Juni 2008
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Der Deutsche
Liebe Frau Andrea,
mich quält folgende Frage: Warum bemühen sich viele Wiener gegenwärtig so sehr darum, aus mir - einem bisher eher fußballdesinteressierten Piefke mit nur rudimentärer nationaler Verwurzelung - einen Fan der unzuverlässig Fußballspielenden Deutschen Nationalmannschaft zu machen? Ich bin doch in diesen Dingen garnicht kompetent! Bitte sorgen Sie für Entspannung!
Vielen Dank, Ihr Wolf Wohlgemuth
Lieber Wolf,
wie es scheint, sind Sie Opfer inversiv-reversiven Chauvinismus geworden. Der Österreicher (und in massen auch die Österreicherin) leidet unter einem fussballerischen Minderwertigkeitskomplex. Dieser ist angesichts der podospaeralen Fertigkeiten des Landes auch durchaus gerechtfertigt. Nicht im Traume fiele es dem Österreicher (und in massen der Österreicherin) ein, das Land einem direkten Vergleich mit den großen Nationen des fussballerischen Könnens, Italien, Brasilien, Spanien oder England auszusetzen. Ungeachtet dessen versetzt der Österreicher der eigenen Seele grosse Hiebe, indem er sich am grossen Nachbar erigiert. Das liegt wohl daran, dass das fussballerisch affine Österreich die Sprache des Nachbarn zu sprechen vermeint. Und weil der Österreicher (und mit ihm die Österreicherin) den Chauvinismus des grossen Nachbarn sprachlich zu entschlüsseln weiss, antwortet er mit Verachtung und Mißgunst. Allein durch ihre Sprache, lieber Wolf, setzten sie sich diesem Mechanismus aus. Abhilfe gibt es nur im Symbolischen: Sprechen Sie Schwyzerdütsch, Friesisch oder Südtirolerisch, tragen sie weissrot-grosskarierte T-Shirts oder welche in Orange. Am besten jedoch, darin sind sich Experten einig, immunsieren Sie sich dieser Tage mit einem Fernando-Torres-Leibchen. dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 27/2008
Verweile doch, du bist so schön
Augenblicke ständig festzuhalten ist dank Digital- und Handykamera kein Problem - Merken wir uns dadurch das Erlebte auch besser? Andrea Maria Dusl hat darüber nachgedacht. In Standard-Rondo vom 27.06.2008.
Neulich bin ich über einen verstaubten Karton gefallen, den ich jahrelang gesucht hatte. Im Siebzigerjahre-Sportschuhkistchen versteckten sich Bilder, die ich als Teen gemacht hatte. Nicht einige Bilder waren drin, sondern alle. Ausnahmslos. In dem Karton war die Welt gestapelt, wie sie mir zugefallen war, abgelichtet mit meinem ersten Fotoapparat, einer Spiegelreflexkamera aus der DDR.

Der Fund erschütterte mich so nachhaltig wie Schliemann das Ausgraben von Troja, und dennoch hat mich die staubige Kiste, die da in der Familienrumpelkammer unverhofft vor meine Füße gepurzelt ist, traurig gemacht. Das sollte mein Teenagerleben sein? Besseres hatte ich nicht erlebt?
Ich hatte es spannend in Erinnerung gehabt, aufregende Bilder hatte ich abgelichtet, so meinte ich, an seltsamen Orten, in unglaublichen Beleuchtungen und kostbaren Farben, mein Blick war scharf gewesen, so entsann ich mich, mein Auge geschult. Ich hatte meisterlich porträtiert und Motive eingefangen, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Dachte ich.
Schlecht belichtete Allerweltsaufnahmen
Denn als ich den staubigen Karton evakuiert und die Fotos studiert hatte, war ich verzagt. Mein fotografisches Erbe, wie es sich in meine Erinnerung eingebrannt hatte, bestand aus stößeweise schlecht belichteten Allerweltsaufnahmen. Mit matten Farben, unscharf und schlicht, bedeutungslos und nichtssagend.
In Minimundus muss ich gewesen sein, einmal auf der Rückbank eines Londoner Doppeldeckerbusses, einen Schuh hatte ich fotografiert, in einer grünen Wiese, und einen Tisch mit Taschentüchern und Rotweinflaschen.
Die Menschen, die ich da abgelinst hatte, hatten verwischte Köpfe, verzogene Gesichter und breiigen Teint. Elendes Geknipse war das, flau und fade, mein fotografisches Gedächtnis war eine Pleite, eine Ansammlung von GAFUs, größten anzunehmenden Fotografier-Unfällen.
Brauntöne und blasses Geschleiere
Hätte ich nur eines dieser Bilder mit der kleinen Digitalkamera geschossen, die ich jetzt in meiner Jackentasche trage, es wäre zumindest scharf gewesen. Es wäre richtig belichtet gewesen, und es hätte Farben gehabt. Nicht diese Brauntöne, blaues Geschleiere und rote Gesichter, dort wo der Film zu Ende ging. Und das ging er gerne und oft. Zu Ende.
Wer auch immer der Zeit der Negativfilme nachweint, möge sich der Trauerarbeit aussetzen, den eigenen großen staubigen Karton mit den ach-so-großartigen Bildern aus den Siebzigern und Achtzigern zu sichten. Und dann möge, wer auch immer diese Arbeit hinter sich gebracht hat, mir zustimmen: Das Zeitalter der digitalen Bilder ist ein gutes Zeitalter. Ein sehr gutes Zeitalter. Wenn der Magnetsturm nicht durch die Serverfarmen stürmt und nicht allzu viele Festplatten ihren Geist vor der Datenübersiedelung aufgeben, dann wird von unserer Welt mehr und schöneres übrigbleiben als von jeder vorherigen.
Und selbst wenn alle privaten Festplatten, alle Flashkarten und USB-Sticks dieser Welt bis auf das letzte Bild gelöscht wären, dann ließe sich aus Facebook und Flickr, ImageShack, Photobucket und den Google-Speichern, den Datenfarmen von CIA und NSA, und wer sonst noch alles Handydaten und E-Mails auswertet und sichert, ein lebendiges Bild dieser Welt zeichnen. Denn nie wurde weltweit so viel dokumentiert wie heute und nie in solcher Qualität. Jedes 50-Euro-Handy, es klingt bitter, schießt bessere Bilder als dieser Zwölftausend-Schilling-Spiegelreflexkasten, den ich mir vor Urzeiten zugelegt hatte.
Vielhundertbilderstarkes Online-Album
Digicam, Handycam & Flickr, das ist eine Folge der digitalen Revolution, verführen uns dazu, unsere Welt ständig abzulichten und online zu stellen. Als wollten wir panisch vermeiden, irgendeinen Moment einmal nicht "festzuhalten". Aber merken wir uns die Erlebnisse dadurch wirklich besser?, fragte meine Facebook-Freundin unlängst, als sie in das vielhundertbilderstarke Online-Album meiner schwedischen Cousine gestolpert war.
Nein, wir merken sie uns nicht besser, bin ich versucht zu sagen, denn die Erinnerung ist sowieso eine böse Maschine, die verzerrt und verdreht und rüttelt und täuscht. Sie stellt uns Bilder ins Großhirnrindenarchiv, die wir so gar nie gesehen haben. In der Datenbank meiner Erinnerungen waren die Papierbilder aus meinem verschollenen Schuhkarton als großartige Momentaufnahmen abgespeichert. Nada, als sie aus dem Karton gepurzelt waren, war's vorbei mit der Verklärung.
Wollen wir einmal hoffen, dass es uns mit den digitalen Bildern nicht auch einmal so geht. Aber die schauen wir uns wenigstens häufiger an, lassen unsere Webfreunde sich durch die Bilderflut klicken, sie kommentieren oder gar mit Sternchen bewerten.
Super-8-Filme und Tonbänder
Und was wir gleich noch mithoffen: dass die Abermilliarden von Bildern, die wir heute schießen, von Programmen und Betriebssystemen zukünftiger Computer besser gelesen werden können als die vielen Texte und Daten, Progrämmchen und Spiele, die wir - noch keine fünfzehn Jahre ist es her - auf Floppydisks und Zip-Disketten abgespeichert haben. Von den Super-8-Filmen und Tonbändern unserer Eltern und den Musikkassetten unserer Jugend einmal ganz zu schweigen.
Aber wie war das in "Casablanca", wie sagte Humphrey Bogart einst zu Ingrid Bergmann: "Wir werden immer Paris haben." Digitalkamera war damals übrigens keine dabei.
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Die Filmregisseurin Andrea Maria Dusl hostet das populäre weblog www.comandantina.com. Im Residenzverlag erscheint im Herbst ihr Roman "Boboville". Ein neuer Film, "Crazy Day", ist in Vorbereitung.
Fußball-EM ::: Tor der Woche 3
Der Russe ist ein Tänzer und er hat Chuzpe. Und so macht er den Ball hinein.
Für Falter 26/2008.
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©Andrea Maria Dusl
Om Dhom Khom
Liebe Falter Redaktion,
eine Frage die ich mir schon lange stelle: Was wurde eigentlich aus Om Dhom Khom? Den vermisse ich schon sehr.
Mit freundlichen Grüssen, Ingrid Strauß
Liebe Ingrid,
stellvertretend für die bienenfleissige und montags in ihren Produktionswaben rotierende Falterredaktion werde ich versuchen, Ihre Frage zu beantworten. Als langjährige Wegbegleiterin kenne ich die Geschichte Oms seit Anbeginn, seit langen Jahren korrespondiere ich mit dem quirligen Nepalesen, auch heimlich. Zur Erinnerung: Om Dhom Khom war einer ebenso breiten wie qualifizierten Öffentlichkeit als Wettergott bekannt. Der gebürtige Katmandese kommentierte wöchentlich das Wettergeschehen und lieferte Hintergünde und Analysen aus den Zentren der Wettermacherei. Die Insiderberichte seiner Grabenkämpfe mit Wettergötern anderer Couleurs sind Legion. Aufgrund einer synaptischen Unpässlichkeit beherrschte der sympathische Meteorologie-Kolumnist die Aussprache der österreichischen Landessprache nur fragmentarisch. Sätze wie: Die iste sön, oder: Blits und Donne sind Pfeffe und Salts von die Himmel - und die Hagel die iste die Ko’iande. Om Dhom Khom’s hermetischen Berichte aus der Wettermacherzentrale “Siebter Himmel” waren eigenwillig und konfus, aber eines waren sie nie: langweilig oder profan. Und dennoch passierte eines Tages das “unossp’eklige”, Om Dhom Khom’s Kolumne wurde gekillt. Ein Modistenzirkel hatte zu oft “Sex in the City” geschaut und sich mit einer Kolumne namens “Mädchenzimmer” profiliert. Für den Katmandesen war kein Platz mehr im Falter. Doch die Hoffnung lebt. Om-Fan Thurnher bastelt mit meiner Hilfe an der Wiederauferstehung Om Dhom Khoms. Schliessen Sie sich uns an! dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine wöchentliche Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 26/2008
Fussball-EM ::: Tor der Woche 2
Das letzte Glück, das die Kicker der österreichischen Nationalmannschaft hatten, bevor ihnen Angstgegner und grosser Bruder Deutschland die Fussballhosen auszog. Ein Gutes hattes es noch: Österreich war die einzige Mannschaft, die nach dem Ausscheiden nicht nach Hause fahren musste. Sie war ja schon da.
Für Falter 25/2008.
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©Andrea Maria Dusl
Fliegenfanzone
Liebe Frau Andrea,
jetzt gibt es wieder Fliegen, überall aber ganz besonders in der Mitte eines Zimmers, mit oder ohne Lampenschirm, schwirren die, meist zu dritt oder viert ständig um einen nicht sichtbaren Mittelpunkt. Warum denn, lieben die Fliegen überall die Mitte eines Raumes so sehr? Hat das was mit den Winden zu tun? Mit der Erdstrahlung? Bitte beantworten Sie mir diese Frage.
Danke, Maria, Wien 3
Liebe Maria,
die lästigen Kloboten in unseren Wohnzimmern und Küchen sind soziale Wesen. Als Fanzone verwenden die sex- und bewegungssüchtigen Fliegenmännchen die Beleuchtungskörper unserer Zimmer. Die Chance auf eine Partnerschaft mit einem zufällig vorbeisurrenden Fliegenweibchen ist in der Mitte des Zimmers am grössten. Das ist ein bisschen wie in der Fanzone, wo die Fussballfliegen um die zentralen Bierstände schwirren. Auf der Suche nach sozialer Wärme, Stoffwechselanregung und der zufällig vorbeibrummenden Fliegenfrau. Wenn Sie die Unterseite einer Glühbirne genau untersuchen, werden ihnen kleine braune Punkte auffallen: Die Stoffwechselprodukte der Fliegen. Sollten Sie versucht sein, einen Klebestreifen zur Fliegendeziemierung zu verwenden, hängen Sie diesen nie mit der nichtklebenden Hülse nach unten auf: Fliegen setzen sich automatisch an das Dicke - in diesem Fall harmlose - Ende. Schneiden Sie die Hülse ab und knüllen Sie das freie Ende zu einem tödlichen Fliegentreffpunkt. Ein anderes Mittel, vergleichbar mit teurem Bier in der Fanzone: Tupfen sie einen Tropfen Essig auf die unterste Stelle der Birne. Das mögen die Fliegen gar nicht, sie suchen sich eine andere Birne. Die Zahl der Fliegen nimmt insgesamt ab, wenn Sie von Zeit zu Zeit Essigtropfen auf der heissen Herdplatte verdampfen lassen. dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 25/2008
Gates of Hell ::: Devil's Pool
Aus meiner bescheidenen Serie "Gates of Hell": Das gefährlichste Schwimmbad der Welt. Devil's Pool an der Abrisskante der Victoria Falls, Zimbabwe, Afrika.
Please don't try tis at home.
Fussball-EM ::: Tor der Woche 1
Aus meiner langjährigen Falter-Serie 'Tor der Woche' diesmal der Beginn der neuen, wöchentlichen Europameisterschafts-Betrachtungen. Zur Erinnerung: Das Tor der Woche ist nicht das schönste Tor, das spektakulärste oder wichtigste, sondern das eindrucksvollste. Und Eindruck hat der Elfer von Herrn Modric hinterlassen. Zumindest in Österreich.
Für Falter 24/2008. Ins Bild klicken für 1000px-Version
©Andrea Maria Dusl
Männer mit Hut
Liebe Frau Andrea,
jetzt habe ich einen Karton Paninibilder in mein Album geklebt und die Gesichter der EM-Teilnehmermänner memoriert. Fusballer über Fussballer. Nur einer sieht anders aus. Der tschechische Tormann. Er trägt eine Panzerfahrermütze. Mir ist das schon im Champions-League-Finale aufgefallen. Warum hat der Mann einen Hut auf? Darf er das? Fragt sich und Sie,
Maria Patat, per Elektropost
Liebe Maria,
zuerst zum Profanen. Ein ganzer Karton Paninibilder heisst unter Klebeporträtspezialisten “Schlitten”. Nun zum Koronalen: Tatsächlich ist der tschechische National-Goalie und Chelsea-Gehäuse-Wächter der einzige EM-Teilnehmer mit Kopfbedeckung. Der Welttorhüter des Jahres 2005 gilt als einer der besten Keeper seines Fachs. Die schwarze Panzerhaube trägt der Pilsner Petr Čech nicht aus Jux und Tollerei. Auch modische Erwägungen spielten bei der Wahl seines Huts keine Rolle. Big Pete, wie ihn die Londoner liebevoll nennen, trägt Hut, weil er im sich Premier-League-Spiel gegen den FC Reading am 14. Oktober 2006 bei einem Zusammenstoß mit seinem Gegenspieler Stephen Hunt einen Schädelbasisbruch zugezogen hat. Er wurde noch am selben Tag operiert und begann schon drei Monate später wieder mit dem Mannschaftstraining. Es wird mehrere Jahre dauern, bis der Schädelknochen vollständig verheilt ist. Čech spielt daher mit einem 83 Gramm schweren Helm aus Kunststoff, den er auch nach vollständiger Heilung seiner Schädelkappe anbehalten möchte. Damit reiht er sich in die grosse Galerie anderer schädelbeschädigter Hutträger ein: Niki Lauda (Brandopfer), Joseph Beuys (Kriegsverlezung), Gunther von Hagens (Plastinateur-Haarlosigkeit) und Udo Lindenberg (Altrocker-Glatze). dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 24/2008
FM4-Patenschaft ::: Schweden
Ich bin für Schweden. Ich kann es mir ja aussuchen. Als biethnische Tochter einer Schwedin und eines Österreichers habe ich kein Problem mit einem schwächelnden Nationalteam. Einem schwächelnden österreichischen Nationalteam. Schweden macht mir fussballerisch immer große Freude. Seine Elf ist so stabil wie ein IKEA-Regal, taucht alle zwei Jahre erst in meinem Paninialbum und dann im Fernseher auf und präsentiert knackige Männerblondinen und den einen oder anderen naturalisierten Bosnier, Herzegowiner, Kroaten, Serben oder Montenegriner. Der kickende Südslawe hat in Schweden ein leichtes Spiel. Er bringt Feuer ins Geschehen. Anders als in Österreich, wo der kickende Südslawe immer Rechtfertigungsbedarf hat. Die Schweden sind also cool und die Mannschaft meines Herzens. Sie machen keine Mühe und schlagen sich gut. Fürs Weinen und den Weltschmerz habe ich jederzeit die Schnitzelland-Equippe bei der Hand. Nur eine Paarung fürchte ich: Sverige mot Österrike. Da wird es mir gehen, wie den Welfen in Gmunden. Als Exilkönige von England und Herzöge von Braunschweig jubeln die bei einem Match Deutschland-England bei jedem Tor, ganz egal, wer es gerade geschossen hat.
Kleines Textlein, dass ich für den Radiosender FM4 geschrieben habe.
Fussballbuchstaben
Liebe Frau Andrea,
Die offizielle Kurzbezeichnung der heuer auch bei uns in Österreich stattfindenden Fußball-Europameisterschaft der Nationalmannschaften heißt „UEFA EURO 2008TM“. Können Sie mir offenbaren, was dieses – nicht nur für mich geheimnisvolle – hochgestellte Kürzel TM bedeutet?
fragt Walter Stach in der Laimgrube, per Elektropost.
Lieber Walter,
auf der ersten Ebene der Dechiffrierung können wir die Formel UEFA EURO 2008™ als “Union (of) European Football Associations - EUROpean football championship (of) 2008, (protected) TradeMark lesen. UEFA ist die Vereinigung europäischer Fußballverbände, sie richtet alle vier Jahre eine Europameisterschaft aus. Gralshüter des Schatz der Schätze - der Henri Delaunay Trophy, eines amphorenförmigen Silberbechers - ist seit Anfang letzen Jahres der französische Kickergott Michel Platini. Noch steht der 8-Kilo-Humpen beim letzten Sieger Griechenland in der Schatzkammer. Der hochgestellte Fliegenschiss ™, der rätselhafteste Teil des sperrigen Terms, ist das typografische Signet für Trademark, die angloamerikanische Entsprechung unseres Begriffs Marke. Bei dem kleinen Kürzel geht es ums grosse Geld. Um die missbräuchliche, sprich kostenlose Verwendung von Logos und Wortmarken der Europameisterschaft zu verhindern, haben die Advokaten der UEFA entsprechende Einträge in allen nur erdenklichen Markenschutzregistraturen und Salzämtern zwischen Island und Aserbeidschan vornehmen lassen. Ohne das teure Placet der UEFA darf die Marke nicht kommerziell genutzt werden. Die Schnitzellandflagge und der Bundesadler sind bekanntlicherweise noch ohne Schutzmarke unterwegs. dusl@falter.at www.comandantina.com



