Fragen Sie Frau Andrea
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Leiwaund
Liebe Frau Andrea,
in unserem Büro ist bei der Nachbesprechung diversen Schifoans die Frage über die Herkunft des Wortes "leiwånd" aufgetaucht. Ich meinte, man könne es mit "kino" germanisiseren, also mit “so traumhaft wie auf der Leinwand" übersetzen. Diese Erklärung stieß auf Widerspruch, da es ja auch nicht "leinwånd" ausgesprochen wird. Es wäre das Kinoste, wenn Sie uns da aus der Patt-sche helfen könnten.
Martin per i-mehl (Es geht um eine Leinwandkarte!)
Lieber Martin,
leiwaund wird weder mit dem schwedischen “å” ausgesprochen, noch hat es mit Wänden oder cinematographischen Erlebnissen zu tun. Der Wiener Ausdruck für alles Wohlfeile und Angenehme kommt von den Flachsfasern, die wir als Leinen (lateinisch linum) kennen. Leinengewebe hiess im mittelhochdeutschen linwat, es wurde im neuhochdeutschen zu Leinwand umgebildet, weil dies ähnlich wie Gewand klang. Die Leinwand (wienerisch Lei(n)waund) ist also keine Linnenwand sondern leinernes Tuch, ein sehr hochwertiger Stoff. Leiwaundes Tuch wurde im Wienerischen zum Synonym für gute Qualität. Der Ausdruck hat auch den Umweg über die Welt des Biers genommen haben. 1432 wurde dem Wiener Bürgerspital, dem traditionellen Ort des Leinenhandels das Braurecht zugesprochen. Im sogenannten Leinwandhaus wurde eine Bierschenke errichtet, die von der Stadt auf eigene Rechnung betrieben wurde. Das "Leinwandbier" genoss ausgezeichneten, ja leiwaunden Ruf. Da Sie in der Germanisierung des Wienerischen sporteln, empfehle ich, leiwaund mit “linnern” zu übersetzen. Wenn Ihnen das zu kleines Kino ist, sagen sie einfach: “Guter Stoff, das”.
dusl@falter.at www.comandantina.com
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 12/2008
17. März 2008 © Andrea Maria Dusl
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