Februar 2007
Abstract is the World
Blue Moon Shooting
Boys and Girls from my Block
Breakfast Outside America
Kiev Markthalle
Little Shops of Horror
Phones of the World
Andrea Maria Dusl Music Room
Andrea Z bis A
Comandantina Unterwegs
Dusl bestellen
Maschinenraum
Redezeit
Sager von Welt
Showtime!
Blue Moon
Channel 8
Channel 8 Diaries
Crazy Day
Dining Car
Heavy Burschi
In the Pipeline
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Kick, Prick, Dick
Zu Ihrer letztwöchigen Antwort an Kurt Vallaster habe ich eine Zusatzfrage: Eine Platte des sehr verehrten Nick Cave und seiner bösen Samen heißt "Kicking against the Pricks". Laut dem CD-Büchlein ist der Titel aus Acts 26:14 (Apostelgeschichte 26, 14). Gibt’s auch zu dieser nicht jugendfreien Redewendung eine Erklärung?
Servus, Martin
Lieber Martin,
letzte Woche erörterten wir die deutsche Version dieser Bibelstelle und einigten uns darauf, wider den Stachel zu löcken bedeute aufzubegehren, (vergeblichen) Widerstand zu leisten. Tatsächlich bemüht der Vers aus Lukas’ Apostelgeschichte ein Bild aus der Landwirtschaft, in dem der Ochse sinnlos gegen den eisernen Stachel des Pflügers ausschlägt (löckt). Die englische Übersetzung dieser Stelle liest sich durchaus unanständig “to kick against the pricks“. Prick ist das englische Wort für das, was deutsche Zungen mit einem Prügel bezeichnen würden, die beiden Worte sind auch eng miteinander verwandt. Das rural/malediktische Doppelbild, jemand gegen den Prügel zu treten, mag die Übersetzer der King James Bibel bewegt haben, von zweien solcher Prügel zu sprechen. In jedem Fall ist es Jesu Stimme, hebräisch sprechend, die Saul (dem späteren Apostel Paul) erschien, und ihm anriet, nicht gegen seinen Prügel zu treten. Für das Wort “prick” biete ich die jugendfreie Version “goad” an. Wenn Ihnen nun prick zu biblisch und goad zu mundan sein sollte, greifen sie doch zu saftigen Alternativen wie: jerk, fucktard, dickweed, assrat bastard oder boner-biting fuckface. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 9/2007
Bild (Doppelklick für 500px-Version): Pflügen mit Ochsen. Miniatur aus einem Manuskript aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Pflüger rechts hält einen "Stachel", englisch "prick" oder "goad".
25. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (4) Comments (0) Pings
Showtime ::: Andrea moderiert 'glamouröse und geschmacklose' Oscar-Party im Gartenbaukino

DAS BUREAU + VIENNALE + GARTENBAUKINO + PHILIALE
präsentieren die Übertragung der 79. Academy Awards, direkt vom Roten Teppich.
Die Oscar®-Nacht
Übertragung der Oscar-Verleihung. Live auf der Leinwand des Gartenbaukinos. Durch den Abend im Kino führt Andrea Maria Dusl, das bin ich.
25. Februar 2007, ab 22.30 Uhr
GARTENBAUKINO
1010 Wien, Parkring 12
Eintritt frei
PROGRAMM
Ab 22.30 Uhr im Gartenbau-Foyer: The Good, the Bad & the Ugly, djkl & The Temporary Soundmuseum. Die Filmmusik zur Oscar-Nacht.
Ab ca. 2 Uhr im Gartenbau-Kinosaal: Red Carpet-Show. Live-Übertragung der Ankunft der Stars zur Oscar-Verleihung.
Ab ca. 2 Uhr im Gartenbau-Kinosaal: Die Oscar®-Verleihung 2007, Live-Übertragung aus dem Kodak Theatre in Tinseltown. Übernahme des Programms vom TV-Sender Pro Sieben.
Ab 3 Uhr: Gratis Kaffee und Wiener Frühstück.
Im Laufe des Abends findet die traditionelle Oscar-Wette statt. Bis 2 Uhr können Wetten auf die möglichen Oscar-Gewinner abgegeben werden. Im Anschluss an die Verleihung werden unter den Anwesenden die richtigen Tipps mit schönen Preisen belohnt.
24. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Die totale Gange
Aus der Serie "Gute Texte von schlechten Dichtern".
Attn.
Geschäftsvorschlag.
Zuerst muß ich um Ihre Zuversicht in dieser verhandlung bitten. Das ist
auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und
Geheimnisvoll.
Aber ich weiss, dass eine verhandlung dieses Ausmaßes irgendeinen
Ängstlich und besorgt machen wird,aber ich versichre Ihnen, dass alles am
Ende des tages in ordnung sein wird. Wir haben uns entschieden Sie durch
eine E-mail sendung,wegen der Dringlichkeit diese verhandlung zu erreichen,
als wir davon zuverlassig von seiner schnelligkeit und vertraulichkeit
Überzeugt worden sind.
Ich möchte mich nun vorstellen. Ich bin Herr Godwin Makalele Thambo
(Rechnungprüfer bei der Standard Bank von Süd Afrika). Ich kam zu ihrem
kontakt in meiner persönlichen suche nach einer zuverlassigen und anstandige
person, um eine sehr vertrauliche verhandlung zu erledigen, die Übertragung
von einem fremden Konto das maximale zuversicht erfordert.
Der vorschlag:Ein Ausländische,verstorbener Ingenieur Jurgen Rosenthal,
ein Diamante-Handler/unternehmer mit der Republik Süd Afrika.
Er war bis seinem Tod vor drei jahren in einem Flugzeug absturz,als
unternehmer bei der Regierung tatig. Herr Rosenthal war unser kunde hier
bei der Standard Bank von Süd Afrika Johannesburg und hatte ein Konto
guthaben von US$12.5 million (Zwolf million Funfhundert Tausend
United States Dollar). welches die Bank jetzt fraglos erwartet durch
seine Verwandten das Sie sich melden, wenn Sie sich nicht melden wird
alles zu einem Afrikanischen vertrauens fond für waffen und munitions
besorgungen bei einer freiheitsbewegung hier in Africa gespendet.
Leidenschaftliche wertvolle Anstrengungen werden durch die Standard
Bank gemacht,um einen kontakt mit jemanden von der Rosenthal familie oder
Verwandten zu bekommen.Es hat aber bis jetzt keinen Erfolg gegeben.
Es ist wegen der wahrgenommen moglichkeit keinen verwandten der
Rosenthal zu finden (er hatte keine frau und kinder) dass eine Anordnung
für den fond als nicht zubehaupten deklariert werden,sollte, und dann zum
vertrauens-fond für waffen und munition bersorgung ausgeben,die dem kurs
vom krieg in Afrika gespendet wird.
Um dieser negative Entwicklung abzuwenden, haben ich und einige meiner
bewährten kollegen in der Bank beschlossen das Geld nach Ihre zustimmung
zu Überweisen und suchen jetzt Ihre Erlaubnis das Sie sich als verwandter
des verstorbenen Ing.Jurgen Rosenthal deklarieren,damit der Fond
in der höhe von USD$12.5m infolgen dessen als der Nutznießer(Verwandter
des Rosenthal)auf Ihr Bank Konto Überwiesen werden.
Alle beurkundungen und Beweist die Ihnen ermöglichen diese Fonds zu
behaupten werden wir zu Ihrer verfügung stellen,damit alles gut verläuft
und wir versicheren Ihnen ein 100% Risiko freie Verwicklung. Ihr Anteil
wäre 30% von der totalen Gange, während die restlichen 70% ist für mich
und meine kollege.
Wenn dieser vorschlag für Sie OK ist und Sie Wünschen das vertrauen
auszunutzen, das wir hoffen auf Ihnen und Ihrer Gesellschaft zu
verleihen,dann senden sie mir netterweise sofort per meine personal E-mail
Adresse, Ihre Voll Namen, Adresse, Telefonnummer, fax-nummer und Ihre
vertraulicher E-mail adresse, damit ich Ihnen die relevanten details dieser
verhandlung senden kann.
Danke in voraus.
Mit freundlichen Grüße.
Godwin Makalele Thambo.
Bitte schicken Sie Ihre Antwort auf meine Vertraulichen Email Adresse:
godwinlthambo@myway.com
24. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Mein Hippie-Bäcker
Der Hugo-Wiener-Platz, gegenüber von meinem französischen Atelierfenster herbirgt nun schon einige Monate keine polnische Pizzeria mehr. Das Lokal ist waise und west vor sich hin. In der gut beleuchteten Telefonzelle vor dem Friseur hat das Werbebild von Heinz Conrads Strache einem von Franz Klammer Platz gemacht. Wofür Franz Klammer wirbt, sieht man von hier oben nicht. Schlecht gelaufen, würde der Werbeprofi sagen. Message versemmelt. Anwohner missen die Message. Und bloggen es bis Zeitland.
Semmeln selbst gibts dafür auch nächtens am Hugo-Wiener-Platz, gegenüber von meinem französischen Atelierfenster.
Mein Bäcker. Er trägt ein weisses, mehlstaubiges Unterhemd und eine mehlstaubige kurze Hose, die den Ausdruck Hot Pant nicht verachten würde. Mein Bäcker. Seine LSD-farbigen, nicht minder mehlstaubigen Haare werden von einem mehlstaubigen Zopf und einem mehlstaubigen Stirnband gebändigt. Mein Bäcker spricht breites Wienerisch und seine Nase hat den eleganten breiten Höcker, den auch Mundls Sohn Karli mit proletarischem Stolz trug.
Mag es zwölf sein oder drei, sieben oder elf, stets dampft und duftet, staubt und semmelt es in der Bäckerei. Durchs offene Bäckerfenster gibt es Milch und Salzstangerl, Marmelade und Eckerlkäse. Eine kleine Oase der Unversperrtheit, die mehlstaubige Bäckerei schräg gegenüber von meinem französischen Atelierfenster. Nur Nachmittags hat er zu, mein Bäcker. Wenn er schläft. Dann träumt er von San Francisco und Monterey, von Iron Butterfly und Canned Heat, von Grateful Dead, Steppenwolf und Zappa und den Mothers. Mehlgestaubt natürlich.
23. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (6) Comments (0) Pings
Abfangjäger vom Feinsten

Dusilation für Falter 8/2007
21. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Löck mal wider
Dort Frau Andrea! Hier Kurt!
Habe gerade Ö1-Menschenbilder zu Gerhard Bronner gehört, wo dieser übers aktuelle politische Kabarett, und über die redet, "die wider den Stachel zu löcken haben". Kabarett sei auch etwas für junge Menschen, die das bräuchten, oder müssten, das löcken. Wobei Bronner selbst sagt, nicht zu wissen, was "löcken" sei. Jetzt, in die Jahre gekommen, bin ich froh, noch Eltern zu haben und dass wir einander begegnen können, ohne einander ändern zu wollen. Kann die mögliche Antwort in dieser Richtung liegen?
Servus. Kurt Vallaster
Dort Kurt, hier Andrea,
die mögliche Antwort liegt allerhöchstens dann in dieser Richtung, wenn Sie als Kind viel im Pflug eingespannt waren. Die Redewendung hat nämlich mit dem Ochsen zu tun, der wider (gegen) den Stachel (den eisernen Stichel) des Ackerwirten löckte (ausschlug). Sinngemäss bedeutet die Redewendung aufzubegehren, starrköpfig zu sein, (vergeblich) Widerstand zu leisten. Die Wendung ist aus Luthers Bibelübersetzung (Apostelg. 9,5) ausgebüchst, wo der Reformator ‘contra stimulum calcitrare’ mit ‘wider den Stachel lekken’ übersetzte. Weil das ‘lekken’ auch ihm sprachlich nicht ganz geheuer war, hat Luther selbst schon als Erklärung an den Rand seiner Bibel geschrieben, das sei ‘springen’, ‘hupffen’. Tatsächlich kommt das Wort aus der Wurzel ‘lih’, verwandt mit dem englischen ‘leg’. Um Verwechslungen mit dem Lecken - dem mit der Zunge - zu vermeiden, schrieb man es ab dem 17. Jhdt. “löcken”. Wider den Stachel zu “lecken”, darf ich flüstern, würden nicht mal Ochsen wagen. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 8/2007
19. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings
Pfungstadt Billwerder Riyadh
Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Diese Fragen kann das Bureau beantworten!
Die 7854 Besuche der letzten sieben Tage kamen nach elektromaschineller Berechnung des befreundeten Dienstes Google Analytics aus den unten aufgelisteten Städten. Ganz fleissig besuchte uns Neuhaus, das in direkter Kompetition mit München die Nase vorne hat. Die Speicherstadt an der Waterkant schickt sich an, Linz und das ewige Köln zu überrunden und mit der Murmetropole aufzuschliessen. Madrid und Prag schwächeln. Berlin und die Schnitzelhauptsadt aber dürfen als ungefährdete Comandantinenhochburgen gelten. Alaaf!
Schöne Dreierkonstellationen im Besucherpulk:
Zürich-London-Meggenhofen
Meggenhofen-Fürth-Rom
Purkersdorf-Dortmund-Madrid
Los Angeles-Obsteig-Pressbaum
und
Pfungstadt-Billwerder-Riyadh.
Vom poetischen Standpunkt muss auch
Dauernheim-Mannheim-Hockenheim
besonders gelobt werden.
Hier nun die Liste in Listenform, wie der Gebrauchsgrafiker sagen würde:
Wien 453 Stammgäste
Berlin 69
Graz 48
Köln 35
Linz 33
Hamburg 31
Karlsruhe 28
Düsseldorf 25
Neuhaus 23
München 19
Frankfurt am Main 17
Essen 16
Paris 15
Dornbach 14
Stuttgart 14
Zürich 13
London 13
Meggenhofen 12
Fürth 12
Roma 11
Salzburg 10
Erlangen 10
Ziersdorf 10
Hannover 10
Holzwickede 10
Wiener Neustadt 10
Jenbach 10
Dresden 9
Maria Enzersdorf 9
Lindabrunn 9
Mödling 9
Bonn 8
Tehran 8
Bielefeld 7
Iran 7
Himberg 7
Bochum 7
Perchtoldsdorf 7
Kelsterbach 7
Wattens 7
Berndorf 7
Praha 7
Klagenfurt 7
Purkersdorf 7
Dortmund 7
Madrid 7
München 6
Kreisfreie Stadt Aachen 6
Herrenberg 6
Leonding 6
Kiel 6
Dornbirn 6
Innsbruck 6
Radstadt 6
Schenefeld 6
Absam 6
Herne 6
Hallein 6
Weissenbach 6
Pasching 6
Bremen 6
Nürnberg 6
Leipzig 5
Dornau 5
Sankt Pölten 5
Hohenems 5
Fellbach 5
Sindelfingen 5
Münster 5
Los Angeles 5
Obsteig 5
Pressbaum 5
Helsinki 5
Pfungstadt 5
Billwerder an der Bille 5
Riyadh 5
Chemnitz 5
Korntal-Münchingen 5
Duisburg 5
Filderstadt 5
Nidderau 4
Budapest 4
Blaubeuren 4
Dreieich 4
Recklinghausen 4
Herzogenaurach 4
Krems an der Donau 4
Halstenbek 4
Paderborn 4
Anif 4
Lustenau 4
Guntramsdorf 4
Roskilde 4
Wilhelmsburg 4
Wesseling 4
Dauernheim 4
Mannheim 4
Hockenheim 4
Jena 4
Mit der Bitte um Kenntnisnahme
Die Comandantina
14. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Im Dschumpas
Liebe Frau Andrea,
wieso heißt das Gefängnis "Schwedische Gardinen"? Was für Gardinen haben die Schweden eigentlich? Und hat das irgendwas mit Ikea zu tun? Danke und liebe Grüsse,
Nina Kleinberger
Liebe Nina,
ich darf Sie zusätzlich verwirren, das Gefängnis heisst gar nicht schwedische Gardinen sondern Strafvollzugsanstalt. Als schwedische Gardinen bezeichnet man die Gitterstäbe vor den Zellenfenstern. Sie waren aus begreiflichen Gründen aus hartem Material gemacht - Stahl aus Schweden. Denn nichts durfte lange Zeit als härter gelten als die Eisen-Kohlenstoff-Legierungen aus dem hohen Norden. Vor ihre eigenen Fenster hängen Schweden Vorhänge und Rollos aus modernen Pflanzenfasern. Beispiele dieser Verhüllungskultur gibt es in jedem Ikea zu kaufen. Mittlerweile leben deswegen auch eindeutig mehr Nichtschweden hinter skandinavischen Stoffjalousien als Schweden. Stahlgesiebte Luft atmet man im Wienerischen, sobald man im Häfm oder in der Buttn gelandet ist, und dort auf (oder am) Schmoids (Schmalz) ist, also eingesperrt, wo der Kas (Aufseher) mit dem, am Bschdeck (Schlüsselbund) hängenden Klitsch (tschechisch für Schlüssel) den Hund (das Zellenschloss) vom Dschumpas (der Zelle) aufschliesst. Das Fenstagitta würde ein ausbruchswilliger Wiener - ein Fliaga oder Schimmla - übrigens mit einer englischn Hapfm (einer Feile in Form einer Schnur) durchsägen und dann beulisieren (abhauen) bzw. "an Schuach machen.” www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 7/2007
12. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Zwischen Nierenwäsche und Sandkiste
Heiße Luft und hohle Phrasen
Über die Dampfplauderei: Reden und Gerede in der österreichischen Politikgeschichte. Andrea Maria Dusl für den STANDARD vom 11./12.2.2007
Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut." 68 Jahre gehörte rhetorische Einfalt zum allerhöchsten der zitablen Gefühle. Kaiser Franz Joseph regierte einen Vielvölkerstaat mit der Unaufgeregtheit eines Provinztrafikanten. Ohne es zu wollen und sicher ohne es zu wissen, hat der pausbärtige Schönwettermonarch damit für Jahrhunderte den Grundton österreichischer Beredsamkeit gesetzt.
Die Vielfalt der k.u.k.-privilegierten Dampfplauderei hat Karl Kraus in Die letzten Tagen der Menschheit in atemberaubend genauen Vignetten beschrieben. Von den bierlüstern-deutschtümelnden Redeschwallen der Korporierten bis zur sedierenden Feiertagsansprache der katholisierenden Provinzpolitik hat die österreichische Rede auf ihrer langen Reise ins 21. Jahrhundert wenig an Unschärfe eingebüßt. Das mag der Grund sein, warum das Schweigen im Schnitzelland stets für Philosophie gehalten wird.
Sonnenkönig Bruno Kreisky schwieg vor allem, um den unkontrollierbaren Grant zu verbergen, der in ihm schwelte, wenn Körper und Urteilsvermögen von den versagenden Nieren nicht mehr entgiftet wurden. Vor seiner Nierentransplantationen ließ er wichtige Entscheidungen und heikle Termine gleich nach einer Blutwäsche legen, Kritikerschelte und Oppositionsdisziplinierung landeten im Irrsinn vor der Dialyse.
Sinowatz und der Schuhmachersohn
Von Kreiskys Nachfolger Fred Sinowatz sind keine lebensbedrohlichen Vergiftungen bekannt. Rotwein hob bei ihm weder Stimme noch Stimmung signifikant. Das österreichische "Republikum" hielt Sinowatz deswegen zu Unrecht für dröge. Es hatte noch die manisch-depressiven Schwankungen der trinkfrohen Tribune Figl und Raab in verklärter Erinnerung. Sinowatz kämpfte auch mit einem anderen Dämon. Der Logorrhöe eines jungen Populisten mit unsauberen politischen Sehnsüchten. Gegen das giftige Wettern des Schuhmachersohnes aus Bad Goisern wusste Sinowatz nur die pure Wahrheit zu bemühen: "Es ist alles sehr kompliziert." Es sollte noch viel komplizierter werden.
Von Franz Vranitzky sind keine Heißluftdispute in Erinnerung. Der Aufsichtsratsvorsitzende der ersten größeren Koalition seit Langem schwieg mit der Bedachtsamkeit eines erfolgreichen Bankiers. Hier ein Wort - und da. Kein Sätzchen zu viel. Ein Bundeskanzler ist kein Schuhverkäufer.
Übermut nicht schweigen tut
Eindeutig zu wenig sprach der Mann in der Hofburg. Der einstige UN-General hatte Gedächtnislücken in tragischen Teilen seiner Biografie. Kurt Waldheim schwieg stellvertretend für eine ganze Generation. Im Schweigeschatten Kurt Waldheims wurde eine Generation geschichtsverklärender junger Männer groß und übermütig: Jörg Haiders Buberlpartie. Ganz wie ihr Vorbild schulte das schnatternde Trüppchen seine Lippen in Redewettbewerben, Rhetorikseminaren und Wahlkampfreden.
Hochkonjunktur sollte die Produktion heißer Luft mit der Ablöse des schwatzhaften Bundeskanzlerdarstellers Viktor Klima durch seinen ehrgeizigen und tückischen Vizekanzler Wolfgang Schüssel bekommen.
Kaum hatte er im Bundeskanzlersessel Platz genommen, versagte sich Schüssel angesichts weltweiten Unwohlseins über seine Koalition den Diskurs. Zwischen Ballhausplatz und Hofburg wurde überhaupt geschwiegen.
In bester Erinnerung ist die schweigende Grabesmiene, mit der der Strassenbahnersohn aus Erdberg, UHBP Thomas Klestil die Angelobung von Wolfgang Schüssel und seinem Häufchen seltsamer Koalitionsgefährten hinter sich brachte. Von der Eisigkeit dieser Schweigemomente sollte sich Klestil nie wieder erholen.
Der Millimetternich
Das Spiel, das der Strategiemaniker Schüssel spielte, war für die einen klar, für die anderen unsichtbar: Die ÖVP-Politiker sollten sich durch staatsmännischen Gestus profilieren. Im besten Falle orientierte sich das an den guten Momenten Kreisky'scher Souveränität, im schlechtesten Fall geriet es zum nichtssagenden Verkaufsgeschwurbel oder zur pfäffischen Belehrung.
Schnattergänse wie Susanne Riess-Passer und Peter Westenthaler und der Sprachdadaist Herbert Haupt kämpften verbittert um die Hegemonie in der Kunst der hohlen Phrase. Niemand jedoch beherrschte die Artistik, mit vielen Worten absolut nichts zu sagen, so gut wie der ehemalige Lieblingsjüngling Jörg Haiders. Karl-Heinz Grassers Talent kam nicht von ungefähr. Als Sohn aus bestem Autohaus war ihm die Technik des Verkaufsgesprächs schon in den Kindersitz gelegt.
Schnatterprinz und Sandkistenkanzler
An diesen beiden Polen, seinem eigenen jesuitischen Schweigen und dem charismatisch-bübischen Schlagzeilensprech seines Kristallprinzes, spannte Wolfgang Schüssel den Sternenhimmel der konservativen Hegemonie auf. Dem depressiven Vollblutrhetoriker Jörg Haider war in diesem Zirkuszelt nur mehr die Rolle des alternden Clowns zugedacht.
Mit allem wollte Wolfgang Schüssel rechnen, nur nicht mit einem: Dass ausgerechnet der schwerfällig-hedonistische Alfred Gusenbauer ihn im direkten Duell besiegen würde. Das Szenario schien so unwahrscheinlich, dass ihm weder in der Strategieplanung Schüssels noch in der von Gusenbauer auch nur der Funken einer Chance eingeräumt wurde.
Die Kanzlerschaft überfiel Gusenbauer mit der Gewalt eines Tsunamis. Der begabte Redner und glaubwürdige Sorgenanwalt ramponierte sein frisch keimendes Image als Volkskanzler mit unbedachten Sprüchen und altklugen Phrasen. Noch vor Kurzem galt er als beratungsresistent - nun lief Gusenbauer angesichts versemmelter Regierungsverhandlungen und steil fallender Sympathiewerte in die Schweigekurve ein. Noch darf das plötzliche Verstummen des Ybbser Sandkistenkanzlers als erfrischend wahrgenommen werden!
Für DER STANDARD, Printausgabe 10./11.2.2007
9. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink
Puschelwahnsinn
Liebe Frau Andrea,
heute Nacht zappte ich durch den nächtlichen Senderwald und blieb zwischen “Finden - Sie - siebzehn - Tiere - die - sich - aus - den - Buchstaben - des - Wortes - Kettensägenmassaker - bilden - lassen” und “österreichische - Städtenamen - die - auf - z- enden” bei der Übertragung der American-Football-Super-Bowl hängen. Faszinierend: Die lamettaschwingenden Cheerleaders. Ist das die US-Variante von Samba?
Fragt etwas naiv Susanne Stelzhammer, Leopoldstadt
Liebe Susanne,
die atemberaubend proportionierten Studentinnen, die in Miniröcken und hautengen Tops, wuschelnde Pompom-Quasten schwingend, über das Stadiongrün hopsen, gehören zu Amerika wie Hamburger und Rock'n'Roll. Dabei war das Cheering - das Anfeuern viriler Footballcracks ursprünglich eine Männerdomäne. Das erste Cheerleading der Geschichte fand in den 1880ern an der Princeton University mit einem poetisch wenig elaborierten Schlachtruf statt: "Rah rah rah, tiger tiger tiger, sis sis sis, boom boom boom, ahhhhhhh, Princeton Princeton Princeton!" 1898 dirigierte dann ein gewisser Johnny Campbell die Schlachtrufe seiner Mitschreihälse an der University of Minnesota. In den 20ern und 30ern übernahmen zunehmend Studentinnen den Job. Den zündenden Funken für modernes Quastenschwingen lieferte das Fernsehen, das am 18. Jänner 1979, anlässlich der Super Bowl X, die testosteron-stimulierenden Kostüme und ausgeklügelt-spektakulären Tanzschritte der Dallas Cowboys Cheerleaders mit dem Scheinwerferlicht der grössten Fernsehsendung des Universums multiplizierte. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 06/2007
5. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings


