Juli 2007
Abstract is the World
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Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
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Andrea Z bis A
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Sager von Welt
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Channel 8 Diaries
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In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Gürteltiere
Liebe Frau Andrea,
den Qualitätsmedien entnehme ich, dass sich der Tiergarten Schönbrunn über einen Neuzugang freut, ein Gürteltier hat am 9. Juli das Licht der Welt erblickt. Nun erinnere ich mich aber, dass in Wien das Wort "Gürteltier" für alles mögliche verwendet wird, etwa für die goldketterlbehangenen Kraftlackeln, deren Angestellte ("Asphaltschwalben"?) und manchmal die Kunden der letzteren. Literaten haben sich selbst auch schon als Gürteltier bezeichnet. Wissen Sie vielleicht, welche großen und kleinen Tiere noch am oder um den Gürtel herum leben? Mit lieben Grüßen,
Siegi Lindenmayr (vom Alsergrund, der ja auch ein Gürtelanrainerbezirk ist)
Lieber Siegi,
die B 221, Wiens dritter und grösster Boulevard, um die Jahrhundertwende an Stelle der äusseren Verteidigungslinie der Stadt angelegt, ist tatsächlich das Reservat hoher und weniger hoher Tiere. Neben den goldbehangenen Gürteltieren mit ihren springenden Fischen, wie sie die Feitln nennen, die ihnen bei Ärger im Sack aufgehen, kennen wir noch die Randsteinschwalben, junge Damen in hüfthohen Stiefeln, die langsam fahrenden Parkspursalamandern den Weg in ihr Nest und Blindschleichen den Weider zeigen. Nach dem Rechten sieht am Gürtel der Pflasterhirsch, der Polizist im Fußstreifendienst. Selten aber gerne geschossen wird der Goldfasan, wie der E1, der leitenden Beamte wegen seiner güldenen Distinktionen genannt wird. Wenn der Morgen graut, rollen die Murmeltiere aus den Gürtellokalen und pfeifen nach den Taxis. www.comandantina.com dusl@falter.at
Erschienen in meiner Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 31/2007
30. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
George Tabori
Der Zauberer ist tot. George Tabori ist 93-jährig in Berlin gestorben. Zur Erinnerung an den "Alten", wie wir ihn am Theater nannten, hier ein Text, den ich 2001 geschrieben habe:
In den 80er Jahren arbeitete ich als Bühnenbildassistentin, war sehr unglücklich und wollte dringend nach London auswandern um dort vom Glück einer wirklichen Stadt zu naschen. Ich sparte und sparte Geld und sagte mir, 'ich mache alles, um endlich aus dem grauslichen Wien rauszukommen'.
Ich studierte den Stadtplan von London, als das Telefon schrillte. Es schrillte wie in einem schlechten Film. Und wie in einem schlechten Script war am anderen Ende ein Agent mit einem Angebot. Ob ich nicht dringend Lust hätte, ans Burgtheater zu kommen. Als Bühnenbildassistentin. In eine Inszenierung von George Tabori. Es gäbe allerdings einen Haken. Der Haken sei die Frau, mit der ich arbeiten sollte. Drei Bühnenbildassistenten vor mir seien entweder im Irrenhaus oder in der Donau gelandet. Die Frau sei unmöglich, das sei der Haken. Und schlecht bezahlt sei der Job.
Ich sagte zu und die Frau war unmöglich.
Und schlecht bezahlt.
War mein Job.
Mit George Tabori, dem Regisseur des Stücks hatte ich zuerst wenig Kontakt, ich genoss seinen Ruhm sozusagen aus der Entfernung. Ich schuftete schwer. Es war auch ein schweres Stück. Das Stück hiess 'Mein Kampf' und handelte vom jungen Hitler und der Freundschaft mit seinem jüdischen Bettnachbarn im Männerheim.
Eines Tages lud 'Dschohdsch' - so sprach man den Namen des Theatergottes George aus - das gesamte Team, Schauspieler, Regieassistenten, die Souffleuse und mich in ein feuriges ungarisches Lokal in der Wiener Kärntnerstrasse. (George Tabori ist Ungar.)
Dort assen und tranken wir ausgiebig ungarisch und hatten viel ungarischen Spass. 'Dschohdsch' kam neben mir zu sitzen und zwischen einem Paprikahuhn und einem Pörkölt erzählte er mir, er sei Geheimagent. Geheimagent im Vorruhestand. Er erzählte, wie er in den letzten Kriegsmonaten in einem Kloster in Istanbul einquartiert gewesen sei, um dort mit anderen ungarischen Intellektuellen für den britischen Geheimdienst an ungarischen Radiosendungen zu basteln.
Ein ganzes Jahr lang hätten Sie Sendungen gemacht für Ungarn. Tolle Sendungen mit tollen Geschichten. Tolle Geschichten voll Feuer und tollen Gags. Keine einzige wurde je gehört. Keine einzige. Er habe nach dem Krieg seine ungarischen Freunde gefragt, wie ihnen die Radiosendungen aus dem Kloster in Istanbul gefallen hätten. "Welche Radiosendungen?"
George wusste viel über das Agentengeschäft zu berichten. Unter anderem, daß sämtliche Geheimpost mit Zitronensaft zwischen die Zeilen von ordinären Liebesbriefen geschrieben wurde. (Ganz genau so, wie wir als kleine Mädchen unsere Geheimbriefe verschickten.)
Tabori kannte auch einen ungarischen Schuster. Den 007 der ungarischen Schuster. Dieser Schuster sei so geschickt gewesen im Umgang mit Leder, daß er die Schuppen von Krokodillederhandtaschen so raffiniert aufschlitzen konnte, dass man darin Mikrofilme unterbringen konnte. Mit den krokodilledernen Mikrofilmhandtaschen des ungarischen Schusters wurden die Agentinnen des britischen Geheimdienstes bestückt und so manche kriegsglückwendende Geheimbotschaft herumgetragen.
Als es zum Zahlen kam, im ungarischen Lokal in der Kärntnerstrasse und George seine diamantene Kreditkarte zückte, erwarteten alle insgeheim, dass er die kolossale Rechnung einer hungrigen Truppe von 12 Theaterleuten mit ebendieser Kreditkarte zahlen würde. Die George-Aficionados hatten ihre Geldbörsen symbolischin der Hand, machten aber keine Anstalten, Hundertschillingscheinchen herauszurücken. Niemand raschelte mit den Hundertschillingscheinchen und niemand sagte den berühmten Satz. Keiner von den 12 gut bezahlten Burgtheaterangstellten.
Niemand sagte: "Also ich hatte...."
In diese Theaterstille hinein wurde es in George Licht und seine gleichermassen sonore wie zerbrechliche Bassstimme errichtete einen Satz von poetischem Realismus: "Alle hier zahlen selbst nur ich zahle das Essen von Andrea. Sie hat kein Geld."
Ich fand das sehr sehr ungarisch und bin daher auch sofort geschmolzen.
24. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Berndls Häufl
Liebe Frau Andrea,
während sich eine Besucherin im FKK-Bereich des Gänsehäufels ihrer Textilien entledigte, beschwerte sie sich lautstark über "die Sacklpicker". Erfreut, diese alte Wortkreation wieder einmal zu hören, frage ich mich, ob wohl ein nicht mehr existenter Berufszweig für dieses sicher nicht sehr freundlich gemeinte Wort herhalten muss. Apropos Gänsehäufel: diese Traditionsbadeanstalt feiert heuer sein 100jähriges Bestehen. Gänsehäufel? How comes? Erbitte fachkundlichen Rat!
Markus Katzenschläger, Brigittenau
Lieber Markus,
mit dem despektierlichen Ausdruck “Sacklpicker” bezeichnen die Wiener einen Sträfling, galt doch das Tütenkleben lange Zeit als Arbeitstherapie im Strafvollzug. Die Angesprochenen mag ihre Nacktbaderin vermutlich an deren “Häfenpeckerln” (Gefängnistätowierungen) erkannt haben. Strenggenommen wird nicht das Gänsehäufl Hundert, sondern das “Strandbad der Commune Wien am Gänsehäufel”, das auf der uralten Gänseinsel in der Alten Donau am 5. August 1907 eröffnet wurde. Eingerichtet hatte das Bad sieben Jahre zuvor der Naturist und Exzentriker Florian Berndl, der dort seinen einzigartigen Traum vom entkorksten Baden verwirklicht hatte. Nachdem der weissbärtige Frühhippie von konservativen Bürokraten aus seinem Bad gemobbt wurde, gründete er am gegenüberliegenden Lettenhaufen die Gartenkolonie Neu-Brasilien und schliesslich am Bisamberg das Arbeiterurlaubsparadies Volkssemmering, bevor er, gemütskrank geworden, 1934 aus der Enge seines Spitalszimmers in den Tod sprang. www.comandantina.com dusl@falter.at
Erschienen in meiner Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea!' in Falter 30/2007
23. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Rotes Wien
In Schnitzelstadt an der Donau ist der kommunale Wohnbau erfunden worden. Erfunden wurde hier auch die Teleportation von Arbeitergeld in die Karibik. Vritz Verzetnitsch war lange Jahre Gewerkschaftspräsident, Helmut Elsner Generaldirektor der Gewerkschaftsbank, Günther Weninger Aufsichtsrat. Und spekuliert hat im Auftrag der Bank der Investmentbanker Flöttl.
Dusilation für Falter 29/2007.
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19. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Kacken Bienen?
Liebe Frau Andrea,
dieser Tage saß ich mit der Schriftstellerin Ilse Kilic zusammen, wir gaben uns tiefschürfende Gedanken über Gott und die Welt hin und stießen dabei auf die Frage: Kacken Bienen? Und wenn ja, wohin? Doch wohl nicht in die Waben! Ich hoffe auf Schließung dieser quälenden Wissenslücke im Rahmen Ihrer Kolumne,
mit erwartungsvollen Grüße Elfriede Hoi
Liebe Elfriede,
unsere kleinen Freunde im gelbschwarzen Pelz gelten als Sinnbild des Fleissigens. Zudem stehen gesunde Honigfabrikantinnen im Ruf höchster Sauberkeit. Ganz zu Recht, wie Imker und Apidologen bekunden. Die wunderbaren Erzeugnisse ihres Körpers, Honig (hervorgewürgtes Blütensekret), Propolis (eingespeicheltes Knospenharz), Gelee Royal (das Kopfdrüsensekret der Ammen einer Königin) und Wachs (das in einer Drüse an der Unterseite des Bienenhinterns ausgeschieden wird) sind nicht die einzigen Produkte des Bienenleibes. Denn natürlich kackt auch die Biene. Weil das (ausser bei der Königin) tunlichst nicht im Bienenstock geschehen soll, hat die Biene eine extrem dehnbare Kotblase am Ende ihres Darms. Die wird während des Winters prall gefüllt. Bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings erledigen die Bienen ihr grosses Geschäft. Während des sogenannten Reinigungsfluges. Bei dieser ausgiebigen Kackreise werden vorzugsweise weisse Flächen bombardiert: Frisch gewaschene Autos und Leintücher, die zum Trocknen in den Garten gehängt wurden. Bienen können ganz schöne Scheisser sein. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 29/2007
16. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Alle im Boot
Österreichs Medienkonzerne sind fest in deutscher Hand.
Und die Deutschen kaufen weiter, was das Zeug hält.
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Für Falter 28/2007
10. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Die Technik ist ein Hund
Die Technik ist ein Hund, heisst es. Und weil der Hund unser Freund ist, wedelt mit dem Schwanz. Irrt Euch nicht, sage ich, der Hund beisst.
Erschienen in Standard-Rondo vom 29. Juni 2007
Die ältesten Fundstücke, die von der Existenz des Menschen künden, sind technische Artefakte. Faustkeile, Löcher in Muschelchen, dicke Frauenpüppchen mit Melonenbrüsten. Das Erzeugen von Werkzeugen, Schmuck und religiösen Figuren wollen wir uns mal von einer Geschicklichkeit getragen vorstellen, die mit den heutigen Fähigkeiten der Menschheit vergleichbar ist. Geschwollene Daumen, blutende Finger, Schwielen und Schrunden sind das mindeste, was unsere Körper während der Evolution der Technik an Beschädigungen davon trugen. Abgesägte Zehen und ausgeschlagene Augen werden auch dabei gewesen sein. Und der eine oder andere Kieferbruch.
Ihre Zahnschmelze schliffen sich auch die technisch zurückhaltenden unserer Vorfahren weg, weil der Abrieb der Mahlsteine im Mehl blieb und jahrttausendelang mit Brei und Fladen zwischen die Beisserchen kam. Abgenütze Gelenke, gekrümmte Rücken, die Liste der zivilisatorischen Spuren an den Skeleten unserer Ahnen sind lang. Sage niemand, nur die Unerjochten hätten unter der Technik gelitten. Die Gräber der Helden sind voll von gespaltenen Schädeln, abgehackten Beinen und schartigen Armen. Krieg und Technik sind Geschwister.
Längst waren es nicht nur Bauern, die sich an Pflügen und Eggen die Bewegungapparate kaputtschunden, auch unter Tag wurde Raubbau am Körper betrieben. Knappen brachten Staublungen, Vergiftungen und gekrümmte Rücken aus dem Berg, ihren Abnehmern, den antiken Schmieden wurden gar die Achillessehnen durchtrennt, damit sie nicht zum Nachbarstamm liefen.
Mit dem was man heute den Siegeszug der Technik nennt, sollten die Schäden aus körperlicher Arbeit abgenommen haben. Schnecken. Vielleicht fallen heute weniger Hausfrauen aus den Fenstern ihrer Wohnungen, und weniger Bauern in die Jauchegrube. Dafür fallen mehr Piloten vom Himmel und mehr Automobilisten ins Koma. Kaum zurückgegangen ist die Fehlfingrigkeit unter den Fleischhauern und Tischlern.
Dass die Begegnung von Mensch und Technik auf einer höheren Ebene spielt, hat nicht dazu geführt, dass diese etwa ungefährlicher geworden wäre. Konnte sich der jugendliche Schnellfahrer mit seinem Manta früher schon mit Geschwindigkeiten im gesetzten Ortstempo ins Jenseits befördern, kommen heute grössere Kräfte und bessere Technik aus dem Werk. Mit 150 gegen den Baum zu knallen ist aber auch mit ABS und sieben Airbags sehr ungesund.
Ein Lied vom Kettenhund Technik wollen uns auch die Musiker singen. Taube Rockmusiker, Plattenaufleger mit Tinitus sind nur neu dazugekommen im Konzert der technischen Beschädigungen. Nach Untersuchungen leiden 80 Prozent der klassischen Orchestermusiker an der ruinösen Tormentierung ihrer Körper. Pianisten und Geiger leiden an fokaler Dystonie, können ihre Finger nicht mehr wie gewohnt bewegen. Die Gliedmaßen hängen beim Spiel, rollen sich zusammen oder sind unkontrollierbar überstreckt. Auch die Mundmuskeln von Bläsern oder die Kehlköpfe von Sängern können ein Eigenleben entwickeln, den berüchtigten Musikerkrampf. Je nach verwendetem Instrument haben hohe Streicher schief gedrückte Kiefer und Druckflecken am Hals, Bläser leiden an schartigen Verletzungen von Mund und Lippen. Beim Pustenden Personal ist zudem kaum ein Zahn, wo er hingehört. Schultern werden von den kiloschweren Trompeten in die Tiefe gezogen. Miles Davis blies zuletzt zur Schmerzvermeidung lotrecht gegen den Bühnenboden.
Die Beschädigungen, die die unheilvolle PC-Trias Bildschirm - Tastatur - Maus in der ersten und zweiten Welt anrichtet, dürfte alle Vorteile dezimieren, die die Demokratisierung der Computers gebracht hat. Der Computerarbeitsplatz beschädigt uns bis zur Arbeitsunfähigkeit. Mit Thrombosen vom langen Sitzen, dem Verlust von Sehkraft, Rücken- und Kopfschmerzen durch verspannte Muskulatur, Sehnenscheiden-Entzündungen von überdehnten Handgelenken, höllischer Nervenpain und radikaler Bewegungseinschränkung durch RSI (Repetive Strain Injury oder Wiederholungs-Belastungs-Verletzung). Und die körperlichen Manifestationen sind nicht die einzigen. Computer sind, ohne dass es uns bewusst wird, eine psychische Belastung. Sie fordern grundsätzlich zum Weitermachen auf. Mit Aktionen, Befehlen, Fehlermeldungen. Globale Schreibprogramm wie Word oder Tabellenschnitzmesser wie Excel sind Multilevel-Egoshooter, bei dem das Blut nicht aus dem Monitor rinnt, sondern der Schmerz in die Glieder fährt. Da kann Billy Gates gar nichts dafür. Das geht auch Linux-Afficionados so. Der Computer ist eine grosse Schmerzmaschine.
Jüngster Mitspieler im Kampf Mensch gegen Maschine ist der sogenannte SMS-Daumen. Der dicke Oppositionsfinger hat den Zeigefinger als meistbenutzes Fingerglied abgelöst. Zumindest in der Generation der unter 25-jährigen. Der Gebrauch von Gameboys und Playstations hat dazu geführt, dass Handytasten mit den Daumen benützt werden. Die Generation davor tippt die kleinen Tasten der Funktelefone noch mit Zeigefingern. Neue Krankheiten sind schon bekannt. Entzündete Daumengrundgelenke von exzessivem SMS-Tippen und ein alarmierender Paradigmenwechsel im Zeichensetzen. Die "Generation Daumen" tippt auch Klingelknöpfe mit dem Daumen. Japanische Kids verwenden, wenn sie auf Dinge zeigen, längst nicht mehr mit dem Zeigefinger, sondern mit dem Daumen. Dafür ist der Sehnenappaat von Homo Communicans nicht eingerichtet. Brave New World.
Andrea Maria Dusl ist Autorin, Filmemacherin und Zeichnerin. Sie hostet ein vielbesuchtes Blog auf www.comandantina.com. Im Herbst erscheint im Residenz-Verlag ihr neues Buch "Die österreichische Oberfläche"
Erschienen in Standard-Rondo vom 29. Juni 2007
10. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Das Sommerloch
Liebe Frau Andrea,
wenn ich es richtig bedenke, ist es bald so weit. Ich warte täglich mit Bangen auf das Einsetzen seines dunklen Wirkens. Woher kommt es eigentlich, das Sommerloch?
Beste Grüsse,
Camilla Possanner
Liebe Camilla,
Sommerloch ist ein Vierhundertseelennest im Rheinland-Pfälzischen. In dem verschlafenen Ort inmitten von Weinbergen treffen sich Anfang Juli traditionell deutschsprachige Medienvertreter, um die Trends für die Sommerlochthemen des Jahres zu besprechen. Auch bei den diesjährigen Sommerlochtagen waren Herausgeber und Chefredakteure aus österreichischen Boulevardmedien zugegen. Wie uns aus gut informierten Kreisen zugespielt wurde, konnte man sich erstmals nicht über einen gemeinsamen österreichischen Sommerlochfahrplan einigen. Die Themen des heurigen Sommerlochs sind dennoch durchgesickert. Beherrschend: Der Klimawandel und seine unschönen Folgen. Ausgiebig könnte die Alarmierung erörtert werden, der Neusiedlersee werde für immer austrocken. Das Burgenland stünde mit Niederösterreich in Verhandlung, die Donau umzuleiten. Alternativ dazu könnte das Schmelzen der Pasterze beklagt werden, durch deren fehlendes Gegengewicht der Grossglockner abzurutschen drohe. Österreichs höchster Berg wäre dann die Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Kleinere Themen: Ungarn wird Tornadogebiet. Auch Wien ist massiv bedroht. Für den August ist die Idee mit den ausgebüchsten tropischen Wassergiftschlangen vorgesehen, die im Wörthersee ihr Unwesen treiben.
wwww.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 28/07
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Alt aber gut: Das Kultursommerloch aus Falter Falter 33/2005:

9. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Norsegen
Norwegen. Vierte einer Serie von Dusilationen über die Sozialsysteme
der skandinavischen Länder. Klickediklick für Tausendpixelversion.
Für Falter 27/2007
6. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Die Last am Kopf
Liebe Frau Andrea,
wissen Sie weiter? Warum tragen Frauen in Afrika Dinge auf dem Kopf? Warum machen das die Männer nicht? Und warum trägt niemand in Österreich Sachen auf dem Kopf herum? Ich würde das gerne machen, traue mich aber nicht wirklich, obwohl es sicher Sinn macht und praktisch ist, gerade im Gedränge. Gibt es Für und Wider?
Herzlich, Lothar Bodingbauer
Lieber Lothar,
Männer machen vieles nicht, was bei Frauen gerne gesehen wird. Auch in Afrika. Hier tragen Frauen tatsächlich Dinge auf dem Scheitel. Ihr Schritt ist dabei grazil und anmutig, die Last scheint über ihren Köpfen zu schweben. Für sperrige Lasten nehmen sie eine kata zu Hilfe, ein Tuch oder ein Palmenblatt, das gefaltet und zu einem Polsterring gedreht wird. Für weiche Lasten wie einen Sack Mehl braucht man kein kata. Afrikanische Frauen können beim Gehen weit höhere Wirkungsgrade erzielen, als die trainiertesten Marines, paradoxerweise jedoch nur dann, wenn sie dabei eine große Last auf dem Kopf tragen. Balancieren sie rund 20 Prozent ihres Körpergewichts auf dem Scheitel, so haben Forscher ermittelt, setzen diese Frauen ihre Energie zu über 80 Prozent in Vorwärtsbewegung um. Das Rätsel liegt in der Natur des Ganges, der dem Schlagen eines verkehrten Pendels gleichkommen soll. Kleine Mädchen schauen den grazilen Gang von den älteren Frauen ab. Später im Leben lässt sich die Technik nicht mehr so leicht erlernen. Auch in Österreich nicht. Der Lohn des hohen Ganges ist gross: Kopfträgerinnen schweben in Anmut, kennen aber weder Rückenschmerzen noch Kopfweh. wwww.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 27/2007
2. Juli 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings


