Time Machines
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
SUBSCRIBE
Subscribe my RSS Feed

Befriend me at Facebook

Subscibe my YouTube Channel

Follow me at Twitter
hosted by
powered by Movable Type
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Das Unendliche Panorama
Editorial Cartoons
Falter Covers
Neulich im Büro
Wienerinnen
Zeichenwelt
7 Sachen / Lauter Listen
Andrea Fragenlager
Boboville
Comandantina
Die österreichische Oberfläche
Essays
Features und Portraits
Fragen Sie Frau Andrea
Metaphysics
Om Dhom Khom
Quergelesen Ferngesehen
Salzgriesisch
Und dann traf ich...
Shine On
Für das Ösi-Blog der Zeit
Die Kettenbrückengasse ist eine verschlafene Gasse im Boboais von Wien. Hier wohnen die Wiener Bobos, im Viertel siedeln sich jetzt auch noch die Chinesen an, die Sechzigerjahrmöbelverticker sind schon da, die Patisserieköche, die Taschendesigner und Lustige-Sachen-zum-Verschenken-Kaufleute. Und weil es Wien ist, findet die Gasse immer wieder zu sich. Ein elediglich faules Schlüsselgeschäft gibt es, ein gewiss ganz unkultiges Grindbeisl, das ich den Friedhof des aufrechten Ganges nennen möchte, einen Fleischhacker, eine Ankerbrotfiliale. Hier wohnt Grissemann und ums Eck Stermann. Oder so. Und sicher auch noch anderes Ausdenkepersonal. Dort, wo die Kettenbrückengasse entspringt, aus der Margaretenstrase nämlich, dort steht ein zweistöckiges Haus aus dem Biedermeier. Hier ist in einer Nacht- und Nebelaktion der schwermütige Tondichter und Liederschreiber Franz Schubert gestorben. 1828, im Vormärz, an den Folgen einer Lustkrankheit. Das Haus ist hochrenoviert aber verschlafen, es scheint, als Läge ein Fluch der Unbewohnbarkeit auf den Gedenkräumen. Nie, aber auch nimmernie hat hier irgendwer aus dem Fenster gesehen. Weil es ein Museum ist, steht das Tor des überrenovierten Gemäuers offen. Es steht offen, aber niemand passiert es. Nicht ein einziger Japaner. Japaner hören Mozart, den siassladn Lebegott, nicht Schubert, den bladen Depressiven. Die Bude ist tot. Mausetot. Bis auf neulich. Da kam dicke fette Musik aus dem Haus. Aus dem rechten Fenster im ersten Stock. Richtig dicke feste Musik. Nicht irgendwelche Musik. Und sie kam aus Schuberts Sterbesuite. In Summer-of-Love-gerechter Lautstärke. Heiss war es, vierzig Grad hatte es, die Luft stand in dicken Schubern, die Kleider klebten an den Menschen. Und aus dem Sterbekabinett von Franz Schubert dröhnte Pink Floyd auf die Strasse hinaus. Shine On You Crazy Diamond.
Wien.
Shine on.
27. September 2007 © Andrea Maria Dusl
TrackBack
Use this URL to ping this entry: http://comandantina.com/mt/ping.cgi/1510



