäbe und Tischventilatoren. Und haben sie die Breihenmehgitarre? Vielleicht, sagte Hassler, schon möglich, man wird sehen. Und gehen wir hin, fändest du den Stand? Aber sicher, sagte Hassler, kein Problem, ich finde den Stand, aber nur, wenn du mit mir schwimmen gehst. Mit dir schwimmen, warum? Um zu üben. Was musst du üben?, sagte ich. Üben den Kopfsprung, sagte Hassler, im Schwimmbad, du musst. Du musst mir zusehen, ob mir der Kopfsprung gelingt, ob er gut aussieht. Und dafür werde ich auf die Messe gehen mit dir.
Können wir nicht auf die Messe gehen so? Ohne Bad, ohne springen? Neinneinneinnein, sagte Hassler, der Kopfsprung, ich brauche dich. Du musst ihn betrachten und mich lehren, wenn ich ihn falsch mache oder hässlich, dann musst du mir sagen, was falsch war und warum, und wenn er gelang, der Sprung, musst du klatschen und jubeln, ich brauche dich, ja?
Und dann eines Tages, bald war es so weit, trafen wir uns, vor dem Bad, das Hallenbad, unten am Fluss, auf der Bobovilleinsel, es war groß und neu und warm und es brannte in der Nase. Darum mochte ich es nicht, es machte die Haare nass und es brannte in der Nase, hätte ich es gewusst, ich hätte gesagt, es sei das Chlor, aber ich dachte, es läge an meiner Nase. Ich mochte das Bad nicht, man konnte mich sehen, wie nackt ich war, das war’s, was der Hassler ja wollte, das war sein Preis, dafür, dass er mit mir zur Messe gehen würde, die Breihenmehgitarre suchen, meinen Traum. Hassler wieherte mehr als sonst, als wir uns trafen hinter den Duschen, sein Haar hatte er unter einer Haube verborgen, schwarz war sie, durch die Mitte zog ein weißer Streifen.
Hassler sah aus wie ein Geier mit ihr. Sein Höschen war eng und geblümt, nie werde ich den Anblick vergessen. Ich schlüpfte ins Wasser und lobte den dünnen Kerl, wenn er, verboten war es, vom Beckenrand ins Wasser sprang wie ein taumelnder Frosch. Kopfüber, mit dem weißen Scheitel voran. Schneller, trieb ich ihn an, du musst dich mehr biegen, und schöner musst du sein, die Hände gespitzt, die Arme gestreckt. Hassler hatte rote Augen vor Glück, hätte ich es gewusst, hätte ich gesagt, sie waren rot vom Chlor, aber er lachte, und es musste Glück sein, was aus seinen großen Vogelaugen troff.
Und dann saßen wir auf der Bank neben dem Becken, und Hassler griff in den Beutel, er machte es spannend, ich habe gewichst, sagte er, es ist so weit, ich habe es mit. Gleich werde ich’s zeigen. Wie sieht es aus?, fragte ich. Gleich, sagte der Vogel, ich zeig’s nur dir, es ist ein Geschenk, ich dachte an dich, als ich rubbelte und rieb. Wie sieht es aus, ist es klebrig? Oh nein, sagte der Vogel. Er zog einen langen durchsichtigen Schlauch aus seinem Sack. Samen, sagte Hassler, echter Samen, von mir. Es war ein langes ausgerolltes Präservativ, das er da hielt, es baumelte zwischen uns, Hassler wieherte still, echter Samen, echter Samen von mir, sagte Hassler. Wo, fragte ich dann. Na unten, im Reservoir, hier schau’s dir an.
Der Gummi roch nach Fahrradschlauch, ich kannte den Geruch gut, er war stechend und fremd, er schnitt durch den Schwimmbadodor wie eine heiße Klinge durch kalte Butter. Mein Samen, frisch gewichst, heute morgen. Das da unten? Ja genau, sagte Hassler. Es waren schwarze Körnchen, sah aus wie Mohn. Das ist der Samen? Genau. Das ist der Samen. Ich dachte an dich, meine Freundin, als ich rubbelte und rieb. Hassler rollte den Gummisocken zusammen und steckte ihn in meine Bademanteltasche. Für dich. Weil du mir beim Kopfspringen zugesehen hast. Das war mein erster Sex. Ein kleiner Handel.
Vorabdruck in Falter 35/2008 vom 27.8.2008 (Seite 52)
30. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Boboville ::: Handelnde Personen
Hugo Wiener und Cissy Kraner. Christian Broda, der Dusl-Onkel mit den Bauchhosen. Thomas Glavinic, genannt Glawischnig. Charlotte Feuchtgebiet und Boboobergott Harald Schmidt. Der Gott der Hakenkreuze. Theodor-Herzl. Ein Bonbongeschäftbesitzerin, genannt die Bonbonische. Ein Herr Katechet. Schwester Benedicta aus der Klosterschule. Klara Polacek, die Tochter vom Fleischhauer. Emanuel Izuagha und Markus Adegboye, zwei durch Taufe aus der Hölle Gerettete. Jachin und Boas. Zahnarzt-Torquemada Dr. Czingler, Dr. Mengele. Woody Allen. Stan Laurel und Oliver Hardy. Jacques Tati und Buster Keaton. Groucho, Chico, Harpo, Gummo, aber nicht Zeppo Marx. Jason King. Freddie Mercury, der Mann, der mich vor den Nonnen rettete. Eine Notzahnärztin. Ein Sandler. Muckenstrunz auf seinem Kinderfahrrad. H.C-Strache. Ein camelrauchender Koch. Ein goldringpaffender Krocha. Erik, ein Artdirektor. Mein friulanischer Vater. Pasolini. Elmar Platzgummer, der Mann der mich das Brennen lehrte. Dr. Michael Mignon ein Lomograph. Der Kabarettist Maurer und sein scharfes Messer. Larry David. Ein Peterrappbärtiger. Der Jakobsleiternkletterer Daniel Kehlmann. Doris Knecht. Loriot. Der Phil-Mann aus der Lampenbuchhandlung. Bob Dylan. Zladjan, ein Drogengroßhändler. Johnny Guitar Watson. Mein bester Freund: Das liebe Triebi. Synox, der mir das Filmen schenkte. Lovisa Gustafsson genannt Greata Garbo. Mützenmann Josef Mikl. Mein lieber Kurt. Der Hofermichi. Schrom, ein Architekt aus Boston und Santa Fé. Otto, ein Innenarchitekt. Stefan Tempel. Mein Vaterbruder Erich, ein Architekt. Synoxens zappelnden Backfischtöchter. Eine zeichnende Israelin. Savo Petric, ein Hollywoodfriseur, mit Gatten in Weiss. Harry Hassler, der Junge, der mir seinen Samen brachte. Brian May, genannt Breihenmeh. Der Herr Ingeniör. Gitarrenhändler Richie Friedman aus der 48ten Strasse. Der Platzgummerhans. Der Modeschöpfer Klaus Höller und seine Freundin Catwoman. Filmemacherin Martina Theininger. Thomas Bernhard und Glenn Gould. Pippi Langstrumpf. Grissemann, Stermann, Franz Schubert. Erich Kleiber. Napoleon, Black Sabbath. Wolfgang Muthspiel. Ein pakistanische Trafikant. Helmut Schmidt, der Mann mit den Mentholzigaretten. Ein Boychnik aus Katz’s Kosherem Deli. Die Wachalowskibrüder. Nancy und Ronald Reagan. Heidi List. Hitler, Himmler, Joe Walsh. Randy Garcia, Dickie Betts, Leslie West. Der kauzige Gnom aus dem Santo Spirito. Olga, die Frau, aus deren Hände Blitze schlagen. Netrebko und Villazon. Marcello Mastroianni und Anouk Aimée. Albert Hofmann, der Erfinder de LSD. Das Mountain Girl Carolyn Adams. Jerry Garcia von den Grateful Dead. Paul Kantner von Jefferson Airplane. Klaus Nüchtern, ein Lesefreund. Francesca Habsburg-Thyssen. Jimi Hendrix. Frank Zappa. Johnny Guitar Watson. Fertigdenker Schuh und Sloterdijk. Hans Hurch, der bei mir alles darf. Peter Handke, dem Alles gelingt. Die Kollegen Ruzowitzky, Spielmann, Kreihsl. Armin Thurnher, Chefkommentator der Bobovillage Voice. Santana, der Mann, der den Boogie fand. Die Architekturbesinnungsgruppe. Corns Porsche. Hiram Abif, ein Baumeister aus Tyros. Hermes Phettberg, ein Stapler. Jim Hawkins, Schiffsjunge. Kollege David Rühm. Robert Menasse und sein Doppelgänger. Gerald Votava, ein Bobo. Zita, eine Radiofrau. Die Lomographen. Rotor ein Taxi fahrender Boxer. Bagrat, ein georgischer Etablissementbesitzer und Rusudan, seine Frau. Der Mann im sowjetischen Trainingsanzug. Der Mann mit dem ausgeborgten Haa. Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin. Andrej Turkin, der Dichter, der vom Balkon fiel. Tex Rubinowitz. Christopher Wurmdobler und Lolek Tomtschek.
Sowie circa 367 weitere Personen.
Vorabdruck in Falter 35/2008 vom 27.8.2008 (Seite 52)
30. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Boboville ::: Lesungen
Präsentation:
24.9., 19h: Präsentation im Schikanederkino
Wien 4., Margaretenstrasse 24
Weitere Lesungen:
20.9., 13h: Rund um die Burg
Lesezelt vor dem Wiener Burgtheater
27.9., 21h: Loisium Langenlois
Langenlois, Niederösterreich
8.10., 13h: Buchhandlung Thalia Landstrasse
Wien 3, Landstrasse
30. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Bombenschmarren
Werte Frau Andrea,
es gibt Speisen mit selbsterklärenden Namen, wie "Bratwürstel mit Sauerkraut". Andere Namen wiederum verraten gar nichts. So der"Grenadiermarsch". Würden Sie mir bitte erklären, wie diese Speise zu ihrem Namen kam? Gesegnete Mahlzeit und vielen Dank!
Norbert Mottas, St. Valentin
Lieber Norbert,
das Lieblingsgericht von Barbara Wussow hat seinen Namen aus der Soldatensprache. Der üppige Schmarrn aus Kartoffeln, Nudelfleckerln, Zwiebeln, Schmalz, Speck und/oder Wurststücken hieß in der Ungarischen Reichshälfte Krumplis tészta oder Gránátos kocka (Grenadierwürfel) und wird dort zusätzlich papriziert. Der Scheiterhaufen aus Fett und Kohlehydraten war sättigend und für derbe Soldatenköche einfach zuzubereiten, Wurst und Speck verliehen ihm Exklusivität, denn Grenadiere galten traditionell als Eliteeinheiten. Sie trugen im Gegensatz zu gemeinen Soldaten krempenlose Mützen, die sich bald zu Riesengebirgen auftürmen sollten, wie wir sie von den Bärenfellmützen der britischen Grenadier Guards kennen. Die fehlende Krempe erleichterte den Grenadieren das Werfen ihrer Geheimwaffe, der Granate. Die verdankt ihren Namen dem Granatapfel, dessen kernreicher Fruchtkörper die Militärs an das splitterreiche Innenleben ihrer Granaten erinnerte. Die genaue Herkunft der Bezeichnung Grenadiermarsch ist in Vergessenheit geraten, möglich, dass hier Verballhornungen und Verschleifungen stattfanden wie bei einem anderen Gericht der österreichischen Küche, dem Kaiserschmarrn. Der war, Legenden zum Trotz, nicht die Leibspeise von Kaiser Franz Josef und auch nicht zu seinen Ehren so genannt. Kaiserschmarrn ist schlicht die falsch ausgesprochene Version des Almsenngerichts Kaserschmarrn, des Schmarrns der Kaserer. dusl@falter.at www.comandantina.com
Fpür meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 35/2008
25. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Hahn, Oida
Gio Hahn, Wiener und milde Hoffnung liberaler ÖVPler
versucht es mit Modernsein.
Dusilation für Falter 35/2008
23. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Böse Symmetrien ::: Willi Molterer

Aus dem Symmetrielabor: Wolli und Willi Molterer, ÖVP-Kanzlerkandidaten.
21. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Andrea in Hohenems
Samstag, 9. 8.2008, Hohenems, Vorarlberg. Marina Hämmerle photographiert Andrea Maria Dusl mit Herwig Bitsches Apparat.
21. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Steierisches Stehlen
In der Steiermark grassiert das Einbrechen.
Schokobananen, Türschnallen, Airbags und
Opferstöcke, nichts ist sicher vor den langen
Fingern.
Dusilation für Falter 34/2008
18. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Pasta Schutta
Liebe Frau Andrea,
mein Freund und ich geraten uns regelmässig darüber in die Haare, wie man Pasta Schutta richtig zubereitet: Er sagt mit Tomatensosse, ich behaupte, mit Sugo Bolognese. Bitte helfen Sie uns, wer hat recht? Liebe Grüsse,
Tini Patat, Leopoldstadt, per Elektropost.
Liebe Tini,
wie man Pasta Schutta zubereitet, weiß der Teufel, denn Pasta Schutta ist genaugenommen kein Gericht, sondern die deutsch-österreichische Verballhornung der beliebten italienischen Urlauberspeise pasta asciutta con irgendwas. Gemeinhin versteht der hungrige Italienbesucher unter Pasta Schutta Spaghetti mit Fleischsossgletscher und Parmesanspangipfel, ein Gericht, dass reine Chimäre ist, denn es gilt als Erfindung der Touristen aus dem Norden. Italienern ist die Kombination aus neapolitanischen Spaghetti und ragù bolognese völlig rätselhaft, denn ragù bolognese (in der lokalen Lingo als sufrett, soffritto bezeichnet) wird in Bologna klassisch auf tagliatelle all'uovo gegessen. Zubereitet wird es aus Rinderhack oder einer Mischung aus Rind, Kalb und Schwein, (in traditionellen Rezepten auch mit Geflügelleber), feingehackter Zwiebel, Karotten, Sellerie und Speck, die in Butter und Olivenöl gedünstet werden. Dazu kommen Rotwein und das Mark von Tomaten, gewürzt mit Salz und Pfeffer, mit Gewürznelken oder Muskatnuss. Gebunden wird mit Milch oder Mehl. Das Ragout wird bei niedriger Temperatur stundenlang gegart. Pasta asciutta (Pastaschutta ausgesprochen) heisst wörtlich getrocknete Pasta. Damit werden schlicht abgetropfte Nudeln bezeichnet. Tomatensauce, von den Neapolitanern pummarola genannt, dürfen sie getrost in ihre Spaghetti drehen, dagegen hat die Pastapolizei keine Vorbehalte. dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 34/2008
18. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Wikiwars
In der Wikipedia werden militärische Konflikte tagesaktuell kommentiert.
Dusilation für Falter 34/2008. Ins Bild klicken für grosse Version.
18. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Showtime ::: Dusl-Kurzfilme in Drosendorf
Around the World in Eighty Days
Sechs Kurzfilme von Andrea Maria Dusl
Samstag, 16. August 2007, 21:30 Uhr
Badehaus Drosendorf
Architekturkritik-Großvesir Jan Tabor lädt zum Flussfest der Symposionistischen Internationale nach Drosendorf an der Thaya. Dort findet im Rahmen von OSTV/EST Nr. 2/3 eine Projektion von sechs frühen Kurzfilmen statt:
Around the World in Eighty Days
(12 min., 35mm, s/w, 1989/90
Regie und Buch: Andrea Maria Dusl
Mit: Rainer Egger, Johnna Butler,
Hubert Scholz, Ernst Schönmann)
Samstag, 16. August 2007, 21:30 Uhr
Badehaus Drosendorf,
Drosendorf/Thaya, NÖ
Kommet und höret!
Hier die Mucke zum Film
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Das Programm von
Samstag, 16.8.2008
Exkursion Nr. 2
9.00 Besichtigung der Thuryhöfe bei Japons (etwa 10 km von Drosendorf entfernt)
Treffpunkt: 8.50 Drosendorf, Hauptplatz - mit Privatautos,
Mitfahrengelegenheit bitte erfragen bzw. anbieten
11.30 Kieslingmühle Unterthürnau (etwa 3 km von Drosendorf entfernt)
12.30 Bitov (etwa 20 km von Drosendorf)
14.00 Besuch bei Bürgermeister Svatopluk Steffel
16.30 Atelierscheune Primmersdorf – Führung und Lesung Irena Rosc
17.00 Vernissage im Speicher Primmersdorf – Führung Vesna
Badehaus Drosendorf
18.30 Buchvorstellung Nr. 2 – Mella Waldstein:
Graue Donau, Schwarzes Meer. Herausgegeben von Christian Reder und Erich Klein, Springerverlag, Wien - New York 2008
19.00 Lesung - Jakub Kavin liest aus:
Quadratroman und Landschaft als Ware von Friedrich Achleitner
„Geometrischer Heimatroman“ von Gert Jonke
Vorträge:
1. Korntürme IV: Entlang der Donau - Ortrun Veichtlbauer
2. Über Stalin und Hitler und Wassili Grossmans Roman „Leben und Schicksal“ - Erich Klein
3. Korntürme V: Ährenburgen des Nationalsozialismus - Ingrid Holzschuh
4. Theorie der Befreiung IV: Musik nach 1945 - Gertraud Cerha
5. Theorie der Befreiung V: Feminismus: Befreiung des Mannes - Imogen Lechleitner
6. Korntürme VI: Die Erotik der Silos - Lydia Mischkulnig
7. Theorie der Masse I – Anna Soucek
21.30 Film Around the World in Eighty Days
(6 Kurzfilme, Regie Andrea Maria Dusl, 1989/1991 –
kommentiert von Andrea Maria Dusl
Link:
fea - forum experimentelle architektur
quartier21 / Museumsquartier
Museumsplatz 1
1070 Wien
f.e.a@gmx.net
15. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Linker Rand
Österreichs Parteien finden im Wahlkampf ihren linken Rand.
Dusilation für Falter 32/2008
11. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
In der Pension
Liebe Frau Andrea,
gerade habe ich mich in eine Pension eingemietet. Für zwei Wochen, im schönen Kärnten. Und dann denke ich, wie wird das sein, wenn ich in Pension gehe? Werde ich mir die Pension hier mit meiner Pension leisten können? Und warum heißt meine Pension wie meine Pension? Für eine Antwort dankt herzlich
Martina Zängle, Bregenz, per Elektropost
Liebe Martina,
das Österreichische ist eine Sprache mit grobem Filter. Es unterscheidet nicht zwischen Frühstücksunterkunft und Rente. Beides, das schlichte Ferienzimmer wie der Ruhestandsgenuss wird im Lande der Schnitzelklopfer mit dem französischen Wort pension, soviel wie: Gehalt, Ruhegehalt bezeichnet. Die französische Pension kommt vom lateinischen pensio, Auszahlung, das seinerseits vom Verb pendere kommt, dem Abwägen, wörtlich: dem Herabhängenlassen. Hier trifft die ursprüngliche Bezeichnung auf ihren österreichischen Inhalt. Wo könnte man den Lebensabend besser hängenlassen, wo die Ferienzeit besser pendeln, als in der Pension. Den östereichischen Pensionisten entsprechen die deutschen Rentner, die wiederum hierzulande die Bezieher einer dauernden Leistung aus der Unfallversicherung bezeichnen. Umgekehrt kennt Deutschland als Pensionisten ausschliesslich Beamte, Richter, Soldaten und Pfarrer in Ruhe. In einer österreichischen Pension können also Pensionisten, Pensionäre sowie schlichte Rentner gleichzeitig zu Gast sein, während ihnen das Pensionat (die Erziehungsanstalt für blaustrümpfige Mädchen) aus begreiflichen Gründen verschlossen bleibt.
dusl@falter.at www.comandantina.com
11. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Showtime ::: Andrea in Bregenz - Dokumente des Fortschritts
Andrea Maria Dusl liest und trägt vor bei "ka-barett" in Bregenz:
Devianz im öffentlichen Raum
Dokumente des Fortschritts
Freitag, 8. August 2007, 20:30 Uhr
Palais Thurn und Taxis, Bregenz
Die Autorin liest satirische Texte aus ihren Büchern "Fragen Sie Frau Andrea", "Die österreichische Oberfläche" und zeigt unglaubliche Beispiele von architektonischer Aberration im öffentlichen Raum. Leser dieses Blogs kennen diese Miniaturen möglicherweise aus den Kategorien "Anonymous Design" und "Little Shops of Horror", rechts im Menü des Blogs zu finden.
Kommet und höret!
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--> Leseprobe Download pdf
Andrea Maria Dusl
Die österreichische Oberfläche
Residenz Verlag
Mit 34 Elektroholzschnitten der Autorin
240 Seiten, Klappenbroschur
EUR 19,90 / sFr 33,80
ISBN: 9783701714865
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....................
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Constanze Drumm, Residenzverlag
Telefon 0043 2742 802 1411
c.drumm@residenzverlag.at
Residenz Verlag
8. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Paris Hilton

Paris Hilton.
5. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Generation Tasche
Eine ganze Generation trägt heute Tasche.
Was ist drinnen in den Planenbeuteln?
Dusilation für 32/2008
4. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Der Lü
Sehr geehrte Frau Andrea,
ein Wort vom Rande unserer Gesellschaft verlangt nach Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit. Der Lü, die häfnbrüderliche Umschreibung des Tschickstummels. Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang die Wortschöpfung eines Klienten unserer Einrichtung: "Lü-Pecker", ein Obdachloser, der Zigarettenstummel vom Boden aufliest.
Benedikt Friedel, Kuturbeauftragter der sozialmedizinischen Drogenberatungsstelle Ganslwirt
Lieber Bendedikt,
die Wiener Gaunersprache kennt den Zigarettenstummelsammler unter der Bezeichnung Tschikarretierer. Zum Ausdruck Lü-Pecker biete ich zwei erklärende Gedankengänge an. Ich erinnere mich an einen Schulkollegen, Kurzweil mit Namen, der sich Lüt, Lütt nannte, denn dieses, so sagte er, sein plattdeutsch für klein, kurz. Lü für kurze Zigarette dürfte dennoch nicht aus Norddeutschland kommen, sondern aus der Regierung Kreisky. Lü war der Spitzname von Kreiskys parteilosem Verteidigungsminister Karl Lütgendorf, einem Ex-General von auffallende kleiner Statur, der 1977 wegen Verwicklung in illegale Waffengeschäfte zurücktreten musste. Lütgendorf starb 1981 unter mysteriösen Umständen. Der offiziellen Version, Selbstmord durch Erschiessen, stehen Gerüchte entgegen, die den Tod Lütgendorfs, der über Jahrzehnte höchste militärische und politische Kontakte pflegte, in die Nähe der Ermordung des ägyptischen Staatspräsidenten Muhammad Anwar as-Sadat rücken. Laut Lütgendorfs Sohn Philipp sei sein Vater, während einer Jagdgesellschaft mit der Nachricht von Sadats Tod konfrontiert, kreidebleich geworden und habe gemeint „er wäre der Nächste”. dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 32/2008
4. August 2008 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings



