Schweben

FA-26.2007-Nordlicht-Schweden.jpg

Schweden. Dritte einer Serie von Dusilationen über die Sozialsysteme
der skandinavischen Länder. Klickediklick für Tausendpixelversion.

Für Falter 26/2007

27. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Massiv Passiv

Liebe Frau Andrea,

in unserer Stammtischrunde wurde in letzter Zeit viel über die Gefahren des "Passivtrinken" diskutiert. Sie können sich vorstellen, wie kontroversiell dieses Thema behandelt wurde. Im Namen meiner Freunde bitte ich Sie daher um Ihre geschätzte Meinung.

Liebe Grüße,
Dietmar Werner, ssf
Sekretär sans frontiere

Lieber Dietmar, sehr geehrter Herr Sekretär,

das Phänomen, das Sie und Ihre Freunde beunruhigt, ist in der Fachwelt und bei Betroffenen als Contact High bekannt. Wir kennen es nicht nur vom passiven Alkoholismus, jener Aufgesprudeltheit, die nur die Nähe Angeheiterter und Betrunkener braucht, um sich der hohe Blüte der Entrücktheit zu ergeben. Passivtrinker taumeln und stammeln, ganz als ob sie selbst in den Becher geschaut hätten. Auch bei der Passivkonsumation anderer Drogen wird von Contact High berichtet. Als Beispiele unter vielen möchte ich die Weihraucheuphorie der gläubigen Katholiken, die Breitheit der Jointzaungäste und die besorgniserregende Entkörperung erwähnen, die Touristen befällt, wenn sie die Substi-Patienten in der Karlsplatzunterführung passieren. Ohne Contact High gäbe es keine Kabarettabende, nicht den Furor der Fankurve. Unterschätzen wir dennoch das Passivtrinken nicht. Es schädigt zwar die Leber nicht so sehr wie das Passivrauchen die Lunge, aber passiv besoffen wollten wir Freund und Freundin keineswegs hinters Steuer lassen. Dennoch halte ich Passivtrinken für ungefährlich. Was ich vom Passivhandyphonieren nicht behaupten möchte. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 26/2007

25. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Spinland

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Finnland. Zweite einer Serie von Dusilationen über die Sozialsysteme
der skandinavischen Länder. Klickediklick für Tausendpixelversion.

Für Falter 25/2007

19. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Pascher

Liebe Frau Andrea,

offenbar ist "einen Pascher" zu haben ein Motiv, wie wir gerade im Falle eines drogensüchtigen Schützen sehen konnten, der aus Paschergründen spielende Gemeindebaukinder mit dem Luftgewehr ruhig stellen wollte. Was genau ist denn so ein Pascher, wie äußert sich so etwas noch und sollte es wienerisch nicht eher "Poscher" oder gar "Boscher" heissen?

Fragt Bruce
aus dem Brunnenviertel

Lieber Herr Bruce,

der junge Mann, der mit dem Schiessprügel in den Hof ballerte, nannte als Grund für sein Tun tatsächlich, einen Pascher zu haben. Einen Pascher zu haben heisst in Wien soviel, wie einen an der Klatsche zu haben. Der Pascher (Boscha ausgesprochen) kommt vom Verb paschen (boschn), mit dem man in Wien das klatschen bezeichnet. Der Ausdruck kommt von einem mittelhochdeutschen bossen, das nichts anderes heisst, als schlagen. Bossen ist im Amboß und im Wörtchen bosseln, mit kleinen Schlägen bearbeiten, versteckt. Im alten Wienerisch gibt es noch ein zweites paschen, es kommt aus dem Rotwelschen und benennt das schmuggeln, eigentlich das kaufen und verkaufen von unehrlich erworbenem Gut. Ob der schiesswütige Kleinkalibrist aus dem Gemeindebau mit dem Haben eines Paschers meinte, einen Schmuggler zu besitzen, ist mitsamt der Antwort auf die Frage, was wird uns unter dem der Besitz eines Schmugglers vorstellen wollen, nicht bekannt. Über dieser Erörterung soll nicht vergessen werden, dass der Pascher natürlich korrekterweise Poscher heisst.www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 25/2007

18. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Dankmark

FA-24.2007-Danmark.jpg

Erste einer Serie von Dusilationen über die Sozialsysteme
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Für Falter 24/2007

11. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Die Trafik

Trafik.jpgLiebe Frau Andrea,

gerade hatte ich Besuch aus dem Ausland und Besuch aus dem Ausland stellt immer so unbequeme Fragen. Zum Beispiel konnte ich nicht erklären, wieso man in Wien zum Zeitungs- und Zigarettenladen "Traffik" sagt. Kommt das von Trafic, Verkehr? Aber wieso?

