Da Stond

Liebe Frau Andrea,

heute ist uns wieder einmal aufgefallen, dass es in der österreichischen Umgangssprache kein Äquivalent für "Ich liebe dich" gibt. Wieso gibt es für so vieles eine Dialekt-Version, aber ihre Liebe können Mann und Frau nur auf Hochdeutsch bekunden? Und steckt dahinter vielleicht eine tiefere Erkenntnis über die österreichische Mentalität? Wir würden uns freuen, wenn Sie dem mal nachgehen könnten! Mit freundlichen Grüßen,

Johanna und Markus, per Elektropost

Liebe Johanna, lieber Markus,

im Einklang mit der Tatsache, dass es so etwas wie die “Österreichische Umgangssprache” nur in den Vorstellungen deutscher Fernsehredakteure gibt, möchte ich mich auf die Liebesbezeugungen der Wienerinnen und Wiener beschränken. Im Cottage (Kotääsch), in Hietzing und der Josefstadt wird man gewiss davon ausgehen dürfen, mit dem hochdeutschen “Ich liebe Dich” gepflügten Acker zu bestellen. Die Bevölkerung ausn Hieb und vom Grund wird zu tieferen Wendungen greifen, um das Herz auf den Tisch und die Seele ins Bett zu legen. Wienerinnen und Wiener mit Schmetterlingen im Bauch werden seltener “I liab di” hauchen, als “I hob di liab”. Ideal ist auch das nicht, denn “Ich liebe dich” heisst auf Wienerisch strenggenommen “I steh auf di”. Jiddisch-Wienerisch liesse sich der Sachverhalt auch so ausdrücken: “Bei mir bist (du) scheen!” Im Espresso, beim Branntweiner oder beim Wirtn empfiehlt sich das schlichte ”I hoid auf di”. Schmähtechnisch römisch eins (remisch aans) wäre mein Favorit unter den Liebesbekundungen, der blumige Ausdruck:

”I bin schaasaugat auf Di”.

dusl@falter.at www.comandantina.com


Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 15/2008

7. April 2008 © Andrea Maria Dusl

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