September 2007
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Podcast von Dusls politischer Talkshow im Theater im Rabenhof
Das Photobureau von Comandantina Dusilova kümmert sich ums Schöne und Abseitige
Fünf Jahrgänge politische Zeichnungen im Magazin Format
Pink ist Pipsi
Eine neue Studie über die weiblichen Wünsche in Sachen Verbraucherelektronik beweist: Männer haben wieder einmal keine Ahnung, was Frauen wollen.
Andrea Maria Dusl für den Standard RONDO. Erschienen am 28. September 2007
Der Wasserhahn unserer Abwasch am Land, fünfzehn Jahre war er ein Fall für die männliche Familien-Intelligenz. Mein Vater hätte sie falsch an den Durchlauferhitzer angeschlossen, behauptete - er selbst. Ganz falsch, ganz anders, so mein Bruder. Der Hahn sei richtig angeschlossen, der Durchlauferhitzer hänge verkehrt an der Wand. Keineswegs, so die Lehrmeinung meines anderen Bruders: Unabhängig von den Begrifflichkeiten falsch oder richtig, verkehrt oder nicht verkehrt - im Gerät befände sich Rost, und das wäre das Problem. Das Problem. Was war denn überhaupt das Symptom? Der Hahn tropfte. Wenn man ihn voll aufdrehte. Mehr hatte er nicht drauf, als ein jämmerliches Tropfen. Wo andere Hähne flossen wie Ganges und Nil, Amazonas und Mississippi, da tropfte unser Hahn. Tröpfelte. Tröpfelte, wenn man ihn voll aufdrehte. Fünfzehn Jahre lang. 400 Euro für die Stemmarbeiten, prognostizierte der Dorfinstallateur. Mindestens. Es war ein Jammer. Und wenn es, da es ja schon ein Jammer sei, was ganz anderes wäre, fragte meine Mutter? Da kennst du dich nicht aus, sagte mein Bruder. Und wenn man das Teil aufschraubte, fragte ich? Da kennst du dich nicht aus, das andere Geschwisterkind. Fünfzehn Jahre ging das so.
Am ersten Tag nach dem fünfzehnten Jahr habe ich den Franzosen genommen, den tröpfelnden Nil abgeschraubt und bin damit zum Baumarkt gefahren. "Hier, der Hahn, das Ding. Geben Sie mir einen, der funktioniert. Farbe egal, Aussehen egal, Fabrikat egal. Einen, der funktioniert. Pronto." Fünfzehn Sekunden dauerte das. Fünfzehn Minuten mit dem Auto nach Hause, fünfzehn Sekunden, um das Gewinde des neuen Hahns mit Hanf zu umwickeln und mit dem Franzosen dranzuschrauben. Jetzt passt er. Tropft nicht, sondern fließt. Volle Kanne. Macht das, was Hähne tun sollen.
Und so wie mit dem hinigen Hahn ist das bisweilen auch mit anderen Dingen aus der Männerwelt. Sie funktionieren nicht. Nicht wie sie sollen und nicht wenn sie sollen. DVD-Recorder spinnen, Laptops husten, E-Mailprogramme haben ihre Tage und Waschmaschinen Migräne. Dann wird nach dem Mann gerufen und nach seiner Zange, seinem Kontrollblock, dem Reparaturprogramm, dem Diagnosestift. Und dann wird gebastelt und gedeutet, geschraubt und erklärt. Was es sein könnte und was nicht, was eher, und wenn, dann warum.
Technischer Diskurs hat stets etwas von Fußballverstehen. Frauen wird durchaus zugestanden, sich mit Analytischem einzubringen. Voraussetzung, es stellt das System nicht in Frage. Die technische Männerwelt. "Wieso bauen die keine Autos, die keinen Ölwechsel brauchen", "Wieso keine Programme ohne Bugs", "Wieso nicht Bedienungsanleitungen, die man verstehen kann". Wieso, wieso, wieso. Solche Fragen können nur Frauen stellen. Heißt es dann. Wieso stellen Männer diese Fragen nicht? Lieben sie das Wälzen von Bedienschwarten? Durchforsten gern Menü-Dickichte? Gewiss nicht. Aber sie stellen diese Dinge nicht in Frage. Nicht, wenn sie ein richtiger Mann sind. Ein Analysekerl, ein Reparaturheld, ein Problem-Achill.
Ich schere die Geschlechter gerade über einen Kamm. Ich teile in Blau und Rosa. So ungerecht dies auch ist, so unrichtig und oberflächlich, es ist genau das, was die Industrie tut: Sie verkauft uns Gender-Tools - das strassbestickte Handy mit Schminkspiegel und Menstruationskalender. Den Lady-Tool-Werkzeugkasten im fliederfarbenen Plüsch-Outfit. Und fürs Bad den rosa Ladyshave, vorparfümiert und blümchenbedruckt. Was soll das? Haare an Beinen lassen sich nur mit einem Gerät schmerzlos und schnell entfernen: einer haarscharfen Klinge. Farbe egal, Fabrikat egal, Blümchen machen das Ding nur pipsi. Haarscharf soll es sein und verlässlich. Funktionieren muss das Ding. Hoppla! Ist das nicht ein männlicher Wunsch? Keineswegs.
Aber in der Tropfsteinhöhle der Geschlechterressentiments gilt Technik ganz gegen jede empirische Realität als Männerdomäne. Das soll sich jetzt ändern. Wenn es nach einer neuen Studie geht, die das Unwohlsein der Frauen mit der großen weiten Welt der Verbraucherelektronik thematisiert.
Was Benutzerstrategien, Design und Präsentation von technischen Geräten betrifft, haben Frauen seltsame Ansprüche: Es muss nicht rosa sein, das Ding, aber funktionieren. Und zwar vom ersten Auspacken bis in alle Ewigkeit. Und zwar pronto.
28. September 2007 (1) Comments
Academy of Style ::: Than Shwe
Generalissimus Than Shwe (links im Bild) ist Staatschef von Myanmar und anerkannter Bösewicht. Seit 1992 ist er Vorsitzender der herrschenden Militärjunta des Landes. Ein Diktator, wie er im Buche steht.
Hier interessieret uns das Modebewusstsein des ehemaligen Postbediensteten. Im Rahmen einer Bad-Will-Terror-Kampagne schreitet der General Kompanien von Jubelbirmesinnen ab.Than Shwe verspricht sich, durch anhaltende Grausamkeit zum Mann des Jahres des Time-Magazins gewählt zu werden. Hitler und Stalin, ja sogar der Ayatollah Khomeini hätten das schliesslich auch geschafft.
Ausdrücklich gelobt werden muss die modische Weltneuheit: T-Shirt über Generalsuniformrock.
28. September 2007 (0) Comments
Shine On
Für das Ösi-Blog der Zeit
Die Kettenbrückengasse ist eine verschlafene Gasse im Boboais von Wien. Hier wohnen die Wiener Bobos, im Viertel siedeln sich jetzt auch noch die Chinesen an, die Sechzigerjahrmöbelverticker sind schon da, die Patisserieköche, die Taschendesigner und Lustige-Sachen-zum-Verschenken-Kaufleute. Und weil es Wien ist, findet die Gasse immer wieder zu sich. Ein elediglich faules Schlüsselgeschäft gibt es, ein gewiss ganz unkultiges Grindbeisl, das ich den Friedhof des aufrechten Ganges nennen möchte, einen Fleischhacker, eine Ankerbrotfiliale. Hier wohnt Grissemann und ums Eck Stermann. Oder so. Und sicher auch noch anderes Ausdenkepersonal. Dort, wo die Kettenbrückengasse entspringt, aus der Margaretenstrase nämlich, dort steht ein zweistöckiges Haus aus dem Biedermeier. Hier ist in einer Nacht- und Nebelaktion der schwermütige Tondichter und Liederschreiber Franz Schubert gestorben. 1828, im Vormärz, an den Folgen einer Lustkrankheit. Das Haus ist hochrenoviert aber verschlafen, es scheint, als Läge ein Fluch der Unbewohnbarkeit auf den Gedenkräumen. Nie, aber auch nimmernie hat hier irgendwer aus dem Fenster gesehen. Weil es ein Museum ist, steht das Tor des überrenovierten Gemäuers offen. Es steht offen, aber niemand passiert es. Nicht ein einziger Japaner. Japaner hören Mozart, den siassladn Lebegott, nicht Schubert, den bladen Depressiven. Die Bude ist tot. Mausetot. Bis auf neulich. Da kam dicke fette Musik aus dem Haus. Aus dem rechten Fenster im ersten Stock. Richtig dicke feste Musik. Nicht irgendwelche Musik. Und sie kam aus Schuberts Sterbesuite. In Summer-of-Love-gerechter Lautstärke. Heiss war es, vierzig Grad hatte es, die Luft stand in dicken Schubern, die Kleider klebten an den Menschen. Und aus dem Sterbekabinett von Franz Schubert dröhnte Pink Floyd auf die Strasse hinaus. Shine On You Crazy Diamond.
Wien.
Shine on.
27. September 2007 (0) Comments
Der Wagen
Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur den falschen Wagen. Sagen die Engländer. Die kennen sich da aus.
24. September 2007 (0) Comments
Elektrosack
Liebe Frau Andrea,
seit dem Hollywood-Film "E-Mail für dich” frage ich mich, ob Mail weiblich oder sächlich ist. Manche danken mir für “mein” Mail, ich aber frage, ob jemand “meine” Mail erhalten habe. Wer hat Recht? Handelt es sich bei Mail um ein Fremdwort, ein Lehnwort oder ein eingedeutschtes Wort, das ursprünglich aus dem Englischen stammt? Bitte um Klärung! Mit mit freundlichen Grüßen und Dank im Voraus,
Gerhard Glattauer, per Mail
Lieber Gerhard,
im deutschen Sprachraum hat sich der weibliche Artikel für die elektronische Nachricht durchgesetzt. In der Schweiz, Teilen Süddeutschlands und bei uns ist aber auch das Neutrum, “das E-Mail“ verbreitet. Hier orientiert sich die Volksetymologie an den sächlich wahrgenommenen Begriffen Email (dem glasartiger Überzug) und Mehl (dem gemahlenen Korn). Hermes Phettberg hat deshalb für ein längeres Mail den Ausdruck Gries eingeführt. Der neudeutsch-denglische Begriff E-Mail kommt vom englischen e-mail, das seinerseits die Abkürzung von “electronic mail” ist. Als Erfinder der elektronischen Post gilt der Computertechniker Ray Tomlinson, der 1971, in Cambridge, Massachusetts mit dem Aufbau des ARPANET beschäftigt, die/das erste E-mail durch eine Leitung gejagt hat. An den genauen Wortlaut der ersten Botschaft, geschweige denn, den Namen des neuartigen Kommunikationsverfahrens kann sich der Erfinder nicht mehr erinnern. Am ehesten sei es die Tastaturreihe QWERTYUIOP gewesen. Das englische Wort mail (Postsack) ist zwar germanischen Ursprungs, kommt aber vom altfranzösischen “male” - Sack. Demnach dürfen sie zum E-mail getrost Elektrosack sagen. “Der” Elektrosack. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 39/2007
24. September 2007 (0) Comments
Im Landtmann
Eintrag im Blog des Residenzverlag nach der Lesung vom 22.9. 2007. Es ist halbelf.
Vor mir die Jazzleser, nach mir Polly Adler. Das ist mein Ort. Die Nische. Meine Lesenische. Herr Herwig, mein Verlagsleiterherwig, mein Residenzkumpan, mein Bitsche, trägt die Müdigkeit wie ein Zepter. Das Zelt erinnert an die Feuerwehrzelte, in denen ich meine Jugend vergeudet habe. Eine warme, helle Wolke der Sauberkeit, so ein Zelt. Was mir fehlt: Die hellhölzernen Tische und Bänke, die den Feuerwehrfestzelten gemein sind. Herr Bitsche, mein Verlagsleitungskumpan! Ich wünsche mir solche Bänke beim nächsten Frühstückslesen. Solche Feuerwehrfestzelttische. Bierfeucht und stabil. Österreichisches Bierzeltmobilar. Bitte. Und Betrunkene. Ich wünsche Betrunkene. Betrunkene sind ein gutes Publikum. Sie sind ehrlich und genau. In Zelten will ich Betrunkene haben. Im Lesetempel mit den kleinen Sesseln wünsche ich hingegen Rückenschmerzpatienten. Auch denen kann man nichts vormachen beim Lesen. Wenn der Vortrag stimmt, lösen sich ihre Verspannungen. Beim Anflug von Langeweile ächzen sie gemartert. Solches Publikum muss man sich wünschen. Gutes, ehrliches österreichisches Zuhörpersonal. Experten.
Andrea Maria Dusl, 22.9.07, Café Landtmann.
Nach Diktat vereist.
Vereist.
Das Bild (© Residenz Verlag) hat Herwig Bitsche tags davor im Café Prückl gemacht.
22. September 2007 (1) Comments
Andrea Maria Dusl liest am 22.9.07
Andrea Maria Dusl liest aus ihrem unerhörten
und perfiden, nächste Woche erscheinenden Werk
"Die österreichische Oberfläche"
Diesen Samstag, 8:30 morgens in Wien
beim 24-stunden-Literatur-Marathon
"Rund um die Burg" im Zelt am Rathausplatz

Die österreichische Oberfläche
Österreich findet am Übergang zwischen Innen und Außen statt.
ÖSTERREICH, DAS LAND zwischen Bodensee und Langer Lacke, zwischen Böhmerwald und den Karawanken. Das Land von Freud und Hitler, Almdudler und Fledermaus, Streif und Donauinsel. Existiert es überhaupt? Oder ist Schnitzelland nur eine Erfindung? Die österreichische Filmregisseurin und Essayistin Andrea Maria Dusl stellt die nüchterne Diagnose: Österreich ist eine Illusion. Eine Einbildung, ein Oberflächenphänomen. Der Punschkrapfen unter den Nationen. Das Fettauge in der europäischen Rindsuppe. Die österreichische Oberfläche beleuchtet essayistisch-kulturphilosophisch die österreichische Fassade – von der Z-Kugel bis zu Schüssels Socken –, seziert österreichische Verpackungen – von der Schnitzelpannade bis zur Sozialpartnerschaft – und widmet sich schonungslos der vielschichtigen Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen. Andrea Maria Dusl deckt neue und alte Irrtümer auf und beantwortet einen Katalog voll ungestellter Fragen. Liegen Linz und Wien überhaupt an der Donau? War Kaiser Franz Josef Habsburger? Siegelte Figl den Staatsvertrag mit seinem Privatring? Und wem gehört Österreich überhaupt: Den Liftbesitzern oder der Ballmafia?
erscheint Ende September 2007
im Residenzverlag
240 Seiten
Format 140x220 Klappenbroschur
EUR 19,90 / sFr 33,80
ISBN: 9783701714865
21. September 2007 (0) Comments
Es Gimpfde
Liebe Frau Andrea,
in letzter Zeit passiert es mir immer wieder, dass mir "das G'impfte aufgeht". Blöderweise weiß ich nicht einmal so genau, was es bedeutet, geschweige denn woher dieser Ausdruck stammt. Irgendwie dürfte es was mit sich ärgern auf sich haben, und da gibt's nun wohl Anlässe genug. Was aber, wenn ich mit meiner Vermutung total daneben liege? Und außerdem - Wunden können aufgehen, aber Impfungen? Bitte helfen Sie einer nicht mit dem Wienerischen aufgewachsenen!
Herzlich Regina Reitter, Sankt Internet
Liebe Regina,
bei der Entschlüsselung dieser urwiener Zornesbefindlichkeit müssen wir nicht den Psychrembel befragen, das schlaue Buch der praktischen Ärzte. Auch wenn die Wiener Sprache derb ist, es fehlt ihr doch nie am poetischen Moment. Zum Bild der Aufgehenden Impfnarbe müssen wir uns einen vor Wut kochenden Wiener vorstellen, der seine Körperoberfläche so weit unter Kontrolle hält, dass sich der angestaute Ingrimm an den Narben entlädt. Hier oszillieren Erinnerungsnebel an die blutenden Knieschorfe fussballspielender Beserlparkbuam mit dem Ressentiment gegen alles moderne, medizinische. Gleichzeitig ruft der Auspruch in Erinnerung, dass Impfnarben im Gedächtnis der Wienerseele mit Fortschritt und Gemeindegesundheit zu tun haben und sich nichts schlimmeres vorstellen lässt, als das Aufbrechen einer unzerstörbaren Oberarmpocke. Wenn Ihnen der Ausspruch zu medizinfeindlich erscheint, möchten Sie zum Bild des Kabelhalses greifen. “Soiche Kabel griag i” mit der Handbewegung eines “dicken Halses” beschriebe wienerische Wut ebenfalls sachgerecht. Frohnaturen darf im Zornfall jederzeit “der Feidl im Sack aufgegen”. www.comandantina.com; dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 38/2007
17. September 2007 (0) Comments
Om Dhom Khom
Es wird Zeit, den beliebten Wettergott Om Dhom Khom wiederzubleben. Der eigenwilligen Meteorologiedeität hatte ich im letzten Jahrhundert Falter ein Sprachrohr gegeben. Om Dhom Khom sprach einmal wöchentlich über das Wetter. Hier ein Link zu Om Dhom Khom. Und bald mehr von Om Dhom Khom hier auf Comandantina.
Wer der sympathische Wettergott ist, kann hier erfahren werden.
15. September 2007 (0) Comments
Bald: Die österreichische Oberfläche
Ich habe wieder ein Buch geschrieben.
Und es kommt bald heraus.
Mehr darüber sehr bald.
14. September 2007 (0) Comments
Dangerous Dubai
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In wirtschaftsliberalen arabischen Emirat Dubai wird bald schon alles am höchsten, am größten, am schnellsten sein. Kaum ein Land hat derart große Ambitionen, die Superlative-Metropole der Welt zu sein. Der Preis ist hoch: Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist enorm. Im Sommer meldete die „Emirates Evening Post“ für das Jahr 2004, dass über 800 Arbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesh bei Unfällen am Bau zu Tode gekommen seien. Und die Opferzahlen steigen.
Dusilation für Wojtek Czaja.
13. September 2007 (0) Comments
Flexologisches
Liebe Frau Andrea,
trotz handwerklichen Geschicks hat sich mir noch immer nicht die Antwort auf die Frage erschlossen, warum der gemeine Winkelschleifer im Volksmund mit dem Vulgonamen "Flex" belegt wird. Wirklich flexibles hat dieses eher grobe Arbeitsgerät nicht an sich. Und welcher Zusammenhang besteht zum gleichnamigen und jetzt am Donaukanal beheimateten Lokal? Und warum hat das einen Haifisch im Logo? Besten Dank für Ihre hilfreichen Hinweise!
Mit freundlichen Grüßen, Helmut Resch
Lieber Helmut,
die Flex ist eine elektrische Handmaschine mit schnell rotierender Schleifscheibe. Als ihre Erfinder gelten die schwäbischen Tüftler und Firmengründer Ackermann und Schmitt. Angetrieben wurde der robuste Handschleifer durch eine biegsame Welle. Dieses Zwischenstück, die „flex“ible Welle, prägte den Markennamen der ersten „Flex“ und wurde zum Synonym für dieses Werkzeug. Über die Entstehung des Lokalnamens gibt es mehrere Mythologien. Eine verortet “Flex” im 1982 erschienenen Hardcore-Punk-Rock-Compilation-Album “Flex Your Head”. Jedenfalls erinnere ich mich an ein gleichlautendes Grafitto im oder am legendären Ur-Flex in der Meidlinger Arndtstraße. Am wahrscheinlichsten kommt der Underground-Club-Name vom extensiven Gebrauch des Winkelschleifers bei der Erzeugung robusten, punkgerechten Flex-Mobiliars. Das Fisch-Logo hat Flex-Urgestein Phillip Abbrederis einst in Anspielung auf den Winkelschleifer gestaltet. Die Zähne des Haifischs erinnerten ihn an den Stahlschnitzer und Namensgeber, die gute alte Flex.
www.comandantina.com; dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 37/207
10. September 2007 (0) Comments
Knigge für den Papstbesuch
Wie man Josef Ratzinger grüsst, wenn man ihm im Forst von Mariazell begegnet. Erzkatholiken wissen bescheid.
Ins Bild klicken für grosse Version. Für die Steiermark-Papst-Ausgabe in Falter 36/07
5. September 2007 (0) Comments
Supernamen
Liebe Frau Andrea,
neulich nachts fielen mir die Namen unserer Einzelhandelsketten ein. Ich überlegte mir schlaftrunken, ob es einen gemeinsamen Sinn oder Beweggrund für die Wortwahl geben könnte. Bei Billa, Spar und Penny ist es ja relativ einfach - Geldvermehrung, auch Merkur verstehe ich - Handel. Zu den restlichen fiel mir aber nur Großmannssucht (Mondo), Liederlichkeit (Lidl) und der Ausruf "Ah, der Laden am Eck!" (ADEG) ein. Um Nachhilfe bittet
Gerhard Glattauer, Floridsdorf
Lieber Gerhard,
ADEG, 1929 als Zusammenschluss selbstständiger Kaufleute gegründet, leitet sich von „Arbeitsgemeinschaft der Einkaufs-Genossenschaften“ ab. Mit Kürzungen arbeitete auch Karl Wlaschek, als er 1954 in Wien-Neubau seine Billige Parfümerie (Bi Pa) und 1961 den Billigen Laden (Bil La) gründete. Mit Knausrigkeit hat Spar (eigentlich “De Spar”) nicht zu tun, sein Name ist ein Akronym des niederländischen Mottos "Door Eendrachtig Samenwerken Profiteren Allen Regelmatig" (Durch einträchtiges Zusammenwirken profitieren alle regelmäßig). Das Logo ist eine Tanne, niederländisch “De Spar”. Zielpunkt, wird bald Plus sein: “Prima leben und sparen”. Lidl heisst nach der Lidl & Schwarz Lebensmittel-Sortimentsgroßhandlung im Ludwigshafen der 30er, der Name ist die Koseform des norddeutschen Lüdel (Ludwig). Die Rechte kaufte Gründersohn Dieter Schwarz dem Berufschullehrer Ludwig Lidl für 1000 DM ab. Ganz bei sich ist Schlecker, 1975 von Anton Schlecker gegründet. Ganz wo anders hingegen weilt Julius Meinl. Im Reich der Erinnerung nämlich.
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 36/2007
3. September 2007 (0) Comments
Stress Code
Ich muss gestehen, ich bin hochleidend, die Krankheit hat mich fest im Griff. Ich habe Stress. Und er kommt von Innen.
Erschienen in Standard-Rondo vom 31. August 2007
Als Hypochonderin der Stresskrankheit muss ich zudem unablässig jammern. Abhilfe gibt es keine, Hypochondrie ist unheilbar. Mein Leiden beginnt mit dem Aufstehen. Immer zu spät. Acht Uhr, was für ein Jammer, um diese Uhrzeit haben andere schon Mittagshunger. Und ich? Ich krabble erst schlaftrunken aus dem Futon, schalte den Kaffeemaschinenhauptknopf ein. Das ist der einzige, den ich in diesem Zustand überhaupt treffe. Warum ich so spät aufstehe? Schlechte Frage. Warum ich so früh aufstehe? Weil seit sechs die Bagger im Nebenhaus knattern. Zwei Stunden mit dem schlechtem Gewissen der Untätigen, das will mir erst wer vorliegen, im Futon.
Lähmend langsam quält sich das Wasser durch den Kaffee, schwitzt sich tröpfchenweise durch den Filter. Geht denn das nicht schneller? Die Leute draussen sitzen schon stundenlang in ihren Baggerschaufeln, und ich? Ich trödle mir ein Frühstück zusammen. Schwupp, den Laptop geweckt, Deckel hoch, rein ins Netz, klickediklick, schon wieder wer tot. Abgetreten vor der Zeit. Der Mann war doch noch jung, was hat er gehabt? Weissmannicht im Endstadium. Stress, murmle ich. Der Kaffee ist fertig, das Ei, geht denn das nicht schneller? Wieso können die nicht Drei-Minuten-Eier produzieren? Scheiss-Hühner. Was sagt die Mailbox? 257 Penisverlängerungen, 234 Viagra-Aktionen, 122 Anlage-Tips von den Boys in Nigeria. Na Bravo! Was sag ich, mein Spamfilter funktioniert doch! Wird besser, das Ding.
Wer hat geschrieben? Aja. Emma Taylor, Darn Franco, Francisco Dean und Noel Carmelia? Bilder. Aber sicher. Sandy Atkins, Cecil Donovan, Farrah Alesia und Guy G. Vasques. Gute Namen, denkt sich sicher ein Spezialist aus. Alle "tired tonight". Kenn ich. Die Semmel ist hart. Wieso war ich nicht beim Bäcker? Die Butter ist aus. Wieso nicht beim Spar? 8:10, wie lange geht das noch mit dem Tachinieren, Schätzchen, die Jungs draussen, haben schon ein Zwischengeschoss betoniert! Und Du? Du zappst Dich durch den Mailwald. Arbeite was! Zweite Tasse. Anziehen vergessen. Zahnputz vergessen. Mach was, schreib was, die Zeit verrinnt. 25.000 Zeichen vom Buch hast Du Afra vom Verlag bis Abend versprochen, Tommy vom Film wartet auf die Projektliste, Dr. Müller wartet auf Dein okay. Sandy Atkins, Cecil Donovan, Farrah Alesia, Guy G. Vasques. Stefan aus Gävle will wissen, ob ich ihnen einen Gig organisieren kann, med vänlig hälsning, was sag ich ihm?
Draussen knattert es, die neue Marmelade tropft anders als die alte. Wie war das früher? Wie. war. das. früh. her? Wann früher? Früher, als man noch frühstückte. Nach dem Aufstehen. Vor dem Arbeiten. Frühstückte man da? Knatterte es da? Irgendwer muss doch all die Siebzigerjahrehäuser errichtet haben. Wieso erinnere ich mich nicht daran? Wieso erinnere ich mich an Gerüche, aber nicht an Lärm? Ringrang, störe ich? Nein du störst nicht, du störst nie, was gibts, verstehe, aha, ja genau, ruf mich an, nein mail mir, ganz sicher, naja, bis halbzwei. Heute? Ausgeschlossen. 26.000 Zeichen. Ich sitz sicher bis Mitternacht. Ja, wennsihr wieder, ruf an. Klick. Wo war ich? 27.000 Zeichen vom Buch hast Du Sandy vom Verlag bis Abend versprochen, Cecil vom Film wartet auf die Projektliste, Dr. Vasques wartet auf Dein okay. Darn aus Gävle will wissen, ob ich die Bilder anschauen will. Ja ich bin müde. Oke. 8:20, die Zeit vergeht. Es wird sich nicht ausgehen. 28.000 Zeichen. Gut.
Wie hiess die? Wie hiess die Datei? "ÖO Der ganz lange dicke Hund 5.2.rtf" Fünfpunktzwei? Wieso ist die nicht da? Ringrang, Ringrang, hallo? Nein du störst nicht, du störst nie. Müllers Nummer? Moment. Knaterknatter, klick. Hallo? Tasse drei. Ringrang, Ringrang, hallo? Ja, das war bei mir. Sie bauen, keine Ahnung, plötzlich bist du weg. Ja ein Haus. Seit drei Jahren. Jeden Tag um sechs. Punkt sechs fangen sie zum Knattern an. Das Pdf. Genau. Von wann ist das? Aha. Also ich hab da nichts. Nein. Moment. Ja. Mai. Natürlich. Mai war das. Hallo? Haaaaalo? Ja plötzlich warst Du weg. Mai. Pdf. Hab ich, schick es Dir. Keine Ursache. Baba! Knatterknatter. Was wollte ich?
Ach ja, anziehen wollte ich. Mich. Tüdelü? Tüüdelüü. Ja? Wer? Amazon? Ja. Tür 7. Dring. Wo ist die Bluse? Wieso ist da ein Fleck? Der Amazonmann. Armer Kerl, muss arbeiten wie Sau. Scheisskapitalismus. Wo ist die Zahnpasta. Räääääääng. Wieso ist der schon da? Moment, moment! Bluse an, Rock an, Haare, Spiegel. Tür. Bin schon da. Tür. Aha. Ja. Tür Sieben, ja ich. Da muss ich unterschreiben? Hier, für sie, danke. Tasse vier. Wieso ist die Milch schon aus? Was wollte ich? Genau. Schp schp. Klick, Ablage. Neu. Ohne Titel 12. Schp schp. Klick. Aha. Mail. Eingang. Schrolscrollscroll, scroll, Böhm, Markus. Aha, Stressessay Erinnerung. Klick. Rondo Spezial zum Thema "Luft holen / Sauerstoff". Essay über "Mein Gott, hob i an Stress", Umfang: 150 Zeilen (4200 Anschläge) Abgabe: 27. Juli. Was hamma heute? 25. Juli, geht sich aus. Apple-C schp-schp. Klick. Klick. Apple-V. Tasse fünf. Wo ist das Milchpulver? Klickklick. Schp-schp.
Ich muss gestehen, ich bin hochleidend, die Krankheit hat mich fest im Griff. Ich habe Stress. Und er kommt von Innen.
1. September 2007 (0) Comments