Ihr Herr Bertram, Ottakring

Trafik-1950.jpgLieber Herr Bertram,

gerne gebe ich ihnen bequeme Antworten für Ihren nächsten Besuch aus dem Ausland. Obschon man in Österreich zur Verkaufsstelle von Tabakwaren und Zeitungen “Traffik” sagt, schreibt sich der Laden eineffig Trafik. Offiziell heissen die kleine Geschäfte Tabak-Trafik. Der Name kommt vom italienischen trafficare, verwandt ist natürlicherweise das französische trafic und über dieses das englische Wort für Verkehr, traffic. Trafficare heisst handeln und wir wollen es mal am Begriff “Hin und Her” festlöten. Das grosse Hin und Her auf der Suche nach Nikotin und Parkscheinen, Tageszeitungen und Lottotipps ist in Österreich staatlich monopolisiert, seit Joseph II. 1784 das kaiserliche Händchen auf den Handel mit Rauchwaren gelegt hat. Schon damals wurden Trafikantenstellen bevorzugt an Kriegsinvalide vergeben. Mangels Nachschub einheimischer Versehrter aus Kriegsgebieten werden frei werdende Trafiken heute bevorzugt an Personen mit mindestens 50% Behinderung ausgegeben. Dass in florierenden Trafiken meist Unversehrte Heftln und Tschick verkaufen, steht auf einem anderen Tabakblatt. Trafic heisst zu bester letzt einer der grossartigen Film des französischen Situationskomikers Jacques Tati. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 24/07

11. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Im Nervensägewerk

Andrea Maria Dusl im Standard-Album vom 9. Juni 2007

Nervensaege.jpgMörtel und Mausi, Alfons und Mirijam, Dieter und Naddel. Ende Mai stellte der Standard eine simple Frage ins Netz. Die Internetseite des lachsrosa Organs wollte wissen, wer die großen Nervensägen des Landes seien. Man wolle doch Vorschläge posten. 

Hunderte Beiträger arbeiteten sich an der eingangs angeschlagenen These Deutschlands vorlauter Moderatorin Sarah Kuttner ab, die sich zuletzt in ihrer FAZ-Kolumnen-Sammlung "Die anstrengende Daueranwesenheit der Gegenwart" zum Dasein als Nervensäge bekannt hatte. Die eloquente Moderatorin war bei dem quirlig auftretenden, aber doch sehr spießigen Sender MTV im vorigen Jahr als beste deutsche Schnellsprechmoderatorin geschasst worden und brilliert seitdem als Publizistin im deutschen Feuilleton.

Wenn sie überhaupt eine Vorbildfunktion habe, meinte Kuttner in ihrem neuem Kolumne-Kompilat, dann diese: "Lernt endlich, 'ich' zu sagen, lernt endlich, Nervensäge zu sein!" Es gäbe nur eine Entscheidung, edelfederte sie: "Nervenbündel sein oder Nervensäge sein". Ihr Nervensägen-Dasein sei psychische Hygiene, sei ein Befreiungsschlag. 

Etwas Drittes dazwischen sei ausgeschlossen. Wer sich in dieser Sache nicht festlegen möchte, wer also glaube, schwanken zu dürfen, zwischen Bündel und Säge, der täusche sich selbst.

Die Frau spricht mir aus der Seele. Auf dem Katasterplan ihrer These besitze ich grosse Grundstücke im sonnenbeschienenen Tal der Nervensägerei. Das "Ich" geht mir über vieles. An der Depression des Gleichschritts finde ich keinen Gefallen. Und Showbusiness ohne Rampenbrand lehne ich ab. Demnächst kommt vielleicht der alkohofreie Wein? 

Der öffentliche Mensch brüllt nicht im Schweigen. Dafür ist die Literatur zuständig. Wolfgang Schüssel hat über diesem Missverständnis seine Kanzlerschaft ausgehaucht und Alfred Gusenbauer möchte ich von diesem Irrweg abgehalten wissen, er ist mir als Nervensäge eindeutig lieber, denn als Trappist.

Die schnoddrige Ansage der schlagfertigen Kuttner blieb indes 346 Einträge lang unbeschädigt. Die Standard-Poster schnitzten lieber an der Liste und zählten als genuin nervensägig vor allem auf, was fernsehtechnisch gut und teuer ist. 

Vera Russwurm, Armin Assinger, Arabella Kiesbauer oder Hansi Hinterseer, die Liste Österreichs grösster Nervensägen ist mit der Moderatoren-Payroll der heimischen Fernsehsender ident. Nehmen wir noch die alertesten Parlamentarier und die Regierungsmitglieder mit der meisten Air-Time dazu, fertig ist Österreichs Nervensägewerk.

Die Nervensägen jenseits der schnitzelländischen Grenzen rekrutieren sich ebenfalls aus dem Personal mit der grössten östereichischen Fernsehpräsenz: Hotelerbin Paris Hilton, Brezel-Präsdient Georg W. Bush oder die Krawalltouristen im Rattenschwanz der Globalisierungsgegner Attac.

Gut, mit George W. Bush würde ich nicht ins Sacher gehen, mit Paris Hilton aber jederzeit zum nächsten Würstelstand. Das Handy würde ich ihr gegebenenfalls im Pfefferoniglas versenken, sonst fiele mir an Paris Hilton jetzt mal ferndiagnostisch betrachtet nichts verachtenswertes auf. Dass sie reich ist, ist eindeutig nicht ihr Verdienst. 

Es scheint, als hinge die Schärfe der Sägezähne der begabtesten und meistzitierten Nerver von nichts anderem ab, als von ihrer Gegenwart in jenem Medium, das wie kein zweites in die Wohn- und Schlafzimmer des Landes eingedrungen ist. 

Ich verstehe den Zorn der Nervenbesägten, auch mir ginge Armin Assinger auf die Kabel, wenn er täglich bei mir auf der Wohnzimmermatte stünde, um eine Gendarmenball-Wuchtel abzulegen. Oder wenn sich der tropfnasse Rückenschwimmheld Rogan, meinen Couchtisch mit der Hallenbadkante verwechselnd, am schlichten wording simpler Werbebotschaften versuchte.

Persönlich betrachtet haben die Genannten meine grösste Sympathie. Eine Showkrähe hackt der anderen kein Auge aus. Dirk Stermann und Christoph Grissemann, gewiss keine Kinder von traurigen Streicheleinheiten, zählen zu ihren allerersten Vorbildern den Grossmeister der Nervensägekunst, Peter Rapp. Aus dem Himmel winkt uns gerade Heinz Conrads zu.

Differenziert betrachtet machen die Eins-A-Promis aus Seitenblicken und Sportsendungen, aus Millionenshows und Betroffenheits-Galas nichts anderes als ihren Job. Und sogar unter scharfer Auslegung der Showgesetze machen sie den  ganz gut. Wäre an der Quote - und nichts anderes gilt als Parameter - zu meckern, würden sie wohl abgesetzt werden. Früher oder sagen wir mal mit ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz, etwas später. 

Dabei ist das Sprachbild der Nervensäge diffus und unpräzise. Nerven, also jene Leitungsbahnen, die unseren Körper mit Signalen und Sinnesreizen versorgen, sind reissfeste Strukturen, die ich eher mit dicken Gummibändern vergleichen würde als mit Ästchen und anderen hölzernen Strukturen. Ich weiss das deswegen so genau, weil mein Weg zu einem abgebrochenen Medizinstudium mitten durch monatelange Sezierkurse führte. 

Was ich, bar jeden Doktorats, aus den Formalinsälen mitgebracht habe, ist neben anderen Kunstfertigkeiten die Erkenntnis, dass man an Nerven nicht sägen kann. Dazu sind sie zu elastisch. Schneiden, spannen, einkringeln, auf Locken drehen, ja sogar Verknoten lassen sich Nerven jederzeit, aber sägen? Njet. Die Baumax-Säge aus dem Heimwerkermarkt oder die Laubsäge aus dem Bastellade sind ganz entscheiden die falschen Instrumente zur Durchtrennung von menschlichen Nerven.

Das Bild der angesägten Nerven dürfte denn auch wo von anders kommen. Vom Sägen an ganz anderen Kabeln nämlich. Vom sägenden Kratzen auf den schlecht gestimmten Saiten einer billigen Geige etwa. Dieses Bild erzeugt mithin jenen garstigen Schauer, der dem angesägten Nerv an Penetranz gleichkommt. 

Wer kennt es nicht, das schlimmste Geräusch des Planeten? Den gekratzten Fingernagel auf der Schultafel. 

Paläopsychologen wollen herausgefunden haben, das das Geräusch aus der Urerinnerung unserer vormenschlichen Ahnen stammt und den Warnrufen der frühen Primaten ähnelt. Kein Wunder, dass die kläffenden Kehlen kleiner Köter die selben unangenehmen Empfindungen auszulösen vermögen. Omas Axel würde ich mal die perfekte Nervensäge nennen.

So paradox es klingen mag, die kratzende Tafel und der kläffende Spitz lösen ins uns Affen den Fluchtschauer der Todesgefahr aus. Das mag alles kulturell überformt sein, und genetisch verwässert, aber ich gestehe: Wenn Mausi Lugner das Wort gegen den Herrn Baumeister erhebt, lasse ich die Banane fallen und hantle mich über die Äste.

Nach meiner These des Nervensägens sind in die Fidel des Schreckens nicht unsere eigenen Nerven gespannt, sondern stets die der Solisten. Und im persönlicher Umgang mit nervenden Zeitgenossen ist schon manche Geige zu Bruch gegangen. Da kenne ich kein Miteinander.

Das Ruhigstellen von Shownervern mag über die Distanz, die das Medium Fernsehen aufspannt, nicht so einfach funktionieren. 

Indes: so lange meine Fernbedienung mit gut geladenen Batterien bestückt ist, sehe ich auch darin keine Bedrohung. Meine Reizschwelle ist ausserdem hoch. Von Fernsehleuten will ich nicht pfäffisch eingelullt werden oder lyrisch zugetextet. Die singende Häkelhaube DJ Ötzi und der Erzbischof der Fernseh-Butterfahrt Andy Borg sollen nerven, was die Sägen hergeben, dafür werden sie schliesslich bezahlt. 

Solange ich den Abschaltknopf hab.

5. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




In der Fettn

Fett-wie-ein-Radierer.jpgLiebe Frau Andrea,

ich würde gerne von Ihnen die Bedingtheiten des Ausdrucks "fett wie" erklärt bekommen. Fett wie ein Radierer, fett wie ein Häuseltschik. Was meinen diese Ausdrücke, woher kommen diese Redewendungen, wohin könnten sie sich möglicherweise entwickeln? Gibt es Gegenteile im Sprachgebrauch, wie: mager wie ein Bleistift, mager wie ein "Gegenteil von einem Häuseltschik"?
Vielleicht wissen Sie da was ...

Danke und liebe Grüße
Wilhelm Missauer, Internet

Lieber Wilhelm,

das Wort “fett” kommt gar nicht aus unseren Breiten. Es ist mit der Lutherbibel aus dem Norddeutschen eingewandert und heisst im Süden des deutschen Sprachraums heute noch “feist”. Küchenfett heisst in Wien “Schmoids” (Schmalz). Weil die Radiergummis (Radetzkys) früherer Zeiten weich und fetthältig waren, hat sich der Ausdruck “Fett wie ein Radierer” etabliert. Warum der fette Radierer mit dem Ausdruck schweren Betrunkenseins assoziiert wird, hat ganz andere Gründe. “Fett”, also betrunken, kommt vom französischen “effet”, dem Effet der Billiardspieler. Damit wird jene Eigenrotation bezeichnet, die angespielte Kugeln, je nach Spin, in Bögen, kürzer oder länger laufen lässt. Von diesem “Fettn” genannten Taumeln der Kugeln zum Taumeln der Alkoholisierten sind es nur ein paar Krügel Bier. Der Häuseltschik, der sich im Pissoir liegend, “angesoffen” hat, ist ein weiteres Kaskädchen in der Bedeutungswandlung des “Effets”, des Effekts. Gegenteile von “fett” sind mir nicht bekannt. Eventuell wollte man “niachtan wira Blei” sagen.

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau andrea' in Falter 23/07

4. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Reich ins Heim

FA-Haider-Landesbank.jpg

Der Kärntner Landeshauptmann hat die Kärntner Hausbank
an die Bayern verklopft und steht jetzt als grosser Penunzenheld da.

Dusilation für Falter 22/2007

4. Juni 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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